Zimmerische Chronik/Band 1/Kapitel 66

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aus: Zimmerische Chronik
Seite: Band 1. S. 439–459
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[439]
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[A172b] Wie herr Wörnher freiherr von Zimbern mit Werdenberg des jagens halb vertragen worden, auch von hern Johannsen Wörnhern und seinen kinden, dessgleichen wie herr Wörnhers gemahel gestorben.
Es haben die graven von Werdenberg als inhaber der
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graveschaft Veringen, dahin alle ire forst und forstliche oberkaiten anfengclich gehörig gewest, des jagens, auch der vorst halben mit der freiherrschaft Zimbern sich vertragen, darüber ain verschreibung, wie sollichs zu baiden thailn gehalten werden soll, aufgericht. Welcher gestalt es aber
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dozumal vertragen und zu welches freiherrn von Zimbern zeiten das geschehen (zu achten, bei leben herrn Johannsen des eltern), ist, angesehen das der mererthail der alten brief,

auch freihaiten verloren und aus der dechtnus kommen . . .[1]; aber zu wissen, das die freiherren von Zimbern als inhaber 1

[440] der herrschaft Meskirch im Faulbrunnen, gar nahe geen Sigmeringen, also das der alt grave Hanns von Werdenberg die hundt mermals im schlos zu Sigmeringen, wann Zimbern gejagt, laufen hören, zu jagen gehapt, derhalben sich bei
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zeiten herrn Wörnhers, dessen leben und handlungen wir iezundt beschreiben, abermals jagens halben irthumben begeben. Damit nu die herschaft Zimbern mit Werdenberg nicht wie vormals in unainigkait wuchse, des dann ire hinderseßen und armen leut höchlich entgelten heten müeßen,
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haben baider theil freundtschaft, insonderhait [A174a] grave Haug von Montfort, grave Jos Niclas von Zollern und herr Eberhart truchseß von Waldtpurg, ritter, dise handlungen hinzulegen sich underwunden, auf sollichs täg angesetzt und die spenn mit baider thail, nemlich herrn Wörnhers und
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grave Hansen von Werdenbergs, vorwissen und gutem willen freundtlichen und güetlichen hingelegt, also das Zimbern aus freundtschaft und zu erhaltung guter nachpurschaft ains mindern bezirks, genannt »der eng krais«, sich benüegen lassen, nemlich das herr Wörnher von Zimbern und seine
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erben, mannsgeschlecht, fürohin von Vilslingen dem capellin geen Kalchprunnen und von dannen über Sprenglers brüel hinaus geen Menningen und die Ablach auf geen Messkirch, von dannen den rechten weg hinauß geen Oberstetten und Hainstetten in den Nußpoum, aus dem Nußpaum die alten
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straßen hinab geen Bittelbronnen[2] und von dannen widerumb geen Filslingen in das capellin (welcher bezirk iezundt »der eng krais« genannt wurdet) den vorst haben, verlihen, besetzen und entsetzen, erlauben und verpieten mögen, one verhinderung grave Hannsen von Werdenbergs, seiner erben
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und nachkommen. Ferner hat grave Hanns von Werdenberg für sich, seine erben und nachkommen auf ernennten tag bewiligt, das herr Wörnher von Zimbern, auch alle, dieweil seine leibserben und nachkommen, mannspersonen, verhanden, hinfüro zu eewigen zeiten jagen sollen und mögen
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nach irem willen, on verhinderung und irren deren von Werdenberg, irer erben und nachkommen, in denen kraisen, so in dem vorst zu Sigmeringen gelegen sein, nemlichen von Menningen geen Rinkenbach, von dannen geen [A174b] Buffenhoffen, und dann den weg hinaus geen Rast, von Rast
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hinüber geen Sauldorf in die Rinderspeck, von dannen die

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[441] Ablach auf in Eglinsmilin, von Eglinsmilin geen Madach in den hof, aus dem hof in das kirchlin zum hailigen Creuz, von dannen den bach hinauf gen Holzen in den furt, daraus den bach hinauf geen Oberschwondorf in die Linden, darnach geen
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Tanningen in die Linden, von Tanningen geen Gründel[225]buch in den hof, darnach geen Kallenberg in den graben, daraus den steig hinein in sant Jergen kirchen bei Buchen, außerhalb derselben kirchen die alten straßen hinab vor dem dorf geen Hainsteten in den Nußpoum und dann von
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Hainstetten den weg herein geen Messkirch: was innerhalb disen zirken und kraisen gelegen, das solchs herr Wörnher von Zimbern, wie obgesagt, und seine erben mit jagen wol geprauchen mögen. Sollichs ist ungevärlich der vertrag, den baide thail mit guotem willen eingangen, von grave
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Haugen von Montfort, grave Jos Niclasen von Zollern und herrn Eberharten truchseßen von Waldtpurg, ritter, als tädingsleuten, im jar als man zellet nach Christi unsers lieben herrn gepurt vierzehenhundert drewundsechzige, aufgericht und gemacht worden.
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Nach solchen handlungen, als herr Johanns Wörnher von Zimbern gepürlichs alter erlangt, hat sein her vatter, herr Wörnher, weislich bedacht, dieweil er iezundt alt und unvermügenlich, und obgenannter sein ainiger son, auf dem nammen und stammen stuende, noch ledig, denselben
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eerlichen und seinem herkommen nach zu verheiraten, derhalben er im grave Wilhelms von Ötingen und fraw Beatricis freinen von Bern dochter, fröle Margrethen, [A175a] vermehelet, anno domini vierzehenhundert vierundsibenzige. Die hochzeit ward zu Ravenspurg gehalten, und glich hernach hat
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fraw Margreth vermög der heiratsnötl vätterlichs, müetterlichs, brüederlichs, und was von der grafschaft Ötingen an sie kommen möcht, erbthails, bis an ain ledigen anfaal, verzig vorm landtgericht zu Weingarten gethon, und ist der alt herr Wörnher ir vogt gewest, in beisein herrn Johann
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Wörnhers, seins sons, auch grafe Wolfen von Ötingen, welcher dann von wegen seiner geprüeder, grave Friderichs und grave Hannsen, disen verzig angenommen hat etc. * [1234] Es ist zu wissen, das die grevin von Öttingen, so herr Johanns Wernher freiherrn zu Zimbern vermehelt,
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nach absterben ires herrn vatterns, grave Ulrichen[3], und

