Zedler:Eisenach, Stadt

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Eisenach, Linie Sachsen-

Band: 8 (1734), Spalte: 610–614. (Scan)

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Eisenach, oder Eysenach, Isenac, Isena, Isnac, Isenach, Lat. Isenacum, Eysenacum, eine Stadt und Fürstlich-Sächsische Residentz in Thüringen, an der Heßischen Grentze, an dem Fluß Nessa, bey dem Thüringer Walde, soll von der Heydnischen Göttin Isis den Namen haben, welche, wie man sagt, von denen alten Schwaben und Thüringern verehret worden; Althammer Comment. in Tacit. Germ. Weber II. und X. Histor. Predigt von der Thüringer Bekehrung p. 21. 41. Fabricius de March. Misn. p. 37.seq. Itin. Argent. p. 64. Ritter Cosmogr. IV. p. 707. Allein andere verwerffen solches, und führen den Namen vielmehr von Eisen her, dessen vor Alters hier viel geschmiedet worden, wie auch noch heutiges Tages an einigen benachbarten Orten an der Ruhla geschiehet. Monachus Pirnensis apud Mencken. Script. Rer. Sax. Tom. II. p. 1550. Chron. Isenac. MSt. Matthesius Berg-Post. p. 78. Husanus Carm. de Angelis, in Hondorff Promt. 3. Praec. Reineccius de Monarch. Synt. III. p. 717. Riuandri Thür. Chron. p. 185. Bangens Thür. Chron. p. 46. Albinus Meissn. Chron. Tit. II. p. 154. Dresserus von Städten p. 276. Merian. Topogr. Sax. Super. p. 49. Andr. Toppii Hist. der Stadt Eisenach, mit Christ. Junckers Anmerckungen p. 3. 4. In Junckers Anmerckungen p. 208. seq. wird nicht unrecht davor gehalten, Eisenach habe seinen Namen von dem Fluß Nassa oder Nise, woran es liegt, und sey nur durch Gewohnheit vor Nisenach, Isenach, oder Eisenach, ausgesprochen worden.

Die Gegend um Eisenach ist bergicht, und sonderlich gegen Mittag befindet sich der Enselberg, welcher das höchste Gebürge in Thüringen ist. Die Lufft allhier ist gesund, und der Boden ziemlich fruchtbar, doch mehr an Hopffen, [611] als an Acker-Bau und Wiese-Wachs. Toppius l. c. p. 4. seq.

Wer zuerst die Stadt erbauet, davon ist keine Nachricht, wie wohl man sie für eine derer ältesten Städte in Thüringen hält, und vorgiebt, daß sie allbereit an. 450. eine namhaffte Stadt gewesen sey, allwo der Hunnen König Attila mit seiner Armee still gelegen, und einen grossen Land-Tag ausgeschrieben, auch mit des Thüringischen Königs Guntheri Tochter, Grimmhild, Beylager gehalten; welches aber billig als Fabelhafft verworffen wird. Bonfin Chron. Vngar. Dec. l. Lib. V. p. 47. Spagenbergs Sächs. Chron. 50. Querfurt. Chron. I. 13. Riuander l. c. p. 25. Bange l. c. p. 18. Lazius de Migrat. Gent. p. 513. Callim. Attil. p. 858. Valesius Franc. IV. p. 158. Sagittarius Regn. Thur. II. 5. Toppius l. c. p. 8. 98. von Bünaus Teutsche Reichs-Historie Th. I. B. II. p. 559. Olearis Synt. Rer. Thuring. p. 56.seq.

Nach der an. 909. zwischen Burchardo, dem letzten Hertzoge derer Thüringer und denen Hunnen allhier gehaltenen Schlacht, darinnen gedachter Hertzog geblieben, ist das alte Eisenach, welches damahls an dem Peters-Berge zwischen denen Wassern Nesse und Hörsel gestanden, samt 2. Kirchen und einem Closter, nebst andern Thüringischen Städten verwüstet worden. Chron. Isenac. MSt. Riuander l. c. p. 185. Bangen l. c. p. 45. Becherers Thür. Chron. p. 88. Merian l. c. p. 50. Toppius l. c. p. 8. 99. Spangenbergs Sächs. Chron. 113. Querfurt. Chron. I. 33. Adel-Spiegel Th. I. Lib. VII. c. 3. 24. X. 13. 19. Olearius l. c. p. 69. Hierauf hat Graf Ludwig zu Thüringen und Hessen, zugenannt der Springer, das alte Gemäuer und die Steine der zerstörten Stadt über die Hörsel bringen lassen, und eine neue Stadt zubauen, auch selbige mit einer Ring-Mauer zu umfangen, angefangen, welches an. 1070. soll geschehen seyn, da denn ein jegliches Dorf, so unter Graf Ludwigen gehöret, ein Stück an der Stadt-Mauer bauen müssen. Binhards Thür. Chron. I. p. 87. 105. Merian l. c. p. 50. Toppius l. c. p. 9.

