Zimmerische Chronik/Band 2/Kapitel 47

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Autor: Froben Christoph von Zimmern
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Titel: Wie sich allerlai sachen zue Hainstetten, Guetenstain und an andern orten in der herrschaft Mösskirch begeben, sampt etlichen lecherlichen pfaffenhandlungen.
Untertitel:
aus: Zimmerische Chronik Band 2. S. 467–477
Herausgeber: Karl August Barack
Auflage: Zweite Verbesserte Auflage
Entstehungsdatum: 16. Jahrhundert
Erscheinungsdatum: 1881
Verlag: Akademische Verlagsbuchhandlung von J. C. B. Mohr (Paul Siebeck)
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Erscheinungsort: Freiburg und Tübingen
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Quelle: Digitalisat der UB Freiburg
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[467]

Wie sich allerlai sachen zue Hainstetten, Guetenstain und an andern orten in der herrschaft Mösskirch begeben, sampt etlichen lecherlichen pfaffenhandlungen.

Nach solchem allem hat Wolf von Bubenhofen schloß
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und dorf Geisingen, sampt Dotenhausen und alle seine andere ligende güetere, die er in derselbigen landsart gehapt, Hannsen von Stotzingen umb ain doten pfenning, wie man sprücht, zu kaufen geben, welcher Hanns von Stotzingen solliche güetere in ain so hochen ufgang und werde gebracht,
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das die hernach bei meinen zeiten ob die achtzig tausendt guldin hauptguets sein geachtet worden. In sollichem verkaufen ist Wolf von Bubenhofen so liederlich und unsorgsam gewesen, das er ohne allen bedacht Hannsen von Stotzingen nit allain die brief, so zu den verkauften güetern
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dienstlich und gehörig, sonder auch alle die überigen brief, daran sonst dem stammen Bubenhofen nit ain wenigs gelegen, im gewelb zu Geisingen verlassen. Er hat bei seiner ersten ehefrawen, die herr Dieterich Spetten, ritters, schwester gewesen, nur ain sone bekommen, der hat Jörg ge-

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[468] haißen, welcher bei dem unnutzen hausen seins vatterns uferzogen. So baldt er erwuchse, [548] hausete er zu ains würts dochter zu Balingen, genannt Stengel-Anna, dardurch ir vatter verursacht, sampt seinen freunden bemelten Jörgen
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ußerhalb Balingen zu verkuntschaften. Die fiengen ine bei eim weldlin, drangen ine dahin, das er die Stengel-Anna zur ehe nemen mueste, und wie man sagt, ist es ain guete ee worden, haben wol mit ainandern gelept. Er hat zwen son von ir bekommen, die sein hernach außer armuet
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kriegsleut worden und haben den adelsstande verlassen, sich sonst ehrlichen und wol gehalten. Über etliche jar, nach absterben der Spetin, hat bemelter Wolf von Bubenhofen sich widerumb verheirat und des theuren, weit bekanten ritters, herr Friderichs Caplers nachgelassne witib
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genomen. Sie war aine von Hadtstat[1], ein erliche, liebe fraw, aber sie hat bei im auch kein kindt bekomen, zu gleich wie bei irigem vorigen mann, herr Friderich Caplarn. Derselbig ritter war bei seinen zeiten von kaiser Maximiliano vil gepraucht worden und het vil ritterlicher, namhafter
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thatten begangen, war bei kurzen jaren darvor gestorben und zu Maßmünster begraben worden. Uf sein grabstain het er im in seinem absterben bevolchen, sein wappen, schilt und helm zu hawen und darüber ain gaisel mit dem reimen: »Treibs, so gats.« Er ist bei seinen lebzeiten ain
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herzhafter und unerschrockner mann gewesen. Wie er uf ain zeit seine feindt angreifen wellen und darauf sein ordnung gemacht, sein im durch kuntschafter zeitungen zukommen, die feindt seien schon in aller nähe und wolgerüst vorhanden, ziehen mit macht stark daher. Ist er vor der
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ordnung in seiner alten hundskappen, also hat man solchen harnasch domals gemert, gehalten und lecherlich, mit höchster modestia, ohne ainiche anzaig ainer forcht oder beweglichkait des gemiets gesprochen: »Kommen sie? komen sie? das ist recht; wolauf, im namen Gottes, sie sollen uns
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finden!« hierauf die feindt großmüetigclichen angriffen und angeschlagen. Er hat vil treflicher thatten mit aigner handt mehrmals verpracht und sich so getrewlich und wol bei seinem herren gehalten, das im seine gesta billichen bei ewiger gedechtnus sollten erhalten werden.