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[442] irer fraw muetter, der von der Laiter, als sie auser den küntlichen jharen kommen, von herr Hanns truchseßen von Waldtpurg, landtvogt in Schwaben, der, dem ir eltere schwester verheirat, erzogen worden. Bei dem ist sie etliche jhar
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gewesen, und als der heirat zwischen ir und herr Johannsen Wernhern abgeredt, hat herr Wernher freiherr von Zimbern der alt, herr Johannsen, truchseßen, dem landt[1235]vogt, zu gefallen bewilliget, das die hochzeit seins sons zu Ravenspurg sollte gehalten werden, als auch beschehen;
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und bald hernach ist die haimfierung nit zu Mösskirch, sonder zu Pregenz gewesen, alda dann selbiger zeit der alt herr sein haimwesen und das ampt inhett. * * [1290] Es ist davornen angezaigt worden, das herr Johanns truchseßen von Walpurg gemahl ir schwester, fröle
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Margrethen grefin von Öttingen, etliche jhar bei ir erzogen, und ist herr Hanns truchseß dozumal landtvogt in Schwaben gewesen und hat den mererthail uf dem schloß zu Ravenspurg hausgehalten. In der weil hat herr Hanns, wie er dann ain gotzförchtiger, christenlicher alter herr gewesen,
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ain caplon stets bei sich gehapt, ain fromen alten pater. Derselbig hat die edlen und ander knaben under seiner disciplin gehabt, und wie dann die jugent der straff wol bedarf, bekam er von den knaben ain großen haß. Als aber der pfaff seim herren uf ain zeit im schloß zu
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Ravenspurg mess halten sollt und gleichwol vil frembder leut von herrn und frawenzimmer vorhanden, do war einer under den knaben, so zu altar dienet, der heftet dem gueten priester die alb und das lang badhembt mit ainer gluffen an ainandern; dann wie es [1291] sommers zeit und ganz haiß
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wetter, do trueg der guet herr kaine hosen an und versahe sich auch kainer solchen boshait. Also nach beschehner mess und der priester die alb abziehen wolt, do gieng das badhemmet darmit, straift also das hembt und die alb samenthaft über den kopf in gegenwurte der frembden herren
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und frawenzimmers. Die sahen dem gueten alten priester alle in feuraubendt. Die frembden leut lachten wol alle darzu, aber der alt herr Hanns, truchseß, schampt[4] sich der sach nit wenig. Was dann dem knaben zu lone sei geschenkt worden, das hat er baldt behalten, zu achten, der pfaff hab ime ain gueten,
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langwürigen denkzedel angehenkt, wie wol billich ist gewesen.

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[443] * [1356] Über vil jar hernach hat ain bischof und cardinal von Trient, war ain freiherr von Madrutsch, sampt seinem weltlichen brueder, herr Niclasen, und desselben weib und allem frawenzimmer auch in ain sollichen spiegel
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sehen müeßen; das ist unferr beim Collman beschehen, zwischen Brixen und Trient. Hat bemelter cardinal einsmals geen Prixen geraist, hat aber ain seumer vorgeschickt mit zwaien legelen Reinfahl oder ains andern kostlichen welschen gedranks. Dem selben seumer ist des cardinals
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kurzweiliger rath, der Simon Rast, entgegen kommen und ußer den legeln zu drinken begert. Der seumer hat sich gewidert; darab het Simon ain verdruß und, damit er sich an ime rechen konte, do saumpt er sich nit lang, sonder ain zügelen, das er unegeferdt an der nechsten legel
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ersehen, zuckt er, das dem gueten seumer nit mehr wardt, dann das er ain finger in das loch gesteckt und fürgehept. Der Simon wardt nit faul, gefaret an der andern legel auch ain zügelen, das zuckt er auch; damit schafft er, das der kerle mit der andern handt auch mit aim finger fürhub.
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Wie er nun mit baiden henden also gefast und sich nit weren konte, so schneit im der Simon [1357] die nestel an hosen eilends ab. Dem gueten mann fielen die hosen under die knie herab, und dieweil er gar ain kurz hemmet anhet, das dannocht aller zerrissen und voller löcher war, so kont
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er sich so wol nit hüeten oder bewaren. Der cardinal sampt dem frawenzimmer und aller messanei, so gleich hernach kommen, sahen im das hinderthail und auch an die schellen, darauß nit ain clein gelechtert volget. Was diser Simon Rast, der vil jar bei dem cardinal gewest, sonst für
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wunderbarlicher hendel getriben, darvon wer ain besonders capitel zu schreiben. * Bemeltem herren Hannsen, truchseßen, ist im nechstvolgenden winter ein sach begegnet, die der gedechtnus wol würdig und nit ist zu vergessen. Den selbigen winter
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ist er seiner gescheften halben hinauf geen Truchburg zogen und etliche zeit alda beliben. Mitlerweil ist seiner wachter ainer zu im kommen, der hat im in vertrawen anzaigt, waverr er des lebens und in ander weg von im gesichert, oder das im nichs args hernach geen solle, so hab er im was
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fürnembs zu berichten und zu verwarnen. Solch begern hat im herr Hanns bewilliget und zugesagt, darauf ain wissen begert, was es doch seie. Also hat der wachter ine ge-

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[444] betten, er, herr Hanns, welte hinfüro des nachts sein cammer und gemach wol beschließen und vermachen, dann er sei mermals des willens gewesen, soverr er nachts in die cammer het kommen künden, ine im bet umbzebringen;
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darumb welle er ine gebetten haben, das gemach hinfüro wol zu verwaren, dann er hab desshalben nachts große anfechtung. Also hat im herr Hanns, truchses, gueten glauben gehalten, ine seins lons bezallt und mit allen gnaden geurlaubt. Das ist ain groß exempel, so menigclich zu herzen
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füeren soll und Gott getrewlichen bitten, das er uns vor allen anfechtungen des bösen feinds gnedigclichen behüeten und erlesen welle. * * [1430] Ein gleicher fal ist graf Hannsen von Sonnenberg zu Wolfegk begegnet; also hat er den wachter, wie
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er anzaigt, das im nachts so seltzame fantaseien fürkommen und abenteurige anfechtung hab, geurlaubt und hinziehen lassen, denn wer wollt aim sollichen künden vertrawen? So gibt auch die nacht, die für sich selbs der sünden und aller besen stuck ain rechte nebelkapp ist, gute steur zu
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allem unrat, dann sie des besen finds, welcher ain vatter der lugin und der finsternus, werkung und für sein reich mag geachtet werden. * * [1242] Bemelts herrn Johannsen Wernhers freiherren zu Zimbern des eltern fraw muetter, die grevin von
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Kirchberg, hat ain sondere anmuetung gehabt, die air außer gesottnen hennen zu essen, wie dann etwan ain mentsch zu ainer speis mehr naigung hat, dann zu ainer andern. Dargegen aber hat des iezgenannten herr Johanns Wernhers gemahl, die grevin von Öttingen, kain willen zu solchen
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gesottnen airn. Begab sich aber uf ain zeit, als gemelte zwo grevinen bei ainandern zu Mösskirch ob aim disch saßen und ganz frölich, ward under andern drachten ain faiste versottne hennen ufgetragen. Als nun dieselbig hennen verlegt, wolt die alt fraw herr Johannsen Wernhers gemahel,
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ir sonsfrawen, das ai außer der hennen fürlegen, des sich aber dieselbig ußer scham wideret. Nachdem sie aber in kürze darfor schwanger worden, het sie unangesehen ires beschehnen vorigen abschlags und geprengs, wie dann vilmals von den weibern gebraucht wurt, das ai gern gessen.
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Das facht sie ainsmals so hoch an, das ir die treher über die backen abliefen. Wiewol dessen[5] niemandts gewaret, so

