Zimmerische Chronik/Band 1/Kapitel 35

<<< Kapitel 35 >>>
aus: Zimmerische Chronik
Seite: Band 1. S. 198–201
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* [1395] Von den graven von Freiburg oder Fürstenberg und der stat Freiburg im Breisgew etc.
Von wem die statt Freiburg im Preisgew anfengclichs erbawen und ufkommen, auch wie sie in der grafen von Fürstenberg[1] handt und gewalt kommen, das laß ich uf
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dizmal bleiben [1396], und ist zu wissen, das sich zwischen disen grafen und iren underthonnen, denen von Freiburg, hernach volgender zeiten vil gezenks und spenn begeben; dann es waren die burger in der statt von wegen des pergwerks und güete des lands reich worden, gaben nichs umb
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iren herren; so wolten die graven ir superioritet, wie billich, erhalten. Das markten die herzogen von Österreich, und bedaucht sie, die herrschaft des Breisgews sollt inen auch wol gelegen sein. Derhalben starkten sie haimlich die von Freiburg und raizten sie zu aller ungehorsame. Das dorft
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nun nit vil wesens oder kunst, sie waren sonst darzu genaigt; zu dem hetten sich die stett, als Basel, Newenburg, Breisach, zu inen verbunden, alles ußer anstiften der her-

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[199] zogen von Österrich. Anfangs aber, wie sie dem grafen so große ungehorsame erwisen, da nam im graf Egon von Fürstenberg[2] für, die statt zu überziehen und zu gehorsame zu bringen, verließ sich uf bischof Conradten von Straßburg,
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der war ain freiherr von Liechtenberg, dessen leibliche schwester er zu der ehe hett. Er pracht auch zuwegen, das künig Albrecht und bemelter bischof von Straßburg, sein schwager, die statt überzogen und belegerten, in welcher belegerung vil scharmützel zu baiden theiln fürgingen. Eins mals begab
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sich, das des bischofs reuter ain angriff theten, do mischet sich der bischof auch under die selbigen, und damit er desto weniger erkannt, het er ain seidin wammas an und ward klaidet als ain kriegsman. So lauft aber ain junger metzger von Freiburg, ain unachtbarer mensch, under dem andern
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kriegsvolk, der ersicht den bischof, stoßt ain spieß in ine, das er am vierten tag darnach starb[3], im jar 1299. Der metzger kam darvon, auch ward der ursach halb, dieweil der bischof also jemerlichen umbkomen, die statt uf dizmals verlassen und zog menigclich widerumb ab. Über etliche
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jar, und nemlich anno 1346, do wolt graf Egon von Fürstenberg seinen vorgelittnen schaden rechen und die statt haimlich erstigen haben, aber der anschlag brach uß und warden die von Freiburg gewarnet. In der nacht, wie die statt sollt ingenomen sein worden, im nachvolgenden jar
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1347, namen die von Freiburg das schloß, so ob der statt lag, mit listen ein, blünderten das und brachens ab. Derhalb kam es abermals zu aim offenlichen krieg, das sie ainandern beiderseits angriffen und plagten. Die von Freiburg zogen zum Weir und gewonnen das. Sie fanden darauf
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zwen jungen vom adel, Zornen, die hetten mit dem krieg nichs zu thuon und wurden doch von denen von Freiburg haimlichen in der gefengknus unschuldigclichen erschlagen und ermürt, darumb dann landtsherren, auch menigclich, insonderhait aber die statt Straßburg denen
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von Freiburg übel zuredten. Der knaben vatter war ain theurer ritter, hieß herr Berchtoldt Zorn, der wolt das mordt ungerochen nit lassen und bracht bei seinen freunden biß in die hundert pferdt uf. Mit denen zog er zu graf

