Zur Jahreswende (Rudolf Gottschall 2)

Textdaten
<<< >>>
Autor: Rudolf von Gottschall
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Zur Jahreswende
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 28, S. 869
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1898
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger G. m. b. H. in Leipzig
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[869]
Zur Jahreswende.


Der Glocken Läuten kündet Mitternacht!
Die Gläser hoch – das neue Jahr erwacht!
Noch eine fromme Spende den Cypressen –
Die Thränenspende manchem teuern Grab,
Und einem Toten, ewig unvergessen,
Der lebend einer Welt die Losung gab.
So hohem Ruhm läßt sich kein Grab bereiten,
Er trotzt der feindlichen Gewalt der Zeiten.

Und noch ein Kranz – der hohen Dulderin!
Legt auf den Sarkophag ihn trauernd hin,
Den Lilienkranz zum Kaiserdiademe,
Den, ein Juwel, der Tau der Thränen schmückt!
Zu blut’ger That hat die verruchte Feme
Nie frevelhafter ihren Dolch gezückt.
Verwaist das Zauberschloß an Korfus Strande
Und mutterlos die kaiserlichen Lande!

Wir alle klagen um versunk’nes Glück,
Erinn’rung bringt es träumend uns zurück!
Wer dächte nicht in dieser Geisterstunde
So vieler Blüten, die der Sturm zerstreut?
Wem hat selbst bei der heitern Tafelrunde
Im stillen nicht sich alter Schmerz erneut?
O, das Vergang’ne weckt der Wehmut Zähren –
Die Zukunft möge Hoffnung hold verklären!

Du neues Jahr – o nicht im Trauerflor:
Mit hellen schönen Sternen steig’ empor!
O mögst du Licht den kühnen Denkern bringen,
Die forschend auf des Geistes Warte stehn,
Den Völkern Frieden, die im Kampfe ringen,
Den Herzen Trost, die klagend ihn erflehn,
Der Menschheit Heil im großen Weltgetriebe
Den Lieben Heil und Heil der treuen Liebe!

Rudolf von Gottschall.