ADB:Franck, Fabian

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Franck, Fabian“ von Adolf Schimmelpfennig in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 7 (1878), S. 210–211, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Franck,_Fabian&oldid=- (Version vom 25. Januar 2022, 14:08 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Franck, David
Band 7 (1878), S. 210–211 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Fabian Frangk in der Wikipedia
GND-Nummer 119062550
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|7|210|211|Franck, Fabian|Adolf Schimmelpfennig|ADB:Franck, Fabian}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=119062550}}    

Franck: Fabian F., erster deutscher Orthograph, geb. um 1500 in Aßlau bei Bunzlau, erwarb sich, ohne eigentlich gelehrte Studien gemacht zu haben, als Schulhalter solchen Ruf und solches Vertrauen, daß er ausersehen wurde, den zweiten Sohn des Kurfürsten Joachim I. von Brandenburg, den Markgrafen Johann, im Schreiben und Lesen zu unterrichten. Später finden wir ihn als Bürger in Bunzlau in eignem Hause deutsche Schule halten und hier gab er 1531 sein Lehrbuch „Teutscher Sprach Art vnd Eygenschafft. Orthographie, Gerecht Buochstaabig Teutsch zu schreiben“, verbunden mit einem Kanzlei- oder Formelbuch, 44 Bl., heraus, auf dessen Wichtigkeit Rudolph von Raumer in seiner Geschichte der Pädagogik zuerst aufmerksam gemacht hat. Von Kurfürst Joachim II. von Brandenburg nach seinem Regierungsantritte nach Frankfurt a. O. berufen, um „eine ordentliche deutsche Schul für die gemeine Jugend, so zum Studio zum Theil ungeschickt, zum Theil auch unvermögend sind, anzurichten, damit sie in deutscher Sprache und sonst in dem, so ihnen zu ihrem Beruf und Gewerb dienen möcht, gründlich unterweist werde“, veranstaltete F., um nicht „als Müßiggänger und unnützer Knecht“ befunden zu werden, für seine Schule eine neue vermehrte und verbesserte Ausgabe seines Werkes unter dem Titel: „Das Cantzlei vnd Titelbüchlin sampt der Orthographien M. Fabiani Franck’s, wie man Sendbriefe förmlich stellen, Jdem Stand seinen gebürlichen Titel geben, Darzu recht Deutsch schreiben vnd reden soll. 1538. Wittemberg.“ 176 Blätter in 8° und dedicirte sie seinen fürstlichen Gönnern Joachim und Johann. Seine Forderung, daß „man voraus recht und rein deutsch lerne“, und in der That ist seine Anweisung zur Orthographie zugleich eine Sprachlehre, und daß man alsdann „jeglich Wort mit gebührlichen Buchstaben schreibe, daß kein Buchstab müssig oder zu viel noch zu wenig sei“, zeigt von feinem pädagogischen Takt. Dabei geht er überall auf Luthers, nicht blos in der Sprache, sondern auch in Orthographie Grund legende Bibelübersetzung zurück und baut auf dieser classischen Autorität sein eignes System auf. Ganz abgesehen von seinem großen Verdienste um die damals erst im Entstehen begriffene Bürger- und Volksschule, macht ihn seine, in jener Zeit der unbestrittenen Herrschaft der classischen Sprachen so seltene Liebe zur Muttersprache, welche, „so lustig, nützlich und tapfer in ihrer Redmaaß, auch so weit kundig als irgend eine andere“, gleichwohl über dem Latein so vernachlässigt werde, „daß es uns billig schamroth machen sollt“, in hohem Grade verehrungswürdig. Wenn Franck sich auf dem Titel seines Buches Magister [211] und gelegentlich „freier Künste Magister“ nennt, während er anderwärts sich „den ungelehrten Laien, so der Hauptsprachen nicht geübt noch kundig“, zuzählt, so bleibt fast blos die Annahme übrig, daß dieser Grad dem Lehrer des Prinzen Johann von Brandenburg honoris causa durch einen Pfalzgrafen, die dazu ein Recht hatten, ertheilt worden sein mag. Das Jahr seines Todes ist unbekannt.

Die Raumer unbekannte zweite Ausgabe des Franck’schen Buches hat Dr. Franz Weber in Halberstadt in seinem Aufsatze: „Magister Fabian F., der erste deutsche Orthograph“, Zeitschrift des Vereins für Geschichte und Alterthum Schlesiens, V, S. 361–372, beschrieben.