Hauptmenü öffnen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Friedrich Hofmann
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: „Alma Julia-Maximiliana hoch!“
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 31, S. 519–520
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1882
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[519] „Alma Julia-Maximiliana hoch!“ So schallt es in den ersten Tagen des August durch die fröhliche Mainstadt Würzburg, wo „Bursche“ und „Philister sich ereifert, das dritte Jahrhundertfest der Universität mit Feuer und Kraft, also „gut fränkisch“ zu begehen. – Ein Universitäts-Jubiläum in Deutschland hat die doppelte Bedeutung, daß es ein Landes- und für Tausende ein Familienfest zugleich ist. Die Stadt selbst ist nur der Herd des Festes; die Festgäste kommen weit über die Weichbilds-, die Provinz-, ja die Landesgrenzen her; denn jede deutsche Hochschule zählt ihre Insassen nach Einheimischen und Fremden, und unter Fremden verstand man ehedem auch diejenigen Deutschen, welche nicht zu den Kindern des Landes der Universitätsstadt gehörten. Größere oder in gewissen Fächern hervorragende Universitäten ziehen sogar von jenseits der Grenzen des Reichs und von jenseits der Meere die strebenden Jünglinge herbei, und als eine solche Hochschule muß auch Würzburg hinsichtlich seiner medicinischen Facultät gelten. Hat die Regierung eines Landes alle Ursache, sich der Ehre einer blühenden Universität an einem Jubiläumstage zu erfreuen und durch ihre Theilnahme dem Feste Glanz zu verleihen, so bleibt der Hauptfreudentheil desselben doch den alten und jungen [520] Commilitonen, den alten und jungen Studenten der betreffenden Hochschule gewahrt. Kann es auch anders sein? Wo der Jüngling seine seligste Lebenszeit – „die Tage der Rosen“ – genossen, dort haften unaustilgbar seine liebsten Erinnerungen, dorthin sehnt er sich auch als Mann, ja als Greis noch zurück, und ruft ein solcher höchster Festtag, ein Jubiläum, die Genossen aus aller Welt zur Feier zusammen, so bringt Jeder, der es vermag, auch Weib und Kinder mit, und so werden akademische Familienfeste fertig, wie sie inniger und sinniger von keinem anderen Volke gefeiert werden können.

All diese Jubelfreuden, unter welchen die Scenen des Wiedersehens graugewordener Jugendfreunde, deren Lebenswege oft ein halbes Jahrhundert lang sich nicht begegneten, wohl zu den ergreifendsten gehören, geben in diesen Tagen dem stattlichen Würzburg erhöhten Schmuck. Wie herrlich die Lage dieser ehemaligen fränkischen Fürstbischofs-Residenz ist, zeigt unsere Abbildung im Jahrgange 1866 Nr. 48 die Beigabe der traurigen Zeit, die Beschießung der Festung Marienberg, stört uns jetzt nicht mehr. Wenn heute dort Kanonen donnern, so gehören sie zu den Stimmen des festlichen Jubels.

Was nun die Würzburger Universität betrifft, so ist ihre Gründung kein Werk von einem Tage gewesen. Der erste Grund zu einer hohen Schule daselbst soll schon im Jahre 942 von dem Bischof Poppo dem Dritten gelegt worden sein; der wirkliche Ausbau gelang erst aber schon zehn Jahre darnach hatte diese Hochschule mit der Ermordung ihres ersten Rectors ein Ende. Der Tod stellte sich sogar einem zweiten Versuch, durch Gründung eines Gymnasiums den Uebergang zu einer Universität zu bahnen, entgegen, indem er den Fürstbischof Friedrich von Wirsberg 1564 eiligst mit sich nahm. Es gehörte ein Mann dazu, der noch nach Jahrhunderten für Krankheitsvertreibung und Lebensverlängerung zu sorgen verstand, um ein dauerndes Werk zu gründen: dieser Mann war Julius Echter von Mespilbrunn, der Stifter des weltberühmten Julius-Hospitals. Wohl erzeigte sich derselbe als ein ebenso eifriger Jesuitenfreund wie Ketzerfeind, sodaß auch er zu denen gehört, welche zu Folge der Glaubenstrennung in Deutschland von dem einen Theile gesegnet und vom anderen verdammt werden. Da er aber mit allem Guten, das er unternahm, es redlich meinte, so soll heute kein Schatten auf sein Andenken fallen. Hat er doch seine Sorge auch dem edlen Weinbau zugewandt, und wir müssen es ihm gar wohl zu einem Verdienst anrechnen, daß sein Julius-Hospital in seinen Kellern den vorzüglichsten und heilsamsten Rebensaft pflegt. Oder ist es kein Ruhm, daß der tröstliche Reim entstehen konnte. „Frankenwein – Krankenwein“? –

Am 2. Januar 1582 wurde die neue Hochschule eröffnet; der Gründer selbst war ihr erster Rector. Ihr erstes hundertjähriges Jubiläum feierte sie vom 19. bis 29. Juli 1682, das zweite vom 29. Juli bis 8. August 1782. Nachdem Würzburg baierisch geworden war, erfuhr die Akademie unter Maximilian Joseph eine neue Organisation und war fortan als die Alma Julia-Maximiliana zu preisen, als welche sie nun ihr drittes Jahrhundert-Ehrenfest begeht. Es waren große historische Festzüge in Aussicht gestellt, aus daß, wo das Herz jubelt, auch das Auge nicht zu kurz komme. Um so mehr wird namentlich diejenigen Freunde und Verehrer der Hochschule, welchen es nicht vergönnt ist, dort selbst mit zu schwärmen, die Nachricht erfreuen, daß die Vorbereitungen zu einer „Illustrirten Chronik dieser dritten Säcularfeier" getroffen sind und daß diese unter dem Titel „Alma Julia“ gleich nach dem Feste erscheinen wird. Mit den dort feiernden Schaaren aber stimmen wir freudig ein in das „Alma Julia Maximiliana hoch!“

Fr. Hfm.