Zimmerische Chronik/Band 2/Kapitel 38

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Autor: Froben Christoph von Zimmern
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Titel: Von etlichen gueten schwenken, die sich zu Rotweil zutragen, auch von etlichen graven und herrn.
Untertitel:
aus: Zimmerische Chronik Band 2. S. 365–373
Herausgeber: Karl August Barack
Auflage: Zweite Verbesserte Auflage
Entstehungsdatum: 16. Jahrhundert
Erscheinungsdatum: 1881
Verlag: Akademische Verlagsbuchhandlung von J. C. B. Mohr (Paul Siebeck)
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Erscheinungsort: Freiburg und Tübingen
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Quelle: Digitalisat der UB Freiburg
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Von etlichen gueten schwenken, die sich zu Rotweil zutragen, auch von etlichen graven und herrn.

[498] Umb die selbig zeit und gleich nach dem paurenkrieg hat herr Johanns Wernher das hofgericht zu Rotweil
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auser ansuchen seins vetterns, graf Ruedolphen von Sulz, der dozumal stathalter zu Insprug war und baiden nit abwarten oder vorsteen mögte, mehrmals versehen, in welcher zeit vil gueter schwenk und schimpfbossen alda sich begeben. Es het domals under denen procuratorn bemelts
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hofgerichts ein doctorem juris, genannt doctor Amandus ..., war gleichwol ain gueter, fromer man, aber nit der scherpest, wie einsmals ein Niderlender sagt. So enthielt er sich auch,

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[366] singulares intellectus[1] in die kaiserliche recht zu dichten, sonder ließ alle ding ain guete sach sein und sich der alten traditionen und inventa benüegen. Einsmals kam ain bös, alt, geschwetzig weib zu im, die het villeucht auch ain
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krommen, faulen handel am hofgericht. Dieselbig bericht den doctorem irer sachen mit hochem pit und verhaißen, wa er ir den handel wol außrichten, welte sie im ain ehrliche verehrung thuen. Als nun der doctor ires erachtens genugsam informirt, gieng er ans hofgericht, das alt weib,
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sampt andern partheien mehr volgten im nach. Wie aber der standt an den doctor kam, wiewol er mehr partheien hette, an denen auch villeucht mehr, dan an dem alten weib, wer gelegen gewesen, iedoch so standt das alt weib gerad hünder im und war ganz unrüebig ußerhalb denen
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schranken, rupft den gueten doctor stettigs beim rock, iren handel am ersten fürzubringen, das er durch söllichs importun anhalten ir wilfaren mueste. Wann er dann in der narration facti etwas, so der frawen gefiele, wol herfür striche, so wank sie mit dem haupt und sprach: »Da faren einher,
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herr procuratus!« Dess mocht man nun wol lachen. So dann der doctor etwas leis einher wolte in repliken und gegenberichten, war das weib ganz unrüebig und lag dem gueten doctor stetts in oren, er konte ir nit genug reden. Wann er dann wider fahen reden, so zupft sie in abermals
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und gab im noch mehr berichts, macht damit den gueten man so irrig, das er herr Johannsen Wernhern, so domals das hofgericht besas, anreden wolte, mit bit, ime friden vor dem alten weib zu schaffen, das er sprücht: »Wolgeborne, gnedige fraw!« Dess wardt er von iederman verlacht,
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derhalben der doctor übel geschampt, sich entschuldigen wolt, sprücht in der gehe und unferdacht: »Gnediger herr, das alt weib geheit mich dahünden.« Und wiewol er noch mehr verlacht, iedoch wardt er darnach von urthelsprechern ermelts hofgerichts umb etliche gülden gestrafft, und ward
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hierauß ain sollichs gespai über in, das er in etlicher zeit hernach sein procuratur ufgab und sich von Rotweil geen Tibingen thette. Alda hat er darnach etliche jar in gueten rueben gelept und ward der alten weiben geschwätz daselbs vertragen.
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* [1464] Kurzlich darnach begab sich noch ain guter