An. 1073. hat man die Stadt Eisenach auch inwendig zu bauen angefangen, da denn die Einwohner aus denen benachbarten Dörffern, welche in denen vorhergehenden Kriegen verwüstet worden, häuffig in diese neu-erbauete Stadt gezogen, und daselbst Bürger worden. Chron. Isen. MSt. Riuander l. c. p. 185. Ixenschmidts Thür. Chron. n. 19. Bange l. c. p. 45. seq. Binhard l. c. Lib. I. p. 85. 86. 105. 106. Dresser l. c. p. 278. Merian l. c. Fabricius l. c. p. 86. Toppius l. c. p. 10.

An. 1259. ist von der Hertzogin Sophia von Brabant, in dem Kriege wider Marggraf Heinrichen zu Meissen, so damahls das Schloß Wartburg inne gehabt, ein Schloß an der Mitternächtigen Seite der Stadt erbauet worden, welches man die Klemme genennet, weil man daraus die Bürger im Zaum zuhalten gedachte, daß sie sich nicht an Marggraf Heinrichen von Meissen ergeben sollten. An. 1306. wurde dieses Schloß von denen Bürgern zu Eisenach abgebrochen. Als sie sich aber 2. Jahr darauf an ihren Erb-Herrn, Land-Graf Friedrichen, ergeben musten, haben sie es wieder aufbauen müssen. Chron. Isen. MSt. Fabricius l. c. p.6 23. Bange l. c. p. 117. Riuander l. c. p. 377. Toppius l. c. p. 10. 11. 107.seqq.

Das Fürstliche Schloß, so vor diesem derer alten Land-Grafen in Thüringen Zollhof- und Amt-Haus gewesen, darinnen sie sich, wenn sie in der Stadt etwas zu thun gehabt, aufgehalten, da sie sonst auf dem Schloß Wartburg residirt, ist an. 1596. und 1597. anders [612] erbauet und erweitert worden, und hat an. 1598. Hertzog Joannes Ernestus, der ältere, seine Hofhaltung von Marcksuhl hieher verleget. Als er nun an. 1638. ohne Kinder gestorben, hat Hertzog Albertus, ein Sohn Hertzogs Joannis zu Weimar, hier seinen Sitz genommen. Merian l. c. p. 53. 65. 66. Toppius l. c. p. 11. 12. Als aber auch dieser an. 1644. ohne Erben gestorben, hat seines Bruders Wilhelmi zu Weimar anderer Sohn, Adolphus Wilhelmus, seine Residentz allhier gehabt. Als er aber selbst an. 1668. und 1671. sein einig hinterlassener Printz ohne Posterität mit Tode abgegangen, hat sich dessen Bruder, Joannes Georgius, von Marcksuhl hieher begeben, von welchem die so genannte Eisenachische Linie herstammet.

Es sind sonsten um Eisenach vor Alters noch 4. schöne Schlösser gewesen, als die Wartburg, die Eisenacher-Burg, die Vieh- oder Frauenburg und der Mittelstein, davon aber die 3. letztern in denen Kriegen ums Jahr 1260. zerstöret worden. Das Schloß Wartburg aber ist noch geblieben, und von demjenigen berühmt, was sich mit Luthero daselbst begeben.

Die Stadt hat grosse Vor-Städte, nebst 4. Thoren, Kirchen und Capellen sind hier folgende gewesen:

1) Die Dom- oder Unser Lieben Frauen Stiffts-Kirche, so am Obertheil der Stadt gestanden. A. 1306. hatte der Rath und die Bürgerschafft im damahligen Kriege auch die Dom-Kirche und zwey Thürne eingerissen, welche aber, auf derer Dom-Herren Klage beym Pabste, denen Dom-Herren den Schaden ersetzen müssen, der Dom aber ist nicht wieder aufgebaut worden. Bange l. c. p. 117. Chron. Mulhus. MSt. Fabricius Orig. Sax. VI. p. 623. 628. Toppius l. c. p. 13. Merian l. c. p. 51. seq.

