Zimmerische Chronik/Band 1/Kapitel 36

<<< Kapitel 36 >>>
aus: Zimmerische Chronik
Seite: Band 1. S. 201–204
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[A90a] Wie herr Wörnher freiherr von Zimbern etliche freihait von kaiser Karle dem vierten, auch dem königclichen gotzhaws Reichenaw erlangt, darzu etliche dörfer und zehenden an sich erkoft.
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Anno domini ain tausendt dreihundert dreiundfünfzige, als kaiser Carle, der viert des namens, seins herkomens ain grafe von Lützelburg, zu Ulm lag, kam dahin herr Wörnher von Zimbern. Dasselbig mal erlangt er von gedachtem kaiser ain confirmation und bestetigung seiner alten
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privilegien und freihaiten, namlich das niemandts, was standts oder wesens der seie, im ganzen reich teutscher nation die freiherren von Zimbern oder ire underthonen auf kain landtag beruofen oder citiern solle, dann allain auf den landtag zu Rotweil, solten auch an kainem andern ort zu antwurten
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oder zu recht sein schuldig gehalten werden. Auch hat er zu gemelter zeit von obgedachtem kaiser ain besteetigung erlangt der alten und von unverdechtlichen jaren hergeprachten herligkait und freihait, nemlich mit dem pann über das bluot, das er solchs also hab, wie er Got dem herrn

1 [202] darumb antwurt geben welle, aus altem, hergeprachtem privilegio, alles nach ausweisung des kaiserlichen briefs etc.

Herr Wörnher hat treffenlich wol haus gehalten, auch seine herschaften wol pessert, dann ich findt, das er umb
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die jar ungevärlich nach Christi gepurt [A90b] ain tausendt drewhundert und fünfzige das dorf Villingen mit seiner zugehörde, nechst bei Herrenzimbern gelegen, von herr Albrechten von Reüti, ritter, und seinen sönen Albrechten und Reinharten [127] erstlichs verphent, nachmals in aim kauf
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gar an sich bracht hab; dessgleichen das dorf Wilhon, welches im herr Petter von Höwen, demnach es lehen von der herschaft Hewen, geaignet. In wenig jaren hernach hat er des Kuglers hof (sein izundt die herrnäcker, sampt deren zugehörden und dem kirchensatz zue Möskirch) von
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Friderrichen dem truchseßen von Rordorf, herr Walthers son, auch das aigenthumb des weinzehendes zu Siplingen, wellichen die Gremlichen noch zu lehen tragen, von herrn Egloffen, hern Jergen und herrn[1] Oschwaldten freiherren von Wartemberg zuwegen bracht, darumb dann noch brief verhanden.
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Hernach anno domini ain tusend dreihundert achtundsechzige hat herr Eberhart Mailin, pfarrer zu Möskirch, vilbemeltem hern Wörnhern von Zimbern und Othon dem[2] truchseßen von Rordorf, herrn Walthers sone, allen iren erben und nachkomen, manspersonen, geben und zugestelt das
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halbthail aller deren hernachvolgenden zehenden, namlich des grosen zehendes zu Möskirch, des zehendes zu Rordorf, zu Christins-Reütin, zu Ingelswis[3], zu Hewdorf, zu Menningen, zu Leutishofen, zu Igelswis, zu Bichtingen, zu Wauggershofen, zu Geggingen und zu Schnerkingen, darzu anders
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mer, so domals an die pfarr zu Möskirch gehört, welches alles mit gutem willen obgenannts pfarrers beschehen. Über etlich jar, als Oth truchseß von Rordorf mit tod on mannlich leibserben abgangen, hat herr Herman Habnut[4] von Biberach, pfarrer zu [A91a] Möskirch, herr Eberharts Mailis[5]
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nachkomen, den thail aller obbemelten zehenden, so Oth, truchseß, vorhin ingehabt, auf herrn Wörnhern verwendt, und deshalb auch brieve und sigel, zugleich wie sein vorfar, herr Eberhart, über sich geben. Aber solche übergab

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[203] her Herman Habnuts[6], pfarrers zu Messkirch, ist beschehen anno domini ain tausendt dreihundert sibenundsibenzige. Under der regierung apt Eberharts[7] in der Reichenaw hat herr Wörnher von Zimbern ain freihait von gedachtem apt
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überkomen, nemlich das alle die, so dem gotzhus Reichenaw mit leibaigenschaft verwant und zu Möskirch innerthalb der ringmaur seshaft weren, herrn Wörnhers und aller seiner erben und nachkomen aigen leut solten sein, auch also gehaisen und genennt werden; dessgleichen alle die, so in
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kunftigen zeiten geen Möskirch zögen oder wonen und ains apts in der Reichenaw leibaigen, solten auch zimbrische aigen leut werden, actum anno domini ain tausendt dreühundert sibenzige. Hernach anno tausendt dreihundert achtzige hat apt Hainrich[8] us der Reichenaw herrn Wörnhern
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solche obbemelte freihait ernewert und bestetiget, auch desshalben brief under seim sigel aufrichten lassen. Wiewol aber herr Wörnher sein geschlecht, wie gehört, wol widerumb ufbracht, ist doch meins erachtens unweislichen von im gehandelt, das er schlos und dorf Menningen
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[128] und Leütishofen, welches er von herr Walther truchseßen von Rordorf erkauft, ainem, genannt Otho der Schuoler, seßhaft zu Menningen (zu achten, er seie ain Gremblich gewesen) mit allen zugehörden zu rechtem mannlehen verlihen hat, welches beschehen anno domini ain tausendt dreihundert fünfundsibenzige,
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damit er aber sich und seine nachkomen gröslichen [A91b] enplöst. Man spricht, der churfürst von Menz, erzbischof Berchtolt, seins herkomens ain gefürster grave von Hennenberg, zu mermaln gesagt soll haben, er hab vil man (also werden die lehenleut genennt),
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wer im aber nutzer und pesser, das er frawen darfür het. On zweifel hat der from, loblich churfürst mer von seinen mannen, dann im lieb, auch dem erzstift nutzlich und fürstendig, gewist und erfaren etc. Was aber die ursach, das herr Wörnher obbemeltem Othon, genant dem Schuoler,
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ernempte schloß und dorf zu lehen verlihen, ist unbewist. Was hochmuts und untrew aber dieses Otten Schuolers nachkomen einsteils und sonderlich der Gremlich, so umb die jar 1560 das manlehen Meningen ingehapt, wider die

1 [204] herschaft vilfaltglich geübt, wurt hernach an seinem ort angezaigt werden.



  1. und herrn] hs. und herr.
  2. dem] hs. den.
  3. Ingelswis] hs. Ingelsvis.
  4. Habnut] die archivacten zu Donaueschingen nennen ihn Hermann Habinit.
  5. Mailis] Maile, in den archivacten zu Donaueschingen wird er Maigle genannt.
  6. Habnuts] hs. Habmuts.
  7. apt Eberharts] d. i. Eberhards von Brandis, des 49Sten abts; s. Oheim, Reichenauer chronik s. 154.
  8. apt Hainrich] d. i. Heinrich von Stoffeln, 50ster abt; s. Oheim a. a. o. s. 155.