Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen/Friedrich II., König von Preussen

Textdaten
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Autor: Ludwig Bechstein
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Titel: Friedrich II., König von Preussen
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aus: Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen, S. 113–114
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Georg Wigand's Verlag
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Google und Commons
Kurzbeschreibung:
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Friedrich II., König von Preussen.
Geb. d. 24. Jan. 1712, gest d. 17. Aug 1786.


Preußens Heldenkönig, Deutschlands Ruhm und Stolz. Aeltester Sohn Friedrich Wilhelm I., Königs von Preußen, als Prinz von Oranien geboren, im zweiten Lebensjahre Kronprinz geworden, genoß er unter der Aufsicht des strengen Vaters eine militärisch despotische Erziehung, deren starren Fesselzwang der aufstrebende Geist des Kronprinzen auf jede Weise zu brechen suchte. Daher langnachhaltiger Zwiespalt mit dem ruhmvollen, praktischen Vater, der jede Idee des Sohnes, die irgend romantische Färbung haben mochte, mit Härte durchschnitt, daher in Friedrich II. frühzeitig die Entwickelung zu einem durch Widerstand gestählten Charakter. Die Mutter, Sophie Dorothea, königl. Prinzessin von Großbrittanien und Hannover, liebte Friedrich zärtlich, sie suchte zu sühnen, suchte ihn, als er zum Jüngling herangewachsen war, durch die Hand einer englischen Prinzessin zu beglücken, während der Vater aus politischen Rücksichten mehr zu Oesterreich sich hinneigte, und dieser Zwiespalt der Ansichten des königlichen Aelternpaares wurde dem Sohne ebenfalls zur Quelle mancher Leiden. Alle schönen Neigungen, deren Friedrichs jugendliches Herz begehrte: Musik, Lectüre, Glück der Freundschaft, mußte er heimlich zu befriedigen suchen, und da nichts verborgen blieb und bleiben konnte, so entfremdete sich ihm des Vaters Herz mehr und mehr, und der König dachte schon daran, den Kronprinzen seines angeborenen Rechts zu entsetzen und den mehr geliebten, folgsameren zweiten Prinzen August Wilhelm zum Nachfolger in der Herrscherwürde zu bestimmen. Der Riß zwischen Vater und Sohn erreichte seinen Gipfel, als der Kronprinz einen Fluchtversuch wagte, welcher verrathen wurde und die schrecklichsten Folgen nach sich zog. Der treue Freund und Gehülfe bei dem grausam vereitelten Projekt, Lieutenant Katte, wurde zu Küstrin hingerichtet, und aus dem Fenster seines dortigen Gefängnisses mußte der Kronprinz den Freund zum Tode führen sehen, ja sein eigenes Leben stand auf dem Spiele, bis endlich der aufgebrachte Vater sich versöhnen ließ. Zu dieser Versöhnung trug ein Opfer des Gehorsams von Seiten des Sohnes wesentlich bei; der Kronprinz vermählte sich auf des Vaters Wunsch mit der Prinzessin Elisabeth Christine von [Ξ] Braunschweig-Bevern, ohne Liebe, ja ohne Neigung, erhielt Stadt und Schloß Rheinsberg und die Grafschaft Ruppin von seinem Vater zum Eigenthum und lebte nun auf Schloß Rheinsberg der Kunst und den Wissenschaften im Umgang mit geistreichen Männern, blieb auch fortan mit seinem Vater in einem guten und herzlichen Einverständniß. Mit dem 31. Mai 1740 begann Friedrichs ruhmreiches Leben als Regent, als König, zu groß, um auch nur andeutend in dem engen Rahmen weniger Spalten würdig geschildert werden zu können. König Friedrich II. fand ein trefflich armirtes Heer und einen vollen Schatz als väterliches Erbtheil, er konnte im Kriegsfall eine Armee von 70,000 Mann aufbieten; so zwang er, ohne dieses ganzen Heeres zu bedürfen, den Bischof von Lüttich zur Sühne eines gegen ihn verübten Unrechts. Nach dem Tode Kaiser Karl IV. machte Friedrich II. die Ansprüche auf mehrere schlesische Fürstenthümer und Herrschaften geltend, welche früher an das Haus Brandenburg auf den Grund von Erbverträgen gefallen, vom Kaiser aber als erledigte Lehen eingezogen worden waren, wobei sich der König gegen Maria Theresia, die Königin von Ungarn und nachherige Kaiserin, zum Bundesgenossen gegen ihre Feinde anbot. Sie aber wies alle Anträge zurück, und Friedrich II. begann 1741 den ersten schlesischen Krieg; den zweiten begann er 1744, welcher mit dem Friedensschlusse vom 25. Dec. 1745 günstig für den Preußenkönig endigte. Es folgten zehn Jahre einer friedlichen Regierung, die dem Wohle des Landes, der mannichfaltigen Verbesserung durch den überall hin mit Hellem Auge selbst blickenden König gewidmet waren. Das Ministerregiment war Friedrich II. Sache nicht, er war Selbstherrscher im vollem Sinne des Wortes, aber ein tüchtiger und edler. Vor und nach dem dritten schlesischen (siebenjährigen) Kriege, den er 1756 begann und nach Kämpfen, Schlachten, Niederlagen und Siegen, die unvergeßlich bleiben, wie die Namen der Helden, die des Königs Schlachten schlugen und seine Siege erfechten halfen, 1653 zu Hubertusburg schloß, hob Friedrich den Wohlstand seines Landes, bebaute verheerte Aecker, ließ Wüsteneien urbar machen, vermehrte das Heer, wie den Schatz, als ein allbewunderter Held des Krieges, indem die Macht des halben Europa gegen ihn in Waffen gestanden hatte, und nur sein unerschütterlicher Heldenmuth und Heldensinn ihn aus drohenden Todesgefahren gerettet – wie er als allbewunderter Held des Friedens Künste und Wissenschaften, Verkehr und Gewerbe, Handel und Wandel zur Blüthe und zum erfreulichsten Gedeihen hob. – Erziehung und Jugendneigung hatten Friedrichs Sinn der französischen Sprache zugelenkt; er fand sich von der deutschen Literatur seiner Zeit nicht angezogen, nicht befriedigt; er sprach gern und schrieb fast nur französisch, gab dem französischen Geschmack den Vorzug, und lebte sich in dessen angenehme Formen ein. Die zahlreichen Werke, welche Friedrich II. ausarbeitete und hinterließ, sind glänzende Beweise seiner Bildung, seines Geistreichthums und allumfassender Kenntniß. Gern umgab er sich mit berühmten und geistreichen Männern, und war im persönlichen Umgang voll Witz, voll Leben, und voll Liebenswürdigkeit. Voltaire, den Friedrich II. an sich gezogen und mit Wohlthaten überhäufte, lohnte ihm mit Undank, aber im Herzen des deutschen Volkes lebt das Heldenbild des alten Fritz noch dauernder, als auch die herrlichsten Monumente es verewigen. So lange es ein Preußen und eine deutsche Geschichte giebt, wird Friedrichs Name unverdunkelt strahlen, gleich dem reinen Sternenbilde „Friedrichs Ehre“, in welchem nicht Schmeichelei, sondern verdiente Huldigung des großen und unvergeßlichen Königs Namen in das goldene Buch des Firmamentes schrieb, dahin in guten und schlimmen Zeiten der fromme Ausblick seiner Nachfolger auf Preußens Königsthron sich vertrauend richten mag.