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[445] dorft oder wolt sie das nit haischen oder sagen. Wie nun die alt fraw den ersten bissen vom ai in mundt nimpt, empfacht ir sonsfraw ain solchen schrecken darab, das sie hündern disch unversehens nidersank und ir onmechtig wardt.
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Es erschrack dessen menigclichen ob disch, insonderhait aber ire alte schwiger, die grevin von Kirchberg, die hett ein groß mitleiden mit der sonsfrawen, und so baldt sie aber die ursach dises gehen zufalls von etlichen, die am disch, die der sach war genomen, bericht, het sie noch mehr
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betaurens mit ir. Derhalben die guet alt fraw hernach außer herzlichem wolmainen allenthalben guet hennen mit den airn ließ bestellen, die warden mit allem fleis zuberait und die air der jungen frawen fürgelegt. Aber dieselbig het hernach kain lust mehr darzu und, wie man sagt, hat sie nacher
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kein nachfrag oder begirde zu solchen airn nimmermehr gehabt, daher dann die rede des alten graf Josen Niclausen von Zollerns, des Natterers, entsprungen. Derselbig, als er vilmals zu dem alten herr Wernhern von Zimbern raisete, pflag er ob disch in schimpf zu sagen: »Junge schwester
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(also nampt er die grevin von Öttingen, herrn Johannsen Wernhers des eltern gemahel), ich sitz nit gern bei dir zu disch, es kan sich niemands uß dir verrichten, ob du schwanger, oder was du gern essest; ich sorge nur etwann zu essen, darzu du mechtest lust und willen haben.« [1243]
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Gleichergestalt hat über vil jhar hernach sein urenkel, auch graf Jos Niclaus gehaißen, mehrmals gesagt, er welt lieber bei aim fendlin landtsknechten sein, dann bei ainer schwangeren frawen ob disch sitzen, dann do wisse niemands, was sie gern essen oder nit. Aber vor Metz, als er bei kaiser
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Carlen ein hauptmanschaft versehen sollt, war er nit der mainung, insonderhait so was wider die feindt zu handlen oder bei der wacht sein sollt, do ist zu glauben, er het gehörte jactantiam hindangesetzt, sich die schwangern weiber nit so hoch irren lassen, were mit guetem willen bei inen
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bliben. * * [1294] Die herzogin Eufemia von Münsterberg, so grave Friderichen von Ötingen gehapt, sol ein zungen gehapt wie ein habbich und gar übel reden künden, daher nachmals gesagt worden, ire erben, kinder und kindskinder
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reden schwärlichen, wie sich dann bei denen schenken und herren von Limpurg der linia von Gailndorf des wol beschaint, die heftig in der rede lurken. Spricht man, es kom

1 [446] doher, gleichwol etliche descendenten von dieser herzogin abkommen, die nur zu viel reden und niemands vor irem geschwetz sicher oder unbesudlet ist oder mag pleiben. *

Herr Johans Wörnher hat sein gemahel vier jar gehabt,
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das er kain son von ir bekommen, sonder hat im vier töchtern nach ainandern geboren, namlich Anna, Ferena, Kunigunda und Katharina, derhalben der alt herr, sein herr vatter, ain lange zeit ganz kommerhaftig gewest, besorgendt, sein nam und stam wurde zu grundt geen. Zudem ist im
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auch ain sonder herzlaidt durch das absterben seines gemahels, der grevin von Kirchberg, begegnet, welche im anno domini vierzehenhundert achtundsibenzige mit tod abgangen. Solchs hat sich dermaßen zugetragen. Er, herr Wörnher, ist in iezbemeltem jar gescheften halben zu herzog
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Sigmunden geen Insprugg geritten und lang auspliben. Mitlerweil aber ist sin [A175b] gemahel krankhait halben, die doch nit tödtlich, gen Ober-Baden mit sampt iren edlen jungkfrawen, edlen knaben und anderm gesind gezogen. Als sie aber auf ain zeit im Stadthof[6], darin sie zu herberg
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gelegen, im bad gesessen und durch die naturliche werme des badts wol wider zu kreften kommen, hat sie Sixten von [227][7] Hausen, so der zeit in paige weis von herrn Wörnhern, irem herren, auferzogen worden, berueft und, damit sie die zeit vertribe, mit im den neunten stain gezogen;
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der sich, als dozumal noch ganz jung und kindtlich, leicht durch verlurst zu ungeduldt bewegen ließ, des die jungkfrawen, auch andere, so zusahen, wol lachen möchten. Indes, als angezaigt worden, man hab trauben pracht, hat sie von stund an bevolhen, man soll ir etliche bringen, welches
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beschehen; hat sie onerlesen ainen darauß genommen und darvon gessen. Als sie aber des trubens in der handt nit besonders geachtet, ist ain clains, gelbs würmblin, zugleich denen regenwürmlin, aus dem trauben krochen, der hat sich umb iren clainen finger, den man den goldtfinger nempt,
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an der linken handt geschlagen und angehenkt. Wie sie sollichs gewar worden, hat sie obernennten Sixsten von Hausen gehaißen, ir das würmblin ab dem finger zu thun. Sobald sollichs beschehen, ist ir gleich so whe worden, das

