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Artikel „Fritzsche, Karl Julius“ von Albert Ladenburg in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 8 (1878), S. 122–123, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Fritzsche,_Karl_Julius&oldid=- (Version vom 14. Dezember 2019, 23:30 Uhr UTC)
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Band 8 (1878), S. 122–123 (Quelle).
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Fritzsche: Karl Julius F., bekannter Chemiker, geboren am 17. October 1808, gestorben am 8. Juni 1871, lebte in Petersburg als Mitglied der St. Petersburger Akademie der Wissenschaften. Er wurde geboren in Neustadt bei Stolpen in Sachsen, wo sein Vater, Christian Ferdiand F., Dr. med., Amtsphysikus [123] war, seine Mutter stammte aus der in der Wissenschaft bekannten Familie Struve. Obgleich F. nicht das Gymnasium besuchte und sich mit seinem 14. Jahre der Pharmacie widmete, wurde er 1830 in Berlin Assistent des berühmten Mitscherlich, der sich für seine Begabung interessirte und seine wissenschaftliche und allgemeine Bildung in hohem Grade förderte. 1834 siedelte F. nach Rußland über, wurde 1838 Adjunct, 1844 außerordentlicher und 1852 ordentlicher Akademiker in St. Petersburg, außerdem war er Mitglied vieler wissenschaftlicher Commissionen, in denen er seine Kenntnisse zum praktischen Nutzen für seinen neuen Heimathsort verwerthete. Fritzsche’s erste Abhandlung „Ueber den Pollen“, seine Doctorschrift „Dissertatio de plantarum polline“ und noch mehrere andere sind botanischer Natur; bald wendete er sich aber der Chemie ganz zu, und in dieser Wissenschaft hat er sich einen bleibenden, geachteten Namen gemacht, besonders durch vier Arbeiten, die er nebst vielen anderen, weniger bedeutenden Untersuchungen in den Publicationen der St. Petersburger Akademie veröffentlichte. In seiner Abhandlung über das Murexid studirt er die Natur jenes prachtvollen rothen Farbstoffes und erkennt dasselbe als Ammoniumsalz der Purpursäure. Er entdeckte ferner eine merkwürdige Veränderung des Anthracens, das durch Einwirkung des Sonnenlichts in das isomere Paranthracen übergeht, eine ebenso bemerkenswerthe Veränderung des Zinns, welches einige Zeit einer starken Kälte im Carré’schen Apparat ausgesetzt, theilweise krystallinisch wird, bei einer noch längeren Abkühlung in graues Pulver zerfällt. Endlich entdeckte er die Verbindungen der Pikrinsäure mit Kohlenwasserstoffen, welche jetzt zur Trennung und Reinigung hochsiedender, complicirter Kohlenwasserstoffe benützt werden. Fritzsche’s Verdienste wurden durch Ernennung zum Mitgliede vieler inländischer und ausländischer wissenschaftlicher Gesellschaften anerkannt.