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[200] Egon, welcher dann sein freundtschaft beschriben, namlich den herzogen von Lottringen, den marggrafen von Baden, die grafen von Salm, von Hochenberg, von Zweibrucken, dessgleichen die herrn von Vinstingen, Ochsenstain,
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Usenberg, Liechtenberg und andere, die alle kammen graf Egen zu hilf, mit fünfhundert raisigen. Darzwischen hetten sich die von Freiburg mit iren bundtsgnossen, denen von Basel, Newenburg, Breisach und Keinzingen, auch beworben [1397] und biß in die dreihundert pferdt ufgebracht und bei
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fünftausenden zu fueß. Die legerten sich darmit für Endingen, stürmten das ohne underlaß, und sie iren vorteil gehaben mogten. Wie [sie][4] aber vernamen, das graf Egen mit seinen reutern und anderm kriegsvolk uf dem weg und sie zu überzucken gesinnt, auch das herr Gerhart von Endingen,
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ritter, uf dem weg, umb hilf sich weiter zu bewerben, do überkamen sie ainsmals den hasen in busen, wie man sprücht, und berathschlagten, das in der nacht sie haimlich gegen tag mit allem kriegsvolk abziehen und in iren vorteil sich legern wolten, welches sie auch also ins werk understanden
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zu richten. Darbei geschach inen so not, das sie ire zelten und anders dahinden liesen. Aber es hett der graf sein kuntschaft so guet im Ieger, das im nichs verborgen blib. Darumb, als er der Freiburger und der andern Breisgewer meuslenlocker kleinmüetigkait vermarkt, do hueb er mit
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inen darein und jagt sie wol ein halbe meil biß uf ainen büchel unferr von Endingen. Da ereilt er sie, und wiewol sie vermainten, ain vortail zu haben, und zu der wehr sich stallten, so kunten sie doch kain standt thuen und fluhen gleich widerumb. Also jagten sie inen aber nach biß geen
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Breisach zum obern thor ins frawencloster, das nit der zehent wider haim kam. Es warden iren über die dausent in der flucht erstochen, die überigen kamen an Rein, darin ertrunken iren etlich hundert; vil warden gefangen und wenig kamen darvon. Und ist das dises graven von Fürstenberg[5] ain
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vernampte victoria gewest; dann man warhaftigclichen findt geschriben, das under des grafen haufen nit ain ainziger mensch seie umbkommen. Dise schlacht[6] ist beschehen im jar nach Christi gepurt 1367 uf s. Laux tag. Hernach ward diser krieg gericht und musten die von Freiburg ime ain

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[201] abtrag von wegen der abbrochnen burg thuon, auch järlichs 100 mark silbers über die ordinari einkommen geben. Volgends über etlich zeit erkauften sie sich von graf Egen mit großem guet. Sollichs gab inen der herzog von
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Österreich, der disen krieg angestift het und im gelungen war, und ergab sich die statt Freiburg an das haus Österreich, wie die noch diser zeit demselbigen zugehörig ist. * * [1508] Man sagt, demnach die von Freiburg von iren herren, den grafen von Fürstenberg, abgefallen und ain
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mainaidt sollen geschworen haben, darumb auch etlich die finger sein abgehawen, so ist ain vertrag ufgericht worden, darin begriffen, das die von Freiburg uf die vier straßen staine seulen sollen setzen, uf dero ieder ain hand mit halben finger, als ob sie abgehawen worden. Das soll und muß zu ewiger
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gedechtnus also gehalten werden, und sicht man die seulen noch heutigs tags, die stehen da zu irer langwirigen schand und turfens nit hinweg thon. Sie haben bei graf Friderichen von Fürstenberg, wie man sagt, derhalben angehalten, aber nichts erlangen mögen, und sein der seulen acht,
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allwegen zwo gegen ainandern, und die straß darzwischen. *



  1. Fürstenberg] unrichtig, Freiburg kam nie in den besitz der grafen von Fürstenberg.
  2. Fürstenberg] unrichtig, da Egon graf von Freiburg war und hieß.
  3. starb] s. hierüber Schreiber, Geschichte der Stadt Freiburg II, 91; Hansjakob, Die Grafen von Freiburg s. 42.
  4. sie] fehlt in der hs.
  5. Fürstenberg] d. i. Freiburg, ebenso weiter unten.
  6. schlacht] s. darüber Schreiber a. a. o. II, 182 ff.; Hansjakob a. a. o. s. 94.