ADB:Heinrich von Verdun

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Artikel „Heinrich von Luxemburg, Bischof von Lüttich“ von Nicolas van Werveke in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 11 (1880), S. 534–535, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Heinrich_von_Verdun&oldid=- (Version vom 28. November 2020, 21:25 Uhr UTC)
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Heinrich von Luxemburg, Bischof von Lüttich (1076–91), stammte aus der älteren Linie der Luxemburger, nicht regierenden Grafen; er war Sohn Friedrichs, Grafen von Tull und Herzogs von Lothringen, wol aus dessen erster Ehe mit der Gräfin Gerberge von Bouillon. Seine Jugend verbrachte er theils zu Tull, theils zu Verdun, nach Vollendung seiner Studien ward er Erzdiakon zu Verdun. Als nach dem im J. 1075 erfolgten Tode des Bischofs Theoduin von Lüttich das Domcapitel sich nicht über die Wahl eines Nachfolgers einigen konnte, setzte es Gottfried, Herzog von Bouillon, bei K. Heinrich IV. durch, daß H. im J. 1076 zum Bischof von Lüttich ernannt und vom Capitel anerkannt wurde; er wurde in Lüttich mit offenen Armen empfangen und vom Kölner Erzbischof Anno geweiht. Auf den Rath Anno’s unternahm es H. zuerst, gegen den Abt von St. Lorenz, Wolbodo, zu verfahren, der von ihm seines Amtes entsetzt wurde; der Abt wendete sich indeß nach Rom, worauf die Entscheidung dem Metzer Bischofe Hermann anheimgestellt wurde. Auf seiner im J. 1079 unternommenen Romreise wurde er vom Grafen Arnulph angefallen, aller seiner Güter beraubt und noch dazu durch einen Eid verbunden, das Geraubte niemals zurückfordern zu wollen; der Papst nahm sich der Sache an, enthob den Bischof seines Eides und lud ihn, sowie auch den Bischof von Verdun, ein, gegen den Grafen zu verfahren. Ein nicht geringes Verdienst erwarb er sich einige Jahre später (1082) durch den sog. Lütticher Frieden, wodurch Albert III., Graf von Namur, und dessen Bruder Heinrich-Hermann, Pfalzgraf von Niederlothringen, Gottfried von Bouillon, Konrad, Graf von Luxemburg, H. und mehrere Andere zu Lüttich ein Tribunal einsetzten, welches über alle Friedensstörungen innerhalb des Bisthums urtheilen [535] und dem in vollster Blüthe stehenden Fehdewesen Einhalt gebieten sollte. Im J. 1085 ward er in einen Streit verwickelt, der sich nach dem Tode Adelards, Abtes von St. Pruyn, zwischen zwei Nebenbuhlern, Lanzo und Lupo, erhoben hatte; Bischof H. nahm sich des Lanzo an, und als dieser von Lupo vertrieben worden war, rückte er mit Heeresmacht vor das Kloster, belagerte es und zwang die Mönche, den Lanzo als Abt anzuerkennen. In dem zwischen Gottfried von Bouillon und dem Bischofe von Verdun wegen der Grafschaft Verdun entstandenen Streite trat H. als Vermittler auf; eine Zusammenkunft in der Abtei St. Hubert führte indeß zu keinem günstigen Resultate, und da bald auch der Graf von Namur, der sich dem Bischof von Verdun angeschlossen hatte, in Voraussicht künftiger Kämpfe das unfern St. Hubert gelegene Mirwart zu befestigen anfing, kaufte Bischof H. das Schloß sammt den Herrschaften Gras und Grupont; 1089 vermittelte er endgültig jenen hartnäckigen Streit. Wegen seiner steten Bemühungen um den Frieden erhielt er schon bei Lebzeiten den Namen des Friedensstifters oder des Friedfertigen. Er starb am 2. November oder nach Anderen am 31. Mai 1091, und ward zu Huy begraben.

Neyen, Biographie luxemburgeoise, der zugleich die anderen Quellenschriften angibt.