ADB:Fürstenberg, Heinrich VII. Graf von

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Fürstenberg, Graf Heinrich VII. und Graf Wolfgang“ von Sigmund Ritter von Riezler in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 8 (1878), S. 223–226, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:F%C3%BCrstenberg,_Heinrich_VII._Graf_von&oldid=- (Version vom 21. Februar 2020, 01:34 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 8 (1878), S. 223–226 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Heinrich VII. (Fürstenberg) in der Wikipedia
GND-Nummer 136575471
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|8|223|226|Fürstenberg, Graf Heinrich VII. und Graf Wolfgang|Sigmund Ritter von Riezler|ADB:Fürstenberg, Heinrich VII. Graf von}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=136575471}}    

Fürstenberg: Graf Heinrich VII. (geb. 1464) und Graf Wolfgang (geb. 3. April 1465), Landgrafen in der Baar, Söhne des Grafen Konrad v. F. und der Gräfin Kunigunde von Matsch. 1491 theilten die Brüder die durch den Tod des Vaters (1484, 24. April) und des Vetters Heinrich v. F.-Wolfach (1490, 30. Novbr.) angefallenen Lande, wobei Heinrich der größere Theil der Baar, Wolfgang vornehmlich die Kinzigthaler Herrschaften zufielen. Zugleich begründeten sie das Fideicommiß ihres Hauses, indem sie festsetzten, daß ohne Zustimmung der Agnaten von den Bestandtheilen ihrer Herrschaften nichts veräußert werden dürfe. Ueber Heinrich gleich anderen schwäbischen Herren als Aufhetzer und Anhänger Herzog Sigmunds, hatte Kaiser Friedrich 1488 die Acht ausgesprochen, wobei sich nicht aufhellen läßt, inwieweit dieses Urtheil begründet war; da sich Heinrich dem Kaiser unterwarf, fand er allein von allen Verurtheilten Schonung. Später schlossen sich die beiden Brüder, den habsburgischen Traditionen ihres Hauses getreu, eng dem König Maximilian an. Heinrich erscheint seit 1493 als Rath, seit 1496 als Hofmarschall des Königs; in dieser Stellung hat er den italienischen Zug von 1496 mitgemacht. Auch Wolfgang, der früh pfälzische und würtembergische Dienste genommen, trat 1492 mit einem Jahressolde von 200 fl. als Rath in die Maximilians, der ihn bei seiner Königskrönung zu Aachen 1486 zum Ritter geschlagen hatte. Unter Beibehaltung dieser Stellung und mit Erlaubniß des Königs übernahm er 1497 auch [224] das Amt eines Landhofmeisters in Würtemberg. Hiermit trat er an die Spitze des von Herzog Eberhard d. ä. eingerichteten Regiments von zwölf Räthen, das durch die Regierungsunfähigkeit des sittenlosen Herzogs Eberhard d. j. damals zu besonderer Bedeutung erhoben ward. Als die Kluft zwischen dem Regiment und dem wie ein Unmündiger überwachten Herzog sich vergrößerte und das Gerücht selbst von Anschlägen Eberhards auf das Leben seiner angesehensten Räthe sprach, verband sich das Regiment eng mit der Landschaft und schüchterte den Herzog, der lebenslängliche Einkerkerung befürchtet zu haben scheint, dermaßen ein, daß er nach Ulm entwich. Darauf übertrug der König, von Wolfgang in Begleitung des jungen Grafen Ulrich von Würtemberg im Mai 1498 in Urach empfangen, an den ersteren als Landhofmeister, an den Kanzler und die zwölf Räthe in Vertretung des 11jährigen Ulrich die Regierung des Fürstenthums. Wie Wolfgang hier als Staatsmann, so spielten er und sein Bruder im Schweizerkriege von 1499 bedeutende, freilich in der Hauptsache nicht glückliche Rollen. Von Sonderinteressen geleitet und im Bewußtsein ihrer Stärke verfolgte die Eidgenossenschaft eine selbständige Politik und trat zum Reiche mehr und mehr in ein gespanntes Verhältniß. Als der Krieg im Vinstgau und Hegau ausbrach, durch den doppelten Schauplatz die doppelte Feindschaft der Eidgenossen