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[447] sie vom spill glassen und von den jungkfrawen, auch andern, die auf sie gewartet, auf ain bet tragen worden; und eilendts hat man aus irem bevelch gen Zürich, so nit über ain deutsche meil davon gelegen, nach aim medico geschickt.
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Dergleichen hat sie irem son, herr Johansen Wernher, und seinem gemahl eilents geschriben vermög einer missif des inhalts: »Mein müetterlich trew und was ich guts vermag, herzlieber son und herzliebe dochter! Wissent, das mich ain würmle außer ainem trauben an ainem finger
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verunrainet, und das sich dasselb geiblet hat, das ich ganz betligrig und aller dingen fast krank bin und schwecher, dann ich euch schreiben und erbieten kan. Darumb, herzliebe kündt, so wellen nit lassen, ir wellen mir gewisse pottschaft thuon und mich bei derselben wissen lassen, wie meine
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herzliebe kündt, die jungen, leben, dann mich herzlich übel zu euch und nach inen verlanget. Doch erschreckent nit zu übel, und vor allen dingen so lassen mich von der jungen künder wegen wissen. Geben zu Baden an montag unser lieben Frawen abent nativitatis anno 1478.« Ich kan nit
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underlassen, die ander missif auch zu inserieren, des inhalts: «Herzlieber son! Wiss, das sich mein sach also üblet, das ich nit mer trosts hab, dann mich Gott dem allmechtigen zu bevelchen; in dessen gewalt bin ich iezo gefangen, der mag nach seinem göttlichen willen mit mir würken; den ich
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hab mich mit allen sacramenten christenlich versehen lassen, ilendts auf dise nacht, das ich nit wais, wie sich meine sachen biß morgen werden schicken. Darumb so laß dich alle deine gescheft nit irren, sonder schick mir von stund an meinen ablaßbrief, wie es gang, das ich ine bei mir hab.
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Versihe mir das zum bösten und erzaig mir bei meinem leben und nach meinem abgang küntliche trew. Herzlieber son, der ablaßbrief ligt oben in der almareien, da die schlüssel an dem ledlin sein. Geben an unser lieben Frawen tag nativitatis anno 1478.» Aber ehe dise brief geen
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Mösskirch kommen, ist sie verschaiden gewest[8]. [A176a] Wie nun[9] der medicus von Zürich kommen, hat die sucht dermaßen zugenommen, das sie wol befunden, [228] durch schörpfe des gifts sie dem todt nit empfliehen möge, derhalben nach ainem priester geschickt und nach christenlicher ordnung

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[448] gebeüchtet, auch bei guter vernunft mit allen sacramenten sich versehen lassen. Unlangs hernach, wie sie gebeüchtet und versehen, ist der medicus kommen, welcher, als er gesehen, wie das gift überhandt genommen und keinswegs
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beim leben zu erhalten, hat er ir ilendts die füeß mit essig reiben lassen, der mainung, ir die rede, so gelegen, wider zu bringen. Wiewol er aber damit so vil ausgericht, das ir die rede wider kommen und sie derhalben irem sone widerumb geschriben, hat er doch ir kein gewisse hilf
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beweisen könden. Sie hat wenig geredt, sonder, als sie bevolhen, was man irem herrn und gemahel, auch irem sone von iren wegen pitten und anzaigen, dergleichen was man ir für gutthaten nach irem absterben thon solte, ist sie des andern dags ganz christenlichen verschiden. Den leib haben
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die diener eingemacht und mit trauren geen Messkirch gefüert. Den hat ir son in abwesen seines herrn vatterns, dem er dise traurige »unversehene mere bei aignem poten zu wissen gethon, mit clagen und bewainen der armen leut, denen sie in irem leben vil guts gethon, in die alt zimbrische
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vergreptnus begraben lassen. Sie ist gestorben uf unser lieben Frawen tag ir gepurt im obernempten jar. Als herr Wernher dise traurige botschaft zukommen, ist er nit zu clainem kommer [A176b] bewegt worden, hat also sein abschidt von herzog Sigmunden genomen und ist mit schwerem,
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betrüebtem gemüeth wider geen Messkirch geriten. Da hat er den dreißigisten seins lieben gemahels nach alter ordnung der kirchen, auch was sie an irem letsten ende an in begert, gehalten und ausrichten lassen. * [1237] Als herr Wernhers freiherren zu Zimbern
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gemahel, die grevin von Kirchberg, zu Oberbaden in Eidgnoß mit tod abgangen, hat sie domals bei ir ain edle junkfraw gehapt, ain Scherpfin von Frewdenberg, genannt Anna, und dann die Anna Minzerin von Sünchingen. Die Scherpfin hat mit seiden und wollen fürbindig wol nehen und arbaiten
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künden, wie dann domaln der sitt gewesen. Irer teppich, küssin und anders ist noch vil verhanden, darbei wol abzunemen, das unsere vorfarn großen fleis uf solche zierden gelegt haben. Sie soll auch die groß linden, so vor der statt Mösskirch am Hewdorfer weg, erstlichs gesetzt haben.
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Zwaimal, sagt man, sei sie zu Rom gewesen ains heirats halb, darvon sie doch letzstlichen absolvirt worden. *

Gleich im nechsten jar darnach, anno domini vierzehen- 1

[449] hundert neunundsibenzige, hat seins sons, herrn Johannsen Wörnhers, gemahel, ain sone, mit nammen herrn Veiten Wörnhern, an die welt pracht; ist beschehen auf sant Veits tag. Sollichs ist dem alten herrn ain wunderbärliche fröd
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auf das vergangen laid gewest, hat auch sonderliche gute pronostica von disem jungen herrn, als er noch in seiner kindthait gewest, gehapt, welche auch warhaft befonden, woverr im die fata sein leben lenger vergundt und in blüeender jugendt nit also ellendclichen hingenommen heten.
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In nachvolgendem jar, anno vierzehenhundert achtzige, auf sant Johanns tag des hailigen teufers, ist im der ander son, herr Johanns Wörnher geporen worden, von dessen wegen hernach vil unainikait zwüschen herr Wernhern dem alten und dan seim sone entstanden; den herr Johans Wernher
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liept den son am allermaisten; so war im der alt her feindt, derhalben er mermals gesagt hat, im seie nichs guts von diesem jungen vor, besorg, er werde allerlai verenderungen in seinem geschlecht fürbringen. Das hat her Johans Wernhern nit wenig verdrossen, wiewol er sich deshalben gegen
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seim herr vatter nit iderzeit merken hat dörfen lassen. Ob aber nun solch vaticinium des alten herren war gewest oder nit, wurt sich an seinem ort bezeugen. Anno domini vierzehenhundert ainsundachtzige ist im ain dochter, fröle Margreth, geboren worden, und hernach hat im sein gemahel
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noch ain dochter geben, mit namen Barbara. Mer sein im zwen sön worden, herr Gotfridt Wörnher und herr Wilhelm Wörnher, von [229] denen allen und ieden insonderhait hernach an gepürlichen orten meldung beschehen wurt. Doch ist zu wissen, das zwai fröle, Verena und Kinigund, in der
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kinthait mit tod abgangen und zu Messkirch in die alt zimbrisch begrebtnus sein vergraben worden. Der[10] alt graf Jos Niclas von Zollern, den man nun den Natterer von Zollern genannt, ist vil zu herrn Wörnhern von Zimbern kommen. So er dann von Sigmaringen oder
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anderswa hero geen Mösskirch geraist und im schloß abgestanden, ist er nit geleich in das gemach hinauf gangen, so hat er auch nit wellen, das im herr Wörnher oder sonst etwar entgegen gang, sonder hat sich uf ain bank bei dem keer im alten schloß nidergesetzt und geruet. So es dann
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sommerszeiten, hat er im ain becher mit zehendtwein und