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[367] handel im gericht. Als dann gewonnhait, das zu zeiten und in sonder handlungen die urtelsprecher patrociniren und den parteien das wort thun, das beschach domals auch, das ain urtelsprecher zum gegenthail sagt: »Damit aber
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menigclich speure, das mein parthei seiner sach befuegt, so steet es also und dergestalt in der juristen buch geschriben,« und allegirt damit, was er vermaint zu seiner sach dienstlich sein. Solche red von der juristen buch zwackt im ein anderer urtelsprecher[2] uf und sagt offenlich:
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»Der juristen buch
Und der Juden gsuch,
[1465] Ein schwarze fud under ain weiß tuch
Und ein guter zagel in der bruch,
Des kaisers canzlei
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Sei auch darbei:
Dise fünf gschirr
Machen ain groß gewirr.«
Es ward ain groß gelechter von hofrichter, den überigen urtelsprecher und allem umbstand und gieng ungestrafft hin,
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allain das derselbig die urtelsprecher zu gast hielt, damit war es hinüber. * * [1295] Bei unsern zeiten war ain procurator am hofgericht, hieß maister Hanns Meck, weilunt Galle Mecken son, der wolt ainsmals seins gegentails oder widerparthei
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procurator die argumenta oder behelf, wie dann die procuratores allerlai gesüchlin sich gebrauchen, ablainen und verklainern, darumb sprücht er unverdechtlichen uf sein guet Schwarzweldisch: »Es reimpt sich meins gegenthails fürbringen gleich als salzmessen und ich waiß nit was,« damit
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wolt er ain grobs wort haben laufen lassen, aber er beschnit es dannost mit ainer offengabel. Es wardt sein wol gelacht, dann es wolt sich gar nit reimen sein sprüchwort, das er zu seiner rechtshandlung gebraucht, so wenig, als ainest graf Hainrich von Hardek (war darvor nur der Brüeschenk
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genannt worden), der wolt vor kaiser Friderrichen dem dritten ein schöne redt thon, under anderm aber ließ er sich sein gegenthail also ufbringen, das er unverholen sagt: »Es reimpt sich das gar nit, so wenig, als ars und Friderrich.« Das hört der kaiser, und wiewol das gar ain siticher man und der sich nit gleich oder liederlichen ließ ufreden,

1 [368] iedoch antwurt er in ainer ungedult, sprechendt: »Ei, warumb nit dreck und Hainrich?« wolt damit dem von Hardeck seinen namen gleichfals auch verachten und verklainern. *

In wenig zeit darnach sein graf Friderrich von
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Fürstenberg und graf Jörg von Lupfen uf ain tag geen Augspurg geritten. Als sie nun ire sachen alda verricht und widerumb nach der heimat gedrachtet, ist herr Wolf Dietrich von Pfiert, ein theurer, namhafter ritter, ohne geferdt zu inen kommen und mit inen geraiset, des vorhabens, in das Ellsäs
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und Sunkew sich zu verfüegen. Und seitmals sie ainandern von jugent uf wol bekannt, haben sie ain guete gesellschaft gehapt, auch vil schimpfs und kurzweil uf der rais getriben. Nun hat sichs begeben, das sie underwegen zu Günzburg zu imbiß gessen und ganz frölich gewesen. Underwegen
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aber im veldt hat [sich][3] herr Wolf Dietrich von Pfiert mit seinem pferde nit betragen künden und ist von demselben (wol zu achten, das ross hab zu vil wein gedrunken) so gar erzürnt und ergrimpt worden, das er bemeltem ross baide oren abgehawen. Sollichs hat sich nun niemands angenomen,
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sonder sein alle fürgeritten. Iedoch, als herr Wolf Dieterich und auch die andern der sach nit gewaret oder achtung gegeben, hat graf Friderrich seiner diener einen hünder sich geschickt, im die baide rossoren zu bringen. Derselbig diener hat sich mit fleis im veldt verhündert, ist wider
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zuruck geritten und [499] hat seinem herren verborgenlich die baide oren gebracht. Uf den abent sein sie gemainlich mit ainandern geen Ulm komen und in des alten Rauchschnabels herbrig zu der Chronen eingekert. Dieweil aber der selbig Rauchschnabel ein geschwinder, leufiger man und
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der zu schimpf und ernst war zu gebrauchen, auch bei inen und allem adel erkannt, gab im graf Friderrich baide oren, mit bericht, woher sie kemen und wie es uf dem weg, als oblaut, gangen. Der nam die ohren zu handen, und als die herren und iederman zu disch gesessen, dann vil
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herrschaft domals und ain großer buntstag alda, bracht der alt Rauchschnabel beide rossoren in zwaien verdeckten blatten hinein und mit großer cerimoni setzt er die also verdeckt uf die taffel, mit vermelden, im were denselbigen aubent ain seltzams und ungewonlichs wilprett zugestanden. Mit
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dem so nam graf Friderrich die ober blatten darvon und,

