Zedler:Franckenhausen

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Franckenhausen, ein vormahls altes Nonnen-Closter

Band: 9 (1735), Spalte: 1704–1706. (Scan)

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Franckenhausen, oder Vranckenhusen, Vranckenhusin, Lat. Franckenhusa, Franckohusa oder Franckenhusium, Francusium eine mittelmäßige Stadt nebst einem Amt in Thüringen, nicht weit von dem Gebiete der Stadt Nordhausen, an der Wipper gelegen, und dem Fürsten von Schwartzburg-Rudelstadt gehörig. Wie man insgemein erzählet, soll dieser Ort erstlich Beerenklau geheissen haben, welchen anno 525. die Fränckischen Könige, nachdem sie Thüringen erobert, zu einer Stadt erbauet, und ihr dem Sächsischen Schloße, Sachsenhausen, zuwider, den Namen Franckenhausen gegeben haben. Toppius Hist. Rudolst. Lit. B. 8. Fabric. Orig. Sax. VII. pag. 866. Spangenberg Querfurt. [1705] Chron. I. 16. Leuber. Catal. Reg. Elect. et Duc. Saxon. apud Mencken. Scriptor. Rer. Germ. Tom. III. pag. 1803.

Es ist allhier ein berühmtes Saltz-Werck, der Brunnen ist zwey Ellen tieff, und werden 117. Sölden oder Kothe allda gefunden. Thölde Haliogr. P. III. pag. 81. seqq.

Es sind hier zwey Kirchen eine auf dem Berge, so anno 1382. erbauet, die andere ist die Closter-Kirche, massen ehemahls allda ein Nonnen-Closter, Cistercienser Ordens, gestanden. Spangenberg loc. cit. IV. Engelhusius Chron. pag. 248. setzet die Stifftung desselben um das Jahr 1220. Abel Sächßl. Alterthüm. 2. §. 26. pag. 610. hingegen in das Jahr 1251. Anno 1456. wurde solches, als die Closter-Jungfrauen in ein liederliches Leben gerathen, von dem damahligen Ertz-Bischoffe zu Magdeburg, Friderico reformiret, worauf es endlich secularisiret worden, und stehet an deßen Stelle ietzo die Schule. Hoffmann Encomiastica Franckohusae. Leuckfeld Antiqq. Walckenried. P. I. c. 13. pag. 261. seq.

In denen ältesten Zeiten scheinet es, als ob Franckenhausen seine eigene Herren gehabt; massen, Hermann anno 1279. in denen Diplomatibus des Closters Oldelsleben vorkommen. Diplom. Oldesleb. ap. Mencken. loc. cit. Tom. I. pag. 624. Conrad von Frangkenhusen lebte um eben diese Zeit. Diplomat. Noui Oper. n. 169. apud de Ludevvig Reliqq. MSSt. Tom. V. pag. 256.

Anno 1340. hat Graf Günther zu Schwartzburg, so hernach zum Römischen Kayser erwählet worden, seinem Vater Henrico das Schloß und Stadt Franckenhausen, nebst denen Saltz-Brunnen, denen Grafen von Beichlingen vor 6500. Gulden abgekaufft. Als an. 1358. des gedachten Günthers Sohn Henrich, so Franckenhausen in Besitz gehabt, starb, maßeten sich desselben die Land-Grafen zu Thüringen, Friedrich und Balthasar, als eines ihnen heim gefallenen Lehens an; allein die übrigen Grafen zu Schwartzburg drungen auf ihre von denen Land-Grafen bekräfftigte Erb-Verträge, gaben denenselben 300. Marck Löthiges Silbers und die drey Schlösser, Dornberg, Winteberg, und Greifenberg und behielten also, nebst Arnstadt, auch Franckenhausen. Fabricius I. 6. pag. 675. Spangenbergs Mannsfeld. Chron. 289.A. 1381. haben Henrich und Günther, Grafen von Schwartzburg, denen Herren zu Querfurt, Gebharden und deßen Sohn Branden, Franckenhausen, nebst Clingen versetzet. Spangenberg. Querfurt. Chron. IV. 30. 36.

Vor der Stadt liegt der Schlachtberg, welcher seinen Namen davon behalten, weil anno 1525. derer aufrührischen, welche auf diesem Berg ihr Lager aufgeschlagen hatten, von Herzoge Georgen zu Sachsen, Herzoge Henrichen von Braunschweig, und Land-Graf Philippo zu Heßen, bey 5000. geschlagen worden. Sleidanus V. Viele entflohen aus der Schlacht in [1706] die Stadt Franckenhausen, allein die Fürsten folgten nach, wobey alles in der Stadt, was wehrhafft war, umgebracht und die Stadt geplündert wurde. Spangenbergs Mansfeld. Chron. 362. pag. 423. 426. Wigandus de Anabapt. Zu mehrerer Straffe mußte auch Franckenhausen dem Herzoge George zu Sachsen etliche Stücke Saltz liefern. Fabricius loc. cit. VII. pag. 868.

Sonst ist die Stadt Franckenhausen im 30. jährigen Kriege etliche mahl geplündert worden. Brand-Schäden sind daseselbst entstanden anno 1454. Becherer und Binhard in Thür. Chron. anno 1546. 1554. den 11. Jun. anno 1589. den 18. Jul. anno 1603. 1632. den 25. Septembr. 1634. den 24. Octobr. 1649. 1669. den 19. Mart. 1686. 1689. 1692. Die Pestilentz hat sonderlich von 14. Jul. anno 1597. biß den 24. Jan. 1598. allda starck gewüttet, und in die 1207. Menschen weggerafft; Olear. Syntagm. Rer. Thuring. P. I. pag 103. seqq. P. II. pag. 59. seqq. Gregorii ietzt Florir. Thüring. c. 9. num. 3. pag. 198. seqq. Zeiller. Itiner. Germ. Contin. I. c. 32. Reichs-Geogr. V. pag. 548.