Zimmerische Chronik/Band 1/Kapitel 70

<<< Kapitel 70 >>>
aus: Zimmerische Chronik
Seite: Band 1. S. 497–499
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Wie herr Johanns Wörnher freiherr von Zimbern bei dem hailigen grab zu Jerusalem ritter ist geschlagen
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worden und volgendts glücklichen wider heim komen.
Am sibenzehenden tag Julii gegen abendts wurden die bilger alle auf Sion berueft, daselbst funden sie etliche fürneme Sarracenen, die inen den tempel öffneten. Als sie in den tempel kamen, fanden sie den guardian, auch bruder
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Johannsen von Preußen. Diser bruder Johanns ist ein edelman aus Preußen gewest und ain furnemer ritter, der sein tag vil eerlicher, namhafter thaten begangen, und als der auf sein alter komen, hat er alles sein hab und gut verlassen und ist geen Jerusalem zogen, des vorhabens, bei
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dem hailigen grab die überig zeit seins lebens zu schliesen. Und seitmals er ain solcher berüempter und weiterkannter ritter gewest, hat er großen gunst bei dem Soldan zu Alkeiro überkomen, auch hat im kaiser Friderich der dritt die freihait geben, adlspersonen, so das hailig grab besuchen, ritter
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zu schlahen, als er dann obgenannte grafen, herrn und vom adl auch ritter geschlagen, nachvolgender gestalt. Er bevalch auf angezaigte zeit, das alle bilger, so ritter werden begerten, vor mitternacht in der kirchen Golgatha sich versamlen solten. Als das beschach, erzelt er inen das
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herkomen und die aigenschaft der ritterschaft, bevalch inen, das sie den christenlichen glauben, sovil inen möglich, handthaben, wittwen und waisen vor gwalt und unrecht beschützen und beschürmen welten; [A192b] dessgleichen solten sie dem römischen kaiser underthenig, auch allen christenlichen
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königen und pottentaten getreülichen in allen pillichen und rechtmeßigen fürnemen dienen, beistendig und hilflich sein, und verpot inen bei verlierung der ritterschaft, das kainer under inen gesellschaft, frid, pact oder ainigung mit den Türken, Saracenen oder haiden machen oder aufrichten welt.
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Letstlich ermanet er sie mit großem ernst, das sie welten zu herzen fassen, das das hailig grab im gwalt der unglöubigen sovil jar gewest und noch, und das sie trewlichs und möglichs vleis bei den christenlichen pottentaten und fürsten anhalten welten, das dieselben der orientischen kirchen, die

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[498] gar nahe gar vertilket, zu hilf kemen etc. Hiemit zaigt er auch an, welcher nit von gutem adl oder der sonst [245] verleumbdt, in was gestalt das sein möcht, derselb solte der ritterschaft sich enthalten. Als er inen sollichs alles
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nach lengs und mit merern worten anzaigt, hat er sie mitten in die kirchen des hailigen grabs gefüert, daselbst sie verlassen und ist er in den felsen, darin dann das hailig grab, gangen und nach ainer clainen wil, als er darin gepetet, kam er wider heraus und erfordert ain bilger nach dem andern.
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Also warden hernachvolgende in der cruft vor dem grab Christi zu ritter geschlagen, namlich graf Hanns von Solms, herr Hainrich freiher von Stoffel, herr Johanns Wörnher freiherr von Zimbern, herr Maximus, genannt Schmosmas, freiherr von Rappollstain, herr Ferdinandt freiherr von
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Mernaw, her Hanns truchseß von Waldtpurg, Beer von Hohenrechberg und zwen Braitenstainer, Burkhart von Nußdorf, Georg von Gemenberg, Caspar Schnelin, drei Ahamen, geprüeder, us dem land zu Franken, Hainrich von Schawenberg, Sigmundt von Morspach, Philipp von Bicken und ain
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[A193a] Brandenstainer us dem Elsäs, Caspar von Bulach, Petter Velsch und Jörg Marx; actum den 17 tag Julii anno 1483. Und in wenig tagen darnach sein die bilger dem Jordan und dem rotten mere zugeritten, dieselbig landtschaft sampt den hailigen stetten zu besuochen. Was sie
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nu auf derselben fart gesehen und inen begegnet, were lang zu schreiben, zudem sollichs in herr Bernharts von Braitenbachs itinerario und dann obgenannts Felicis Fabri evagatorio[1] zu befinden. Auf den 21 tag obgemelts monats Julii sein die bilger mit fröden und mit glück widerumb geen
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Jerusalem komen. Demnach aber die bilgerschaft geen Jerusalem auf die zeit ain ort, dann die bilger merthails hailiger stett in Judea besehen, kam des Soldans statthalter zu Jerusalem sampt etlichen des rats daselbst den 23 diz monats auf Sion zu den rittern. Denen lies er anzaigen,
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die bilgerfart in Judea het ain ende, darumb solten sie auf die widerfart sich rusten, dann sie lenger nit wurden aufgehalten; soverr aber etlich zu sant Katharina grab welten raisen, die möchten beleiben. Also vergleichten sich iren achtzehen, die wolten zu sant Katharina grab, als namlich graf Hanns
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von Solms und ander, die in her Bernharts von Braitenbach

