Der Streit zwischen Phoebus und Pan in einem Dramate aufgeführt

Textdaten
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Autor: Picander
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Titel: Der Streit zwischen Phoebus und Pan in einem Dramate aufgeführt
Untertitel:
aus: Picanders Ernst-Schertzhaffte und Satyrische Gedichte. 3. Teil, S. 501–506
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1732
Verlag: Johann Theodor Boetius
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Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons
Kurzbeschreibung:
Textgrundlage von J. S. Bachs Kantate BWV 201
Eintrag in der GND: [1]
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[501]

LXVII.
Der Streit
zwischen
PHOEBUS und PAN
in einem
DRAMATE
aufgeführt.

Personen:
Phoebus, Pan, Mydas, Tmolus, Mercurius[WS 1] und Momus.

 Aria tutti.
     Geschwinde,
     Ihr wirbelnden Winde,
          Auf einmal zusammen zur Höhle hinein!
     Daß das hin- und wieder-schallen

5
     Selbst dem Eccho mag gefallen,

          Und den Lüfften lieblich seyn.
 Da Capo.

Phoeb.
Und du bist doch so unverschämt und frey,
Mir in das Angesicht zu sagen,

[502]

Daß dein Gesang

10
Viel herrlicher als meiner sey?


Pan.
Wie kanst du noch so lange fragen?
Der gantze Wald bewundert meinen Klang;
Das Nymphen Chor
Das mein von mir erfundnes Rohr

15
Von sieben wohl gesetzten Stuffen

Zum Tantzen offters aufgeruffen,
Wird dir von selbsten zugestehn:
Pan singt vor allen andern schön.

Phoeb.
Vor Nymphen bist du recht,

20
Allein die Götter zu vergnügen,

Ist deine Flöthe viel zu schlecht.

Pan.
So bald mein Thon die Lufft erfüllt,
So hüpffen die Berge so tantzet das Wild,
So müssen sich die Zweige biegen.

25
Und unter denen Sternen

Geht ein entzücktes Springen für:
Die Vögel setzen sich zu mir
Und wollen von mir singen lernen.

Mom.
Ey! hört mir doch den Pan,

30
Den grossen Meister Sänger an!


 Aria.
     Patron, das macht der Wind!
     Daß man prahlt und hat kein Geld,
     Daß man das vor Wahrheit hält,
     Was nur in die Augen fällt,

35
     Daß die Thoren weise sind,

     Daß das Glücke selber blind,
     Patron, das macht der Wind!

[503]

Merc.
Was braucht ihr euch zu zancken?
Ihr weichet doch einander nicht.

40
Nach meinen wenigen Gedancken

So wehle sich ein jedes einen Mann,
Der zwischen euch das Urtheil spricht;
Laßt sehn, wer fällt euch ein?

Phoeb.
Der Tmolus soll mein Richter seyn,

Pan.

45
Und Mydas sey auf meiner Seite,


Merc.
So tretet her, ihr lieben Leute.
Hört alles fleißig an;
Und mercket, wer das beste kan.

Phoebus Aria.
     Mit Verlangen

50
     Drück ich deine zarten Wangen,

          Holder, schöner Hyacinth.
     Und dein Augen küß ich gerne,
     Weil sie meine Morgen-Sterne
          Und der Seele Sonne sind.
 Da Capo.

Mom.

55
Pan rücke deine Kehle nun

In wohlgestimmte Falten.

Pan.
Ich will mein bestes thun,
Und mich noch herrlicher, als Phoebus, halten.

 Aria.
     Zu Tantze, zu Sprunge,

60
          So wackelt das Hertz.

     Wenn der Thon zu mühsam klingt,

[504]

     Und der Mund gebunden singt,
          So erweckt es keinen Schertz.
 Da Capo.

Merc.
Nunmehro Richter her.

Tmol.

65
Das Urtheil fällt mir gar nicht schwer,

Die Wahrheit wird es selber sagen,
Daß Phöbus hier den Preiß davon getragen.
Pan singet vor dem Wald,
Die Nymphen kann er wohl ergötzen.

70
Jedoch so schön als Phöbus Klang erschallt

Ist seine Flöthe nicht zu schätzen.

 Aria.
          Phöbus, deine Melodey
     Hat die Anmuth selbst gebohren.
          Aber wer die Kunst versteht,

75
          Wie dein Thon verwundernd geht,

     Wird dabey aus sich verlohren.
 Da Capo.

Pan.
Komm, Mydas, sage du nun an,
Was ich gethan.

Mydas.
Ach Pan! wie hast du mich gestärckt,

80
Dein Lied hat mir so wohl geklungen,

Daß ich es mir auf einmahl gleich gemerckt.
Nun geh ich hier im Grünen auf und nieder
Und lern es denen Bäumen wieder,
Der Phöbus macht es gar zu bund.

85
Allein dein allerliebster Mund

Sang leicht, und ungezwungen.

[505]

 Aria.
     Pan ist Meister, laßt ihn gehn.
     Phöbus hat das Spiel verlohren,
     Denn nach meinen beyden Ohren

90
     Singt er unvergleichlich schön.

 Da Capo.

Mom.
Wie, Mydas, bist du toll?

Merc.
Wer hat dir den Verstand verrückt?

Tmol.
Das dacht ich wohl, daß du so ungeschickt.

Phoeb.
Sprich, was ich mit dir machen soll?

95
Verkehr ich dich in Raben,

Soll ich dich schinden oder schaben?

Mydas.
Ach plaget mich doch nicht so sehre
Es fiel mir ja
Also in mein Gehöre.

Phoeb.

100
Sieh da,

So solst du Esels-Ohren haben.

Merc.
Das ist der Lohn
Der tollen Ehrbegierigkeit,

Pan.
Ey! warum hast du diesen Streit

105
Auf leichte Schultern übernommen.


Mydas.
Wie ist mir die Commißion
So schlecht bekommen?

Merc. Aria.
     Aufgeblasne Hitze,
     Aber wenig Grütze,

110
     Kriegt die Schellen-Mütze

     Endlich aufgesetzt.
     Wer das Schiffen nicht versteht,

[506]

     Und doch an das Ruder geht
     Ertrincket mit Schaden und Schanden zuletzt[WS 2].
 Da Capo.

Mom.

115
Du guter Mydas, geh nun hin

Und lege dich in deinem Walde nieder,
Doch tröste dich in deinem Sinn,
Du hast noch mehr dergleichen Brüder.
Der Unverstand und Unvernunfft

120
Will jetzt der Weisheit Nachbar seyn,

Man urtheilt in den Tag hinein,
Und die so thun,
Gehören all in deine Zunfft.
Ergreife, Phöbus nun

125
Die Leyer wieder,

Es ist nichts lieblichers, als deine Lieder.

 Aria Tutti.
     Labt das Hertz, ihr holden Saiten,
          Stimmet Kunst und Anmuth an.
     Last euch meistern, last euch höhnen,

130
     Sind doch euren süssen Thönen

          Selbst die Götter zugethan.
 Da Capo.

[Vignette]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Mer- (vgl. 4. Auflage, Bd. 2, S. 871 Google)
  2. Vorlage: zu-|zuletzt