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[469] Aber das ich wider uf mein angefengte materia kom, nemlich uf Wolfen von Bubenhofen, so ist zu wissen, als im herr Gotfridt Wernher den kaufschilling umb Falkenstain und sein zugehörde also bar zugestellt, das dozumal
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bemelter Wolf von Bubenhofen im fürgenomen, mit solchem gelt etlich gülten wider abzulesen und grosen nutz zu schaffen. Aber do war kein glück, sonder es muest alles hindurch. Er hat uf ain zeit zu seiner vertrawtesten diener ainem gesagt, solch gelt hab in nit gar zwai jar geweret, seie gar
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zerstoben und im von seinen mögten und unnutzem gesinde abtragen worden. Also geet es zu: was sein vatter und eni mit finanzen bekommen, das hat nit kinden bleiben, sonder ist wie der schnee zerschmolzen, wie das sprüchwort[2] laut: »De male quesitis non gaudebit tertius heres.« Er ist
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letzstlich in großer armuet, als im sein brueder, herr Hanns Caspar, nit helfen kinden, oder er seim brueder, ellengclichen gestorben. Gott verzeihe im und uns, was wir dann umb in beschulden! Und dieweil Kreien-Hainstetten[3] von alters her allwegen
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und ihe zu dem schloß Falkenstain gehört, kan ich nit underlassen, was sich daselbs seltzams vor unsern zeiten zutragen [549] und ich erfaren künden, zu vermelden. Bei zeiten, als Wolf von Bubenhofen das schloß Falkenstain sampt obgehörter seiner zugehördt noch ingehabt, hat er
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ain pfarer daselbst gehapt, genannt herr Melcher Leichtenhendle, ist ain wunderbarlicher pfaff gewesen. Von dem sagen noch die alten, wie er uf ain zeit zu Hainstetten ain osterspill hab halten wollen und die historiam des palmtags, wie der herr Christus uf aim esel zu Jherusalem ingeritten,
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spilen, und namlich so hab er sein mesner uf ain mülleresel gesetzt, im ain langen rock angelegt; dem seien zwelf bauren nachgefolgt, wie die zwelf jünger; er aber, der pfaff, seie bei der kirchen mit den überigen bauren, auch jungen und alten gestanden, hab in mit dem gewonnlichen gesang
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entpfangen. Do hab ainer under dem haufen, der dem mesner sonst feindt gewesen, ain palmenast dem mesner uf ain aug geschossen, dardurch der mesner erzürnt, ab dem

1 [470] esel gefallen, darvon geloffen und gesagt, der teufel solle iren Hergot sein.

* [1555] Über vil jar hernach, anno 1561, do hat ain caplon von Messkürch, genannt her Hanns Schwarzach, mit
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dem zunamen Spindler, auch den palmen geweicht zu Hewdorf, dieweil aber der balmesel ganz klain gewest und sich des niemands versehen, do ist urplitzlingen ein großer rüde herzugeloffen, hat den esel und den Salvator daruf ins maul erwüscht und mit darvon geloffen durchs volk. Die baurn
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haben im den widerum abgejägt, und ich glaub entlich, das es der gaist gethon oder angericht, damit er das arm baursvolk von seiner andacht zu ainem gespött und glechter bring. Hernach haben die bauren besser sorg zu irem balmesel gehapt. *
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Bemelter pfaff (Leichtenhendle) hat uf ain zeit denen von Bubenhofen ain jarzeit zu Hainstetten begeen sollen, derhalben zwen priester von Mösskirch, die im ministriren, erpetten, under denen herr Hanns Hemler ainer gewesen. Derselbig, als er die epistel singen sollen, hat er im puch
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den anfang der epistel nur mit dreien oder vier worten geschriben gefunden, das überig ist mit ainzigen buchstaben verzaichnet gewesen, derhalben er die epistel gesungen, sovil am text geschriben, nach welchem er in der gewonlichen melodei mit heller stim in teutsch gesungen: »Ich kan nichs
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mehr singen, ich findt nichs mehr, do ist nit mehr geschriben.« Das hat herr Melchern Leichtenhendlin ob dem altar verdrossen, und dieweil der Hemler ain bös aug, hat er gleich darauf auch in teutsch in voriger melodei gesungen: »Das dich der rit schende in das bösser aug!«
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darauf der Hemler wider gesungen: »und dich in den bössern schenkel!« dann herr Melcher ain bösen schenkel gehapt. Hierauf die pauren, so zugegen, gemainlich gesagt »amen«, und ist in der kirchen ain groß gelechter darauß worden. Ermelter herr Melchior hat sonst vil seltzamer
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sachen getriben. Er het ain verwandten, war auch ain priester und ain magister artium, war pfarrer zu Fronstetten, der underwandt sich auch solcher schimpf und lecherlicher handlungen. Er verkauft aim metzger ain saw mit den ferlin, und wie er erfuere, das hernach die saw geferlet und
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zwelf ferlen gehapt, vermaint er, seitmals er ain tragende kue im stall, sie sollt im auch zwelf kelber bringen. Uf solche hoffnung verkauft er die kue auch aim metzger, mit

