Zimmerische Chronik/Band 1/Kapitel 2

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aus: Zimmerische Chronik
Seite: Band 1. S. 8–21
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Wie nach der letzsten schlacht, so die Cimbri verloren, etliche von inen wider in das Teutschland komen, die sich vor dem Schwarzwald an dem Negker nidergelassen, dieselbig art erbawen und bewonet haben; von denen die graven und freiherrn zu Zimbern abkomen
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und entsprungen.

Nachdem aber die Cimbri den meren thail sambt irem


[9] könig Polo oder Biorige erschlagen und die Römer darauf ir läger geplündert, haben die [7] überblibnen zimbrische herzogen oder hörfierer, in latein duces genannt, etlich kriegsvolk, so ganz in ainer geringen anzal flüchtig und zerstrewt
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überbeliben, widerumb in der flucht zusamen gepracht, und demnach sie mit denselbigen sich verainiget und verbunden, seind sie nit mit geringer gefar und sorgen zu den Alpen und von dannen in teutsche land komen. Seitmals aber teutsche landt der zeit wenig, besonder was kalte,
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unfruchtbare örter, erbawen, und iren nit sonders vil, die auch der kelte nit ungewonn, dieweil sie auch kain anders haimbwesen hettend, so ließen sich der mererthail derselben am Schwarzwald aller nechst am ursprung des Negkers nider, welche art und gegne derzeit noch ganz ain wildtnus,
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unerbawen und ohne alle mentschliche wonung war. Damit aber frid und ainigkait dester beharrlicher under inen belibe, tailten sie sich in zwen haufen oder rotten, also das der obgemelt Negker sie underschaiden und ain ieder thail mit den seinen die aine seiten des wassers inhaben und mit
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seinem thail besitzen sollte. Fiengen darauf an zu raumen und zu seubern, auch schloß, stött, flecken und wonungen zu bawen, welche alle nach inen Zimbern genannt wurden. Es ligt noch auf dem ainen thail ain dorf in ainem tal, Rottenzimbern gehaißen, von wegen der ainen rott, die sich
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von den zimbrischen der enden nidergelassen. Dessgleichen ain ander dorf, gegen dem herüber, Zimbern im lechle genannt, dieweil es in ainem andern tal, wie in ainem loch, gelegen, ob deren ietlichem vor zeiten ain schloß gestanden, baide Zimbern gehaißen. Mer derselbigen art under sich
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ab iezt in der herrschaft Haigerloch ligt, aber ain dorf Hailigenzimbern, dieweil daselbs gar ain fürnemer tempel in der eer der abgöttin Diana gestanden, welche bei den alten, sonderlich von jägern und denen, so in großen gehülzen gewonnt, fürnemlich aber bei den Cimbris, so sich
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allermaist auf das waidwerk begeben, hochgehalten worden. Demnach aber volgends über vil hundert jar das landt in christenlichem glauben gevestnet und bestättiget, ward gedachter tempel, als noch ain gemeiner leumbd, auch wol glaublich, in die erst christenlich kirchen derselben
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enden verwendet. So ligt auch noch heutigs tags allernechst under dem schloß Zollern ain dörflin, Zimbern genannt.


[10] *[1] [1184] Es ist zu wissen, das ainest vor vil jaren und so lang, das solchs schier außer mentschen gedechtnus kommen und gar wenigen noch bewist, unferr von Leidringen ein dorf gestanden, hat Kleinenzimbern gehaißen, so
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auch, wie die ander Zimbern von den alten überblibenen Cimbris erbawen und seinen namen bekomen hat. Das ist in nachvolgender zeit, villeucht durch krieg oder landsterbendt also abgangen, das [1185] davon nichs mehr, dann der bloß nam[2] überbliben, sein iez lautere weldt und waiden
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und gehört allerdings geen Leideringen. Also geet das ain uf, das ander ab nach dem unbestendigen und zergengelichen weltbrauch, nach vermeg der regel in der phisica: »Corruptio unius est generatio alterius et contra.« Welches sich doch mit aim solchem dorf nit so hoch zu verwundern,
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seitmals so große und berüempte stet, als Ninive, Babilon, Carthago, Thebe und ander vergangen, das man auch heutigs dags iren situm und gelegenhait grundlich nit wissen kan. * Die ander rott der Zimberer, die über den Negker auf
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die ander Seiten komen, ließen sich an dem end nider, da Rottweil die statt anfengelichs gestanden, die der zeit ain dorf und nach vil und langen jaren hernach zu ainer statt worden ist; dann man fündt, das [8] der römisch kaiser Karle, mit seinem zunamen gehaißen Calvus, nach unsers
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herrn gepurt im achthundert und sechsundvierzigisten jar dem frawencloster zu Regenspurg, Oberminster gehaißen, welches sein mutter, fraw Judith, aus der Welfen geschlecht geboren, gestiftet, auch darin begraben ligt, zu Rotweil ain freiheit geben und sie in seinen kaiserlichen schurmb
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genomen. Desselben briefs datum laut also: »Geschehen in dem dorf, Rotweil gehaißen[3]« etc., und gewisslich hat dieselbig statt iren namen nit von dem rothen boden oder erdtrich derselben gegne, als etlich wollen, sonder von den