1

[450] ain regkle haißen bringen, und nachdem er also drunken und gessen, ist er hinauf in sein gemach gangen. Ein soliche freuntliche vertrawlichkait haben die alten zusamen gehabt, das sie die welsche und newe hofweis und
5
ceremonien nit gebraucht, sich dero beschempt hetten. Und als zu denen zeiten die grevin von Öttingen, herr Johanns Wernhers von Zimbern gemahel, gar nahe alle jhar und merthails, so graf Jos Niclas von Zollern geen Mösskirch kame, groß schwanger, ist der alt graf ganz holtselig mit
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ir gewesen, ir mermals ob tisch fürgelegt, so hat sie dann im gesagt, warvon sie gern esse, das im dann ain besonders wolgefallen gewesen. Er hat ir mer dann ain kündt ußer der tauf gehebt. * [1504] Es hat der alt graf Jos Niclas von Zollern,
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den man nur den Naterer von wegen seines schwurs genempt, ain trewen und lieben diener gehapt, Wilhalm gehaisen, ist sein raisiger knecht gewest und eines erlichen burgers geschlechts. Der hat uf ain zeit heren sagen, oder vileucht hat ers also gelesen, wann ainer in der carwochen
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die vier passion here und uf ainem bain stande, dieweil die gelesen werden, und nachgends mit ainem bogen (dann selbiger zeit die handtbüchsen nit im gebrauch) drei schutz in ain crucifix thue, so künde er hernach mit solchem pfeil kain schutz mer felen, sonder treff, was er begere oder
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darnach [1505] er abziele. Dise kunst hat herr Wilhalm bei ime betrachtet und erwogen, so es im geraten, das er seins schiesens in neten möcht so gewiss sein, seitmals der zeit ain große reiterei in allen landen, was für ain nutzer diener er seinen herren sein wurde etc. Darumb er ime entlichen
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fürgenomen, das zu probiren. Wie nur die nechst carwochen herzu geruckt, do hat er die vier passion in der kürchen zu Stetten im closter gehört, alles uf ainen bin stehendt, wie dann die verflucht kunst hat ußgewisen. Darnach ist er ingehaim hinauß gangen an das ort, do iz die capl steht,
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zum hailigen Creuz genempt. Dozumal ist aber nur ain bildtstecklin alda gewest mit ainem creuz und ainem salvator daran. In disem crucifix hat er mit seinen pfil dreimal geschossen. Wie er aber den dritten schutz gethon, da hat das bild am crucifix anfahen reulichen zu schwaißen,
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auch hat er den pfeil nit mer künden gewinnen. Do hat in ain angst und ain forcht umbfangen und allererst, gleichwol zu spat, betrachtet, was er gethan hab. Darum ist er

1

[451] ganz geschwaift, mit großem kommer haimgangen und soll darzu geschwigen. Selbigs tags het es sich ongefert gefüegt, oder ist villeucht user sonder fürsehung des allmechtigen beschehen, das ain andechtige, gute, alte fraw zu
5
disem bildstock kommen, darbei ir gebet, wie sie vormals vil im geprauch gehapt, zu volbringen. Die hat den pfeil im bild gesehen, auch das das bild heftig geschwaist. Darab sie übel verschrocken, den nechsten gen Hechingen gangen und das den amptleuten angezaigt. Die habens one verzug
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dem grafen fürgebracht. Derselbig, wie er erfaren, das dem also seie, dann es allernechst bei der statt, do ist er mit seiner priesterschaft, auch allem seinem gesind und diener, die er domals bei sich gehapt, under denen dann der obgenannt Wilhalm, der theter, auch ainer gewest, hinauß zum
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bildstock gangen. So bald der graf den pfeil ersehen, ist er übel erschrocken, dann er ine gleich gekennt, wem er zugehere, dann ime der Wilhalm under allen seinen diener der libst und anmutigest gewest; darum gesagt: «Wilhalm, das hast du gethon, und der pfeil ist dein.» Hierauf
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Wilhalm uf seine knüe gefallen und umb gnad gebetten, darbei anzaigt, er habs von sein, des grafen, wegen gethon. Aber der graf hat gesagt: «Nain, Wilhalm, ich hab dich das nit gehaisen, du hast ime laider nur gar zuvil gethon»; darmit hat er ime bevolhen, er solle nochmals den pfeil ziehen.
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Wilhalm hat vil versucht, hat ine aber nit gewinnen kinden. Sobald sichs aber der graf understanden, hat ine leichtlichen ziehen kinden, und hiemit ist der Wilhalm uf bevelch des grafen fengclichen angenomen, des ander tags fürgestellt und rechtlichen beclagt worden. Und wiewol von edel und
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unedeln große bitt für ine beschehen, so hat doch zuletst der graf das haupt von ime genommen. Grave Jos Niclas hat an das ort, do der bildstock gestanden, ain capellin lassen bawen und ain ewige mess dahin gestift. Dohin ist hernach zu allen hailigcreuztagen ain große fart gewest,
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das man von verre dahin kommen. Man hat allwegen uf solche zeit ain vesper und ain ampt da gesungen, auch geprediget; aber zu unser zeiten ist es alles abgangen. Der alt graf Jos Niclas hat dise geschicht an ain daffel lassen malen, darzu sich und etlich ander grafen von Zollern auch.
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Dise taffel[11] ist bei unsern zeiten noch in der capellen ge-

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[452] wesen, aber sie ist mit bewilligung des junger graf Jos Niclasen von Zollern von ainem grafen von Ötingen hinweg genommen worden. Gott waist wohin. Hiebei kan ich nit underlassen zu vermelden, wie der alt graf Jos Niclas die
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capell gebawen und sie geweicht worden, [1506] do ist ain fraw in aim hangenden wagen kommen, gesturzt und gementlt, die hat gebracht ain silberin kelch und was zu ainer mess gehert, das alles hat sie uf den altar geopfert und ist one gessen widerum hinweg gefaren; auch unbekannt, das
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sie niemands gekennt oder gewist, wer sie sei. Vil haben vermaint, sie sei des armen Wilhalms muter gewest. * * [1400] Zu Costanz hat sich anno 1384 ain gleicher fahl begeben, und giengen etlich knaben von Costanz geen Stadelhofen hinauß in waldt, holz zu holen bei Bernrain,
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wie sie auch theten. Als sie aber am umbherkeren und wider haim welten, do kamen sie zu dem crucifix uf Bernrain, das stand dozumal under ainem dechle an ainer saul. Daselbs rueten sie ain weil. Do stund under inen ain knab uf, der hieß der Schappeler, der griff dem bild am crucifix
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an die nasen und sagt in ainem gespöt: «Herr Gott, laß dir schneuzen! so will ich dich desto lieber kissen.» Gleich gestunden dem knaben die hendt. Do liefen die andern in die vorstatt und sagten das seiner muetter. Also kam sein muetter und ander erbar leut. Es gehieb sich sein, des
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knaben, muetter ganz übel und rueft den allmechtigen Got getrewlichen an und verhieß darbei siben ferten geen Einsidln. Do ward der knab wider ledig. Darnach über zwai jar do wolt sich der knab nit bössern, sonder gotzlestert [1401] und schwuer so übel, das man recht über in geen
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ließ und ime offenlichen die zungen ußschnitt; zudem wardt im die statt Costanz sein lebenlang verbotten. * * [1192] Bei zeiten des alten herrn Johannsen freiherren zu Zimbern hat ain frecher, ungotzförchtiger mentsch die drei schutz zu aim cruzifix zwischen dem closter Waldt und
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dem dorf Waltmansweiler am weg gethon. Also sein die zwen fueßtritt, wie der verzweifelt mentsch gestanden, bliben, die sein noch und werden bis an jungsten tag nit vergeen;

