ADB:Hartmann, Julius (preußischer Generalleutnant)

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Artikel „Hartmann, Julius“ von Bernhard von Poten in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 50 (1905), S. 33–34, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hartmann,_Julius_(preu%C3%9Fischer_Generalleutnant)&oldid=- (Version vom 21. Januar 2021, 09:27 Uhr UTC)
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Hartmann: Julius H., königlich preußischer Generallieutenant, wurde am 19. Mai 1821 zu Hannover in der Vorstadt Glocksee geboren. Sein Vater war Schatzrath, der General Sir Julius H. (A. D. B. X, 688) sein Verwandter. Am 1. October 1835 trat er als Cadett bei der Artillerie, der Waffe, welcher der letztere angehörte, in die königlich hannoversche Armee, wurde am 16. Mai 1839 Officier, vervollständigte seine militärische und allgemeine Bildung (1842/43) während eines einjährigen Aufenthaltes zu Berlin durch den Besuch der allgemeinen Kriegsschule (jetzt Kriegsakademie) und der Universität, nahm, am 29. Juli 1843 zum Premierlieutenant aufgerückt, an den Feldzügen der Jahre 1848 und 1849 gegen Dänemark in Schleswig-Holstein theil, wurde am 31. Mai 1851 Hauptmann 2. Classe, am 1. October 1856 Batteriechef und am 22. Mai 1865 Major. Neben seinen übrigen Dienstverrichtungen war er seit 1849 als Lehrer an den Militär-Bildungsanstalten seines Standortes, der Stadt Hannover, und in den Jahren 1846–1851 auch bei den Arbeiten der Landesaufnahme thätig. Als zum Feldzuge des Jahres 1866 die hannoverschen Truppen sich um Göttingen versammelten, erhielt Major H. zunächst den schwierigen, aber mit Geschick erfüllten Auftrag, die für die Theilnahme am Kriege bestimmten Batterien und Munitionsscolonnen moglichst feldmäßig auszustatten; dann übernahm er das Commando der Reserveartillerie, welches er bei Langensalza führte. Eine Flugschrift, welche er bald darauf, als es sich um den Eintritt der hannoverschen Officiere in den preußischen Dienst handelte, diesen mit Nachdruck befürwortend unter dem Titel „Der Hannoverschen Artillerie zur Erinnerung“ veröffentlichte fand bei seinen Kameraden mannichfachen Widerspruch. Nachdem König Georg V. sie [34] ihres Eides entbunden hatte, meldete H. sich zur Aufnahme in die preußische Armee und wurde am 9. März 1867 zum Abtheilungscommandeur im 11. Feldartillerieregimente in Kassel ernannt, aber schon am 18. August 1868 in die Artillerie-Prüfungscommission nach Berlin berufen, am 11. Februar 1869 zum Vorstande der Versuchsabtheilung dieser Behörde und am 18. Juni d. J. zum Oberstlieutenant ernannt. Beim Ausbruche des Krieges gegen Frankreich ward er, dem Obercommando der III. Armee unter dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm von Preußen zugetheilt, dem Stabe des zunächst mit Leitung der Belagerung von Straßburg betrauten Generals v. Werder überwiesen. In dieser Verwendung ist er bis zur Beendigung des Krieges geblieben. Er hat sie in seinem Buche „Erlebtes aus dem Kriege 1870/71“ (Wiesbaden 1885) geschildert. Die von ihm geleisteten Dienste fanden die höchste Anerkennung durch Verleihung der 1. Classe des Eisernen Kreuzes. Nach Friedensschluß trat er für kurze Zeit in sein früheres Verhältniß bei der Artillerie-Prüfungscommission, dann aber, inzwischen zum Oberst befördert, am 23. November 1871 als Commandeur des Festungsartillerie-Regiments Nr. 4 zu Magdeburg in den Frontdienst zurück, wurde am 9. Juni 1874 Commandeur der 2. Fußartillerie-Brigade zu Berlin, am 22. März 1876 Generalmajor und am 11. Juni 1881 auf sein Ansuchen mit dem Charakter als Generallieutenant pensionirt, behielt seinen bleibenden Wohnsitz in Berlin, starb aber auf einer Reise am 13. Juni 1892 zu Hannover.

Nachdem er während seiner Dienstzeit noch als Verfasser von „Vorträgen über Artillerie“ (Hannover 1858) und von „Artillerieorganisation“ (Hannover 1864) im Bereiche der Waffe, welcher er angehörte, litterarisch thätig gewesen war, betrat er nach seinem Ausscheiden ein ganz anderes Gebiet, das der schönen Wissenschaften, und veröffentlichte zuerst „Erinnerungen eines deutschen Officiers 1848–1871“ (1882), auf dem Hintergrunde von Selbsterlebtem aus Hannover und Schleswig-Holstein; dann „Wandel der Zeiten“ (1888), vier Erzählungen wie es in Hannover vor 1803 war und nach 1803 wurde, und einen Roman „Zu spät erkannt“ (1888).