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Artikel „Chrotechildis“ von Felix Dahn in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 47 (1903), S. 486–487, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Chrodechilde_von_Burgund&oldid=- (Version vom 20. November 2019, 03:49 Uhr UTC)
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Band 47 (1903), S. 486–487 (Quelle).
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Chrotechildis (Hrothehildis), Tochter des burgundischen Theilkönigs Hilperik II. (neben den Theilkönigen Gundobad und Godigisel) zu Lyon: sie ward vermuthlich bald nach dem söhnelosen Tod ihres Vaters von den [487] Oheimen, obgleich eifrig katholisch, mit dem noch heidnischen Meroving Chlodovech (s. den Artikel) vermählt. Die Geschichte dieser Verlobung und die gesammte an Ch. geknüpfte Familienüberlieferung hat sehr frühe die Sage, später dann auch die Kunstdichtung mit üppiger Umrankung geschmückt zugleich und verhüllt (vgl. den Artikel Gundobad). So erzählt schon Gregor von Tours, nur ein Jahrhundert jünger, Gundobad habe Hilperik mit dem Schwerte getödtet, dessen Wittwe mit einem Stein am Hals in das Wasser werfen lassen, die beiden Töchter verbannt, von denen die ältere, Saedeleuba (Herona) in das Kloster getreten, die jüngere mit Chlodovech vermählt worden sei, die dann ihre drei Söhne Chlodomer, Childibert I. und Chlothachar I. (s. diese Artikel) zu später Rache gegen Gundobad und seine Sippe gespornt habe. Allein diese ganze Mordgeschichte ist wol lediglich Sage (derselbe Gregor bringt über den Untergang Amalaswinthens [s. den Artikel], nur 40 Jahre vor seiner Zeit, auch eitel Fabelei). Hilperik’s Wittwe starb höchst wahrscheinlich erst a. 506 und ist die in der Basilika des heiligen Michaël zu Lyon bestattete 50jährige Burgundenkönigin Karetene; der Arianer Hilperik hatte dieser verstattet, die Tochter im katholischen Glauben zu erziehen. Das ward von weltgeschichtlicher Bedeutung, da die offenbar hochbegabte Ch. im Bunde mit dem hervorragenden Erzbischof Remigius von Rheims („St. Remy“) nicht ruhte, bis sie in dem heftigen und langen Kampf der drei Glaubensbekenntnisse am Hof zu Paris – Heidenthum, Arianismus, Katholicismus – den Sieg des katholischen bei ihrem Gatten durchgesetzt hatte.

Der Bericht über das Bekehrungswunder in dem Drang der Alemannenschlacht ist zwar sagenhaft gefärbt, allein der Kern der Ueberlieferung entspricht völlig den Verhältnissen an Chlodovech’s Hof, seiner und der anderen Betheiligten Eigenart. Nach diesem großen Erfolge in dem Tauffest trat Ch. bei ihres Gatten Leben nicht mehr hervor; als Wittwe (sie lebte meist bei Sanct Martin zu Tours) nahm sie später die drei Knaben ihres gefallenen Sohnes Chlodomer zu sich (nach Paris), konnte aber zwei derselben vor der eigenhändigen Ermordung durch deren Onkel Chlothachar I. nicht schützen, der dritte soll in ein Kloster gerettet worden sein; nach vielen Almosen und anderen frommen Werken starb sie a. 548.

Quellen: Von beiden vitae ist die eine in den Bollandisten (A. S. 3. Juni I, p. 294) aus Gregor von Tours zusammengestellt, die andere stammt aus dem X. Jahrhundert.
Litteratur: siehe die zahlreichen Angaben bei Potthast, Bibliotheca medii aevi II, 1896, p. 1247. – Dahn, Urgeschichte der germanischen und romanischen Völker III, Berlin 1883, S. 50 f. IV, 1888, S. 108 f. – Binding, das burgundisch-romanische Königreich I, 1868. – Jahn, Die Burgundionen I, 1874.