gegen Habsburg und das Reich wiederspiegelnd, führte W. den Oberbefehl über die würtembergischen Streitkräfte, die sich zu Anfang 1499 in Tuttlingen sammelten und gegen Ende Februar in Engen mit denen des schwäbischen Bundes vereinigten. Vergebens jedoch drang W. auf Verstärkungen und voll Mißmuth über die Saumseligkeit der Bundesglieder mußte er es geschehen lassen, daß die Schweizer, alle Dörfer niederbrennend, ungehindert den größten Theil des Hegau’s überflutheten. W. war auf die Besetzung einiger festen Plätze angewiesen, von wo aus ihm am 23. Februar bei Aach der Ueberfall eines vereinzelten Haufens glückte. Auf einem Tage zu Ueberlingen, am 8. März, zum obersten Feldhauptmann des schwäbischen Bundes ernannt, unternahm er am 14. einen Recognoscirungszug gegen Schaffhausen, am 4. April einen Angriff auf Neunkirch und Hallau. Waren schon am letzteren Orte die würtembergischen Knechte nicht zum Sturm auf den festen Kirchhof zu bewegen, so führte wenige Tage später ungenügende Mannszucht die Entscheidung auf diesem Theile des Kriegsschauplatzes herbei. Am 10. April nämlich zog W. sein Kriegsvolk, 400–600 Reisige und 4500–6000 Fußknechte bei Constanz zusammen und am folgenden Tage leitete er die Erstürmung der Dörfer Triboldingen, Ermatingen und Mannenbach. Auf allen drei Punkten brachte der Angriff vollständigen Sieg, nachher aber ließ sich das Volk nicht mehr im Zaume halten, und als es, mit Beute beladen, in aufgelöster Ordnung nach Constanz zog, ward es von den Eidgenossen, die sich in ihrem Standlager beim Schwaderloch wieder gesammelt hatten, in der rechten Flanke angegriffen. Die Reisigen, Graf Wolfgang an der Spitze, hielten sich wacker, stiegen sogar von den Rossen und traten mit Spießen in das vorderste Glied, die Fußknechte aber, das flüchtige und schnöde Volk, wie es W. bezeichnet, stoben ohne Noth auseinander und verschuldeten eine empfindliche Niederlage. W. mußte seine Truppen in den Hegau zurückführen und stand am 15. April wieder in Engen. Der König hatte sich mittlerweile vom Breisgau aus dem Kriegsschauplatz genähert und ernannte am 24. April W’s Bruder, seinen Hofmarschall H. v. F. zum obersten Feldhauptmann der Streitkräfte in den vorderösterreichischen Landen. Ein neuer Einfall der Eidgenossen im Hegau bewog W., im Kinzigthale und vor dem Schwarzwald Alles aufzubieten, „was nur Stab und Stange zu tragen vermochte“, und indem zugleich sein Bruder Heinrich rasch heranrückte, gelang es, das belagerte Stockach zu entsetzen. Am 22. Juli aber ließ sich Graf H. bei Dornach überfallen [225] und fand in blutiger Niederlage selbst den Tod. Wiederholte Bemühungen seines Bruders und des Königs um Auslieferung seines Leichnams hatten keinen Erfolg. Im Felde geschah seitdem nichts belangreiches mehr und die Ablösung der Eidgenossenschaft vom Reiche war mit diesem Kriege entschieden. Es ist erstaunlich, daß König Maximilian bei solcher Lage der Dinge schon im August die Stimmung fand, bei einem dem Grafen W. in seinen Landen abgestatteten Besuche am Donauquell in Donaueschingen mit Mahl und Tanz ein heiteres Fest zu feiern. Auch später, in den Jahren 1504, 1505 und 1506 war Maximilian wiederholt der Gast des Grafen. Durch den Tod seines unvermählten Bruders hatte W. alle Fürstenbergischen Lande geerbt; 1502, 14. März, übernahm er des Bruders Stelle als königlicher Hofmarschall, und während er das Amt eines würtembergischen Landhofmeisters, unter welchem Titel er noch 1501 erscheint, wol um dieselbe Zeit niederlegte, erhielt er zu Anfang 1502 vom Könige mit einer Besoldung von 1600 fl. auch die Stelle eines obersten Hauptmannes und Landvogtes im Elsaß, Sundgau, Breisgau, den vier Städten am Rhein und im Schwarzwald, auf die ihm bereits 