[11] rotten der Zimberer, die erstlichs alda gewont und sie gebawen haben. Darumb wurt dise statt von Ptolomeo und andern geographis in griechischer sprach Taxagethium[4] gehaißen, welchs sovil ist als ain fleck oder ort, da sich ain
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rott versamelt hat. So ist auch unferr von Rotweil ain weier, bei Vilingen dem dorf gelegen, welcher der Rottenweier genennt, darzu ain quellender brunn, welcher auch noch auf dise zeit der Rottenbrunn gehaißen wurt, also das vermuotlich die statt, der weier und der brunn, [A1a] so[5]
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doch von ainander, wie augenscheinlich, abgesondert, haben ire namen von den zimberischen rotten empfangen. Auf derselben seiten des Negkers gegen dem Schwarzwald findt man noch mer dörfer und flecken, Zimbern gehaißen, so von den alten Cimbris erbawen worden, deren etliche umb
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länge willen der zeit disen namen verloren und von iren inhabern oder besitzern andere empfangen. Doch etliche derselben haben den namen, als namlich Waltzimbern, das man iezund nempt des spitals Zimbern, unferr von Rotweil gelegen, bis auf disen tag behalten, welches die Weppner
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von der Landtstras vil jar von der freiherrschaft Zimbern zu lehen getragen.

Aber als man zalt nach Christi unsers lieben herrn gepurt ain tausendt zwaihundert und neunzig jar, hat herr Conradt freiherr von Zimbern sollichs zwaien brüedern,

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Hannsen und Rutgern von der Waldtstras, aus gnaden und sonderm verdienen geaignet. Nachdem aber Hanns von der Waldtstras in ainem zorn und widerwillen seinen brueder Rutgern erstochen und dann ir dheiner leibserben hinder im verlassen, gab ernannter Hanns sollichs armen leuten,
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umb gottes willen, zu guotem an den spittal zu Rotweil, daher es iezund den namen Spittalszimbern überkomen. Item Hohen- oder Marschalkzimbern. Dises schlos und dorf hat aigentlich auch seinen namen von wegen ains amptmans der freiherschaft[6] Zimbern, den man sonst nennet
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marescallum oder majorem salae, welcher von wegen und in namen gedachter seiner herschaft das schloß ingehabt und zu lehen getragen, und sein [9] noch die edelleut, die iezund von Aw genannt werden, erstlichs marschalken von Hohenzimbern gewesen, [A1b] wie dann derselben begrebtnus zu


