ADB:Burckhardt, Johann Karl

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Burckhardt, Johann Karl“ von Karl Christian Bruhns in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 3 (1876), S. 571–572, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Burckhardt,_Johann_Karl&oldid=- (Version vom 23. Februar 2020, 18:20 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 3 (1876), S. 571–572 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Johann Karl Burckhardt in der Wikipedia
GND-Nummer 117161357
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|3|571|572|Burckhardt, Johann Karl|Karl Christian Bruhns|ADB:Burckhardt, Johann Karl}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=117161357}}    

Burckhardt: Johann Karl B., geboren am 30. April 1773, † am 22. Juni 1825, war der Sohn eines wenig bemittelten Bürgers in Leipzig. Es wurde dem Vater wegen seiner zahlreichen Familie schwer, den Sohn in die lateinische Schule zu schicken, an welcher glücklicher Weise ein Mathematiker war, der bald die mathematischen Anlagen Burckhardt’s erkannte und ihn unterstützte. Durch den deutschen Auszug aus Lalande’s Astronomie wurde er der Astronomie zugeführt und erstand sich zunächst das Lalande’sche Werk in einer Auction. Als er selbst zu beobachten versuchte, mißlang mit einem unachromatischen fünffüßigen Fernrohr der erste Versuch, doch schreckte dies ihn nicht zurück und noch als Schüler leitete er aus ältern Sonnenfinsternissen und Sternbedeckungen die Länge [572] von Wittenberg ab und als 15jähriger Gymnasiast hatte er verschiedene astronomische Rechnungen ausgeführt und sich durch Euler’s Werke in die höhere Mathematik einstudirt, auch für sich neuere Sprachen, als französisch, englisch, spanisch, holländisch und schwedisch getrieben. Ostern 1792 bezog er die Universität. Er wollte sich erst der Jurisprudenz widmen, ja er bemühte sich sogar, sich in die Medicin einzustudiren, kehrte jedoch zur Mathematik zurück. Sein hauptsächlichster Lehrer war Hindenberg und durch diesen veranlaßt löste er eine Aufgabe über die Kettenbrüche. Nachdem er drei Jahre studirt, erhielt er ein von Kregel v. Sternbach gestiftetes für Mathematiker oder Astronomen bestimmtes Stipendium und reiste mit selbigem auf Hindenberg’s Empfehlung im Februar 1796 nach Gotha. Dort verweilte er 22 Monate unter der Leitung von Zach. Der Coadjutor von Mainz, später Fürstbischof von Constanz, Dalberg, besuchte mehrfach die Seeberger Sternwarte und gewann an B. besonderes Interesse. Auf Zach’s Empfehlungen sollte B. zum Grafen v. Brühl nach London, der ihm die Aufsicht über seine Sternwarte in Harefield anvertrauen wollte. Doch sollte B. nicht aus Frankreich nach England kommen, denn Zach hatte B. auch an seinen Freund Lalande in Paris empfohlen, und da Lalande einen ordentlichen Astronomen zu seiner Unterstützung haben wollte, zog B. vor, der Schüler eines Lagrange, Laplace und Lalande zu werden und Paris wurde seine zweite Heimath. Er begann seine Thätigkeit als Adjunct des Längenbureaus und wurde 1807 nach Lalande’s Tode Director der Sternwarte an der Ecole militaire. Seine erste Schrift, „Theorie der Kettenbrüche“, erschien in Leipzig 1794, die meisten folgenden in Paris, doch hat er auch kleine Aufsätze und Beobachtungen in Zach’s „Monatlicher Correspondenz“ und Bode’s „Jahrbüchern“ und den „Astronomischen Nachrichten“ gegeben. Unter den zahlreichen Kometenbeobachtungen, welche er ausgeführt hat, ist die Untersuchung über die Bahn des Kometen von 1770 und die Umgestaltungen seiner Bahn, die er durch Jupiter erlitten hat, eine Schrift, welche vom Pariser Institut 1801 gekrönt wurde. Von der Laplace’schen Mécanique céleste hat er die beiden ersten Bände ins Deutsche übersetzt. Nach Laplace’s Theorie der Bewegung des Mondes entwarf er die Tables de la lune, Paris 1812, welche bis zum Erscheinen von Hansen’s Mondtafeln im allgemeinen Gebrauch waren. Seine astronomischen Arbeiten erstrecken sich außer auf Kometen auch auf Störungen höherer Ordnung, auf das Bradley’sche Rhomboidalnetz, auf die Marstheorie, auf den Einfluß der 5. Potenz der Excentricität, auf die großen Gleichungen der Bewegung zwischen Jupiter und Saturn. Von mathematischer Bedeutung ist noch seine „Table des diviseurs pour tous les nombres du premier, second et troisième million“, Paris 1817, worin man auch die Primzahlen der ersten 3 Millionen findet.

Vgl. Zach’s Monatliche Correspondenz Band IV. VIII. Mädler’s Geschichte der Himmelskunde.