ADB:Johann Casimir (Pfalzgraf bei Rhein zu Zweibrücken-Kleeburg)

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Artikel „Johann Casimir, Pfalzgraf zu Kleeburg“ von Arthur Kleinschmidt in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 14 (1881), S. 776–777, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Johann_Casimir_(Pfalzgraf_bei_Rhein_zu_Zweibr%C3%BCcken-Kleeburg)&oldid=- (Version vom 19. Februar 2020, 17:41 Uhr UTC)
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Johann Casimir *), Pfalzgraf zu Kleeburg, genannt „der Schwede“. J. C., der jüngste Sohn des Pfalzgrafen Johann I. des Aelteren von Zweibrücken und der Magdalena von Jülich und Cleve, wurde in Zweibrücken am 20. April 1589 geboren. 1606 bekleidete er das Rectorat der Universität Heidelberg. Am 12. August 1604 wurde er durch des Vaters Tod Besitzer einer kleinen Herrschaft, residirte zu Neukastel und seit 1617 in Kleeburg und begründete die pfalzgräfliche Linie zu Kleeburg; in Birlenbach baute er die Katharinenburg. J. C. war ein sehr eifriger Calvinist. Um sein Glück zu machen, ging er, durch Briefe des Landgrafen Moritz von Hessen empfohlen, 1613 an den verwandten schwedischen Hof. Trotz seiner zwei Schlösser, eines Marktfleckens und zehn kleiner Dörfer reichte ihm die Tochter König Karls IX. und Halbschwester Gustavs II. Adolf von Schweden, die geistvolle und energische Katharina (geb. am 19. Novbr. 1584) zu Stockholm am 21. Juni 1615 ihre Hand. Er liebte Ruhe, beschäftigte sich wenig mit den öffentlichen Angelegenheiten und besuchte zeitweilig die Kleeburger Heimath. Gustav II. Adolf hegte großes Vertrauen und echte Freundschaft zu ihm. J. C. nahm das innigste Interesse an seinem Vetter, dem unglücklichen Winterkönig Friedrich V. von der Pfalz und hat ihm große Dienste geleistet, auch Gustav Adolf immer von neuem für ihn interessirt. Darum plünderten 1620 die Kaiserlichen das Kleeburger Ländchen, der Pfalzgraf floh mit den Seinen nach Straßburg und ging 1622 nach Nyköping zurück. Hier lebte er abwechselnd mit Stegeborg, Stockholm, Braborgshus und Skeuas. Als Gustav Adolf 1630 nach Deutschland zog, übertrug er die Oberaufsicht über die Erziehung seiner Tochter dem Pfalzgrafen und seiner Gemahlin und stellte Ersteren an die Spitze des Kriegswesens in Schweden, 1631 aber übertrug er ihm statt dessen die Finanzverwaltung, von seiner Rechtlichkeit und seinem Eifer überzeugt. Wie sehr J. C. für den Winterkönig sich [777] verwandte, zeigen seine Briefe an den schwedischen Residenten im Haag, Ludwig Camerarius (s. Moser’s Neues Patriotisches Archiv, Bd. I.). Voll Thatkraft und Geschick leitete der Pfalzgraf die Geschäfte, aber die Großen haßten ihn als Ausländer und wegen seiner Sparsamkeit, fürchteten seinen Einfluß und argwöhnten, er beabsichtige die Vermählung seines ältesten Sohnes Karl Gustav mit der Thronerbin Christine, die mit diesem erzogen wurde. Nach Gustav Adolfs Tode rasteten sie darum nicht, bis sie ihn verdrängt hatten; freiwillig zog sich der kluge Mann 1633 zurück. Königin Christine aber, die ihn und seine Gemahlin hoch verehrte, erhielt ihm ihre vollste Gunst und blieb mit ihm in regem Briefwechsel und Verkehr. J. C. bewahrte, allen Einflusses beraubt, dem schwedischen Adel, voran Oxenstierna, einen von ihnen reichlich vergoltenen Haß. Am 23. Decbr. 1638 verlor er zu Westeras seine treffliche Gemahlin. Schweden war ihm zur anderen Heimath geworden, aber die Großen blieben ihm feind und nur bei außerordentlichen Gelegenheiten kam er nach Stockholm. 1649 wurde sein ältester Sohn zum Thronfolger in Schweden erwählt und am 16. Juni 1654 als Karl X. Gustav König von Schweden. J. C. aber starb auf Schloß Stegeborg in Ostgothland am 18. Juni 1652 und ruht mit seiner Gemahlin im Dome zu Strengnaes.

Droysen, Gustav Adolf, Bd. II. Leipzig 1870. Geijer, Gesch. Schwedens, Bd. III u. IX, Hamburg 1836 und Gotha 1855. von Lundblad, Geschichte Königs Karl X. Gustav, Bd. 1. Berlin, Posen und Bromberg 1826. Häusser, Geschichte der rheinischen Pfalz, Bd. II. Heidelb. 1845. Grauert, Christina Königin von Schweden und ihr Hof, Bd. I. Bonn 1837.

*) Zu Bd. XIV, S. 314.