[12] Alperspach dem kloster in dem creuzgang daselbst clarlich angezaigt. Item Antianzimbern, so iez und bei unsern zeiten Herrenzimbern genannt wurdt von wegen der grafschaft und freiherrschaft, so das als ir eltest guot von der ersten zeit
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her seines auferbawens ingehabt, und one allen zweifel hat es anfengclich Antiana Zimbria daher[7] gehaißen, das die eltisten und ersten von Zimbern, iezund diser graven und freiherrn voreltern, an dem end iren antianum, das ist nach italianischer und der aller eltisten sprach als vil als iren
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obristen gerichtsvogt und gubernatorem gehabt, von welchem antiano oder richter alle Cimbri in spennigen sachen und gerichtshändeln iren entschaid und austrag gesucht und genomen haben. Derhalben Antiamzimbern nichts anders dann ain stat oder parlament der Cimberer gewesen, welches
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schlos und stat, iezund Herrenzimbern genannt, obgemelten namen zu kaiser Otten des dritten zeiten noch gehabt, wie man des glaublich urkundt und brief bei der pfarrkirchen zu Epfendorf und in der chronica zu Petershausen[8]findet. Auch ist zu wissen, das das landtgericht vor dem
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Schwarzwald, ee und zuvor der statt Rottweil das hofgericht von kaiser Conradten dem dritten gegeben, zu Herrenzimbern gewesen, derhalben noch heutigs tags zu Rottweil ain gemainer leumbd, das kaiserlich hofegericht sey von Zimbern zu inen geen Rottweil transponiert worden, welches aber
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nit, sonder ist nu ain landtgericht gewesen. Wie aber solch landtgericht in ain abgang komen, mag man diser zeit grundtlichen nit wissen, doch wirt hernach weiter anzaig davon [A2a] geschehen. * [1499] Und beschicht dises Ancianzimbern meldung
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in ainem alten permentin brief, mit ainem wunderbarlich lateinischen litera geschriben, gar nahe ieder buchstab ains gemainen halben zols überlengt. Dergleichen auch wurt anderen nechst gelegnen flecken oder dörfer auch mit namen gedacht, als Epfendorf, Messingen[9], Bosingen[10], Harthausen
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und Urslingen, so der zeit alle in dem Bargew gelegen gewesen, lateinisch in pago Parae, und in der grafschaft graven Hildebaldts. In disen flecken und dörfer allen hat vor jaren ain herzogin von Schwaben, genannt Hedwig, das jus patronatus


[13] oder kürchensatz gehapt, das hat sie dem closter Petershausen, kurzlichen darvor von bischof Gebharten von Costantz, ainem grafen von Bregenz, gestift, vergabet. Solchs hat kaiser Otto, der drit dises namens, ußer bit bemelts
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bischof Gebhards ußer gnaden bewilliget und auch mit aim brief, wie oblaut, bestettiget, ist beschehen zu Ingilhaim[11] 2 non.[12] Novemb. im jar nach Cristi gepurt 994 in der sibenden römischen zinszal und im XI jar des kaiserthumbs bemelts kaiser Ottonis, und hat den brief der kaiser selbs
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underschriben, dergleichen bischof Hildebaldt, vicecanzler, an statt erzbischof Willigisi von Menz, erzcanzlers[13]. Diser [1500] brief, demnach er gar alt (dann von seinem datum 571 jar gerechnet werden), wurt er bei der herrschaft Zimbern in hoher achtung gehalten. Wer aber der obgenannt grave
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Hildebald gewest vom geschlecht (dann ainmal Fürstenberg der zeit noch unbekannt in der landtsart), das ist in ain vergess kommen. Vil vermainen, er seye nur ain amptman des reichs gewest, wie es dann umb vil grafschaften in deutschen landen dozumal ain gestalt gehapt. *
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* [1554] Umb dise zeit kaiser Ottonis, des dritten des namens, haben Urslingen, Zimbern und Neckerburg gen Epfendorf pfarren sollen, wie dann dise drei herschaften, die herzogen von Urslingen, die freiherren von Zimbern und die herren von Neckerburg, die ich acht ires herkommens
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grafen von Sulz gewesen, in einer nehe, nemlich einer meil wegs, ainander gesessen sein, daher noch bei den alten in selbiger lantsart ain gemainer leimedt, das vor vil jaren bemelte drei herrschaften oder geschlechter, da sie was nötigs zu handlen gehapt, ieder tail mit etlichen seinen den
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nechst gesessnen lehenleuten vom adel und vertrawten bei aim bronnen, genannt . . . , unfer von Epfendorf, oder winterszeiten in ainem benannten hof daselbs zusamen komen, daselbst ire sachen und gescheften mit dem wenigsten uncosten verrichtet, und hab irer ieder gemainlich ain fleschen
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mit wein, air, schunken oder sonst was von kaltem brates mit bringen lassen und nach verrichten gescheften und beschehener collation ieder gegen abend wider in sein behausung einkert. Zu unser zeiten künden wir uns so nahe