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[453] es bleibt kain regen oder schnee darauf, so thuet im kain ungewitter nichs. Es ist vor jharen ain kapelle daselbs gebawen gewesen; als aber das alters halb verfallen und abgangen, hat die nechst abtissin von Rotenstain ain hülzin
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bildstock[12] an das ort widerumb ufrichten lassen. Dergleichen fueßdritt findt man zwischen Wolmatingen und Alenspach am weg, darauf kain ungewitter kompt, weder von regen noch von schnee. Daselbst soll ainer vor vil jharen ermurt sein worden. Mit gleichförmiger unsinnigkait hat vor jharen
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ain gotloser junger, ain rosbueb, gehandelt unferr von S. Cathrinen, dem clösterle, herwerts der statt Costanz gelegen. Daselbs ist der knab frevenlich zu dem crucefix gedretten und in großem gespött zu seinen gesellen gesagt, er welle dem hergot die nasen butzen. Dise verachtung hat Got
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nit vertragen künden, sonder, so baldt der jung die bildtnus angerürt, do ist im die handt daran beliben, das er die nit wider künden herab pringen, vil weniger ime seine mitgesellen, die gleichwol vil versucht, ainige hilf haben kinden beweisen. Also ist das geschrai in die statt Costanz
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kommen, da ist gar nahe die ganz clerisei mit groser andacht in ainer process heraußgangen, das groß wunder zu sehen, und ist der jung durch das groß fürbit, das zu Gott gemainlich für ine umb verzeihung beschehen, widerumb ledig worden. Das aber die drei schutz vor jharen under dem
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schloß Zollern auch von ainem verwegnen mentschen zu aim crucifix geschehen, das ist vil elter. * * [1199] Herr Wernher freiherr zu Zimbern ist nach absterben der grevin von Kirchberg in grosem verdacht gewesen mit der herzogin von Österreich, [welche][13] zu
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Rotenburg am Necker iren widdumsitz und hofhaltung gehabt. Aber ich hab vor jharen bei den[14] alten, die deren sachen wol gedenken mögen, mich desshalben vil befragt und erkundiget, aber im grundt nie befünden mügen, das er sich über gepüre mit disem überflaischgirigen weib hab wellen
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einlassen, gleichwol er oft beschriben, auch erschinen ist und mit andern graven und herren, auch denen vom adel vil daselbst gerennt und gestochen, zu zeiten auch in denen gesellenstechen alda gewesen ist. Es sein der andern, so an dem ort den karren ziehen müeßen, so vil gewesen, das
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ich acht, er hab vor inen nit künden hiezu komen. Dise

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[454] herzogin[15] ist ires herkommens ein pfalzgrefin gewesen, hat erstlichs gehapt graf [Ludwig] von Würtemberg; nach desselbigen absterben hat sie herzog Albrecht von Österreich genomen, der kaiser Friderrichs des dritten brueder war.
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Er hat bei ir auch nit lang gelept. Also ist sie hernach ir lebenlang zu Rotenburg bliben. Ir wesen und hofhalten ist aller frewden und wollusts, so man erdenken und gehaben mogt, überflissig vol gewesen; hett auch fraw Venusperg [künden][16] genennt werden, darin man sprücht sovil frewden
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sein, daher auch der alt ritter, herr Herman von Sachsenhaim, ein schön gedicht von ir gemacht, genannt die Mörin[17], wie sollichs von bemeltem ritter in reimenweis geschriben und auch in druck ist außgangen, ganz lustig zu lesen. Sie hat zu Rotenburg große höf, auch cöstliche vasnachten
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gehalten, dann sie nach absterben herzog Albrechten von Österreich so mangierig gewesen, das sie der wal sich beflüssen. Da ist kainer, er sei dann sonderlich mit aim langen und starken penicill begabt gewesen, zugelassen worden. Vil güeter gesellen, wie ich von den alten gehört, die auch
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gern das böst hetten gethon, warden außgemustert, die dörften nit mehr hierzu schmecken. Denen gieng es auch wie dem Luciano bei seiner liebhaberin, die sprach: «Abi, in simiam es conversus[18]»; damit zaigt man im die stegen hinab. Es war ain graf von Fürstenberg im spill, hieß graf
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Heinrich, der saß zu Wolfach und hett das Kinzigerthal in, dergleichen ain edelman vom Stain und ainer vom Stain und ainer von Rechberg, hieß Veit. Aber ain ritter, genannt herr Veit von Emmershofen, der war der böst und angenemest an dem ort, der hett die bössern brief. Das
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beschaint [1200] sich ußer dem. Sie hielt ainsmals ein fasnacht zu Rotenburg, und war ain groß rennen und stechen uf dem Mark. Sie war mit irem frawenzimer in eim haus und sahe zu. Herr Veit von Emmershofen kam in dasselbig haus, und als er sicht, daz die herzogin in eim stüblin
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allain war und dem ritterspill zusache, ist er nit unbehendt,

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[455] beschleust die thür am stüblin und den nechsten zu der herzogin, die den kopf vorm fenster hett. Der hueb er die klaider dahünden uf und fieng an dem nest zu zu schanzen. Die herzogin wust nit, wer dise gugelfuer anfieng, war
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zornig, sicht hünder sich und sprücht (gleichwol mit gröbern worten): «Wer plagt mich dahinden?» So ersicht sie aber, daz es herr Veit von Emmershofen war, derhalben ließ sie iren zorn fallen, sprechende: «Sihe, herr Veit, seindt irs? faren für», und damit sahe sie widerum zum fenster hinauß,
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wie vor, und ließ herr Veiten machen. Ich hab wol von den alten gehört, das sie ain offenhaiser hab gehabt, genannt der Halberdrein, der ist ir ganz haimlich gewesen, bevorab so der graf von Fürstenberg oder herr Veit von Emmershofen nit bei der handt. Derselbig hat ir zum
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oftermal im frawenzimmer müeßen retterschen ufgeben. Uf ain zeit hat sie abermals ein abenteurige rettersch von ime haben wellen, do hat er gesagt: «Gnedige fraw, so E. Gnaden nackendt wer und uf allen vieren stüende, und sich begebe, das ain kütt hüner derselben zwischen und durch
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die pain hinliefen, wie wolten sie thuen, das dero keins weder davornen noch dahünden hinein flüege?» Hat sie damit nach irem gefallen rathen lassen. Bei sollichen retterschen ist wol abzunemen, was das für ain regiment sei gewesen[19].
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Bei unsern zeiten haben wir vast ain gleichförmige fürstin gehabt an der herzogin von Rochlitz, dise ist landtgrafen Philipsen von Hessen schwester gewesen. Die hat der from herzog Jörg von Sachsen seinem eltern son, herzog Hannsen, vermehelt, aber do war kain glück. Derselb
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herzog Hanns war seins handtwerks ein narr; er verließ auch kain kündt, sonder starb bei zeiten. All sein datum standt uf guetem roten wein, den trank er gern und soff sich zu todt. Er war so dorecht, das er manichmal zu Dresden oder Leipzik uf der gassen geritten und offenlich
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nüß hat ufgebissen und gessen. Nach seinem absterben

