Zimmerische Chronik/Band 1/Kapitel 29

<<< Kapitel 29 >>>
aus: Zimmerische Chronik
Seite: Band 1. S. 150–159
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*[1540] Von herr Wernher freiherr zu Zimbern, dessen bruder, herr Albrecht, ein margrefin von Hochberg

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vermehelt.
Margraf Rudolf von Baden, ein son margraf Hermans, des vierten dises nammens, dessen muter[1], herzog Hainrichs von Brunschwigs dochter, die anfraw. Aber des römischen kaisers Friderici Barbarosae schwester het noch ain bruder
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gehapt, dem vatter nach margraf Herman gehaisen, der ist

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[151] seiner schenen und geraden person, fürnemlichen aber auch seiner großen weishait und geschicklichkait halben ain ansehenlicher fürst bei allen reichsstenden gewesen, derwegen im[2] mit befürderung kaiser Friderichs des andern vermehelt
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ward ain herzogin von Österreich, genannt Gertrawt, weilund herzog Lupoldts von Österreich, der anno 1232 mit dodt abgangen war, verlaßne dochter, ein schwester herzog Friderichs, welcher vom kaiser Friderico Barbarossa zu ainem könig des Bayerlands gewürdiget und erhöcht worden. War
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aber dem Barbarosa undankbar, hielt sich übel und thet sich zu den Hungern[3]; von denen ward er erschlagen und verließ kain leibs erben. Dieweil dann schült und helm mit ime abgestorben, do zankten sich seine schwäger umb die verlaßne land. Nachdem aber das herzogtum Österreich
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dem reich als ain manlehen heimgefallen, do begabet kaiser Friderich, der ander diß namens, sein vetter, den obgedachten margrafen Herman von Baden, mit dem herzogtum Österreich, kam auch desshalben bei allen stenden des reichs in ain groß thon und hohes ansehen. Nun begab es sich,
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das grave Zaisolf von Sinshaim, man nampt in aber nur den grafen von Brusel oder den grafen ufm Kreüchgew, umb die zeit abstarb und mit ime sein geschlecht, stam und nam abgieng. Do fielen die manlehen wider ans römisch reich; was er aber für aigne güeter verließ, die erbt sein bruder,
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grave Hanns. Der war ain bischof zu Speir. Derselbig vergabet die güter an den tomstift zu Speir, aber grave Zaisolfs manlehen von reich die lihe kaiser Friderich der ander dem obgenannten margraf Herman von Baden und herzogen von Österreich, und das waren nemlich die lehen:
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das stettlin Durlach und der thurn zu Gretzingen, dessgleichen Eppingen und Haidelshaim. Das beschach, von wegen das der margraf des kaisers naher fründt und vetter, auch im sonderlichen wol befolhen was; zu dem waren solche güeter vor jaren auch des margrafen vorelter gewest,
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von denen es durch ein heurat an die graven von Hennenberg, und von Hennenberg widerumb an die grafen vom Kreichgew kommen. Das aber die grafen von Hennenberg in selbiger landtsart vor zeiten gewonet, das erfindt sich clärlichen ußer ainem alten bermentin brief, in deutscher
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sprach geschriben, in dem jar 1190 under der regirung und

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[152] in namen des remischen königs Hainrichs des sechsten ußgangen. Solcher brief wurt under[4] den margrevischen briefen zu Pforzhaim behalten, und weiß kaum von ainem eltern brief zu sagen, der deutsch sei, dann darvor ist es alles in
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lateinischer sprach, ufgericht worden. Und haben die grafen von Hennenberg umb die jar, als oblaut, die grafschaft Forchhaim[5] ingehapt, in Speirer bischtum, in der provinz, so man dozumal das deutsch Frankreich genennt (das sind die wort des originals). Und in selbigem jar hat graf
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Berchtold von Hennenberg das closter und aptei Gotzow in seiner grafschaft Forchaim im Albengew und in dem wald, der Lußhart[6], bei dem wasser, genannt die Alb, gestift mit bewilligung fraw Lugken oder Leutgarden, seiner eelichen hausfrawen, auch seines sons, graf Berchtolden, und seiner
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döchteren Lugken und Mechtilden. Solche stiftung hat der obgenannt remisch könig Hainrich bestettiget in obermeltem jar, als der gemainen cristenhait gröster unfal begegnet, das war, als der theur und unüberwündtlich kaiser Friderich Barbarossa in Armenia ertrank. Von wem dise grafschaft
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Forchaim an die graven von Hennenberg kommen, und warumb sie die widerumb verlassen und zu welcher zeit, das hab ich noch nit gefunden. Bei fünfzig und mer jaren darvor haben gedachte grafen von Hennenberg die grafschaft Laufen am Necker von dem
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stift Wormbs zu lehen getragen. Das erfindt sich in der stiftung des closters Schonaw[7], am Necker ob Haidelberg gelegen, die anno 1142 under könig Conradten dem dritten von bischof Buckono[8] von Wormbs, der ain edelman war seins herkommens von Ahorn, ein Frank, beschehen. Dann
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[1541] demnach diser bischof Buko ain sondere affection het zu dem ort, dohin er Schonow hernach erbawen, und aber derselbig grund und boden in das lehen der grafschaft Laufen geherig und von graf Poppen von Hennenberg, den man nur zur selbigen zeit von wegen seiner residenz den grafen
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von Laufen[9] nampt, ainem Landschaden von Stainach, genannt Bliker[10], zu afterlehen verlihen, do must sich der bischof mit dem grafen und dem Landschaden vergleichen und iren