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[499] merfart bestimpt, dann er selbs auch ainer in diser gesellschaft gewest. Dieselbigen beliben noch etlich zeit zu Jerusalem und fiengen hernach ir rais an den 27isten Augusti von wegen der überschwengklichen hitze im selbigen lande,
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in der sie stillagen; kamen ains tails erst im Jenner des nachvolgenden jars, anno 1484, widerumb in deutsch landt. Demnach aber her Hainrich von Stöffeln, her Johans Wörnher von Zimbern, herr Hans truchsäs von Waldtpurg und her Beer von Rechberg, ritter, von herzog Sigmunden
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von Österreich, irem herrn, nit witer erlaubtnus, dann zum hailigen land zu raisen, wie [A193b] dann hievor gemeldet, so welt inen nit gepüren, über den bevelch lenger auszubleiben, derhalben [246] sie mit großer beschwerdt von den andern iren ritterbrüdern, die zu sant Katharina grab und
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in Egiptum wolten, schaiden musten. Derhalben auf den 24 tag Julii haben die haidnische glaitsleut mit groser anzal uf den berg Sion sich verfüegt, daselbst obgenannte freiherrn sampt andern ritterbrüdern und bilgern, die wider in Europam schiffen wolten, zu sich genomen; die
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haben sie gen Rama gefürt, von dannen geen Joppen. Mitlerweil sie vil schmach und widerdrieß von den Saracenen erlitten, dardurch ain conspiration under denen rittern entstanden, daz sie den anschlag machten, so bald die kranken bilger in die galea getragen, welten sie ire schwerter und
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büchsen hollen lassen und gleich darauf die Saracenen überfallen und angreifen, deren in ainer eil unversehenlich, sovil sie konten, umbringen, damit in die barken springen und der galleen zueilen etc. Diser anschlag wardt durch her Hainrich von Stoffeln verhindert, dann er wislichen bedacht,
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soverr sie in unainigkait mit den haiden sich einließen, das dardurch des Soldans glait geprochen, item das auch andere ire ritterbrüeder, die sie zu Jerusalem gelassen, dessen höchlich möchten entgelten. Darumb beredt er die andern alle dahin, das sie fridlich in die barken giengen. Guten wind
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haben sie gehabt bis in Ciprum, von dannen sie in wenig tagen geen Rodis, Parenz und darnach geen Venedig komen sin, daselbst sie etlich tag verharrt. Seind darnach uf sant Gallen tag oberzelts vierzehenhundert drewundachtzigisten jars, als sie auf ostern nechst darvor auszogen waren,
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glicklichen und wol wider haim kommen.



  1. evagatorio] über Breidenbachs und Felix Fabris bücher s. oben. WS: Siehe Seite 493