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[471] vertröstung, sie würde zwelf kelber haben. Der metzger nam die condition, doch sollt der pfaff hiezwischen die kue, biß sie kelbert, erhalten. Nun het aber dem pfaffen sein magt etlich gelt abtragen, wie dann der pfaffenkellernen
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prauch vor jaren gewesen, verhofenlich, es geschehe diser zeit nit mehr. Das markt der pfaff wol, thette aber nit dergleichen. Wie nun die kue hernach kelberet und nur ain kalb pracht, gebaret der pfaff, als ob er die khue und das kalb wolte zu todt schlagen, mit anzaig, sie hetten [550]
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im sovil gelts (und damit nannt er die somma, die ime die magt undergeschlagen) gefressen. Die magt markt den bossen, bat den pfaffen, von seinem fürnemen abzusteen, und erbot sich, das gelt, dess dem pfaffen manglet, wider zu geben. Also ließ er sich wider begüetigen, nam das
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gelt wider zu seinen handen und het bösser achtung uf seine sachen, dann villeucht hievor beschehen; und ist an den pfaffen nit zu achten, das er zwelf kelber von seiner kuhe haben wellen. Mir denkt, als graf Wilhelm von Fürstenberg noch
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starks, gesunds leibs, auch in allem seim thon und lassen war, so er nit in kriegssachen und pratiken verwicklet, wandlet er stettigs von Straßburg, alda er in der Kalbsgassen ein schönen hof het, geen Ortenberg und dann wider geen Straßburg. Uf ain zeit fiel zu Straßburg und in der
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umbligenden landtschaft ein vichsterbent ein, also das ain großer mangel an flaisch wardt. Graf Wilhelm het darab ain beschwerdt, nam im für, er wellt zu Ortenberg selbs vich halten und kelber nach der notturft ziehen, dann im bewist, das die tauben alle monat junge hetten, verhofft er
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auch, alle monat von ieder khue ain kalb zu haben. Derhalben befalch er seim mair zu Ortenberg, ein zehen oder zwelf küeen zu bekommen, von denen vermaint er bei den hundert kelbern und darob in jarsfrist zu haben. Und aber, als er bericht wardt, das iede kue jars nur ain kalb, stallte
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er die semerei unverzogenlich ab. Es war sein facultet nit, mit dem vich umbzugeen, sonder hett sich baß außer aim regiment landsknechten verrichten künden, gleicherweis als herr Conradten von Bemelberg beschach. Derselbig, unangesehen das er ain verrüempter kriegsman, nochdann het
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er, sovil das vichgewerb belangt, auch so wol als graf Wilhelm kein wissens oder erkantnus, sonder, als er uf ain zeit vil überigs hews, vermaint er, solchs wer den schweinen zu

