Zimmerische Chronik/Band 1/Kapitel 71

<<< Kapitel 71 >>>
aus: Zimmerische Chronik
Seite: Band 1. S. 500–505
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[A194a] Wie herr Johanns Wörnher freiherr zu Zimbern in ain haushaltung sich geschickt, auch wie er von kaiser Friderrichen zwo freihaiten erlangt.

Als aber herr Johanns Wörnher widerumb außer Syria
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komen und sein herrn vattern, weilund herrn Wörnhern, mitlerweil und er nit zu landt gewest, mit tod abgangen sein befunden, darab er dann, wie pillich, nit wenig kommers empfangen, hat er im die herschaft Mösskirch, auch pfandtschaft Oberndorf sampt aller deren zugehörden gewonnliche
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huldigung und phlicht thun lassen; gleich bald darauf ain bruoderschaft zu Mösskirch, so sant Sebastians bruoderschaft genennt, in unser lieben Frawen kirchen ennat der Ablach daselbst jerlichs vier malen zu begeen, wie noch beschicht, und darin alle seine vordern, auch erben und
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nachkomen sampt grave Johannsen von [247] Fürstenberg, grave Eberharten von Kirchberg und dessen gemahel, fraw Anna grevin von Werdenberg, auch etlich vom adel begriffen, gestift. Sein haushaltung ist ganz herlich gewest, dann er sich in ansehung seins vermögens und das er gar nahe ain
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ainziger herr seins geschlechts (ausgenomen in der alten [A194b] freiherrschaft Zimbern vor Wald, die herr Gotfrid, seins herrn vatters brueder, inhette) mit ainer guten anzal wolgerusten knechten und pferdten, auch seinem veldttrommeter und musicis ganz ansehenlich gehalten, dessgleichen
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einer etwas vil mere und kostlicher silberin credenz, dann sein herr vatter, sich gepraucht. Zum waidtwerk hat er ain besondern lust gehabt, also das er steetigs ain falkner, mit namen Hannsen von Braunen, mit hochfligenden vögeln, denen er ain aignen garten, das falkengärtlin genennt,
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gepawen, und zwen geweist jäger, der ain Feurle, der ander Maute gehaißen, bei sich erhalten. Und so er nit zu hove bei herzog Sigmunden, ist er vil zu Wildenstain gewest, alda er zum oftermaln in magia, die er fürtrefflich künt, sich hat geüebt und zu zeiten auch in beisein seins gemahels,
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der grevin von Ötingen, die etwan mit im spaciern gangen und solchs an in begert, natern und schlangen in hölzern bezwungen, das sie in ainer anzaal sich erhebt, zu im komen sein, sich in ain crais, den er inen gemacht, mit den köpfen zusamen gethon und, so lang er gewelt, dergestalt beliben,
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oder aber one seine oder der anrüerenden nachthail und verletzung sich angreifen lassen; volgendts, wann er gewelt,

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[501] widerumb abgeschaiden und an ort und ende, da sie ire hülinen und wonungen gehabt, sich widerumb begeben. Er hat auch mit seinem gesicht die spinnen und alles unzifer bezwingen kinden; sobald er die ersehen und gewelt,
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haben sie nit weiter komen mögen. Zu zeiten hat er sie auch mit seinem gesicht getödt. * [1376] Es hat dise grefin von Öttingen ain brueder gehapt, genannt graf Friderrich, der ist [1377] bischof zu Bassow worden. Er kam uf ain zeit herauf ins
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Schwabenlandt geen Mösskirch und besucht sein schwager, herr Johannsen Wernhern, und sein schwester. Wie er nun wider abschaiden wolt und im sein schwager das gelait geben, do war ainer under des bischofs diener, der hett ain flucken gaul und wolt auch vorm frawenzimmer sehen lassen, was
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er konte. Der sprangt und domlet im vorhoff das pferdt nach vortheil. Ich weiß nit, wie er die sach übersahe, der gaul nam ime den zaum, lief neben dem alten falkengertlin ein müsthaufen hinauf und sprang hinüber uf ain nideren rossstall ufs dach, das man den gaul und den reuter mit
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aller marter wider konte unverletzt herabbringen, und sich menigclich des weiten sprungs höchlich verwundert. Seithere sein dise stell alle sampt dem falkengertle und den scheuren hinweg gebrochen und verendert worden, wie es dann zugeet, das der ain bawet, der ander prüchts wider
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ab und machts nach seinem gefallen. Disem bischof ist bald hernach, wie er wider anhaimsch, ellengclichen vergeben worden und ist uf den fünften Martii[1] im jar 1490 gestorben. Der allmechtig helf ime und allen gleubigen. Diser sprung, wie oblaut, manet mich fast an herr Franz Brenners
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waidspruch, als er vor graf Conradten von Tibingen, seim frawenzimmer und vil andern erenleuten in ernst erzällt, wie er ainsmals seiner hengst ain zu Kirchoffen im schloß gedumlet, der het im auch den zaum genomen, wer mit ime die stegen hinauf gelofen und het seins undanks in die
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stuben hinein, die voller leut, getrungen; dieweil es aber domals sommers zeiten und ganz warm wetter, also das die fenster weren ußgebrochen gewest, do wer er mit ime, dieweil er in ihe nit halten künden, zum fenster hinab in