[14] nit behelfen, sonder man muß ainander in die großen stett vertagen. Was sollichs für ain costen und manichmal ain verwis uf im tragt, das haben wir mermals bei wenig jaren gehert und erfaren, und wurt doch zu zeiten bei solchem
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pracht und überfluß wenig genug usgericht. Was aber das für ein geselligs und vertrawlichs wesen bei den alten, unser vorfarn, gewesen, das geben ire taten, frid und ainigkait wol zu erkennen. Gleicher gestalt sagt man, das ainest die vier curfürsten bei Rein auch ain solliche vertrawliche
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correspondenz gehapt, dardurch dann vil unfridens und unruhe in deutschen landen underkommen, das sie vilmals in aim halben tag aintweders zu Lonstain oder Bacharach, Bopparten oder Andernach zusamen kommen, ainandren haimgesucht und nach eingenommem morgenmal ieder uf die
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nacht wider zu Haus sich begeben. * * [1209] Es hat under dem schloß Antian- oder Herrenzimbern ain prunen, wurt der Scheurpronnen genannt von ainem scheurhof, darbei gelegen, ist gar ain lustiger, quellender bronnen, ußer ainem felsen entspringt mit aim sollichen
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gewalt, das es gleich vorm felsen ain bach gipt und ain mülradt leuchtlich im usfluß ertreiben megte. Nit weit darunder ist vor vil jaren ain berüempts badt gewesen, das weit und breit her ist besucht worden, Hat der leber und dem magen ganz dienstlich sein sollen, aber von wegen des
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übergroßen costens, so der gastung halb ainer herrschaft [1210] uf die frembden leut ufgeloffen, do ist es in ain abgang, wie man sagt, kommen; und wer noch wol zu probieren, was mineram solch wasser hielt. Dieser zeit hat es die besten forhenen, so in dem bach sein und mertails im
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felsen des bergs und ursprung des wassers sich enthalten. * Welches aber under disen Zimbern allen der ersten herschaft rechte wonung, sitz und haimat gewesen, kan man grundtlich nit wissen, aber unzweifenlichen sein die eltisten freiherrn von Zimbern von disen Cimbris entsprungen,
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welcher nachkomen also das regiment derselben art über die Zimberer inngehabt und von der allerlengsten und ersten zeit her das vilgedacht schlos und stat Antianzimbern bewonet und für andere ire güeter unverendert behalten, wie dann sollichs von doctor Caspar Baldung[14] in ainer seer alten


[15] cronica gefunden, der sollichs ainer grafschaft und freiherrschaft Zimbern zu lob und eer abgeschriben und zugeschickt. Allernechst bei diser herschaft Zimbern ligt ain dorf, Tuningen[15] gehaißen, das anfengclichs von den Cimbris auch
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erpawen und Dianingen, von wegen der abgöttin Diana, welcher tempel ainer alda zugleich wie zu Hailigenzimbern gewesen, genannt worden. In diser herschaft und aller gegne vor dem Schwarzwald gegen dem Negker zu haben vilgenannte Cimbri [10]
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sich hinfürter enthalten und der enden dhainer nachparschaft beschwärlich noch überlästig gewesen, dann sie der dhaine in der nähe gehabt, ausgenomen das loblich und eltest geschlecht teutscher nation, davon man wissen mag, die graven von Hohenberg, dann der zeit die grafschaft
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Zoller in unsern landen ganz unbekannt, sonder haben dozumal die edelleut Schenken von Staufenberg den Zollerberg, so domals sant Michaelsberg genannt worden, von wegen das ain [A2b] pfarrkirch darauf in sant Michaels eer geweicht gewesen, aigenthumblich ingehabt, sein auch
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zu Zell derzeit gesessen, welchs Zell bei unsern zeiten nur ain kirchle und ain bruederhus ist und Zellerhörnle genannt wurt; ist gegen Zoller dem schloß über gelegen. Und als die von Zoller in unsere land erstlichs komen, sich darinnen niderzulassen, haben sie sant Michels berg eingenomen, ain
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schloß darauf gepawen, welches sie Zoller genant. Dessgleichen auch das merthail landtschaft, darumb gelegen, welchs dozumaln der freiherrn von Bisingen, auch obbemelter edelleut, der Schenken von Staufenberg, gewest. Da sein dozumal dise Schenken gewichen und an das ort, da
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iezund noch solch schlößle Staufenberg, nach dem sie auch sich volgents genempt, gebawen. Ob nu solchs alles mit willen der freiherrn von Bisingen und der edelleut von Staufenberg zugangen oder aus geschäft ains römischen kaisers beschehen, wie solchs der persevant Rixner,
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genannt Hierusalem, aus was grund mir unwissend, fürgibt, steet im zweifel. Solchs, wie obgesagt, soll beschehen sein nach Christi unsers herrn gepurt gezalt sibenhundert vierundneunzig jar. * [1381] Der persevant Jörg Rixner schreibt in seinen
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collectanien von dem ursprung deren grafen von Zollern,