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[472] geben, und als er von seiner hausfrawen von Newhausen darumb angeredt, mit vermeldung, das die schwein kein hew essen würden, sprach er, wie er all sein tag anders nie gewist, dann die schwein essen auch das hew, wie die
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ross, die ochsen und das ander vich. Ein kurze zeit darvor, ehe dann herr Gotfridt Wernher das schloß Falkenstain an sich gebracht, hat Wolf von Bubenhofen ain vogt daselbst uf dem schloß gehapt, genannt Bernhart . . ., der war bei etlich jaren darfor nach
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abstandt Balthasar Pfefferlins dohin kommen. Derselbig Bernhart hat ain weib von Kraien-Hainstetten, genannt Engele Stüberin. Begab sich, das er mit seinem schweher, Ulrich Stübern, der dozumal zu Kraien-Hainstetten sas, etlicher unnachparer ansprachen halb zu unfriden worden,
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das er dem schweher uf leib und guet absagte. Der forcht im so übel, das er ain söldner von Gutenstain, genannt Lude Seger, war ain zimmerman und ain stark, geradt man, bestelt, er sollte im den dochterman umbbringen. Darumb gab er im vier gulden. Derselbig Lude empfieng das gelt,
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nam seiner sachen acht, und als uf ain zeit der Bernhart under Falkenstain an der staig gegen dem Weiler mit aim jungen buben gescheitet holz ufrichten thette und also uf der beig stande, war der Lude zugegen, hünder aim paum verborgen. Der schoß mit einer birsbüchsen herzu, traf in
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under den arm, das er gleich herab fiel [551] und todt war. Er wardt zu Hainstetten begraben. Uf solchen mord, wer den begangen, wardt vil kuntschaft gemacht, aber es plib ein guete zeit verschwigen, das sich uß der sach niemands verrichten kunt. Nun hett aber der thetter, der Lude Seger,
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ain nachpurn zu Gutenstain, genannt Paule Plank, der war ain dagwerker und gleichergestalt ain ansehenlicher und starker man. Sie hetten baide ir heuser daselbst allemechst bei ainandern, und wie sie nachpaurn, auch baide starks leibs, also hetten sie auch vil mordssachen und andere böse
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stuck hin und wider mit einandern außgericht und verbracht. Begab sich ungefärlich in aim jar hernach, das ain landsknecht ußer Frankreich kam, genannt Barthle Preisinger und war pürtig von Guettenstain, der het etlich gelt haim gebracht. Uf den Barthlen machten der Lude Seger, auch
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sein gesell, der Paule Plank, ir kuntschaft, und als derselb ainsmals geen Mösskirch gieng und sie das gelt bei im erfueren, machten sie baid sich auch uf den weg, und als

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[473] der guet Barthle nit ferr vom hochen Creuz kam, do griffen sie in gleich unversehenlich an und ohne alle erbärmbde schluegen sie in zu todt. Sie plinderten in, liefen mit dem gelt darvon wider nach Guettenstain, den leib liesen sie im
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holz ligen. Noch desselbigen abents wardt der leib also todt und übel zerschlagen und zugericht von etlichen von Stetten zum Kaltenmarkt gefunden und erkennt. Die giengen eilends geen Gutenstain und berichten den ambtman, auch ander, wie sie den entleibten Bartlen gefunden. Dieweil es
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aber so spaat, ließ der ambtman die sach selbige nacht beruwen. Des andern tags in aller früe berueft der ambtman, Hugle genannt, die ganz gemaindt zu Guttenstain, denen hielt er das mordt für. Also giengen sie einhelligclichen, da sie den cörper noch fanden; den luden sie uf
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ain karren, fürten in geen Guttenstain, da wardt er begraben. Indess aber, wie der cörpel uf der walstatt also todt ufgeladen warde, wolten die zwen tödter, die auch zugegen und mit den andern von weniger argwons wegen erschinen, dem cörper nit genahen, namen sich an, sie welten
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dem abgestorbnen entleibten ein creuz machen. Das markt der amptman. Der bevalch und rueft aim ieden zu dem karch zu geen. Das beschach, sie giengen alle herzu. Als der Lude Seger herzu tritt, wiewol ungern, fieng der todt cörper an heftig zu schweißen[4]. Von stund an erhebt sich
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der argwon uf Ludin. Der ander, Paule, der sondert sich von den andern und thette sich ußer dem dorf. Also da der ain außdretten und der Lude sich so argwenig erzaigt, wardt der vorbemelt ambtman von Gutenstain verursacht, den Ludin fengklich anzunemen. Den schickt er geen
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Mösskirch, und so baldt er peinlich gefragt, bekannt er alle begangne mordt, insonderhait aber, wie er vor aim jar den vogt von Falkenstain, Bernharten, außer anstiften Ulrich Stübers auch erschossen. Also wardt mit im nit geeilet, sonder ain guete zeit noch fengclich enthalten. Hiezwischen