2) S. Nicolai-Capelle, wurde von Landgraf Ludewig an. 1188 zur Pfarr-Kirche verwendet, und zu St. Georgen genennet. Nach dem Bauern-Kriege und der Reformation ist sie ins Abnehmen gekommen, und die Barfüsser-Kirche zur Pfarr-Kirche gebraucht worden, bis man an. 1560. die St. Georgen-Kirche vom neuen eingeweyht. Monach. Pirnens. l. c. p. 1550. Merian l. c. p. 51. 52. Riuander l. c. p. 261. Bange l. c. p. 69. Binhard l. c. Lib. II. p. 146. Dresser l. c. p. 281. Toppius l. c. p. 14. seq.

3) S. Jacobs-Kirche am Nollen-Thor, ist an. 1637. gantz in die Asche gelegt und nicht wieder aufgebaut worden.

4) Von S. Joannis-Capelle am Löber-Bach, die Sophia, S. Elisabethae Tochter gestifftet, ist auch nichts mehr vorhanden.

5) Eine kleine Kirche in der Vorstadt am Georgen-Thore, so man an. 1640. erweitert, ist zu Früh-Predigten an Sonn- und Fest-Tagen bestimmt.

6) In der S. Clementis-Kirche vor dem Clauß-Thore, und

7) zum H. Geiste vor dem Georgen-Thore wird in der Woche einmahl gepredigt.

8) Die Capelle im Schlosse Wartburg hat man an. 1628. erneuet.

9) S. Michaelis-Capelle jenseit der Nesse an der Michels-Koppen.

10) Eine Capelle jenseit der Nesse am Peters-Berge.

11) S. Joannis-Capelle im Joannis-Thal.

12) Eine Capelle im Hell- oder Heiligen-Thal, hat an den Ort gestanden, wo die Eisenacher Burg gelegen. Merian l. c. p. 52. Toppius l. c. p. 15. 16.

13) Die GOttes-Acker-Kirche, welche man an. 1692. zu bauen angefangen, und an. 1697. den 2. Dec. eingeweyhet. Junckers Anmerck. zu Toppii Hist. p.217. Müllers Sächß. Annal. ad h.a. p. 656.

Hiernächst war Eisenach ehemahls auch mit unterschiedenen Clöstern versehen:

1) Das alte Closter am Peters-Berge, soll die Engländische Königin Reinschwig erbauet und bewohnt [613] haben. Chron. Isen. MSt. Fabricius l. c. Lib. I. p. 44. Bange l. c. p. 57. Dresserus l. c. p. 277. Merian l. c. p. 51. Toppius l. c. p. 16. seq.

2) S. Nicolai-Closter am Clauß-Thore hat Adelheid, Land-Graf Ludwigs I. Tochter, aus dem vorhergehenden verfallenen Closter gestifftet, und ist darinnen Aebtißin geworden, und zwar an. 1140. oder 1151. oder 1154. Spangenbergs Sächß. Chron. 221. Chur-Fürstl. Chron. II. 46. Riuander l. c. p. 247. Binhard l. c. Lib. II. p. 127. Bange l. c. p. 57. Becherers Thür. Chron. p. 233. Dresser l. c. p. 281. Centur. Magdeb. XII. p. 955. Toppius l. c. p. 17.

3) S. Catharinen-Closter, war ein Nonnen-Closter Cistercienser-Ordens in der Vorstadt, am Steige genannt, welches Land-Graf Hermann an. 1215. erbauet. Siffridus Hist. II. p. 165. Chron. Isen. MSt. Riuander, Bange und Becherer ll. cc. Merian l. c. p. 50.

4) Ein kleines Closer unter dem Schlosse Wartburg, von S. Elisabeth gestifftet, und zum Theil unter der Erden in Stein gehauen, ist an. 1336. von Land-Graf Friedrichen II. wieder angerichtet, aber nach der Reformation gantz wieder abgegangen. Monach. Pirn. l. c. Manlius Calend. Mens. Nou. Riuander l. c. p. 413. Bange l. c. p. 131. Merian l. c. p. 51. Toppius l. c. p. 17.

5) Das Franciscaner- oder Barfüsser-Closter stand an dem Orte, da ietzo der Glocken-Thurm und Fürstlicher Lust-Garten ist wozu sie nach der Reformation gebraucht worden Binhard l. c. Lib. III. p. 216. Riuander l. c. p. 289. Merian l. c. p. 51. Toppius l. c. p. 18. seqq.