[16] das die von den Colonesern ußer Rom erstlichs entsprungen und herkommen, vermeldet darbei, das der erst Ferfridus gehaißen und im die grafschaft Zollern von kaiser Hainrichen dem dritten[16] ingeben seye. Sollt ein wunder nemen,
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woher diser Rixner mit solcher fantasei[17] keme, seitmals darzuthuon (got geb, was die welschen heuchler schreiben), das der Coloneser nam der zeit in Rom unerkannt oder doch in kainer besondern achtung gewesen[18]. Aber dise graven kommen ohnzweifenlich von den alten fürsten von
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Bayrn, den Welphen; das beschaint sich am helmklainat mit dem bracken wol, zugleich auch wie das wappen der alten graven von Hailigenberg, die auch von solchem geschlecht der Welphen sollen abkommen sein, gleichwol umb ain guets elter sein dann Zollern. Es hat sich bei
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dreihundert jaren ungefärlich begeben, das die Schenken von Staufenberg in vil jaren kainen turnier nie haben besucht; damit ist es irenthalben dohin kommen, das man zu selbiger zeit kain Schenken von Staufenberg in turnier hat wellen einreiten oder zulassen; wie dann der zeit gepreuchlich, so
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ain geschlecht inerhalb ainer benannten anzall jaren kain turnier besucht und dessen nit erhebliche ursach hat fürbringen künden, so hat es große müeh gebraucht, das er zugelassen worden; er hat auch alsdann vor den turniervögten und andern darzu verordneten sein adenlichs
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herkomen und geschlecht, dergleichen wie er, auch seine voreltern, sich gehalten, müeßen mit urkunden und kuntschaften darthuen. Sollichs ist den Schenken von Staufenberg [1382] auch begegnet, sie haben ir herkommen auch müeßen beweisen. Da hat sich an kuntschaften und sonst grundlichen
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erfunden, das der Zollnerberg, so vor vil jaren ain pfarrkirch und in sant Michels ehr ist geweicht, den Schenken von Staufenberg zugehört, sie auch lange jar, darvor und die graven von Zollern uf den perg gebawen, iren sitz und residenz zu Zell under dem Zellerhörnle unser von dem
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bruederhaus gehapt und also von unverdechtlichen jaren in adenlichem standt und wesen seyen geachtet und gehalten worden und Schenken von Zell genannt worden; der merertail