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[153] iedem ain widerlegung [geben][11], desshalben, wollt er anders, das der graf und der Landtschad das bewilligten und zuließen. Also befindt sich clärlichen, das die grafen von Hennenberg ire güter nit allain im land zu Franken gehapt,
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sonder auch am Necker und dem Reinstrom. Ob aber dieselbigen landtschaften durch heurat oder in kaufsweis wider vom stammen kommen, das ist in ain vergess kommen, möglich, das solchs im interregno beschehen, welches dann die grösten und sorglichsten verendrungen in deutschen
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landen, auch im ganzen reich gepracht hat. Als aber nur anno domini 1240 margraf Herman dodts abgieng, erbet ine sein son, herzog Friderich von Österreich, der gleichwol auch ain margraf von Baden war. Wie aber derselb mit dem jungen könig Conradino von Schwaben, seinem vetter, in
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Neapel durch anstiften des bapsts Clementis umb sein leben jemerlich und mit unschulden gepracht, do underzoh seins vatters bruder, der obgenannt margraf Rudolf, sich seines vetter verlassenschaft im land zu Schwaben. Des herzog Hermans dochterman, iez genannt herzog Friderichs
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schwager, könig Odokar in Behem, het das herzogtumb Österreich und desselbig zugeherigen lender an sich gezogen; do wollt sich margraf Rudolf mit seinem schwager, könig Odokar, umb die österreichischen landen nit zanken, sonder ließ sich an denen güeter, die im in Schwaben zugestanden, wol
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benüegen. Nun hett weder herzog Friderich, noch der margraf Rudolf die obgemelte lehen vom reich zu lehen entpfangen, weder von kaiser Fridrichen dem andern, noch von seinem sone, kinig Conradten; zu dem war bei irer baider regierungen ain wiester und wilder lerman im reich, das
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die römischen kaiser und könig von den bäbsten verbannt, des remischen reichs entsetzt, auch alle stend des reichs irer pflicht und aidt, den kaiser gethon, von den bebsten ledig gezellt, und dörft niemands weder Friderico oder seinem son Conrado offenlichen anhangen, oder aber er war
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gleich auch von den bäpsten verbannt. An solchem liesen sich die päpst nit benügen, sonder auch sie hetzten merertails gewaltige potentaten in der cristenhait an dise kaiser und könig; darneben so pratticierten sie durch etliche stend des reichs sovil, das iren etlich von dem kaiser abfielen.
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Das verursacht die frommen kaiser und könig, das sie alle

