ADB:Friedrich, Friedrich

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Artikel „Friedrich, Friedrich“ von Franz Brümmer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 49 (1904), S. 139–142, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Friedrich,_Friedrich&oldid=- (Version vom 14. Juli 2020, 08:06 Uhr UTC)
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Friedrich: Friedrich F., Romanschriftsteller und Novellist, wurde am 2. Mai 1828 in Groß-Vahlburg, einem Dorfe im Herzogthum Braunschweig, geboren. Sein Vater, Prediger daselbst, unterrichtete den Sohn bis zum zehnten Jahre selber und brachte ihn dann, da er ihn gleichfalls zu einem Geistlichen [140] herangebildet zu sehen wünschte, auf das Gymnasium in Wolfenbüttel, nach dessen Absolvirung F. 1847 zunächst die Universität Göttingen bezog, an der er Philosophie und Theologie studirte. Aber schon in Halle, wohin er von Göttingen ging, zogen ihn die philosophischen, litterarhistorischen und geschichtlichen Vorlesungen eines Ritter, Erdmann, Schaller und Prutz mehr an als die Theologie, für die er einen inneren Beruf nicht verspürte. In Jena gab er dann auch das Studium der letzteren ganz auf und widmete sich ausschließlich den erstgenannten Disciplinen. Nachdem er sich hier die Doctorwürde erworben, ging er 1853 nach Leipzig, wo er eine Stellung an der „Illustrirten Zeitung“ annahm und damit in die journalistische Laufbahn einlenkte. Seit 1856 war er als selbständiger Schriftsteller thätig, und die reichen Erfolge, mit denen seine eigenen litterarischen Arbeiten gekrönt wurden, veranlaßten ihn, die redactionelle Thätigkeit bald abzuschließen. Die ihm dadurch gewährte freie Verfügung über seine Zeit gab ihm Gelegenheit, für die Ziele seiner Berufsgenossen rücksichtlich ihrer Existenz einzutreten, und in dienstfertiger und opferwilliger Weise jeden gemeinnützigen Zweck zu unterstützen. So wirkte er im Vorstande der Schillerstiftung und mehrere Jahre als Vorstand des Leipziger Schriftstellervereins, in welcher Eigenschaft er 1865 den ersten deutschen Schriftstellertag nach Leipzig berief und hierbei die umsichtigste Thätigkeit entfaltete. Im J. 1867 siedelte F. nach Berlin über, wo er zwei Mal Vorsitzender des Vereins „Berliner Presse“ war und auch von der Regierung in den zur Ausarbeitung eines Gesetzentwurfs über das Urheberrecht an Schriftstücken eingesetzten Ausschuß berufen ward. Von 1872 bis 1876 lebte er in Eisenach, wo er am Fuße der Wartburg eine Villa erworben hatte, und kehrte dann nach Leipzig zurück. Hier regte er 1878 die Gründung des „Allgemeinen deutschen Schriftstellerverbandes“ an, dem er Zeit und Kraft in vollstem Maße widmete und dem er als Vorsitzender bis 1885 angehörte. In diesem Jahre verlegte er seinen Wohnsitz nach Dresden, und in dem benachbarten Plauen ist er am 13. April 1890 gestorben.

F. gehörte zu den gelesensten Erzählern seiner Zeit; denn er schrieb anregend und spannend; überdies behandelte er meist Fragen der Gegenwart und gebot über eine weitschauende Lebenserfahrung. Allerdings gehören seine Romane nicht zu den Werken ersten Ranges, indeß was er in ihnen bietet, hat einen guten Kern und dringt auf Klärung socialer Verhältnisse und Beseitigung gesellschaftlicher Schäden. So werden fast alle derartigen Arbeiten zu Tendenzromanen. Wie er in „Die Orthodoxen“ (II, 1857), einem Roman, der in mehreren deutschen Staaten verboten ward, in „Des Zweiflers Umkehr“ (II, 1858), „Die Frau des Ministers“ (II, 1871), „Fromm und frei“ (III, 1872) der heuchlerischen Frömmelei zu Leibe geht, schildert er in andern, wie „Der Tod des Verräthers“ (1865), „Die Vorkämpfer der Freiheit“ (III, 1867), „Hie arm – hie reich!“ (II, 1878), „Die Schloßfrau“ (III, 1883), „Am Horizont“ (II, 1883), „Des Hauses Ehre“ (II, 1884), „Mit den Waffen“ (III, 1885), „Das Pflegekind des Junggesellen“ (II, 1886), „In der Hochfluth“ (II, 1887), „Charaktere“ (II, 1888), „Vorurtheile“ (II, 1888), „Nach Glück“ (III, 1889), „Entartet“ (II, 1889) die Verhältnisse der verschiedenen Gesellschaftskreise und ihren Einfluß auf die Entwicklung des Charakters. Am bedeutendsten ist wol sein Roman „Die Frau des Arbeiters“ (III, 1887), der die Natur des socialdemokratischen Staates und seiner Vertreter, sowie die Folgen der Agitation derselben vor Augen führt und geeignet ist, den Leser von den Netzen dieser Volksbeglücker fern zu halten. Die eigentliche Domäne Friedrich’s ist aber die Erzählung und besonders die Criminalnovelle. Hierin hat er die höchste Volksthümlichkeit erreicht; denn er sucht [141] seine Stoffe bei dem Volke und führt sie dem Leser einfach und klar, ohne Wortprunk und gesuchte Effecte vor und bietet überall eine sittliche Idee als Grundlage. Zu erwähnen sind seine Sammlungen von Erzählungen „Aus dem Volksleben“ (II, 1889), „Deutsches Leben“ (II, 1861), „Pereat Napoléon“ (1869), „Tolle Streiche“ (1870), „Wider das Gesetz“ (1872), „Heiße Herzen“ (II, 1874), sowie die Einzelerzählungen „Der Hausirer“ (1859), „Die Armesünderglücke“ (1864), „Die Sonne bringt es an den Tag“ (1866), „Nemesis“ (1867), „Schlaue Leute“ (1867), „Der Polizeityrann“ (1868), „Der Dorfteufel“ (1868), „Der Moorjunker“ (1868), „Der Deichbauer“ (1869), „Ausgesöhnt“ (1870), „Die verschwundene Depesche“ (1870), „Nur ein Diener“ (1871) und „Von Sünde zu Sünde“ (1873). Daß F. auch über einen trefflichen Humor verfügte, zeigen seine „Jubelerinnerungen“ (1858) und die „Studentenfahrten“ (1859), beide zum 300jährigen Jubelfest der Universität Jena geschrieben, ferner die humoristischen Skizzen „Kriegsbilder“ (1860), „Leipziger Meßbilder“ (1860), „Das Buch von der Liebe“ (1865), „Lust und Leid hinter den Coulissen“ (1867), „Ehemänner und Ehefrauen“ (1866); die letzteren wurden sogar in verschiedene Sprachen übersetzt. Elf Jahre nach dem Tode des Schriftstellers (1901) erschienen in Leipzig sechs neue Romane von „Friedrich Friedrich“ und zwar „Schwer geprüft“, „Unvergessene Sünden“, „Treu in Liebe“, „Der Dämon des Spiels“, „Der Geheimnißvolle“ und „Ueber Klippen“. Meine Nachforschungen ergaben, daß sie sämmtlich von unserm Autor herrühren und Buchausgaben von Arbeiten sind, die früher hier und dort in Zeitschriften veröffentlicht wurden.