6) Das Dominicaner- oder Prediger-Closter, war S. Joanni dem Täuffer und der H. Elisabeth gewidmet, Die Stiffter desselben waren Land-Graf Heinrich und Conrad. Graf Eiliger zu Hohenstein wurde anno 1236. der erste Probst darinnen. An. 1532. wurde es zur Lateinischen Schule angewendet. Monach. Pirn. l. c. Chron. Isen. MSt. Bange l. c. p. 113. Binhard l .c. Lib. II. p. 179. Merian l. c. p. 51. 56. Toppius l. c. p. 20. Eckstorm Chron. Walckenred. p. 29.

7) Das Cartheuser-Closter ist an. 1377 gestifftet, u. nachdem an. 1379. die Mönche wieder vertrieben worden, hat man an. 1397. andere dahin gesetzt. Nach der Reformation wurde es zum Fürstlichen Wasch-Hause gebraucht. Chron. Isen. MSt. Bange l. c. p. 146. Merian l. c. p. 51. Toppius l. c. p. 21.

An. 1349. wurden die Juden bey einem allgemeinen Auflauff todt geschlagen. Spangenbergs Sächß. Chron. 288. Rivander l. c. p. 421. Bange l. c. p. 137. Becherer l. c. p. 357. Binhard l. c. Lib .II. p. 265. Merian l. c. p. 64. Toppius l. c. p. 63.

An. 1342. 1379. 1393. 1551. 1610. und 1643. hat Eisenach grosse Wassers-Gefahr ausstehen müssen. Toppius l. c. p. 85. seqq. An. 1525. wurden von denen aufrührerischen Bauren die Clöster überfallen und ausgeplündert. Spangenbergs Sächß. Chron. 362. Pomarii Sachsen-Chron. p. 596. Wigandus de Anabapt. p. 308. Toppius l. c. p. 91. An. 1343. brannte Eisenach vom S.Nicolai-Closter bis an das S. Catharinen-Closter ab Monach. Pirn. l. c. Riuander l. c. p. 416. Bange l .c. p. 134. Becherer l. c. p. 344. seq. Binhard l. c. Lib. II. p. 265. Toppius l. c. p. 112. seq.

An. 1617. den 7. Aug sind bey 300. Häuser, und fast der dritte Theil der Stadt, in die Asche gelegt worden. Müllers Sächß. Annal. ad. h. a. p. 312. Merian l. c. p. 53. Toppius l. c. p. 114. Deßgleichen hat sie auch an. 1636. einen starcken Brand erlitten. Merian l. c. Toppius l. c. p. 114. Müller l. c. p. 353. An. 1577. war allhier eine Pest, an welcher [614] auf 2500. Personen starben. Müllers Sächß. Ann. ad h. a. p. 173.

An. 1248. wurde Landgraf Heinrich zu Thüringen und Hessen, der wider Fridericum II. zum Kayser aufgeworffen worden, allhier begraben. Siffridus l. c. p. 168. Cuspinianus de Caesar. p. 431. Spangenbergs Sächß. Chron. p. 275. Riuander p. 311. Bange p. 96. Becherer p. 274. Toppius, p. 52.

An. 1344. hielt Landgraf Friedrich ein Turnier in Eisenach. Monach. Pirn. l. c. Spangenbergs Henneb. Chron. V. 9. Erichs Thür. Land-Tafel Binhard l. c. Lib. II. p. 257. Toppius l. c. p. 45.

An. 1521. reiste D. Luther hier durch nach Worms, und auf dem Rück-Wege predigte er daselbst, worauf an. 1526. die Lutherische Religion schon sehr empor gekommen, und bey erfolgter gemeinen Landes-Visitation, an. 1529. ließ Chur-Fürst Joannes zu Sachsen die Catholische gäntzlich abschaffen. Monach. Pirn. l. c. p. 1551. Lutherus Epist. Tom. I. p. 327. seq. Merian l. c. p. 57. Toppius l. c. p. 31. seq.

An. 1556. wurden viel Geistliche nach Eisenach verschrieben, sich wegen des Streits D. Georgii Maioris, von denen guten Wercken, zu unterreden. Schlüsselburg Catal. Haeret. XIII. p. 830. Toppius l. c. p. 25. seq.

An. 1704. wurde die bisherige Land-Schule mit einem Seminario Theologico versehen, und an. 1707. zu einem Fürstlichen Gymnasio illustri gemacht. Fabricius de Marchion. Misniae, Sagittarii Antiq. Thur. II. 5. Bericht von Land-Graf Heinrichen in Thüringen. Paullini Histor. isen. Olearius l. c. p. 79. seq. Juncker l. c. p. 218. Schneiders Beschreibung des alten Sachsen-Landes p. 24. seq.