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[502] hof gesprungen. Also wer er auch erzürnt worden und hett den gaul dermaßen genett, das er mit ime wider het hinauf zum fenster hinein müeßen springen. Das wardt ime domals güetlichen geglaubt[2] und zu den warhaftigen historien
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des Luciani gerechnet. Wolt sich domals niemands desshalben mit im in ein streit einlassen oder sich des weiter bekommern oder annemen. * Es het sein herr vatter zu Wildenstain fast gebawen, under anderm auch ain cisternen, wie derselbig noch alda
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ist. Und wiewol der in ainen [A195a] felsen gehawen, nochdann het er ain haimlichen ausgang überkommen, also das großer mangel an wasser täglichs erscheine und derhalben zu besorgen, das aller cost, mhüe und arbait, vormals daran gelegt, vergebenlich sein wurde. Das het gemelter herr
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Wörnher, damit solchem fürkomen, von erfarnen und verstendigen werkmaistern etliche mal beratschlagen lassen, welche, von wegen das der abgang durch haimliche cluften im felsen verfiele, derhalben kain grundtlichen bericht wissen oder erfarn mögen. Zuletst understande sich herr Johanns
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Wörnher, durch ain sichtbarliche erzaigung deren sachen in ainem christallen zu erkundigen, und als er das zuwegen gepracht, auch solchs die werkmaister bericht, ließe er dem cisternen leichtlichen helfen. Er hat sich auch auf ain zeit understanden, per magicas artes, ob der leib sant Ruodolphi zu
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Messkirch seie (wie dann ain gemainer leumat ist, das derselbig allernechst bei der stat, da es noch zu sant Rudolfen genempt [248] wirt und vor zeiten ain dorf allda gestanden, mit namen Mülhausen, gewonet hab), zu erfaren. Sollichs ist im aber von bischof Otten von Costanz, der ain grave
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von Sonnenberg, widerraten worden, der in auch vermögt, von seinem fürnemen abzustehen, in sanctos per responsa spirituum zu inquirirn. Hernach anno domini vierzehenhundert sibenundachtzige[3] hat kaiser Friderrich, der drit des nammens, ain herzog von
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Österreich, als der römisch könig Maximilian, sein son, durch prattiken des königs von Frankreich von seinen aignen underthanen im Flandern gefangen, zu fürderlicher erledigung desselben ain reichstag geen Speir ausgeschriben. Den haben

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[503] der mererthail chur- und fürsten, [A195b] auch vil reichsstende besucht, und der kaiserlichen und königclichen Majestaten gehorsamliche hilf mit allen trewen bewisen und erstattet, also das auch bemelter römischer künig one alle
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entgeltnus widerumb erlediget worden. Under andern graven und freiherrn ist herr Johanns Wörnher auch dahin komen; der hat hochernemptem kaiser mit glaubhaftigem schein und urkunden, welchermaßen seine vorfarn, freiherrn von Zimbern, mit ainer freihait, mit rotem wachs zu besiglen, von
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römischen kaisern und königen begabt gewest, deren freihait auch dieselbigen seine vorfarn sich geprucht, aber nachmals widerumb in ain abgang komen, fürgepracht; derhalben underthenigist, ime, auch seinen eelichen leibserben solche uralte freihait und unverdechtlichs herkomen aus kaiserlicher
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macht und volkommenhait widerumb zu ernewern und zu besteetigen, angelangt. Also hat ermelter kaiser seinem begern nach die freihait widerumb ernewert vermög des originals, so noch verhanden. * [1433] Es ist gleichwol ain schlechte, liederliche
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freihait, mit rotem wachs zu besiglen, die auch bei unser zeiten so gemain worden, das der schneider[4], schuchmacher und ander handtwerker söne, da sie doctoriren oder sonst aulici werden, sich dero geprauchen; darum ich auch etliche geschlechter wais, die sich des grüenen[5] wachs biß uf unser
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zeit haben geholfen, wie es dann von iren vorelter uf sie ist abkommen, als namlich die grafen von Werthaim und die schenken von Limpurg[6]. Die graven von Lupfen haben sich ain zeit lang ains lederfarben wachs zu der besiglung, zugleich auch etlich schwarz wachs gepraucht in ainem
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werenden laid. Grave Adam von Beuchlingen wolt auch ain besonders haben, erlangt, das er mögte seine brief mit brunem wachs besiglen. Darauß volgt vil gespetts, das vil seins gleichens, auch minder stands, sprachen, das apostolicum wurde theur werden bei den barbierern, seitmals die grafen
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sich beflissen, ire brief damit zu besiglen. Der graf maint aber, er het sein geschlecht wol [1434] hiemit hinfüro geholfen, bedacht nit, das ime weger gewest, er hett sein grafschaft Beuchlingen darfür erhalten, die er dargegen aim edelman von . . .[7] zu kaufen gab. Er bracht mit disem gelt