[17] aber der güeter iezund der grafschaft Zollern gehörig, seye von den alten freiherren von Bisingen herzu gepracht worden. So ist auch umb die jar und regierung kaiser Hainrichs des vierten und fünften die grafschaft Schalzburg
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sampt dem stettlin Balingen und seiner zugehörde der grafschaft Zollern zugefallen von ainem heirat mit ainer erbdochter, so do war ain grefin von Schalzburg; gleichwol dieselbig grafschaft über 300 jar nit bei dem geschlecht bliben, sonder ist darvon kommen, wie an ainem andern
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ort gesagt wurt. Das aber darumb andere geschlechter, so auch den brackenkopf uf dem helm füeren, als Finstingen, Öttingen und andere, auch sollten oder müesten des herkommens sein von den Welphen, das ist dahin nit zu versteen, dann die grafen von Öttingen das wappen, schilt und
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helm vor dreihundert jaren nit dermaßen, wie iezundt, sich gebraucht, sonder das oftermals geendert, dann sie rüment, es hab kaiser Julius herren Gedeon von Öttingen, ain Römer, mit den weißen schragen im roten feldt und dann mit roten flügeln, auch mit den weißen schragen uf den helm begapt.
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Das laß ich in seinem werdt bleiben. Es soll auch kaiser Otto der erst im jar 936 den herren von Öttingen ir wappen verendert haben und namlich den weißen schragen und in mitten ain bloes schiltle, darumb dann rote und gelbe wolken und uf dem helm ain vischreusen, darin
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fünfzehen grüner herzen. Aber das schilt und helm mit den roten und gelben eisenhüeten und dem bracken, wie sie das zu diser zeit füeren, das soll inen kaiser Sigmundt gegeben haben. Darbei sie es auch haben bleiben lassen; dann graf Ludwig von Öttingen im bart bemelts kaisers
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großhofmaister gewesen und bei ime, was er gewellt, erlangen künden. Derhalben herr Jörg Truchseß von Waltpurg der elter, so bundtsobrister vil jar gewest, des öttingischen wappens halb nit unhöfenlichen gesagt und das aim[19] bettelmantel, als das von vil stucken und von langen jaren
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here zusamen geraspelt seye worden, verglichen. Nota[20]: Jacob Schenk von Staufenberg sprach ainest, die graven von Zollern weren ire hirten gewesen. Wernher Schenk von Staufenberg hat anno 1448 [gelebt][21], ist hievor im burgstall gewest. *


[18] * [1555] So man es recht erwegen will, so findt man vil mengel im turnierbuch, und seitemals uß einer so großen anzal von grafen, herrn und vom adel durch deutsche land, deren so wenig in unser turnierbuch, wie das Jerg
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Rixner hat lassen in druck gen[22], benennt, so hat es bei veilen ein schlechts ansehen; so ist aber zu wissen, das in den alten turnieren ein ieder turniervogt ein besonderen persevanten und ernholden gehapt, mit einem besondern register, darin ain ieder seine fürsten, grafen und herrn hat
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verzaichnet. Derselbigen register haben wir biß anhero nur ains gehabt, der übrigen dreien müeßen wir noch in mangl stehen. Vil vermainen, sie seyen gar verloren; aber ich hab glaublichen gehert, es solle herzog Wilhelm von Bayrn derselbigen register ains haben zu handen gepracht[23]
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und das in großer achtung und gehaim gehalten. Immer schad ist es, das die bücher und das ganz werk nit gar soll zusamen getragen werden, dann dardurch vil herlicher geschlechter namen, deren sonst vergessen und nimmer gedacht wurt, widerum herfürkemen und in der gedechtnus
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bliben. Aber die fürsten gedenken hieran nit, so fragen die rät nit vil darnach, und denkt manicher, het ich nur mein sack gefült, was wollt ich der cederei und deren fantaseien mich beladen, es gehert armen gesellen zu. * Es ist auch zu wissen, das ain thail von den
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überbelibnen Cimbris, so aus Italien entphlohen, widerumb in ir alt angeborn haimat, den cimbrischen Chersonesum, komen und denselben wie vormals bewonet haben, wie dann Strabo[24] dasselbig clarlich anzeucht und sagt, das sie dem kaiser Augusto ain gesegneten eerinen kessel zu ainer großen
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vereerung geschickt und daneben gepeten, iren voreltern, welche den Römern so großen schaden zugefüegt, zu verzeihen. Auch schreibt Cornelius Tacitus[25], welcher sein histori under