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[369] als er baide rossohren ersach, thette er dergleichen, als ob in verwunderte, waher die ohren kemmen. Ersicht herr Wolf Dieterrich die oren, und sprücht graf Jörg: »Ich main, herr Wolf Dieterrich, es seien die ohren, die ewer ross heut
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vor Günzburg verzett hat.« Indess facht menigclich an zu lachen und herr Wolfen zu spotten. So nimpt herr Wolf Dieterich die ohren und würft die hünder die thür, und ward die abentmal mit frewden und mertails aber mit denen ohren zugebracht. Des andern tags schieden sie von Ulm;
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kamen underwegen zu herr Schweikharten freiherren von Gundelfingen. Der hielt sie so lang uf, das sie erst am driten tag geen Mösskirch kamen. Und dieweil aber herr Gottfridt Wernher domals nit anhaimisch, kerten sie ein bei herr Johannsen Wernhern im undern hof. Bei dem waren
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sie übernacht, bliben bei im des andern tags biß spat nach mittemtag, dann sie noch dieselbig nacht geen Hochen-Emmingen wolten, gehörte graf Jörgen von Lupfen zu. Herr Johanns Wernher laistet inen alle guete gesellschaft und kam dahin, das sie maisleten, becher und anders zum
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fenster hinauß warfen, wie ich wol gesehen vor jharen, das es zu Straßburg bei graf Wilhelmen von Fürstenberg mehrmals auch also zugienge. Und wiewol sie alle frölich, insonderhait aber herr Wolf Dieterich von Pfiert, der dann in ain weinkappen gar wol angethon, derhalben auch alle
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von herr Johannsen Wernhern, auch seinem gemahl vilmals gebeten und geladen wurden, nun dieselbig nacht noch zu bleiben, so mocht es doch bei inen nit erhalten werden, sie ritten darvon. Nun war eben selbigs tags Ortolphs von Hewdorfs hausfraw, war aine von Hoheneck, geen Mösskirch
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kommen und het bei herr Gottfridt Wernhers gemahl, der grefin von Hennenberg, zu imbiß gessen. Die wolt uf den abent wider heim und, nachdem es winterszeiten und ganz kalt, het sie ain diner mit aim holzschliten beschaiden, der sollt sie wider heim geen Walsperg füeren. Wie nun die
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gueten herren für die Tannen und das Enriedt, also genennt, hinauß kamen, konte sich herr Wolf Dieterich uf seim pferdt nit mehr erhalten, wolt inen nur herabfallen. Sie satzten ain knecht hünder in, der sollt in heben. Demnach aber herr Wolf Dieterich ain großer, starker mentsch,
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mocht in der diener nit erhalten. So wollten sie mit dem vollen mann nit wider hünder sich geen Mösskirch, und gerowe es sie übel, das sie nit bei herr Johannsen Wernhern

