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Artikel „Benedict, Julius“ von Robert Eitner in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 46 (1902), S. 354–355, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Benedict,_Sir_Julius&oldid=- (Version vom 18. April 2024, 04:03 Uhr UTC)
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Benedict: Sir Julius B., Sohn des jüdischen Bankiers Moses B., evangelisch getauft, geboren am 27. November (nicht am 24.) 1804 zu Stuttgart, † am 5. Juni 1885 zu London. Er erhielt eine sorgfältige wissenschaftliche Erziehung, und als sich schon früh sein Talent für Musik zeigte, erhielt er beim Concertmeister Abeille Unterricht im Clavierspiel, unter dessen Leitung er bald überraschende Leistungen entwickelte, sodaß er schon mit zwölf Jahren Aufsehen erregte. Dabei wurden die wissenschaftlichen Studien nicht vernachlässigt, sodaß der Vater ihn erst 1819 Nepomuck Hummel in Weimar zum Unterricht in der Musik übergab, worauf er 1820 bei Weber in Dresden Composition studirte. Weber interessirte sich für das Talent und nahm ihn auf allen seinen Reisen als Gefährten mit, sodaß B. überall Zeuge der Triumphe Weber’s wurde. In Wien wurde er auf Weber’s Empfehlung 1823 Capellmeister der deutschen Oper am Kärntnerthor-Theater, dessen Theaterdirector Barbaja war, der ihn 1825 mit nach Italien nahm und ihm in Neapel an San Carlo die Capellmeisterstelle verschaffte. Hier schrieb er seine ersten Opern über italienische Texte und zwar „Giacinta ed Ernesto“, 1827 in Neapel aufgeführt, und „I Portoghesi in Goa“, die auch mit deutschem Texte 1831 in Stuttgart gegeben wurde, als er seine Heimath besuchte. Beide Opern verrathen nicht den Einfluß Weber’s, sondern den von Rossini und zeigen entschiedenes Talent zur Operncomposition; gleichwol hat sich keine seiner Opern, auch nicht der späteren, auf dem Repertoire erhalten. Noch bis zum Jahre 1835 lebte er in Neapel, ging aber in demselben Jahre nach Paris und von hier nach London, wo er festen Fuß faßte und sich eine angesehene Stellung erwarb, sodaß ihn die Engländer ganz als den ihrigen betrachteten, die Königin ihn sogar adelte. Seine erste Einführung in London geschah als Claviervirtuose, als welcher er Bedeutendes leistete und die Hummel’sche Schule mit Geschick mit der Weber’schen feurigen und vollgriffigen Vortragsweise verband. Auch in London trat er sehr bald als Operncomponist auf und erhielt 1836 den Capellmeisterposten an der Opera buffa im Lyceum, wo er die Operette „Un anno ed un giorno“ aufführte. 1838 bekleidete er denselben Posten am Drury-Lane-Theater. Hier brachte er seine erste englische Oper „The gipsy’s warning“ („Der Zigeunerin Weissagung“) zur Aufführung, welcher die „Bräute von Venedig“ 1844, „Die Lilie von Killarney“ (englisch „The Lilly of Killarney“) und „Die Kreuzfahrer“ 1846 folgten. „Die Rose von Erin“ wird als ein „liebliches Tonwerk“ bezeichnet, welches auch auf dem Continente vielfach zur Aufführung gelangte, z. B. 1862 noch in Berlin, dennoch aber nicht im Stande war, sich längere Zeit in der Gunst des Publicums zu erhalten. 1850 ging er mit der Sängerin Jenny Lind nach Amerika und concertirte mit ihr in Nordamerika. Es ist die erste vielbesprochene amerikanische Concerttour, die ein unternehmender Amerikaner mit großem Geschrei und reichen Mitteln ins Leben rief und ein [355] brillantes Geschäft dabei machte, wobei die beiden Concertirenden ebenso reichlich bedacht waren und ein Vermögen mit nach Hause brachten. Nach London 1851 zurückgekehrt, trat er seine Stellung am Drury-Lane-Theater wieder an, wo er unter anderem Weber’s „Oberon“ mit Recitativen gab, 1859 übernahm er noch die Leitung der Montagsconcerte, dirigirte mehrere Musikfeste in Norwich, wurde Capellmeister des Convent Garden und leitete 1876–1880 die Concerte der Philharmonischen Gesellschaft in Liverpool, ohne seinen Wohnort in London aufzugeben. An Anerkennung seiner Verdienste hat es nicht gefehlt, 1871 wurde er geadelt, von Musikvereinen wurde er zum Präsidenten oder Ehrenmitgliede ernannt und die Potentaten Europa’s wetteiferten mit Ordensverleihungen. Ein reichhaltiges Verzeichniß seiner Werke findet man in James D. Brown’s „Biographical Dictionary, London 1886. Claviercompositionen erschienen auch vielfach in Deutschland und Wien.