[19] dem loblichen kaiser Trajano ungevärlich ain hundert und [A3a] sibenzig jar nach Christi gepurt vollendet, das zu seiner zeit die Cimbri ir erste landtschaft ingehabt und darinn noch ain claine stat, aber großes lobs und teurer
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thaten gewesen sey, und ist wol zu erachten, das mer, so zuvor übergeloffen und sie vertriben, hab etwas nachgelassen, damit sie alda wonen und die velder wider pawen haben mögen. Es zeucht [11] auch Florus[26] an, das iren ain tail nach der beschechnen schlacht bei Verzell bis an den
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meotischen see komen und alda sich nidergelassen haben. So meldet Strabo[27], es haben sich iren ain thail nach der niderlag zwischen Zug und das Zürcher gew begeben und seyen auch alda beliben, daher dann noch der Schwizer ain tail aus Schweden und Nortweden erstlichs herkomen sein, sich
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berüement. Gleichwol findt man, das etlich von iez vilernempten überbelibnen Zimbris in dem Zabergew, im Rieß, auch in dem Frankenlandt, an der Rön[28] und anderswa mer in dem hohen teutschen landt beliben seindt. Da auch noch flecken und alte burgstell ligent, die iren namen von
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inen empfangen, als namlich ligt ain dorf, Zimbern genannt, in der oberen grafschatz Katzenellenbogen, so zum thail an den Arhailger[29], zum tail an Öttenwaldt stoßet und on zweifel von disen vilernempten Zimbris erpawen worden. So ist im Rieß, ongevärlich ain claine halbe meil von der stat
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Nördlingen, auch ain dorf Zimbern gelegen; solichs ist under kaiser Friderichen, dem andern dises namens, von herrn Ruodolfen von Hürnhaim zum Rawhenhaus, ritter, dem closter Stahelsperg uf dem Hanencamp ergeben, und dahin ain frawencloster, so noch Zimbern haißet, erbawen worden.
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* [1404] Es ligt auch ain dorf in Dürringen, unfer von Erdtfurt, haißt Zimbern, wurt in der addition der chronik Martini[30] also geschriben »Tzimmern«[31]. Daselbs findt man geschriben, das anno domini 1284 ein solichs ungewitter, haglen und regnen gewest, als vormals nie seye erhört
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worden, und das auch vil in sollichem ungewitter verdorben seyen; insonderhait seye der pfarrer in sollichem dorf Zimmern


[20] ertrunken. Hernach findt man in selbiger addition, das über vier und zwainzig jar, und namlich anno domini 1309, marggraf Friderrich von Meichsen und die von Erdtfurt ein vecht mit ainandern gehapt, von wegen das die
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Erdtfurter etlich vogteien und gerechtigkaiten von dem alten marggraf Albrechten von Meichsen und etlichen vom adel an sich hetten gezogen, welches marggraf Friderrich nit guet haißen was und dieselben gewaltigclichen wider het an sich gebracht. Derhalben wie sich die von Erdtfurt
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ainsmals user iren statt gelassen und die verloren güeter wider haben wellen einnemmen, do seyen sie von des marggrafen Friderrichen reuter und kriegsvolk unfer von obgemeltem dorf Zimmer unversehenlichen antroffen und in die flucht geschlagen, auch den mehrertail user inen sampt den
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furnembsten gefangen worden. So vil findt man von disem Zimmern in dem düringischen continuatore der chronik Martini.* Allernechst bei dem schlos Antian- oder Herrenzimbern, dargegen herüber auf dem rucken am Nägker, ist [A3b]
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ain alt burgstal, Lusburg genannt, welches vor zeiten on allen zweifel ain fest, werlich, guot hus gewesen, seitmals es mit zwaien diefen greben in ainen felsen erhawen, vor ainandern zu sambt aim vorhof versorgt und versehen. Nu hat mich oft verwundert, ob Zimbern oder gemelte Lusburg
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elter seye, und in ansehung, das meins erachtens kainer von Zimbern so nahe an sein schlos und haimwesen, auch in sein aigne herschaft ain frembden het pawen lassen, so wer zu vermuoten, die Lusburg müeste etwas elter dann Zimbern sein.
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So ist aber zu wissen, das bei unsern vorfarn ain gemainer leumbedt gewesen, es hab ain freiherr von Zimbern, Lusso genannt, vor dem und als der hailig christenlich glaub in hohen teutschen landen geprediget und eingepflanzet worden, gemelte Lusburg in der haidenschaft gepawen, und
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seye von seinem namen also gehaißen worden, wiewol etlich mainen, es haiße Lustburg von lust, etlich aber, es hab den namen von luchsen überkomen. Wann aber und zu welcher zeit solch schlos erbawen, auch wie und aus was ursachen solchs widerumb [12] zergangen, ist gar in ain
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vergess komen. Doch ist gewiss, das es bei fünfhundert jaren in kainem paw noch ainige haushaltung alda gewesen, dann in kainem alten brief noch verzaichnus dises schlosses gedacht