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[370] bliben waren. Iedoch so war es geschehen. Als sie nun in höchsten nöten Wolf Dieterichs halb stunden, so bekompt inen Ortolfs diener mit dem schlitten, der wolt sein frawen, wie obgehört, wider heim hollen. So baldt sie den anredten
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und erfueren, das er Ortolfen von Hewdorf zugehörte, darneben, das er nun die frawen sollte haimhollen, do fiengen sie den diener uf, der muest mit dem schlitten umkeren und mit inen faren. Derselbig schlitten kam inen ganz wol, dann sie huoben herr Wolfen Dieterichen ab dem ross,
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legten ine in den schlitten, gaben ime ain knecht zu, der ine im schlitten lieben und erhalten muest, und dieweil sie mit ime nit eilen kunten, sonder uß gemehest faren, kamen sie vast umb die [500] mitternacht geen Emmingen. Zu dem waren sie uf dem weg irr worden und mertails von
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ainandern kommen. Bei eim halben jhar darnach wardt ain großer tag von etlichen grafen und herren des landts in Schwaben zu Ulm gehalten. Under anderm, das sich lecherliche hendel daselbst under inen begeben, war, das der rath daselbs den
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herren grafen, so domals in des alten Rauchschnabels behausung zur Chronen beherbergt, den wein ganz statlichen verehren ließ. Nun war es aber sommers zeiten domals, namlichen umb pfingsten, und das[4] man ain kriesensuppen ob disch. Es waren aber under den andern grafen und
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herren graf Jocham von Zollern und herr Gangolf von Geroltzeck ob disch, die baide schnellten[5] ainandern mit kriesenstainen. In dess giengen die stattknecht in den sal und truegen die verehrung eins raths, dardurch ob disch ein stillschweigen entstuende. Nichts destoweniger aber ließ
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graf Jocham von Zollern nit nach, sonder schnellt den von Geroltzeck immerdar. Der nam das zu etwas verdruß an. Als nun die stattknecht ir sach ußgericht und die redt vollendet, war herr Gangolf von Geroltzeck von inen allen geordnet und erbetten, den statknechten die antwurt von
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iren wegen zu geben und umb die verehrung dem rath zu danken. Darzu wolt er sich kümerlichen erbitten lassen; iedoch kunt der von Zoller das schnellen mit den kriesenstainen nit lassen. Füegte sich aber ohne alle geferde, als der von Geroltzeck mitten in der danksagung, so schnellt [der

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[371] von] Zoller abermals daher und trifft den von Geroltzeck in das ain nasloch, das er den stain nit gleich herauß kont bringen, derhalben Geroltzeck erzürnt, flucht dem von Zollern in großer ungedult, sahe doch die stattknecht stettigs an;
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darneben fiel er mit beiden henden in die kriesensuppen und warfs graf Joachimen ins angesicht. Die statknecht liefen zur thür hinauß, zaigten iren herren an, die grafen weren einstails nit bei sinnen[6], und was sie für ain seltzame weis mit ainandern hetten getriben. Also wardt ain gelechter
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ußer der sach und alles in ain schimpf gezogen. Es kont auch der alt Rauchschnabel, ir wiert, die sach gegen aim rath wol entschuldigen und verstreichen. * [1320] Wie schimpfig und geschwindt herr Gangolf von Geroltzeck, also einfeltig und schlecht war sein schwester,
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frölin Elsbeth, wardt abtissin zu Buchow. Sie ist uf ain zeit ins Wildtbadt gezogen, oder darauß, und ist im durchraisen zu Tübingen abgestanden. Ungeferdt ist ir brueder, herr Gangolf, auch alda gewest, der hat ir ain alten sewkopf geschenkt. Die guet fraw hats nit kent und entlichen
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vermaint, es sei ain rosskopf, hat ain groß abschewen darab gehapt und befolchen, man sölls vom disch thuon, und zu irem brueder in ainer ungedult gesprochen: »Ach, brueder, thue den rosskopf hinweg! es sein deine bossen, ich mag sein nicht,« und hat sie der brueder kommerlichen bereden
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künden, das sie darvon gessen. Bei wenig jaren hat grafe Friderich von Fürstenberg denen von Überlingen auch ein sawkopf geschenkt, aber sie haben in wol gekennt und für kein rosskopf gehapt, sonder in maister Conradts Scherers haus zum großmal gebraucht. Man hat den kopf nit
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besengt, wie gebreuchlich, sonder der Scherer hat zwen batzen daran verdient, hat ine mit aim scharsach beschoren, darnach ain gels brüele mit mandlen daran gemacht; das hat dem zunftmaister vorder wol geschmackt. * Gleicher gestalt begegnet dem von Geroltzeck auch, als
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gemaine grafen und herren des landts in Schwaben ein tag geen Mösskirch, die drei gebrüeder, graven von Montfort, zu vergleichen, gelegt und außgeschriben hetten. Es lude sie herr Gottfridt Wernher von Zimbern ins schloß. Am disch hetten graf Friderich von Fürstenberg und herr
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Gangolf von Geroltzegk etlich spitzreden gegen ainandern ge-