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[474] der ander mörder, Paule Plank, der sich, wie gehört, zu Guettenstain geeußert, kunte sich in die harr nit enthalten, sonder kam vilmals uß der frembde haimlichen widerumb geen Gutenstain zu weib und künden, die noch alda waren.
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Wie herr Gotfridt Wernher sollichs bericht, gab er bevelch, zu ehister gelegenhait den auch zu fahen. Das beschach; dann als er uf den ostertag haimlich in sein haus zu der zeit, als menigclichen in der kirchen, schlich, wardt er verkuntschaft, das haus eilends umbstellt, und wiewol der keck
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böswicht sich zu wehr stallt und mit aim flischbogen iren etlich verletzte, so wardt er doch zu letzst wie ain wilde saw gefangen und auch geen Mösskirch geschickt. Also nach dem er von den barbierer und scherrer seiner wunden [552] fleißigclichen wider gehailet, wardt er sampt seim
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gesellen, dem Ludin Seger, für recht gestellt und peinlich beclagt. Die warden mit rechtlicher erkantnus mit dem radt gericht und bekamen damit, andern zu einem ebenbilde und beispill, iren verdienten lone. Aber der Ulrich Stüeber, der das mordt mit seim dochterman angericht und den erschießen
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het lassen, der wardt kurzlich darnach zu Mösskirch gefangen und für recht gestellt. Er bekannt, er het wol gewist und erachten künden, das er würde gefangen werden, aber er het nit fliehen oder der statt sich enthalten künden und het noch die hofnung, der allmechtig würde im darvon
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helfen. Und wiewol sein dochterman zu zeiten, als er ine erschiesen lassen, des Wolfens von Bubenhofen vogt uf Falkenstain war gewesen, so name sich doch gemelter Wolf des rechtens nichs an, sonder ließ es ain guete sach sein. So war auch sonst umb den Bernharten kein sondere hoche
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clag, dann er sich gar nahe gegen allen vernachpaurten und ambtszugehörigen bei zeiten seins lebens so streng und hochmütigclichen erwisen, das es niemandts vast laidt umb ine war. Iedoch, dieweil es ihe ein mordt, darzu res mali exempli, so aim solchen maleficio sollte zugesehen werden,
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so war herr Gotfridt der mainung und dahin bedacht, was das recht dem Stüeber uflegen, das müeste exequirt werden. Nun wuste er wol, das ain merklichs fürbitt von denen vom adel, auch von der priesterschaft und von rat und den gemainden durch alle herrschaftsleut beschehen würde,
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derhalben name er ime für, uf den nechsten und letzsten rechtstag des morgens vor tags zu verreiten, darneben seim vogt, dem alten Gangolfen Örtlin, zu bevelchen, unangesehen alles

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[475] fürbits, so beschehen mögte, was urthel und recht gebe, stracks mit fortzufarn und hieran niemandts zu verschonen. Nit mag ich wissen, ob es durch ain sonders mitel von oben herab oder sonst per indirectum[5] zugieng, es vergieng
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dieselbig nacht herr Gotfriden Wernhern aller willen, mit dem rechten wider den Stüeber fürzufaren, er konnte darfür nit schlaffen, als er auch hernach mehrmals bekennt hat, er hab darnach nichs wider den Stüeber handlen künden. Also ward er des andern tags, ehe und zuvor die endturthel
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ergieng oder geöffnet, begnadiget und des lebens gesichert. Er, Stüeber, erbot sich, ehe und zuvor er wider zu haus und hof wolte einkeren, zwo walfarten zu ainer bueß begangner übelthat zu volbringen, nemlich zum ferren sant Jacob geen Compostellam und dann zu unser Frawen zu
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Loreto. Das hat er hernach getrewlichen gelaistet. Damit hat er das enorme maleficium gebessert und hat noch etliche vil jar darnach gelebt, auch kinder verlassen, die in ehr und guet sitzen. Ich glaub, so sich der casus bei herr Gotfridt Wernhers erben zutragen, und der Stüeber gleich
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das ganz Compostellam und Loreto bei sich gehapt, im würde das wenig fürstendig sein gewesen, sonder, was recht geben, das het er, andern sicariis und malefactorn in causa tam odiosa zu aim abschewen, ersteen und leiden müeßen. Aber herr Gottfridt Wernher ist nach erkauftem schloß
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Falkenstain vil daselbs gewesen, hat das mehrtails, wie es iezundt ist erbawen, zugericht. Es hett uf der capellen ein hochen thurn, der war so hoch, das man über alle welder und helzer biß gar nahendt geen Mengen sehen megte. Der war oben mit holz und rigelwerk uf die alten manier
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weit außgelassen, und wie ich von den alten mehrmals gehört, so war derselbig thurn, wann ain starker luft [533] gieng, dermaßen wacken und sich bewegen, das ain schüssel mit wasser unverschütt uf dem tisch nit bleiben mogte. Denselbigen ließ herr Gottfridt Wernher abbrechen von
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merer sicherhait wegen und sonst hin und wider im haus bawen. Er het ain knecht oder diener alda, genannt Kromer-Hensle, war gar ain guets, einfeltigs mendle. Dasselbig wardt ainsmals in der fassnacht zu Lübertingen von den pauren daselbs im würtshaus geschediget und wundt
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geschlagen, also thett im herr Gottfridt Wernher alle hilf. In

