ADB:Dopler, Heinrich

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Artikel „Dopler, Heinrich“ von Siegfried Hänle in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 5 (1877), S. 343–344, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Dopler,_Heinrich&oldid=- (Version vom 9. Juli 2020, 18:26 Uhr UTC)
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Dopler: Heinrich D. (Doppler, Topler, Toppler) aus Rotenburg ob der Tauber, wo er zum mindesten seit dem Jahre 1373 an der Spitze der Verwaltung dieser Reichsstadt gestanden hat, bis er 13. Juni 1408 als ein Opfer der Politik derselben sein Leben verlor. Sowol als Staatsmann wie als Heerführer entfaltete er während dieser Zeit eine belangreiche Wirksamkeit. Er war in nahen Beziehungen zum Könige Wenzel und nahm eine bedeutende Stellung im schwäbischen Städtebunde ein, in welchem er Hauptmann eines Viertels gewesen ist; die Stadt selbst befestigte, verschönerte und erweiterte er mannigfach, erwarb ihr ansehnliche Gebietserweiterungen und schützte sie bald mittelst des Schwertes, bald durch geschickt geführte Unterhandlungen gegen die ihr abholden fürstlichen und adelichen Nachbarn. Die Rotenburger Chroniken des 16. Jahrhunderts berichten, der gemeine Mann habe D. so lieb gehabt, daß ihm bei feierlichen Kirchgängen 30–40 Bürger das Geleite gaben. D. hatte Güter und Grundholden weitum in Franken und war überhaupt ein reicher Mann. – Sein Sturz und Untergang hing mit der damaligen Lage des deutschen Reiches eng zusammen. Nach der Entsetzung Wenzels hatten die fränkischen Städte sich nur zögernd dem neuen Könige Ruprecht angeschlossen, und D. insbesondere suchte für Rotenburg auch dem Marbacher Bündnisse gegenüber eine selbständige Stellung zu behaupten. Nachbarliche Irrungen mit dem Nürnberger Burggrafen Friedrich VI., dem Anhänger Ruprechts, führten jedoch dazu, daß letzterer Rotenburg ächtete, ein ansehnliches Heer unter dem Burggrafen die Stadt belagerte und sie zu einem Frieden nöthigte, wornach ihre Vesten gebrochen werden mußten (1407/8). In dieser bedrängten Lage hatte sich D. – mit hoher Wahrscheinlichkeit im Einverständnisse mit anderen Städten – dem Böhmenkönige Wenzel wieder genähert, und Briefe des letztern an D. waren aufgefangen worden. Nachdem nun Rotenburg zum Frieden gezwungen [344] war und der König im Begriffe stand, Hand auf die Person und die Habe des Bürgermeisters zu legen, suchte die Stadt durch eine rasche Gefangennahme desselben seinen Einfluß zu beseitigen und ihr das Recht zu sichern, ihn vor ihr Gericht zu stellen und sein Vermögen einzuziehen. Seiner Verhaftung am 6. April folgte am 13. Juni 1408 seine Hinrichtung, ohne daß man jedoch sicher weiß, wie sie ausgeführt wurde. Die Sage will wissen durch den Giftbecher oder den Hungertod. Dopler’s Familie wurde aus der Stadt verbannt. Als Grund der Verfolgung Dopler’s gaben die Rotenburger Gesandten, die deshalb an den König Ruprecht geschickt worden waren, an, er habe sich nicht blos gegen König und Reich, sondern auch gegen die Stadt vergangen, indem er sich neben anderen von ihnen nicht näher bezeichneten Missethaten Unredlichkeiten gegen sie habe zu Schulden kommen lassen. Als andere Gründe der Maßnahmen gegen ihn werden in späteren Erzählungen aufgeführt, daß er ein eigenes Gericht in seinem Hause über seine Hintersassen gehabt, daß er gegen Herkommen und Pflichten Grundstücke, die nach Rotenburg steuerbar gewesen, einem Nicht-Rotenburger verkauft und daß er die Nachsteuer nicht entrichtet habe, wo er sie schuldig gewesen sei. Noch spätere Berichte, offenbar der Sage entnommen, sprechen davon, D. habe mit dem Burggrafen um die Stadt gewürfelt (Name und Wappen der D. veranlaßten wol diese Sage) und sie an ihn verrathen; geschichtliche Zeugnisse berichten im Gegentheile von einem feindseligen persönlichen Verhältnisse zwischen dem Bürgermeister und dem Burggrafen Friedrich VI. Eines geht übrigens mit Wahrscheinlichkeit aus allem hervor, daß D. wegen seiner „Hoffart“ und seines „Uebermuthes“ sich viele Feinde gemacht hat. – Mit dem Könige und der Dopler’schen Familie, die zumeist sich in Nürnberg ansiedelte, verglich sich Rotenburg noch im Laufe des Jahres 1408. Auch wurde später eine Gedenktafel an den Bürgermeister in der während seiner Verwaltung gebauten Jakobskirche, in welche er auch den Dreikönigsaltar gestiftet hatte, in der Nähe seiner Grabstätte aufgehängt.

Jahresbericht des historischen Vereins für Mittelfranken für 1871.