ADB:Brandel, Peter Johann

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Artikel „Brandel, Peter Johann“ von Bernhard Grueber in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 3 (1876), S. 237, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Brandel,_Peter_Johann&oldid=- (Version vom 1. April 2020, 21:34 Uhr UTC)
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Brandel: Peter Johann B., Maler aus Prag, war der Sohn wohlhabender deutscher Eltern, geb. 1660 (nach anderer Angabe 1668), † 1739. Ohne Neigung zu gelehrten Studien begab er sich in seinem fünfzehnten Lebensjahre in die Schule des Hofmalers Schröder und blieb hier vier Jahre. Schon damals entwickelte er eine Leichtigkeit der Auffassung und Eleganz des Farbenauftrages, welche allgemein in Erstaunen setzte und einen zweiten Raphael erwarten ließ. Neunzehn Jahre alt fing er an selbständig zu arbeiten, malte anfänglich Porträts in der Manier des Skreta, welche wegen ihres schmelzenden Colorits sehr gefielen und sogar den Bildern Skreta’s vorgezogen wurden. Bald erhielt er zahlreiche Bestellungen auf kirchliche Bilder, durch deren rasche und geschmackvolle Ausführung er sich in ganz Deutschland das größte Ansehen erwarb. Dieser Frühperiode seines Wirkens entstammen die besten Bilder, unter denen die öfters von ihm dargestellte Himmelfahrt Mariä besondere Anerkennung verdient. B. bewährte sich in derartigen Schilderungen als Glorienmaler ersten Ranges: Strahlen, welche durch Wolken brechen, schwebende Engel und ähnliche Gegenstände wußte er mit solchem Geschick in Harmonie zu setzen, daß man häufig an Correggio’s berühmte „Nacht“ erinnert wird. In seinem 33. Jahre vermählte er sich mit der Tochter eines Malers, welche Ehe aber nicht günstig auf seine künstlerische Thätigkeit einwirkte. B. führte von nun an einen unsteten Lebenswandel, arbeitete hier und dort in Klöstern, Schlössern und Dörfern, verbrauchte immer weit mehr, als er trotz vieler Aufträge und schneller Malweise einnahm und suchte zuletzt seine zerrütteten Verhältnisse durch eine bergmännische Unternehmung zu verbessern. Zu diesem Ende ließ er sich in der Stadt Kuttenberg nieder, gerieht aber hier immer tiefer in Noth und starb in bitterster Armuth. Kaum wurde sein Tod allgemein bekannt, so regte sich die größte Theilnahme für den Dahingeschiedenen: der Magistrat von Kuttenberg veranstaltete für ihn ein prachtvolles Leichenbegängniß. B. war ein Talent ersten Ranges: ausgerüstet mit dem feinsten Gefühl für Linien und Farben hat er sich unter äußerst ungünstigen Verhältnissen zu einer bedeutenden künstlerischen Höhe erschwungen. Er lebte im Zeitalter des Elekticismus und der Schnellmalerei, war bei sehr oberflächlichem Unterricht nicht einmal zu unmittelbarem Naturstudium angeleitet worden und hatte, da er Böhmen nie verlassen, seine ganze Bildung nur durch Copiren untergeordneter Werke, wie die eines Berettini, Ferri, Caravaggio, Spranger etc. erworben. Seine Leichtigkeit der Ausführung ist unbegreiflich, er war im Stande ein figurenreiches Altarbild von fünf bis sechs Fuß Höhe und verhältnißmäßiger Breite in einer halben Woche zu vollenden. Dabei sehen seine Gemälde nicht gefegt oder übereilt aus, die Malweise ist immer sorgfältig und die Anordnung gefällig. Abgesehen von vielen Bildnissen und Frescomalereien wird die Anzahl der von ihm gefertigten Altarblätter auf fünfhundert angegeben. Drei vorzüglich schöne Bilder sieht man in der ehemaligen Cisterciensernonnenkirche zu Doxan, und fünf in der Stiftskirche Brzewnow bei Prag. B. hat auch Kupfer radirt und es sind mehrere seiner Werke von andern Meistern in Kupfer gestochen worden.

Pelzel, Abbildungen und Biographien böhmischer Gelehrten und Künstler. Dlabacz, Böhmisches Künstlerlexikon. Magistratsarchiv zu Kuttenberg.