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[456] wolt der bekümert vatter, herzog Jörg, sein jungern son, herzog Friderrichen, verheiraten, der war vil dorechter, dann sein brueder. Der herzog ließ ain große fasnacht halten, dahin warden vil graven, herren und vom adel mit sampt
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iren weibern und döchtern beschriben und geladen. Also ließ der alt herzog den son dieselbigen fröle alle besehen und die waal haben; welche ime gefiel, die welt er ime vermehln. Aber do der gauch lang umbher gieng und letzstlich befragt ward, sprach [er][20], es gefiel im under allen
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kaine, dann sein fraw muetter, die wer im die liebst. Iedoch pracht man von ime zu letzst, das ime ein junge grefin von Mansfeldt auch wol gefiel. Darauf handelt herzog Jörg und vermehelt im die. Aber was er die erst nacht uf seiner hochzeit für ain ungeschickte weis mit ir getriben
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und ir ain katzenliebe erzaigt, darvon wer wol wunder zu schreiben. Man sagt, als er zu ehlichen werken nit begirig, haben die arzet das mit künsten zu erzwingen sich understanden, aber das kriegen ußer der canzlei und künder zeugen ußer der apotek ist selten fruchtbar. Das beschahe
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da auch; dann er wolt den bock nit stechen, darumb lept er nit lang und starb gleicher gestalt wie sein brueder ohne leibserben. Er hett kain kurzweil, dann mit [1201] schönen rossen, und so in seine diener zu ainer poshait umb ain hengst ansprachen, so dorft er sich vor zorn in die hendt
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beisen, welches den betrüebten alten herzogen zu seinem ende befürderet. * [1347] Es vermainen vil leut, es hab herzog Albrecht von Saxen, dises herzog Jörgen vatter, an ainem armen landtsknecht den unfall seiner nepoten beschuldt; dann er
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fürt vil jar große krieg in Frieslandt, wie er auch zuletzst anno domini 1500 [zu][21] Embden starb. Nun spilt er ainsmals mit ainem landtsknecht, der gewon ime vil tausendt guldin uf kreiden ab. Der herzog wolt sich mit ime vergleichen und ain thail an der somma abbrechen. Das wolt
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der lantsknecht nit annemen, begert völliger bezallung. Do wurt der herzog so zornig, das er in eilends den nachrichter beschickt, haist den hinaus füeren und enthaupten. Der lantsknecht erschrack, bat umb gnad, als er den ernst markt, wolt sich der ganzen schuldt verzigen haben; aber es half
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ine nit, sonder er muest fort und ward ime das haupt ab-

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[457] geschlagen. Wie vil aber loblicher und fürstlicher hat der prinz von Auranien, Philipertus, gehandlt; dann als er in namen kaiser Carls die statt Florenz mit deutschem und welschem kriegsvolk belegert, spilt er auch uf ain zeit mit
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Jörgen von Salzburg (war dozumal ain schlechter hauptmann); dem gewann er ob den achthundert ducaten ab. Als er aber dem prinzen sollich gelt nit erlegen kunt, pringt er im ain schönen landtsknechtspieß, gibt im den an der schuldt. Der prinz hett ain gefallen darab und erzaigt auch
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damit sein fürstlichs gemüet; dann er name den spieß an und ließ ime alle schuldt nach. Diser theur fürst ist in diser belegerung vor Florenz in seiner blüeenden jugendt erschossen worden und ist der letzst seins geschlechts gewest. Ine hat graf Heinrich von Nassow, den man den reichen
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von Nassow genannt, geerbt, dann er sein schwester vermehelt gehapt. * * [1521] Anno 1539 hat herzog Jerg seim son, herzog Friderichen, ain grefin von Mansfelden verheurat, ist in wenig zeit nach der hochzeit gestorben und herzog Jerg der alt
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gleich bald hernach von lauterm kommer. Man sagt, es sei im darvor geraten worden, wider zu heuraten, aber er habs abgeschlagen und gesagt, wie kaiser Maximilian, das aim alten man kain hoflicher gift mögt zugerust werden, dann so man ine berede, ain jungs weib zu nemen. Aber
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dem alten Bernhart Göler war nit also. Wiewol er gar alt und krank, noch so nam er ain jungs weib, war ain Echterin. Herzog Ulrich von Würtenberg, dessen gehaimer rath er war, fragt in ainsmals in eim gespai, was er domit hett gemaint, sie künt doch kain gefallens ab ime haben, so künt
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er ir auch nit rat thon und wer im ain große unruhe. Spricht er: »Es ist genug, das ich ain gefallens ab ir; so thu ich rath, wann ich kan; zum dritten, so understand ich mich nit ein merers, dann ich waiß zu verrichten«. Ich glaub, es sei bei disem Bernhart Göler gewest, wie ainem man
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und von dem man sagt, das ime der bös gaist in wittibstand das manlich glid mit einem gebelin hab understeiret.* Die nachgelassen wittib, die guet Els von Mansfeldt, und die wenig liebe von dem herzogen befonden, ward hernach herr Christoffen von Regendorf vermehelt, von dem
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sie gleicher gestalt und umb unschuldte übel gehalten worden, auch biß an ir ende ain betrüebte fraw gewesen. Aber die ander witfraw von Sachsen, die landtgrefin von Hessen,

