ADB:Kahlert, Karl August Timotheus

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Artikel „Kahlert, Karl August Timotheus“ von Hermann Palm in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 15 (1882), S. 3–5, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kahlert,_Karl_August_Timotheus&oldid=- (Version vom 23. September 2020, 02:35 Uhr UTC)
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Kahlert: Karl August Timotheus K., Dichter, Litteraturhistoriker und musikalischer Kritiker, wurde den 5. März 1807 zu Breslau geboren. Sein Vater Johann Gottlieb K., der sieben Jahre zu Malans in Graubünden als Erzieher im Hause des Grafen Salis-Seewis gewirkt hatte, lebte zuletzt in Breslau als Privatgelehrter. Der Sohn erhielt seine Bildung auf dem Gymnasium zu Maria-Magdalena unter dem Rector Manso, welcher die Neigung des Jünglings zu Kunst und Litteratur begünstigte und förderte. Auf den Universitäten zu Breslau (seit 1826) und Berlin (1827) betrieb er neben seiner [4] Hauptwissenschaft, der Jurisprudenz, geschichtliche und unter Hegel besonders eifrig auch philosophische Studien und trat namentlich in Berlin in vielfachen Verkehr mit Musikern und Dichtern. In diese Zeit fallen auch seine ersten dichterischen Veröffentlichungen. Zwar begann er 1829 in Breslau seine juristische Laufbahn als Auscultator und später als Referendar, gab sie aber aus Gesundheitsrücksichten 1833 auf und widmete sich ganz seinen schönwissenschaftlichen Bestrebungen. Durch litterar-historische Arbeiten bahnte er sich den Weg zur akademischen Wirksamkeit. Seine erste derartige Schrift: „Schlesiens Antheil an deutscher Poesie“, Breslau 1835, erwarb ihm große Anerkennung. Sie war grundlegend und fand sogleich durch Gervinus im 4. Bande seiner Litteraturgeschichte dankbare Verwerthung. Im J. 1836 wurde er auf seine Dissertation „De homoeoteleuti natura et indole“ Doctor der Philosophie und habilitirte sich in der philosophischen Facultät der Breslauer Universität. Einige Jahre später bekam er den Titel eines außerordentlichen Professors und hielt als solcher philosophische und literatur- und kunstgeschichtliche Vorträge, bis ein Rückenmarkleiden 1846 seiner öffentlichen Lehrthätigkeit ein Ziel setzte. Doch wirkte er privatim wissenschaftlich fort, theils durch Rath und That in den weiten Kreisen seiner Freunde und Bekannten, theils schriftstellernd auf den verschiedensten Gebieten, wenn auch zu größeren Werken ihm die Kräfte nicht mehr ausreichten. Ein auf Hegel’schen Grundlagen beruhendes „System der Aesthetik“ (Leipzig 440 S.) erschien noch 1846, und 1853 eine Monographie über Angelus Silesius; desto größer ist die Zahl kleinerer Aufsätze, die er in den verschiedensten wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlichte, darunter viele dankenswerthe Beiträge zur Geschichte schlesischer Dichter und Schriftsteller im 17. und 18. Jahrhundert, in Prutz’s litterar-historischem Taschenbuche 1844, in Henneberg’s Jahrbuch 1854, im Weimarischen Jahrbuch 3. Bd., in Prutz’s deutschem Museum u. a. m. Selbständig erschienen: „Briefe von Goethe und dessen Mutter an Fritz v. Stein, mit Einleitung“, Leipzig 1846; „Breslau vor hundert Jahren. Auszüge aus einer handschriftlichen Chronik“, Breslau 1840. Nicht minder zahlreich sind seine theoretischen und kritischen musikalischen Abhandlungen in der Leipziger neuen Zeitschrift für Musik von 1834–43 und der allgemeinen musikalischen Zeitung von 1842–50; denn neben seinem litterarischen Wissen besaß K. gründliche Kenntniß und ein feines Urtheil über neuere Musik. Es unterstützte ihn dabei theils eine reiche Bekanntschaft und weit verbreitete Correspondenz mit Künstlern und Schriftstellern, die den liebenswürdigen und wohlwollenden Kritiker suchten und sein Urtheil hoch schätzten, theils seine vieljährige Berichterstattung über die Breslauer Oper für die schlesische Zeitung. – Seine eigene dichterische Begabung darf nicht gerade hoch angeschlagen werden, weshalb er auch in seinen reiferen Jahren nichts originales mehr schaffen mochte. Aus seiner Jugend stammt ein idyllisches Epos in 6 Gesängen: „Ewald und Bertha“, 1829; „Romanzen“, 1834 und nach seinem Tode 1864 erschien ein Bändchen Gedichte mit einem Vorworte seines treuen Freundes Holtei; eine Reihe von Novellen, die zum Theil ins musikalische Gebiet streifen und meist im „Gesellschafter“ veröffentlicht wurden, fällt ebenfalls in sein jüngeres Alter („Cölestin“, 1826; „Donna Elvira“, 1829; „Der Kartendämon“, 1830; „Blätter aus der Brieftasche eines Musikers“, 1832; „Das Bild der Ahnfrau“, 1833; „Die Dilettanten“, 1833). Auch ein Lustspiel „Die Schwätzerin“ findet sich von ihm im 14. Jahrbuch deutscher Bühnenspiele. – Seine letzten Lebensjahre waren von schweren Leiden getrübt; er erlag ihnen am 29. März 1864. Als Mensch genoß er in den gelehrten und gesellschaftlichen Kreisen seiner Vaterstadt hohe Achtung, und durch Stiftungen sowie durch Schenkung seiner reichen Büchersammlung [5] an deren Bibliotheken hat er sich auch in Zukunft ein dankbares Andenken gesichert.

Nowack, Schlesisches Schriftstellerlexikon, 1. Bd. und Goedeke III. § 333.