1500, 26. Juli, die Anwartschaft übertragen worden war. Im Mai 1504 machte er im Gefolge Herzog Ulrichs von Würtemberg den Krieg gegen Pfalz mit, worauf er im August als der erste königliche Gesandte die Friedensunterhandlungen mit seinem früheren Herrn, Pfalzgraf Philipp, führte. Um diese Zeit erhielt er vom Könige, der ihn schon 1500 durch Verleihung des Münzrechtes ausgezeichnet hatte, als Reichspfandschaft für geschuldete 24,000 fl. Dienstgelder, Vorschüsse und Auslagen die kurpfälzische Hälfte der Landvogtei Ortenau, während die Brüder 1492 die Wiedereinlösung der inmitten ihrer Besitzungen gelegenen und seit 48 Jahren als Pfandschaft im Fürstenbergischen Besitze befindlichen Stadt Bräunlingen durch Oesterreich sich hatten gefallen lassen müssen. Donaueschingen, die spätere Residenz des Hauses, hatten H. und W. 1488 durch Kauf erworben. Im J. 1505 war W. des Königs Bevollmächtigter beim Abschlusse des Vertheidigungsbündnisses zwischen diesem und dem Markgrafen Christoph von Baden. Als zu Beginn des folgenden Jahres Maximilians Sohn, König Philipp von Castilien, von den Niederlanden nach Spanien übersiedelte, glaubte der Vater dem jungen Fürsten, der schwierigen Verhältnissen entgegenging, keinen besseren Beschirmer und Berather zur Seite stellen zu können als Wolfgang von Fürstenberg. Derselbe übernahm den Befehl über ein deutsches Regiment von 1200 Mann, auserlesene Knechte, wie man nach W’s. Urtheil noch keinen Haufen beisammen gesehen. Auf der Reise, die wegen des gespannten Verhältnisses mit Frankreich zur See angetreten ward, drohte ein furchtbarer Sturm der Flotte den Untergang. König Philipp gelobte dem hl. Jacob von Compostella sein doppeltes Gewicht in Silber, seine Leute und die Mannschaft große Wallfahrten, lebenslängliche Enthaltung von Fleisch, Eintritt in den Karthäuserorden. „Ich habe nichts dergleichen thun wollen,“ schrieb W. von Falmouth aus, wohin er verschlagen ward, an seine Gemahlin Elisabeth von Solms, mit der er seit 1488 vermählt war, „sondern mich dem Allmächtigen empfohlen und willig in den Tod gegeben.“ Nur der Gedanke an sie und die Kinder habe ihn beunruhigt. Als zärtlicher Gemahl und sorgsamer Vater, als tapferer und gottergebener Charakter tritt uns W. aus dem Briefwechsel mit seiner Gemahlin entgegen. In Spanien war W. mit seinen Landsknechten Philipps Schwiegervater, dem Könige Ferdinand von Arragonien, ein Dorn im Auge, und vielleicht ist es doch dessen wiederholtem, wiewol anfangs fruchtlosem Drängen zuzuschreiben, daß W. schon im November in die Heimath zurückkehrte. Im Januar 1509 unterhandelte er als kaiserlicher Commissär auf dem Landtage zu Bozen mit den Tiroler Ständen und im Frühjahr zog er mit dem Kaiser zu Felde nach Oberitalien. Im Spätsommer [226] im Lager vor Padua erkrankt, ward er in einer von Pferden getragenen Sänfte nach Hause geführt, wo er auf seinem Schlosse Ortenberg am 31. Dec. 1509 seinem Leiden erlag. Daß er in Spanien Gift bekommen habe und seitdem hingesiecht sei, muß als grundlose Sage bezeichnet werden. Seine Eingeweide wurden zu Haslach, des Herz zu Wolfach, der übrige Körper im Kloster Neidingen beigesetzt. Von W. stammen alle jetzt blühenden Linien des fürstlichen und landgräflichen Hauses Fürstenberg.

Urkunden und Correspondenzen des Donaueschinger Archivs. Fürstenbergisches Urkundenbuch, IV. Bd. Stälin, Wirtemb. Gesch., IV. Bd. Roth v. Schreckenstein, Wolfgang Graf zu F. als oberst. Feldhauptmann d. schwäbisch. Bundes im Schweizerkriege 1499 (Archiv f. K. österr. Gesch. Bd. 36). Derselbe, Briefe des Grafen W. v. F. zur Gesch. der Meerfahrt des Königs Philipp v. Castilien (Zeitschr. f. Gesch. d. Breisgau’s, I, 123). Münch, Gesch. d. Hauses und Landes Fürstenberg, I. Bd.