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Artikel „Dobner, Felix Jakob“ von Rieger. in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 5 (1877), S. 275–276, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Dobner,_Gelasius&oldid=- (Version vom 17. Juni 2024, 11:27 Uhr UTC)
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Dobner: Felix Jakob D., nach seinem Klosternamen Gelasius a. S. Catharina, Piarist, der einflußreichste Historiker Böhmens, geb. zu Prag am 30. Mai 1719, ebendaselbst gestorben den 24. Mai 1790, studirte bei den Jesuiten die lateinischen Schulen, trat früh in den Piaristenorden ein, dem er auch sein Leben widmete, und lehrte seit 1736 in den Klosteranstalten seines Ordens, zu Altwasser, Leipnik, Wien, Nikolsburg, Schlan und Kremsier die sogenannten Humaniora. Im J. 1752 zog er nach Prag, woselbst er den regsten Antheil an der Förderung des neuerrichteten Collegiums des Ordens nahm. Seine ganze Thätigkeit war der geistigen Entwicklung dieser Stiftung zugewandt, bis er, von dem Weihbischof und Generalvicar von Wokaun aufgefordert, eine kritische Geschichte Böhmens zu schreiben, daran ging, durch eingehende Voruntersuchungen sich auf die Lösung dieser Aufgabe würdig vorzubereiten. Ein Ruf des Fürsten von Mansfeld als Erzieher von dessen Sohn, des jungen Grafen von Mansfeld im J. 1757 gab seiner Entwicklung eine neue Richtung, indem ihm diese neue Stellung Zeit und Gelegenheit gewährte, seine wissenschaftliche Thätigkeit ganz zu entfalten. 1762 wurde er Rector des Ordens, welche Stelle er bis 1778 bekleidete, und 1775 zum Consultor provinciae ernannt. Maria Theresia verlieh ihm einen Gnadengehalt und den Titel eines k. k. Historiographen. Bis zu seinem Lebensende blieb D. unermüdlich thätig sowol in seiner Fürsorge für die ihm anvertraute böhmische Jugend, also auch in seinen litterarischen Arbeiten. Dobner’s Leistungen sind von so epochemachender Bedeutung, daß mit Recht von einer Dobner’schen Periode des historischen Studiums in Böhmen, während welcher sich ein wahres litterarisches Leben regte, gesprochen werden kann, um so mehr als D. den Grund zu den späteren litterarischen Bestrebungen legte. Seine kritische Thätigkeit eröffnete er mit der Untersuchung der von Balbin edirten Christanni Vita S. Wenceslai, angeblich von einem Sohne Boleslaws I. geschrieben, deren Unechtheit D. nachwies. Jedoch der Glanzpunkt seiner Thätigkeit begann, als er den Auftrag erhielt, die von P. Victorin a Cruce ins Lateinische übersetzte Chronik des Hajek von Libočan († 1553) mit kritischen Anmerkungen zu versehen. Dies gab ihm Anlaß zu einer kritischen höchst bedeutsamen That: das populärste Werk der Nation, die als durchaus glaubwürdig verehrte Geschichtsbibel Böhmens erwies D. als „eine Pfütze, aus der Niemand schöpfen noch trinken solle, der sich eines feineren Geschmackes erfreue“. Die Ausdauer, mit welcher er diesen Nachweis lieferte, ist anstaunenswerth; sechs stattliche Bände, Prag 1761–83 erschienen, bilden die kritischen Untersuchungen. Hier wie in dem Kampfe mit Duchowsky, P. Athanasius und vor allem mit dem gelehrten Jesuiten Fr. Pubitschka zeigte D. die Ueberlegenheit historischer Kritik in der glänzendsten Weise. Ebenso bedeutend ist D. als Herausgeber. Seine „Monumenta historica Boemiae“ 6 Voll. Prag 1764 bis 1786, genügen zwar den heutigen Anforderungen an Editionen nicht vollständig, sind nichtsdestoweniger noch immer eine unentbehrliche Quellensammlung. Zum Schlusse sei noch erwähnt, daß D. neben den genannten Hauptarbeiten noch in zahlreichen Abhandlungen theils seinen Gegnern entgegentrat, theils die Ergebnisse seiner kritischen Studien auf die Specialgeschichte anwandte. Welche Anregungen [276] D. dem litterarischen Leben in Böhmen und Mähren gegeben hat, geht schon aus der durch F. Fidler in der slavischen Bibliothek von Fr. Miklosic und F. Fidler Bd. II. mitgetheilten Correspondenz Dobner’s mit dem Hofrath v. Rosenthal deutlich hervor.

Das Beste, was über D. bisher geschrieben wurde, ist der Nachruf Dobrowsky’s in den neueren Abhandlungen der königl. böhm. Gesellschaft der Wissenschaften, Prag 1795, II. Bd. S. 17–26 und die kurze Würdigung seiner litterarischen Thätigkeit in Krones’ Handbuch der Geschichte Oesterreichs Bd. I. S. 44.
Rieger.