Emmy Friederike Charlotte F., die Gattin des Vorigen und unter dem Namen Emmy von Rhoden als Jugendschriftstellerin bekannt, wurde 1832 in Magdeburg als die Tochter des Bankiers Kühne geboren, erhielt hier eine sehr sorgfältige Erziehung und verheirathete sich 1854 mit Friedrich F. in Leipzig. In einem selten glücklichen Familienkreise widmete sie sich ganz den Pflichten der Gattin und der Mutter zweier Kinder. Von Jugend auf von einem großen Interesse für die Poesie und Litteratur erfüllt, nahm sie in der innigsten Weise an dem geistigen Schaffen ihres Mannes theil und war oft der strengste Kritiker seiner Arbeiten. Nur ihrer Neigung folgend, schrieb sie mehrere kleine Erzählungen, die gern Aufnahme fanden im „Familienbuch des Oesterreichischen Lloyd“ und in der in Berlin herausgegebenen „Viktoria“. Obwol dieselben Beifall fanden und die Autorin daher zu weiteren Arbeiten aufgemuntert wurde, schätzte sie doch ihre Pflichten als Gattin und Mutter höher, und erst, als sie 1876 wieder nach Leipzig zurückgekehrt war und hier in Freundeskreisen mannichfache Anregung fand, auch die Sorge für die bereits herangewachsenen Kinder sie nicht mehr so sehr in Anspruch nahm, schrieb sie zunächst zwei Erzählungen für die Jugend, „Das Musikantenkind“ (1884, 3. Aufl. 1894) und die Weihnachtsgeschichte „Lenchen Braun“ (1884, 3. Aufl. 1897), welche beide beim Publicum und bei der Kritik die glänzendste Aufnahme fanden. Aufgemuntert durch diesen Erfolg, den sie in ihrer Bescheidenheit gar nicht erwartet hatte, schrieb Emmy F. ihre Erzählung „Der Trotzkopf. Eine Pensionsgeschichte für erwachsene Mädchen“ (1885), welche bereits 1897 in 25. Auflage erschien. Leider sollte sich die Verfasserin nicht mehr an diesem außerordentlichen Erfolge erfreuen. Ihre Gesundheit war schon seit Jahren stark angegriffen, und trotz aller Pflege und aller Bäder gelang es nicht, dieselbe wieder zu befestigen. Die Leipziger Luft bekam ihr nicht; sie siedelte deshalb mit ihrer Familie am 1. April 1885 nach Dresden über; aber schon am 7. April d. J. wurde sie den Ihrigen durch den Tod entrissen. – Ihre Tochter Else, geboren am 10. Januar 1863 und seit 1885 mit dem jetzt [142] am Reichsgericht in Leipzig fungirenden Rechtsanwalt Dr. Wildhagen verheirathet, schrieb auf vielseitiges Drängen der Freunde des „Trotzkopf“ zwei Fortsetzungen, „Aus Trotzkopfs Brautzeit“ (1892, 12. Aufl. 1896) und „Aus Trotzkopfs Ehe“ (1894, 5. Aufl. 1896), die sich gleicher Beliebtheit erfreuen.

Persönliche Mittheilungen. – Dresdener Anzeiger v. 15. April 1890. – Illustrirtes Unterhaltungsblatt, Jahrg. 1874, Nr. 1.