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[504] ain andere herschaft zu handen, hieß zum Kreenberg, und war auch ain ross umb ain sackpfeifen ertauschet. Es fleußt under dem schloß zum Kreenberg ain wasser hin, haist . . .[8], dasselbig ist uf ain zeit, unlangs nachdem graf Adam die
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herschaft an sich gebracht, ainsmals in seinem alveo verschwunden, das man ain halben tag ungefärlich weder fisch oder wasser mer gesehen. Das ist also bei sechs oder acht stunden wunderbarlich angestanden, zuletst ist doch das wasser sampt den fischen unversehenlichen widerkommen.*
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Zu derselben zeit hat er auf bemeltem reichstag ain andere freihait erlangt, namlich demnach in wenig jarn darfor die freiherren von Wildenstain, mit denen der uralte stam, auch ir schilt und helm vergraben, mit tod abgangen, das er und seine eeliche leibserben und derselben
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erbenserben für und für obbemelter freiherren schilt und helm, namlich ain roten leonem in weißem feld und ain rote hirsprust mit aim weißen gehürn auf [A196a] dem helm, sich gebrauchen und sollichs quattiert neben dem uralten zimberischen wappen füern, darzu auch sich ain herren zu
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Wildenstain schreiben mögen. Neben[9] andern edlen knaben hat er ain jungen von Ramsperg gehabt, der ist ain verwegner, frecher junger gewest. Es hat sich ainsmals sommerszeiten begeben, das herr Johanns Wernher sich nach dem morgenessen zu ruhen
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gethon und uf ain lotterbett sich nidergelegt und schlafen wellen, darneben dem jungen bevolchen, im der mucken zu weren, darab der Ramsperger gar übel zufriden gewesen; villeucht hett er lieber seinen gesellschaften beigewonet; darumb er dann ain solche ungedult gefast, das er mit im
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selbs leis zu reden angefangen, sprechende: »Muß [249] ich dir der mucken weren? het wol anders zu thuen; das dich botz (damit hat er mermals große schwier gethon) schenden müeße! Ich het ain lust, das ich dir das waidmesser in leib stieße, so keme ich dein ab«. Als er nun das mermals
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gesagt, nicht achtende, das herr Johanns Wernher solchs warnemen sollte, ist bemelter herr Johanns Wernher unversehenlich, als der das wol gehört, im bett aufgewischt, dergleichen gethon, als ob er den jungen fahen wellte, welcher darab dermaßen erschrocken, das er die flucht geben, darin er
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behart. Ist sein lebenlang hernach nit mehr geen Möss-

1 [505] kirch komen, sonder hernach in krieg zogen, darin er auch bliben.

Dergleichen schwank[10], sagt man, dem cardinal von Menz, erzbischof Albrechten, churfürsten, bei unsern zeiten begegnet
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sein; dann als er auf ain zeit nach dem morgenessen auch sich also schlafen nidergelegt und ain thorechter mentsch, genannt der Pastor, im sollen der mucken weren, welches er gethon, underdessen aber dem schlafenden cardinal ain muck auf die nasen gesessen, und wiewol der Pastor fleißig
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der mucken weret, so wolt sie doch nit weichen, darab der Pastor erzürnt, keret den muckenwedel umb und schlueg mit dem still dem cardinal auf die nasen, darab er erwacht und des großen schmerzen befandt, wiewol er sich dessen nit sonders annemen oder berewen dörfte; er ließ ime aber
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hernach den narren kainer mucken mehr weren. * [1506] Es ist sonst dises[11] Pastor abenteurlicher spruch gewest: Der curfürst von Menz het ain medicum, hieß doctor Phillips Buchaimer, der hat mit seinem haupt vil gnabens und hin und wider schüttlens. Der Pastor sahe
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im uf ain zeit gar ernstlich zu, und als er vom curfürsten der ursach befragt, spricht er: »Doctor Phillipsen haupt het kainen guten birenbaum geben, es wer kain bier ime zeitig worden, er het sie alle vor der zeit von ime geschütlet.« *



  1. den fünften Martii] Mooyer, Onomasticon chronographikon hierarchiae germanicae, nennt den 3 März als todestag, ebenso Potthast, Bibliotheca historica. Supplem. s. 382.
  2. geglaubt] hs. gelaubt.
  3. vierzehenhundert sibenundachtzige] könig Maximilians gefangennahme fand erst am 1 Februar 1488 statt und dauerte bis 16 Mai desselben jahres.
  4. schneider] hs. schneder.
  5. grüenen] hs. guenen.
  6. Limpurg] hs. Leimpurg.
  7. . . .] Adam Friederich verkaufte im jahre 1500 seine grafschaft an einen herrn von Werther.
  8. . . .] wohl die Werra.
  9. Neben] bis schluß des capitels fehlt in A.
  10. schwank] derselbe schwank wird öfters erzählt; s. Liebrecht, Germania XIV, 392.
  11. dises] hs. diser.