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[476] muest Jacob Maienbron, der wundarzet, wider mit fleis generen, iedoch ward im saurkraut und andere schedliche speisen zu den wunden verbotten. Begab sich uf den palmtag, als etlich des gesünds zu Wildenstain waren zu
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Lübertingen zum sacrament gangen und man in uf den morgenimbiß ein stockfisch kocht, kante diser Kramer-Hensle den stockfisch nicht und vermaint, es were ain saurs kraut, darumb wolt er nit essen. In dess zechten die andern waidlich von statt. Under denen ainer in ansprach: »Hensle,
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warumb isestu nit auch? wie sitzest so still?« Antwurt er: »Ach, nun waistu doch wol, das ich kain kraut nit iß.« Sie fiengen alle an zu lachen. Do bedaucht in wol, es gieng nit recht zu und es were kain kraut; derhalben, wie es gar nahe alles ußgessen, fieng er an das zu versuchen,
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und wie es im wol schmackt, sprücht er: »Darumb dacht ich wol, warum essen sie so feindtlich?« Noch het herr Gottfridt Wernher ein diener oder taglöner derzeit zu Falkenstain, der hieß Hanns Seng, der wolt nit, das man im Hanns Own ruefte. Dess wardt er
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von aim, hieß Wilhalm Schreiner, trib das handtwerk alda mit deffer und ander arbait, wol geplagt. Man übertrib den gueten man hiemit sovil, das er uf ain zeit, als er anderer gestalt sich höcher und mehrer nit rechen konte, die hosen überaberzoge und sein herren, herr Gottfriden Wernhern,
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und menigclichen in hündern sehen ließ. Dieweil er aber so gar überfatzet war worden, ließ in herr Gottfridt das nit entgelten. Es ist hernach umb die jar 1549 auch ain solcher ainfierer man zu Möskirch gewest, der hieß Eustachius Schlosser,
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der war ain schlosser und wolt nit Hanns heisen. So baldt das under den gemeinen haufen kam, do war des gespais kein ort. Es het ein fatzman zu Mösskirch, hieß Stofel Weingeber, war des alten pfaff Weingebers son, der war gewon, mehrtails alle feirtag, wie man pfligt, nach dem essen
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uf den Markt zu geen zu andern gueten gesellen. Der stalt sich allernechst mit andern bei den obgehörten Schlosser und unversehens rueft er überlaut »Hanns«. Er konte aber mit der handt die stim verheben und verwelchen, das der Schlosser vermaint, es het ainer uf der andern seiten
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geschrieen. Wann dann der Schlosser nit wuste, wer gerüeft, und das gelechter über in sache, rueft er »schelm, dieb, böswicht.« Über ain kleine weil rueft der Stoffel aber

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[477] »Hanns«. Damit vertrib er den gueten Schlosser ab dem Markt. Er hat auch in ainer kürze hernach der ainigen ursach halb das burgkrecht zu Mösskirch ufgeben und ist ins Hegow geen Ach gezogen, alda er bei wenig jaren
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noch gelept.



  1. Hadtstat] über dieses elsäßische geschlecht s. Schöpflin, Alsatia illustrata II, 70 ff. und 645 ff.
  2. sprüchwort] s. Erasmus Roterodamus, Epitome adagiorum II [1583), 330; Binder, Novus thesaurus adagiorum latinorum s. 77, nr. 707.
  3. Kreien-Hainstetten] geburtsort Abrahams a Sancta Clara, s. Karajan, Abraham a Sancta Clara s. 2 ff.
  4. schweißen] es ist hier auf das bahrrecht hingewiesen. Wenn der thäter unbekannt blieb, ließ man die verdächtigen an die Bahre treten und den leichnam berühren, im glauben, daß dieser bei annäherung des schuldigen zu bluten beginne. Ueber einen ähnlichen fall s. das register unter bahrrecht. VgL Birlinger, Aus Schwaben II, 469 ff.; Osenbrüggen, Studien zur deutschen und schweizerischen Rechtsgeschichte s. 327—332; Anzeiger des germanischen Museums 1868, sp. II; Adrian, Mittheilungen aus Handschriften s. 71: Aidt des Bargerichts.
  5. indirectum] hs. indriectum.