ADB:Kasthofer, Karl

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Kasthofer, Karl“ von Richard Heß in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 15 (1882), S. 437–438, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kasthofer,_Karl&oldid=- (Version vom 3. Dezember 2020, 02:02 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 15 (1882), S. 437–438 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Kein Wikipedia-Artikel
(Stand März 2019, suchen)
GND-Nummer 117495530
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|15|437|438|Kasthofer, Karl|Richard Heß|ADB:Kasthofer, Karl}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=117495530}}    

Kasthofer: Karl K., Forstmann, geb. 1777 in Bern, † am 22. Januar 1853. Er erhielt den ersten forstlichen Unterricht von seinem Vorgänger, Forstmeister Gruber in Bern, studirte dann drei Jahre lang auf den Universitäten Heidelberg und Göttingen, machte einen forstpraktischen Cursus am Harze durch und bereiste hierauf noch verschiedene Waldgebiete des nördlichen Deutschlands. 1806 wurde ihm die Oberförsterstelle im Berner Oberland mit dem Amtssitze in Unterseen übertragen. Hier wirkte er bis 1832 mit entschiedenem Erfolg. Die Bestände am kleinen und großen Rugen bei Interlaken und anderwärts zeugen von seinem Eifer für die Verbesserung der Forstwirthschaft. Außerdem beschäftigte er sich während dieser Zeit auch mit der praktischen Ausbildung junger Forstmänner und mit litterarischen Arbeiten. Im J. 1832 vertauschte er seine Oberförsterstelle mit derjenigen eines Kantonsforstmeisters in der Stadt [438] Bern, und 1838 wurde er sogar in den Regierungsrath daselbst gewählt. Aus Vorliebe für die Lösung volkswirthschaftlicher Fragen nahm er diese Wahl an, behielt aber seine Forstmeisterstelle daneben bei. Seine Hoffnung, dem Kanton als Mitglied der Regierung recht nützlich zu werden und dessen Wohl kräftigst zu fördern, verwirklichte sich leider nicht, indem seine ideale Richtung nicht immer die gehoffte Anerkennung fand, und oft sehnte er sich in seine frühere Thätigkeit nach dem Oberland, in die von ihm begründeten und gepflegten Wälder zurück. Bei der Erneuerungswahl (1844) wurde er nicht mehr in den Regierungsrath gewählt und sodann auch nicht mehr zum Kantonsforstmeister. Durch diese Zurücksetzung fühlte er sich bei seinem ohnedies reizbaren Temperament so verletzt, daß sich seine letzten Lebensjahre freudlos gestalteten. 1850 wurde er körperlich so leidend, daß er das Krankenlager nicht wieder verlassen konnte. Trotzdem erhielt sich sein Eifer und sein warmes Interesse am Forstwesen und namentlich auch für das Gedeihen des schweizerischen Forstvereins, zu dessen Stiftern er mit gehörte, bis zu seinem Tode.

K. veröffentlichte folgende Werke und Zeitschriften: „Bemerkungen über die Wälder und Alpen des Bernerischen Hochgebirgs“ (1818); „Der Lehrer im Walde“ (1828 und 1829 in 2 Theilen); „Der Lehrer im Walde und Gebirge“ (1. Jahrgang 1836); „Kurzer und gemeinfaßlicher Unterricht in der Naturgeschichte der nützlichsten einheimischen Waldbäume, in der Schlagführung zur Förderung der natürlichen Wiederbesamung der Wälder“ etc. (1847) u. s. w. Alle diese Schriften, welche in der Schweiz ziemlich verbreitet sind (namentlich findet sich „Der Lehrer im Walde“ fast in jedem Forsthause), bekunden einen lebhaften Berufseifer, eine sehr gute Beobachtungsgabe und eine richtige Auffassung der einheimischen forstlichen Verhältnisse. Ihre Tendenz geht dahin, beim Volk die leider in der Schweiz noch vielfach zu vermissende Liebe zum Wald zu erwecken und die zur Waldwirthschaft berufenen Personen (Gemeindevorsteher, Gutsbesitzer, Privatwaldeigenthümer, Förster) in allgemein faßlicher und leicht verständlicher Weise über die zweckmäßigste Behandlung der Wälder zu belehren. Wären die Rathschläge und Lehren Kasthofer’s mit Eifer und Ausdauer zu Anwendung gekommen, so würde der Zustand der Schweizer Alpenwälder sehr viel besser sein.

(Nach Privatmittheilungen.)