Zedler:Chamillen

Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste
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Chamillen-Oel

Band: 5 (1733), Spalte: 1977–1981. (Scan)

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Chamillen, Cammer-Blumen, oder Kammer-Blumen, lateinisch Chamaemelum, frantzösisch Camomille, griechisch ἄνθεμις und χαμαίμηλον, italienisch Camamilla, spanisch Macella.

Ein Gewächs, dessen es mancherley Arten giebet, deren aber allhier nur zwey beschrieben werden, weil sie zur Artzeney am gebräuchlichsten sind. Die erste heisset: Chamaemelum vulgare, Dod. Chamaemelum vulgare, Levcanthemum, Dioscor. C. B. Pit. Tournef. Chamaemelum vulgare amarum, J. B. Chamaemelum arvense, Cam. Chamomilla, Amato. Chamaemelum silvestre, Matth. Chamaemelum, Parthenii species, Brunf. Chamaemilla, Aug. Anthemis, Tur. Cord. in Dioscor. Anthemis vulgatior sive Camaemilla, Lob. teutsch Gemeine Chamillen, Camellen, Gamillen, Hermel, Hermichen, Hermüntzel, Remey, Römerey, Magd-Blume, Laugen-Blumen, Cammel-Blumen.

Diese treibet [1978] einen Hauffen dünner Stengel, etwan eines halben Fusses hoch, daran sitzen gantz zart zerkerbte Blätter. Die Blumen wachsen oben auf den Spitzen der Stengel, und stehen eine hierhin, die andere dorthin, sehen, als ob sie mit Strahlen umgeben wären, dann der mittelste Theil ist gelb, und die Krone drum herum weiß, alles aber unten mit einem gleichsam schuppichten Kelche umgeben. Nach den Blumen kommen länglichte Saamen zum Vorschein. Die Wurtzel ist dünn und zasericht. Das gantze Gewächs riechet starck, doch nicht unangenehm. Es wächst in den Feldern, wo es sandigt ist, zwischen dem Geträyde, und in Weinbergen, und blühet im Junio.

Die andere wird genennet: Chamaemelum odoratum, Dod. Chamaemelum nobile, sive Levcanthemum odoratius, C. B. Pit. Tournef. Chamaemelum hortense, Gesn. Hort. Chamaemelum odoratissimum repens flore simplici, J. B. Chamomilla nobilis, Lon. Chamomilla Romana vel Chamaemelum Romanum, Offic. Chamaemelum nobile flore multiplici, C. B. Chamaemelum repens odoratissimum perenne flore multiplici, J. B. Parthenium nobile, Dod. Leucanthemum odoratum, Eid. Ap. Anthemis Levcanthemos, Lugd. Anthemis seu Levcanthemis odorata, Lob. teutsch Römische oder Edle Chamillen, Gefülte und Einfache Römische Camillen, Römerey-Blumen.

Deren Stengel sind kurtz, krumm, und liegen bey nahe gar auf der Erde, kriechen auch darauf herum. Die Blätter sehen bald wie an der ersten Gattung, sind aber viel grösser und grüner. Die Blumen sind auch viel breiter und schöner, haben einen starcken und gar lieblichen Geruch. Dieses Gewächs wird in denen Gärten gebauet, wächst auch an vielen Orten von sich selbst auf denen Feldern.

Es haben die Chamillen einen starcken, würtzhafften Geruch, und bestehet ihre meiste Krafft und Tugend in einem flüchtig-ölichten Saltz: sie erwärmen, trocknen, erweichen, zertheilen, lindern und legen die Schmertzen: werden auch wegen ihrer sonderbaren Schmertz-stillenden Krafft vielfältig, zu erweichenden und Schmertz-stillenden Clystiren, warmen Umschlägen und Pflastern gebrauchet; Es wird auch fast nicht ein Bad zum Schmertzen des Bauchs, der Nieren, Blasen und Mutter bereitet, worein nicht etliche Hände voll Camillen kommen. Joh. Rajus Catal. Plant. saget, daß unter allen Kräutern, so man zum Bädern wider Stein-Beschwehrungen nehme, nichts bessers sey, als die Chamillen-Blumen, p. 65. sie stärcken daneben die schwachen Glieder und dienen den matten Füssen.

Innerlich haben sie auch groß Lob in Grimmen und Reissen des Leibes, in dem Scharbock, und andern blästigen Zuständen, wenn man sie mit ein wenig Anis in Wein oder Bier kochet und davon trincket: und sind eine besondere Hülffe in Colic-Schmertzen, Joh.Fienus de Flat. c. 21. Sie reinigen die Brust und Lungen, benehmen das Keuchen und Seiten-Stechen, so von kalten Feuchtigkeiten und versammleten Winden entstanden: erwärmen den Magen und befördern die Dauung; vertreiben die Geschwulst des Magens und mildern die grossen Magen-Schmertzen, Forest. VII. Obs. 1. und XIIX. Obs. 20. Crat. IV. Epist. Med. a Scholz. ed. Fel. Pater. Tr. de Dolor. c. 1. Fr. Joël. IV. Pract. s. 2. Gualt. Bruel. in Prax. Med. Mart. Ruland. Cent. V. Obs. Emp. 86.