[21] wurdt, oder wer darauf gewonet. Gegen der Lussburg hinüber auf der andern seiten des Nägkers ist ain großer fels, der Thierstain genannt, auf welchem noch greben zu sehen, und ist noch under denen alten ain gemaine
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rede, es seye ain haidnische stat daselbst gestanden, welche durch krieg verderpt und in ain abgang komen, welches nu wol sein mag, aber [A4a] meins bedunkens sicht gemelter platz, als ob castra alda gewesen, und das sich ain kriegsvolk alda eingraben und verschanzet, wie dann möglich,
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das sollichs in bellis civilibus, so zum oftermalen in teutschen landen fürgefallen oder darvor in eruptionibus deren Hungern, Gothen, Wenden, Abern und anderer mechtiger völker und nationen geschehen sein müg.



  1. Diesen zusatz wiederholt der verfasser in den nachträgen s. 1382 mit den folgenden worten: Es hat noch ain burgstall nit weit von Leidringen, haißt Kleinenzimbern, darbei auch ain dörfle dises namens, wie das schloß gehaißen hat. Das ist, wie andere dörfer und schlösser mehr, vor vil jaren abgangen und daselbst diser zeit kain wonung mer; gehört iezmals mit grundt und boden alles geen Leidringen, dahin wurt es mit der waidt und andern sachen genutzt und genossen.
  2. hs. Man.
  3. der chronist irrt sich, indem die urkunde 1) von Carolus crassus und 2) im jahre 886, 16 März ausgestellt worden ist. S. Neugart, cod. Diplom. I, nr. DLXVII.
  4. s. Ptolemaeus, Geographia (ed. Nobbe), lib. II, cap. 12, § 5: Ταξγαίτιον.
  5. hier beginnt A.
  6. B herrschaft.
  7. fehlt in B.
  8. Petershausen] abgedruckt im Wirtembergischen Urkundenbuche I, 231; s. chronik von Petershausen in Mones Quellensammlung I, 128.
  9. d. i. Waldmössingen.
  10. d. i. Bösingen.
  11. hs. Gilenhaim
  12. hs. 12 non.
  13. die urkunde ist, wie oben bemerkt, gedruckt im Wirtemberg, Urkundenbuch I, S. 231.
  14. von ihm enthält die k.öffentliche bibliothek zu Stuttgart: »Bericht über das hohe und uralte herkommen der grafen von Eberstein,« handschrift; s. Krieg von Hochfelden, Eberstein s. 304.
  15. jetzt Dunningen, B Tuingen.
  16. dem dritten ergänzt.
  17. s. darüber Waitz, Jahrbücher des Deutschen Reichs unter der Herrschaft König Heinrichs I, s. 191 ff.
  18. vgl. Crusius, Annales suevici, lib. VI partis II, s. 196.
  19. hs. ain.
  20. diese nota ist von anderer hand angefügt.
  21. fehlt in der hs.
  22. Rüxners turnierbuch erschien 1530, 1532, 1566.
  23. der verfasser hat richtig gehört. Das werk wurde herausgegeben unter dem titel: »Tumier Buch Herzogs Wilhelm des Vierten von Bayern von 1510 bis 1545. Nach einem gleichzeitigen Manuscript der konigl. Bibliothek zu München, treu in Steindruck nachgebildet von Theobald und Clemens Senefelder mit Erklärungen begleitet von Friederich Schlichtegroll. München, 1817. qu. 2.
  24. Geographica (rec. Kramer) lib. VII, cap. 2, 1.
  25. Gemania 36. Liebrecht macht in der Germania XVIII, 176 darauf aufmerksam, dass Tacitus wahrscheinlich schon zwischen 134—136 n. Chr. und Trajan bereits 117 n. Chr. gestorben ist.
  26. der meotische see ist von Florus nur lib. III, cap. 4, jedoch in anderm zusammanhange erwähnt.
  27. a. a. o. cap. 2, 2; vgl. hiezu Liebrecht in der Germania XVIII, 176.
  28. hs. Lön.
  29. so A, Arhayliger B.
  30. i. e. Martini minoritae.
  31. ist wohl des chronisten Konrad Stolle geburtsort. S. dess. chronik, hrsg. v. Hesse, biblioth. d. lit. ver. XXXII. s. 11.