Zimmerische Chronik/Band 2/Kapitel 62

Textdaten
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Autor: Froben Christoph von Zimmern
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Titel: Wie herr Gotfridt Wernher freiherr zu Zimbern dern malefiz halben ain nachtailigen vertrag mit der stat Rotweil angenomen, auch wie der herzog von Würtenberg wider ins landt eingesetzt worden.
Untertitel:
aus: Zimmerische Chronik Band 2. S. 633–636
Herausgeber: Karl August Barack
Auflage: Zweite Verbesserte Auflage
Entstehungsdatum: 16. Jahrhundert
Erscheinungsdatum: 1881
Verlag: Akademische Verlagsbuchhandlung von J. C. B. Mohr (Paul Siebeck)
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Erscheinungsort: Freiburg und Tübingen
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Quelle: Digitalisat der UB Freiburg
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Wie herr Gotfridt Wernher freiherr zu Zimbern dern malefiz halben ain nachtailigen vertrag mit der stat Rotweil angenomen, auch wie der herzog von Würtenberg wider ins landt eingesetzt worden.

Es hat herr Gotfridt Wernher freiherr zu Zimbern die
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stat Oberndorf und die zugehörigen dörfer nit lang ingehapt, er ist der hochen gericht halber mit denen von Rotweil in spenn komen; dann so ußerhalb der statt Oberndorf in den zugehörigen flecken was malefiz begangen, wolten die von Rotweil von wegen der freien gepürs, deren sie biß
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anhero sich vil berüempt haben und gar nahe ad infinitum mit höchstem der vernachpurten und umbgesessnen schaden und nachtail erstreckt, darüber richten. So vermaint aber herr Gotfridt Wernher, das im gepürte und schuldig were, dem haus Österreich, auch im selbs die hochen gericht und
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gerechtigkaiten, wie die von alter here an in kommen, zu handthaben und zu erhalten. Darauß ervolgt nun vil unruhe zu baiden thailen, und triben die von Rotweil vil hochmuts und unwillens, insonderhait aber, als herr Gotfridt Wernher ein malefactorn zu . . . fengclichen annemen und
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geen Oberndorf füeren lassen, daselbs für recht zu stellen

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[634] und peinlichen zu beclagen. Das wolten im die von Rotweil nit gestatten. Es kam dahin, das sich herr Gotfridt Wernher besorgen must, die hölzle würden in mit gewalt überziehen und den.gefangnen villeucht mit gewalt zu Oberndorf holen.
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Derhalben fand er sovil an rath, das er den gefangnen durch ain tädigung hinauß gab. Darneben und damit solch und dergleichen ingriff verhüett und in künftigem ein ieder thail wiste, wie es der hochen gericht halb sollte gehalten werden, do ließ er sich mit inen in ain vertrag, dergestalt, so
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sich ain malefizhandel, wie der gleich were (ohne die todtschleg, die sollten der stat Rotweil allain zusteen), ußerhalb der stat Oberndorf in der herrschaft zutrüege, das dann iedtweder tail, so der erst were und den malefactorem beifangen und für recht stellen megte, und damit sollten alle
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vorgeiebte sachen und unwillen ufgehept und hin sein. Solcher vertrag ward zu Rotweil ufgericht zinstags nach Egidii im jar 1533. Ob nun das haus Österreich in solchen vertrag bewilliget, oder der vertrag, hünderrucks des aigenthumbsherren ufgericht, die nachkommen binde und den
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schuldig seien zu halten, das stehet in aim grosen[1] zweifel. Aber wie die statt Rotweil etliche jar in grosem ufgang und ansehen gewesen, also ist meglich und zuversichtlich, das sie noch in kurzem auch wider fallen und gedemüetiget werde, dann kain hochmuet langen bestand.
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Gleich im andern jar hernach, anno domini 1534, ist herzog Ulrich von Würtemberg, als er [15][2] jar userm landt Würtemberg vertriben und ver[629]jagt gewesen, von landtgraf Phillipsen von Hessen und den schmalkaldischen confederaten widerumb eingesetzt worden. Was sich in solchem
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zug und recuperation des landts Würtemberg fürnemlich zutragen, das wurt an aim andern ort beschriben. Aber herzog Ulrich het das landt zu Würtemberg noch nit aller ingenomen, do beschrib er herrn Gotfridt Wernhern ganz gnedigclichen von . . . auß, zu im zu kommen und sich in
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dienst bei im einzulassen. Wiewol nun herr Gotfrid Wernher, wover er sich des orts in dienst begeben, im selbs ain zeitlichen nutz schaffen megen, darzu ain herren gehapt, der in zu aller pillichkait und zu recht gehandthapt und beschützt, so hat er sich doch gegen dem fürsten domals
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geschriftlichen und so böst er gemecht, seins ußbleibens ver-

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[635] antwurt und ist anhaimsch bliben, wiewol er wenig gnad damit erlangt. Beschaint sich neben anderm ußer dem. Als über etliche jar hernach herzog Christofel von Würtemberg den domdechant von Straßburg, graf Johann Christofen
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von Zimbern, als ain vilbekanten und vertrawten gern zu aim rath het angenomen, iedoch sollichs ohne vorgende seins herren vatters, des herzogen, bewilligung nit thuen dörfte, hat er sein herrn vattern darumb zu Stutgarten in beisein des tomdechants angesprochen und gebetten. Do
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hat der alt herzog dem domdechant die handt gebotten uf ein seiten hinauß und uf die andern seiten das angesicht gekert, darneben zu seim son, herzog Christoffen, gesagt: »Son, du kennest die von Zimbern noch nit, sonder wurst sie erst kennen lernen, wie ich; dann ob inen gleich vil
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guets und gnaden bewisen, so ist doch bei inen hernach wenig erkanntnus, insonderhait so man iren am maisten bedarf. Aber du magsts wagen, ob dir der mehr gerathen, dann mir bisanhero beschehen«, und hat sie damit baid von ime abschaiden lassen. Also hat in der jung herzog domals
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zu aim rath angenomen. Aber herr Gotfrid Wernhern ist domals solch ußbleiben beim herzogen in ein großen hochmuet und vergessenhait zugemesen worden, gleichwol im das hernach und allen seinen erben, bevorab im schmalkeldischen krieg, zu grosem fürstandt geraicht; dann er
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zugleich, wie der herzog, von kaiser Carolo were vertriben und verjagt worden, die güeter in frembde hendt kommen, oder weren doch ußgebotten[3] worden; die hetten mit verderblichem nachtail wider redimirt und erkauft werden [müeßen][4]. Aber der güetig[5] Got, dem billich hierin und in
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allen sachen lob und preis soll gesagt werden, schickts nach seinem götlichen willen und mit allen gnaden. Und nachdem mertails zimbrische sachen der zeit ganz abenteurlich gestanden, also das die vermutlichen wider zu entlichem abgang und verderben ein ansehens gehapt, so ist doch
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kein zweifel, herr Gotfridt Wernher hab den iezerzelten ursachen so hoch nit nachgedrachtet, sonder sich ain anders, damit er mit fuegen daheim bleiben und sich verbergen kinde, an diser und anderer ehrlichen conditionen, die im von kaiser Carolo, auch dem römischen könig Ferdinando
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mehrmals angebotten ist worden, verhündern lassen, darvon

1 [636] in andern hernach volgenden capiteln an gepürlichen orten weitere meldung beschehen wurt.



  1. grosen] hs. grosem.
  2. 15] hs. hat eine lücke.
  3. ußgebotten] hs. ußgebetten.
  4. müeßen] ergänzt.
  5. guetig] hs. guetigkait.