ADB:Jasche, Christian Friedrich

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Artikel „Jasche, Christ. Friedrich“ von Wilhelm von Gümbel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 13 (1881), S. 727–728, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Jasche,_Christian_Friedrich&oldid=- (Version vom 6. Juli 2020, 10:16 Uhr UTC)
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Jasche: Christ. Friedr. J., Dr. der Phil., gräflich Stolberg-Wernigerodischer Bergcommissär, bekannt als Schriftsteller auf montanistischem, mineralogischem und geognostischem Gebiete, war 1781 zu Wernigerode geboren und starb 1871 zu Ilsenburg. J. studirte in Berlin und begab sich sodann auf wissenschaftliche Reisen. 1819 trat er die Stelle eines gräfl. Stolberg-Wernigerodischen Bergcommissärs zu Büchenberg am Harz an und übernahm 1819 die Direction der Hüttenwerke zu Ilsenburg, gab jedoch später seine dienstliche Stellung auf und lebte als Privatmann der Wissenschaft. Seine erste bemerkenswerthe [728] litterarische Arbeit kam 1811 im Selbstverlag unter dem Titel: „Das Wissenwürdigste aus der Gebirgskunde“ heraus. In zweiter Auflage erschien sie auch unter dem Titel: „Anleitung zur Gebirgskunde“ 1816 im Buchhandel. Aus den Lehrvorträgen Karsten’s, eines der hervorragendsten Schüler von Werner, hervorgegangen und durch eigene Erfahrungen erweitert, gibt dieses mit großem Fleiße verfaßte Compendium uns ein zutreffendes Bild von dem Standpunkte der geognostischen Wissenschaft im ersten Decennium unseres Jahrhunderts und hat daher einen historischen Werth. Wir ersehen daraus, daß der Verfasser über Werner hinaus eine Unterscheidung der Gebirge in solche neptunischen und vulkanischen Ursprungs macht. Erstere gliedert er, wie damals allgemein üblich, in die vier Abtheilungen des Urgebirges, des Uebergangs, Flötz- und aufgeschwemmten Gebirgs. Die letzteren sind nach seiner Auffassung auf trockenem Wege durch vulkanisches Feuer und Erdbrände erzeugt, wie z. B. die Lava; ausgeschlossen werden jedoch die Gesteine der sogen. Trachytformation (mit dem Basalte) und der Porphyrformation, welche sich J. durch besonders energische chemische Thätigkeit auf neptunischem Wege entstanden denkt. Ein zweiter Abschnitt des Werkes gibt in tabellarischer Form eine sehr vollständige Petrographie, wobei in eigenthümlicher Weise nach den fünf großen Abtheilungen jeder Hauptgebirgsart eine Anzahl untergeordneter Glieder beigeschlossen werden. Unter Jasche’s übrigen Publikationen sind zu nennen: „Ueber rothes, kohlensaures Manganerz von Büchenberg bei Elbingerode“ (Gilbert’s Ann., LX. 1818); „Kleine mineralogische Schriften“, 1817; „Ueber Kieselmangan am Harz“ (Gilbert’s Ann., LXI. 1819); „Bemerkungen über die Krystalle des in starkem freiem Röstfeuer geschmolzenen Eisensteins“ (Karsten’s Arch., IX. 1825); „Von Altenrode“, 1830; „Mineralogische Studien“, 1838; „Uebersicht der Gebirgsformation der Erde“, 1843; „Ueber die in der Grafschaft Wernigerode aufgefundenen mineralogischen einfachen Fossilien“, 1852. Besonders hervorzuheben ist die letzte Arbeit Jasche’s: „Die Gebirgsformationen in der Grafschaft Wernigerode am Harz nebst Bemerkungen über die Steinkohlenformation in der Grafschaft Hohenstein“, 1858. Darin schildert der Verfasser die am Harz besonders durch ihre Mannichfaltigkeit interessanten Gebirgsbildungen in eingehender Weise und liefert durch die Darstellung zahlreicher örtlicher Verhältnisse und Vorkommnisse auch für die späteren geologischen Forschungen noch werthvolle Beiträge zur Kenntniß des Harzgebirges. Die zahlreichen von ihm gesammelten Petrefacten lieferten theilweise die Grundlage zu Römer’s späteren paläontologischen Mittheilungen: „Die Versteinerungen des Harzgebirges“. J. wurde in Anerkennung seiner wissenschaftlichen Leistungen von zahlreichen gelehrten Gesellschaften zum Mitgliede ernannt, so z. B. von der mineralogischen Societät zu Petersburg, von der mineralogischen Societät zu Jena, von der Gesellschaft naturforschender Freunde zu Halle, von der Académie nationale zu Paris etc.

Keßlin, Nachrichten etc., S. 193. Poggendorff, Biogr. Lex., I. 1191.