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[372] triben. Graf Friderich wist die glimpfiger oder höflicher nit zu verantwurten, er fiel mit beiden henden in pfeffer und strich den graf Jörgen von Lupfen, so geradt gegen im über am disch saße, an die backen. Graf Jörg wardt
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übel zufriden, das der schimpf über in solt außgeen, und kammen sie baide, graff Friderich und graf Jörg, an ainandern. Damit wurden die vorigen reden geschwigen und lacht menigclichen iren. In solchen sachen war graf Friderich wunderbarlich und geschwindt zugleich.
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Als anno 154 . . ein gemainer graven- und herrentag zu Pfullendorf im stainhaus[7] gehalten, wardt von der statt der wein verehret. Es wolt niemandts danken; grave Haug von Montfort, graf Friderich von Fürstenberg und herr Wernher von Reischach, landtcomentur zu Altschausen, die
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drei prangeten mit ainandern, kainer wolt dem andern fürgreifen und vor dem andern reden oder danken. Also da sie ain guete weil ainandern die ehr anthon, so sprücht der graf Friderich zu den statknechten: »Lieben gesellen, ir secht wol, wir künden uns des dankens, wer das thon sölle,
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nit vergleichen, und ist nit gewiss, wie baldt wir uns dessen verainigen; derhalben mögt ir hiezwischen [501] abtretten, vor der thür warten, wellen wir uns entlichen entschließen.« Es wardt ain groß gelechter darauß, die statknecht wolten vor lachen zerbrochen sein, machten sich zur thür hinauß
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und dankt niemands, gleichwol der wein dennost gedrunken wardt. Dise historias hab ich allain der ursach gemeldet und angezogen, das die nachkommen abnemen kinden, wie unsere vorfarn so freuntlichen und so vertrawlichen mit ainandern gehandelt haben.
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Herr Johanns Wernher, wie er ain kurze zeit nach dem paurenkrieg zu Mösskirch und zu Falkenstain hausgehalten, hat er ain diener, Reuterhans gehaißen, bei sich gehapt. Derselbig hat vorhin sein, herr Johanns Wernhers, bastardtdochter genomen gehapt, genannt Berbelin, und demnach
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ine herr Johanns Wernher zuvor ganz wol gemaint und ine vogt zu Seedorf macht, so hat er sich doch in verkaufung der weldt und helzer dozumal gehalten und so grob sich übersehen, [das er in][8] des ampts erlassen, und hett ine herr Johanns Wernher mit sich hinauf geen Falkenstain genommen.

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[373] Trueg sich ains tags zu, das herr Johanns Wernher an ainem morgen früe ufstande, herab in die gesündtstuben gieng. In dess kompt der Reuterhanns auch, und wie er niemands in der stuben sicht, dann es war noch etwas dunkel, springt
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er in der stuben herum und sprücht:
»Das ist meins herren, herr Johanns Wernhers gesündt,
Das ist langsam und nit geschwindt,
Schlafft lang und frist vil,
Auch thuet iegclichs, was es will;
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Also erkennt man den schuch beim leder
Und den vogel bei der feder
Und den regen beim windt,
Sodann den herren beim hofgesündt.«
Herr Johanns Wernher war gleichwol übel zufriden,
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iedoch ließ ers ain guete sach sein, undersagt ime sein freche weis, die in dann auch letzstlich gar vom dienst brachte. Er ist hernach mit seim weib in das Schweizerlandt gezogen, geen Guttingen. Da ist er bliben vil jhar und von wegen seiner untrew und übelhaushalten hat er
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sich hinnach wenig gnad oder guets zu der herrschaft versehen dörfen.



  1. intellectus] hs. intellectes.
  2. urtelsprecher] hs. urtelsprechel.
  3. [sich] ist wohl vom abschreiber ausgelassen worden.
  4. das] vielleicht verschrieben statt aß.
  5. schnellten k.] Volksnekerei Birlinger Schwäb. Augsb. Wb. 275b.
  6. bei sinnen] hs. besinnen.
  7. Stainhaus] dem kloster Salem zugehörig; dessen inventar von 1577 sieh Alemannia III 286 ff.
  8. das er in] so ist wol zu ergänzen.