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[154] mögliche mittel und weg an die hand nemen musten, sich bei irer hochait und autoritet zu erhalten, welches dann mit unseglichem costen beschehen must. Dises gab ursach, das könig Conrad vil lands vom reich, nit weniger dann vor
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ime sein herr vatter, etlichen stenden des reichs vergabet und aignet. Also beschahe alhie gegen disem margrafen von Baden auch. Do aber nur künig Rudolf von Hapspurg ans reich kam, sprach er denen zu, so reichslehen und des reichs aigenthum one belehnet inhetten. Under denen war
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auch der obgenannt margraf Rudolf von Baden; dem sprach könig Rudolf zu, wie das die obgemelte lehen Durlach, Gretzingen, Eppingen und Haidelshaim mit iren aller zugeherden durch absterben und entleibung herzog Friderichs von Österreich dem reich haimgefallen weren, und ob aber
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gleich an sollichen lehen margraf Rudolf was ererbt haben sollt, so het er doch die in gepürender zeit weder zu lehen erfordert, noch zu ainichem lehen entpfangen, weren daher dem reich apert worden und haimgefallen; und ußer oberzelten ursachen wolt könig Rudolf dise lehen dem reich
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oder desselbigen camer einziehen. Das wollt margraf Rudolf nit zugeben und went für, das er solliche güeter ererbt und mit gutem titel inhett, wollts nit von henden geben. König Rudolf citirt den margrafen. Margraf Rudolf wolt nit erscheinen oder dem römischen könig zu seiner clag
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antwurt geben, auch seine inhabende strittigen güeter für kaine reichslehen erkennen. Do praticirt könig Rudolf mit etlichen seinen fründen und verwanten und wollt ie den margrafen zu gehorsam bringen, auch die angesprochnen lehengüeter dem reich einziehen. Darumb ristet sich margraf
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Rudolf zu der gegenwere; er ruft an seine fründ und nachpurn, als seine vetter, die margrafen von Hochperg, seine schweger, die grafen von Würtenberg, Helfenstain und andere, deren ieder bewilligeten sich, dem margrafen, da es not thet, ain reuterdienst ze thon. Dieweil dann herr
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Albrecht freiherr zu Zimbern der zeit ain margrefin von Hochberg zu ainem gemahel, do ward er auch von margraf Rudolfen neben andern angesprochen. Dieweil aber der stritt und die vecht wider ainem römischen könig und ain große gefar uf diser handlung zu gewarten, wie auch hernach
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beschach, do wollt sich herr Albreht als ain weiser, vernunftiger herr in die offenbare gefar nit begeben, sonder hielt sich anhaimsch, still und rubig. Aber sein bruder, herr

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[155] Wernher, der unverheurat, auch weder weib noch kinder nie gehapt, derselbig mischet sich in dise unruhe. Gleichwol er auch nit personnlich wollt darbei sein, noch dann so schickt er als ain verschwegerter margraf Rudolfen zu
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hilf etlich pferd. Dieselbigen fürt sein hofmaister, Conradt von Ramingen; dessen vatter, Hartnit von Ramingen, ward dem margrafen auch mit etlichen pferdten vom grafen von Würtenberg zu hilf zugesant. Nun het könig Rudolf zu aim anhang und beistand den herzogen von Teck, die grafen
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von Zollern und Achaln, item [1542] den grafen von Tibingen, der da genannt war der Scherherr[12] von Herrenberg. Ehe sich nur der margraf mit den seinen recht möcht gefast machen, da fiel im der herzog von Teck und der grafe von Achaln ins land, namen ime ain Mülberg, item Durlach das
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stettlin; sie eroberten auch Gretzingen den thurn, verbrannten[13] baide, den thurn und das stettlin. Hernach do verhergten sie sonst dem margrafen sein ganz land. Der pfalzgraf saß still, sahe zu und wolt kainem tail helfen. Letstlich ward der krieg zwüschen dem römischen könig und dem margraf
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allerdüngs vertragen durch die bischof von Straßburg und Speir, in welchem vertrag aber könig Rudolf im vorbehielt sein zuspruch und straf wider des margrafen gewesnen helfern und helfershelfern. Darumb machten zwölf grafen- und herrengeschlechter in Schwaben ain buntnus, darinnen sie
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sich zusamen verbanden: wa iren ainem von iemands ainicher gewalt und schad beschehen wellte, das die andern alle disen betrengten bei recht handthaben und leib, blut und gut zu ainandern setzen wellten. Solchs kam könig Rudolf in erfarung, darumb schrib er ain reichstag gen Augspurg;
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dahin citirt er vil stend, insonderhait aber diejenigen, so vom reich was inhetten, desgleichen auch die zwelf grafen und herren, so mit ainandern ain bundtnus[14] gemacht hetten. Das waren die grafen von Helfenstain, Würtenberg, Ötingen, Kirchperg, Fürstenberg, Eberstain, Dockenburg, Feringen,
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die grafen vom roten Fanen, herr Wernher freiherr von Zimbern, auch die herren von Lupfen und Falkenstain. Es erschin aber der citirten kainer; gleichwol sante ain ieder sein anwald und entschuldigung. Aber könig Rudolf wolt weder