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[458] so zu Rochlitz iren widdumsitz hett, die füert ain anders wesen. Sie het ain hofmaister, ein glatten, starken edelman, der war der haushan und muest ir ordinarie das kemmet fegen, waverr nit frembde hab verhanden. Uf ain zeit kam
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ain abenturer dahin, der hett ein langs, ungefüegs schermesser. Das ward der herzogin zu ohren getragen. Also, wie man gemainlich sagt, daz der fürwitz ain jungfraw theure[22] mach, beschach do auch. Sie wolt den kerlen sehen und versuchen, was er konte. Derselbig thete sein böst und
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kert ir die nacht so grob ab, das sie vor großen frewden vermaint ain kleins fürzlin[23] zu thuon. Do hoffiert sie gar ins bet. Des morgens früe fürt sie iren Jacob, den hoffmaister, übers bett, zaigt ime, wie sich der frembd Hensle so ritterlich gehalten und wie sie im bett hette angericht.
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Damit griff sie in rogen und strich im ain bißle ins maul, mit vermanung, er sollte auch solche leckersche bössle lernen machen. Der hofmaister schampt sich vorn leuten, het gern balget. So gab niemandts darumb und muest also uf dißmal verguet haben. Es hett der Herman Boß, so einest
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bei marggraf Christoffen von Baden zu hof, für dise herzogin gefüegt, der konte kisslingstain ußer ainer wandt brunzen, also war er under der gurtel gstaffiert. Es ward uf ain zeit graf Gottfridt Wernher von Zimbern von diser herzogin und von irem wesen gesagt, der vermaint ihe,
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waverr es an ime stüende, welt er ir ain stampf hiein ritten, damit doch die müle nimmer leer wurde. Wie die fraw gewesen, also auch das frawenzimmer und ire jungkfrawen; daher sagt man, als marggraf Albrecht von Brandenburg in der schmalkaldischen vechde von ir geen Rochlitz geladen,
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alda er auch gefangen, do haben seine edelleut allerlai kurzweil mit den jungkfrawen triben, under denen eine gewesen, die hat ain edelman für sich uf den schoß gesetzt und mit andern seinen gesellen gespillt. Nit wais ich, wie es gangen, oder was sie für ain warme ader befonden, sie ist dem
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edelman in der schoß über sich gesprungen und gehotzet, sprechend: »Ei, er kützelt mich«. In solche oder dergleichen frawenzimmer ist nit guet, daz ainer seine künder thue, dann schlechte zucht alda zu lernen, und, wie die alten ge-

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[459] sagt: »Exempla movent sensus«. Noch ist das alles ain schimpf und für nichs zu achten gegen der künigin von Frankreich, die im Nelle[24] zu Paris am wasser hat gewonet, die hat studenten und andere, die ir gefallen, einzogen
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und nach der haut gebraucht. So sie dann eins maßledig worden, oder er kain hertbarer gesell mer gewesen, wie man an der Ieder[25] am Hunsruck sprücht, so hat sie ein haimliche fallen ufs wasser, die Seine[26], gehapt, die ist wie ein mausfall gemacht gewesen, so hat sie dann den gueten
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gesellen schnappen lassen. Der ist verfallen, das ine [1202] niemandts mehr gesehen. Das ist mit vilen geschehen, die also verloren worden. Letzstlichs ist das mordt durch den großen Albertum, so der zeit zu Paris studiert, offenbaret worden, das pallatium Nelle, dorin sie gewonet, ist zerstöret,
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ist noch ein burgstal und ligt uf der seiten der universitet. Ich hab von herzog Hannsen von Summer gehört, das sie ain herzogin von Bayrn sei gewesen. Wie es ir darob ergangen, ist ain ungleiche sag, soll aber doch, wie billich, darumb gestraft sein worden.



  1. . . .] der satz ist unvollständig; es dürfte zu ergänzen sein; »nit bekannt« oder »nit wissend«.
  2. Bittelbronnen] hs. irrthümlich Mittelbronnen; s. das register.
  3. grave Ulrichen] unrichtig, er hieß Wilhelm; s. oben z. 26.
  4. schampt] hs. sampt.
  5. Wiewol dessen] hs. Wiewol sein dessen.
  6. Stadthof] AB Standthof, vgl. Zedlitz, Balneographisches Hand- und Wörterbuch s. 354.
  7. 227] auf s. 226 stehen die wappen von Zimmern und Öttingen.
  8. Mein] bis gewest [z. 35] fehlt in A.
  9. Wie nun] von hier bis ende des capitels folgen in A viele correcturen und zusätze.
  10. Der] dieser schluß des capitels fehlt in A.
  11. taffel] eine abbildung der hinrichtung in steindruck, darunter die, etwas abweichende, erzählung des vergehens nach einer aufzeichnung vom jahre 1731, das ganze auf einer folioseite, liegt dem herausgeber vor; s. auch Barth, Hohenzollernsche Chronik s. 149 ff.; eine bildliche darstellung des verbrechens giebt auch R. G. Stillfried in den Mittheilungen des Vereins für Geschichte und Alterthumskunde in Hohenzollern. VII. Jahrg. 1873/74, Tafel IX. WS: Die auf der nächsten Seite fortgesetzte Fußnote Baracks wurde auf dieser Seite vervollständigt
  12. bildstock] hs. bilstock.
  13. welche] fehlt in der hs.
  14. den] hs. dem.
  15. herzogin] es war Mechtild, tochter des pfalzgrafen Ludwig IV [WS: handschriftlich in III geändert], die sich als wittwe des herzogs Ludwig von Würtemberg im j. 1452 mit herzog Albrecht VI von Österreich vermählte.
  16. künden] fehlt in der hs.
  17. die Mörin] gedruckt: Straßburg 1512; Wormbs 1538; 1539; Frankfurt o. j. (um 1560); Hermann von Sachsenheim herausgegeben von Ernst Martin. 1878. 8°, Bibliothek des Litterarischen Vereins in Stuttgart. CXXXVII.
  18. in simiam es conversus] s. Lucianus, Lucius cap. 56.
  19. gewesen] über die erzherzogin Mechtild handelt ausführlich und mit häufiger bezugnahme auf diese chronik Ernst Martin, Erzherzogin Mechtild, Gemahlin Albrechts VI von Oesterreich. Versuch einer Lebensgeschichte; s. Zeitschrift der Gesellschaft für Beförderung der Geschichts-, Alterthums- und Volkskunde von Freiburg II, 145—271, und III, 207—208; den grafen Heinrich von Fürstenberg betreffend s. auch Riezler, Fürstenb. Urkundenbuch III, 278.
  20. er] fehlt in der hs.
  21. zu] fehlt in der hs.
  22. fürwitz macht ain jungfraw theure] s. Eiselein, Die Sprichwörter und Sinnreden des deutschen Volkes s. 199.
  23. kleins fürzlin] s. Keller, Fasnachtspiele s. 339, 25—28.
  24. Nelle] ist das ehemalige hôtel de Nesle; s. Dulaure, Histoire de Paris IV, 210 ff.; Liebrecht führt Germania XIV, 391 aus, daß sich diese sage ursprünglich auf zwei andere französische königinnen bezogen habe.
  25. Ieder] d. i. Idar, Idarwald, bergkette zwischen dem Hundsrück und Hochwaid.
  26. Seine] hs. Sonne.