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[156] die gesanten hören, noch die entschuldigung irer herrn und obern annemen, sonder schrib ain andern reichstag gen Nürnberg. Daselbst citirt er insonderhait die ungehorsamen schwebischen grafen und herren. Disen reichstag besuchten
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vil der gaistlichen, aber es bliben die schwebischen grafen und herren auß wie hievor. Dieselbigen erkannt könig Rudolf in des reichs acht, manet darauf etlich stett und bischof, dessgleichen seine vettern und schweger wider sie uf. Das waren der burgraf von Nürnberg, item der herzog von Teck, die grafen von
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Hohenberg, Zollern, Achalm, Tübingen; mer die grafen vom weisen Fanen, der pfalzgraf, item die margrafen von Hochberg und Baden, dessgleichen die grafen von Sulz, Tengen, Gerolzeck, Hewen, Brandis, Staufen und andere wurden auch ufgemanet; dessgleichen die grafen und herren des
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Turgews. Aber es kam iren kainer. Etlich under inen schickten gleichwol ire pferd, die andern entschuldigeten sich, der herzog von Teck kam aigner person in veld und ward künig Rudolfs veldoberster. Der griff erstlich mit dem grafen von Achaln seinen nachpurn an, graf Eberharten von
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Würtenberg, und belegert im Stutgarten; der graf von Hohenberg mit sampt dem grafen vom weißen fanen und der statt Rottweil zogen uf die freiherren von Zimbern; die von Ulm fielen dem grafen von Helfenstain, dessgleichen dem grafen von Kürchperg ins land; Nördlingen, Laugingen,
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Augspurg und Tonawwerd sampt dem burgrafen von Nürnberg suchten den grafen von Ötingen haim; Straßburg und Speir, dessgleichen der landtgraf und die grafen des Elsäß zogen uf die andern ungehorsamen grafen und herren, in somma, es ward ain wiester, wilder lermen und strauß im
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ganzen Schwabenland, der nit allain über die grafen und herren gieng, sonder über den gemainen adel und ire arme leut. Die oberlendischen stett überzogen den oberlendischen adel, die es mit den grafen und herren hielten; der pfalzgraf und die Franken saßen still, die margrafen von Baden
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und Hochperg, auch ander vil grafen, und herren entschuldigeten sich naher fründtschaft und verwandtnus. Eberstain ward zerstert, Helfenstain, Ötingen, Würtenberg und Kürchperg verderpt und sampt andern verhergt. So ward herr Conrad freiherr von Zimbern, herr Albrechts son, der sich
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in alle unruhe personlichen het eingemüst (dann herr Wernher gestorben) verjägt; die ander entwichen dem ungewitter. Noch wolten sich Würtenberg und seine anhenger nit

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[157] ergeben, biß zuletst die sach durch die bischöf [von][15] Speir, Straßburg, Costanz und Augspurg, dessgleichen den pfalzgrafen und den margrafen vertragen ward. Menigclich must sich ußer der acht lösen und ward schad gegen schad
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ufgehoben. Welcher was het vom reich herkommen, das nit von alters her lehen[16] gewest, das must er zu lehen erkennen und von könig Rudolf und dem reich zu lehen entpfahen; wer aber solcher lehen von den verbannten kaisern und königen zu aigen one gelt an sich het erkauft, der must
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solche auch zu lehen erkennen und entpfahen, das ander sollt dem reich als pfandtschaften zu lesen bevorsthen[17]; item alle buntnussen ufgehoben, dodt und ab sein; menigclich sollt mit könig Rudolfen ain zug in Österreich thon, das wider zum reich helfen gewinnen, auch anders, so dem reich
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entzogen und darvon kummen war. Etlich und deren nit wenig von dem gemainen adel, denen das ir verbrennt, die wollten der sach gegen den stetten nit vergessen, auch lange nühe der stangen begeren. Da aber die grafen und herren den kürzern ziehen, do musten die armen, guten
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gesellen vom adel auch hernach. Conrad von Ramingen blib bei herren Conraten von Zimbern, seinem herren, biß in sein dodt; er war bei im in großen gnaden, darumb gab er im aine von Burgberg zu aim weib. Von deren zeigt er ain son, dessen ward
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gefetterich der jung herr Wernher freiherr zu Zimbern, derhalben er nach ime auch Wernher genannt ward. Im schankt herr Wernher, sein götte, ain haus zu Antianzimbern im stettle, doch das ers von ime zu lehen erkennen sollt. Diser Wernher von Ramingen name ain weib, ain
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geborne von Tannegk, bei deren erzeigt er Conradten von Ramingen, der zu Tunningen im Mos gesessen. Der vermehelt sich volgends zu fraw Margreten von Truchtelfingen, Conzens von Truchtelfingen dochter; ir muter war aine von Heckelbach. Der jung Conrad von Ramingen verließ ain
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son, Gabriel gehaißen; der het nit mer als ain ainige dochter, die nam [1543] ain Vergen von Rotweil zu aim man. Der hielt sich nit wol, verthet, was er hett, und also ist diser stam abgestorben.

Aber des alten Conradten von Ramingen vatter het her 1

[158] Hanns von Ramingen gehaisen, ist ain ritter gewesen und im Filstal[18] zu Rechperghausen gesessen, darumb er auch herr Hanns von Rechperghausen genennt worden. Sein muter het Agnes gehaißen, ist herr Conrads von Rechperg zu
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Hausen, ritters, dochter gewesen. Diser herr Conrat von Rechperg, genannt von Hausen, het im wappen gefürt ain roten rehpock mit ainem gelben gehirn und blawer helmdeckin; sein weib Agnes gehaißen, ain dochter Friderichs marschalks von Bappenhaim. Aber die Agnes, so herr
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Hannsen von Ramingen vermehelt worden, die ward nach seinem absterben herr Rüedigern von Elchingen, rittern, verheurat. Von ir hat her Hanns von Ramingen drei sön und zwo döchteren verlassen, Rüeger, Conraten. Diser ist gaistlich und ain pfarrherr, auch dechan zu Anselfingen an der
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Tonaw worden, nit ferr von Ramingen[19] gelegen. Der dritt son hat auch Hanns gehaißen und ist ain ritter gewesen. Agnes, die dochter, ist vermehelt worden Hannsen von Holgen (?) aber die ander, genennt Adelhait, ir schwester, dem Veln von Winkental. Das sei also vermeldet von disem
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geschlecht Ramingen, darvon noch ain alter verhanden, haist Jacob, welches vorder durch krieg und übelhausen zu solcher armut kommen, das sie vil jar den adelsstand verlassen und als plebei sein gehalten worden. Er ist in seiner jugent, zugleich auch wie sein vatter, zu der schreiberei gezogen
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worden. Zu unser zeiten understeet er, seinen adel widerum, wie billich, zu erholen, auch seinen nachkommen ursach zu geben, in irer altvordern fußstapfen zu dreten, darunder doch vil ritter und knecht, die in historien hin und wider nit wenig sein vernampt und berüempt gewest, auch vil
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guter thaten haben gethon. Diß capitel ist mertails us der alten würtenbergischen registratur genommen, sovil es den strauß mit Würtenberg und den andern geschlechtern belangen thut. Ist beschen zu denen zeiten, als herr Jerg truchseß von Walpurg
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statthalter in Würtenberg gewest, welcher etlichen geschlechter vil damit gedienet, das er one schaden seins herren oder des lands denselbigen, was in der canzlei von den alten sachen irer forder gefunden, mit het getailt. Schad ist es, das dieselbigen brief und alte documenta also jämerlichen

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[159] haben sollen verbrennt und verderpt werden, ist denen geschlechtern ain schad, der nimmer mag restaurirt oder widerpracht werden. (Daher gehert das capitl, wie die alten würtenbergische brief und handlungen ufm Asperg durch
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den canzler Minsinger sein verbrennt[20] worden anno 1534.) *



  1. muter etc] vgl. dagegen Herr, kurze Lebensbeschreibung der Regenten des Hauses Baden s. 3 und 5 ff.
  2. im] hs, in.
  3. Hungern] hs. Hundern.
  4. under] hs, und.
  5. Forchhaim] hs, Forthaim, s. unten z. 11.
  6. der Lußhart] s. Mone, Zeitschrift fur die Geschichte des Oberrheins III, 179, 408 ff.
  7. Schonaw] Schönau, vgl, Mone, Zeitschrift VII, 29 ff.
  8. Buckono] Bucco von Ahorn, d. i. Burchard II.
  9. Laufen] hs. Laffen.
  10. Bliker] hs. Blocker.
  11. geben] fehlt in der hs.
  12. Scherherr] d. i. Scheerer, vgl. Schmid, Geschichte der Pfalzgrafen von Tübingen s. 408 ff.
  13. verbrannten] hs. verbannten.
  14. bundtnus] s. Gotfrid von Ensmingen in Böhmers Fontes rerum germanicarum II, 119; das verzeichnis der verbündeten wird abweichend angegeben.
  15. von] fehlt in der hs.
  16. lehen] hs. leher lehen.
  17. bevorsthen] hs. bevorschen.
  18. Filstal] hs. Fisstal.
  19. Ramingen] Rammingen, vgl. Beschreibung des Oberamts Ulm s. 224 ff.
  20. verbrennt] s. register unter briefe, württembergische.