Die Römischen sollen ein Specificum wider das Hertz-Weh seyn, G. W. Wedel. [1979] Amoen. Mat. Med. 11. s. 2. c. 7. verbessern die herbe Säuer in dem Magen und Därmen, und heilen alle daher entstehende, schmertzhaffte Kranckheiten, Joh. von Muralt, in Hipp. Helvet. p. 685. Sie eröffnen die Verstopffung der Leber, Miltz, Nieren und Blasen, vertreiben die Fieber, sonderlich das drey- und viertägige, bes. Duncan. Liddel, II. de Febr. 10. Rod. à Fonsec. Cons. Med. 51. Tom. 2. Sennert. II. de Febr. 18. L. River. XVII. Prax. Med. Sect. 2. c. 1. 3. 4. ejusque Cent. 4. Obs. 12. 16. Zacut. Lusit. III. Prax. admir. Obs. 26. Medic. exper. Digbaean. p. 21. Adr. Spigel. de Febr. Semitert. III. 11. Richard. Morton. Pyretolog. Exercit. I. c. 6. und 9. Hist. 29. Raym. Jo. Fortis. de Febr. p. 16. 30. 47.

Dahero die Chamillen, als die vortrefflichste Artzeney unter allen Mitteln wider das Fieber, von denen Egyptiern der Sonne gewidmet worden, und bey dem Galeno heisset das Kraut gar Herba Febrifuga, Franc. Piens. Tr. de Febr. in spec. c. 11. Achill. Gasser. Obs. Med. 25. a Velsch. ed. Thesaur. Secret. curiosor. Colon. Allobrog. ed. p. 13. Vit. Riedlin. Lin. Medic. An. 1694. p. 97. 108. ejusque Method. curand. Febr. c. 24. Thom. Fuller. Pharm. extempor. p. 36. 210. 237. tödten die Bauch-Würmer, sind gut wider die Harn-Winde in Milch gesotten und getruncken, Forest. XXV. Obs. 3. fördern die Monat-Blum der Weiber, und treiben die todte Geburt aus, J. Fernel. V. M. M. 26.

Denen Wöchnerinnen, so ihre Reinigung nicht haben, verordnet man sie mit Pommerantzen-Schalen, Jo. Petr. Lotich. Obs. 21. c. 1. l. 15. Denen Schwangern aber darff man sie nicht geben, weil zu befahren stehet, daß sie einen Abortum verursachen möchten, Arnold. de Villa nova, c. 18. Specul. introduct. medicinal. Pet. Bayr. XV. Prax. c. 7. und 15.

Sie sind auch denen Hypochondriacis, welche mit Verhaltung windiger Dünste und Feuchtigkeiten der Seiten geplaget; Joh. Paul. Pernum. V. de Curat. art. p. 352. wie auch denen, so mit der Colic, Sennert III. Prax. Med. P. 2. S. 2, c. 2. R. Solenand. Cons. Med. 28. Sect. 3. und mit dem Lenden- und Blasen-Stein, Matth. Vnzer, de Nephrit. II. Dodon. Prax. Med. p. 602. Sim. Paul. Quadr. Botan. Class. 3. Ramelovii Tr. Germ. de Nephrit. c. 6. Chr. Franc. Paulin. de Ther. coel. p. 266. behafftet seyn, ein gewünschtes Mittel. D. Ettmüller rühmet von den Chamillen, daß selbige in Wasser oder Bier gesotten und warm getruncken in Colica convulsiva ein sonderlich Mittel sey, so so ihn niemals verlassen: auf gleiche Weise gebraucht, stillet dieses Mittel die grossen Nachwehen der Kindbetterinnen nach der Geburt, Forest. XXVIII. Obs. 21. 75 und 81.

Das inwendige gelbe in der Blume in Wein gelegt, vertreibet die Gelbsucht, die weissen Blättlein aber die weisse Farbsucht. Die grossen Chamillen gekocht und getruncken übertreffen alle andere Mittel in Pica & Malacia, Jac. Holler. Instit. Chirurg. annex. p. 49. Frid. Hoffmann. Med. Med. I. 19. Es ist dieses Kraut auch dem Haupt dienlich, vertreibet die Flüsse, stärcket das Gedächtniß und Sinne, dahero es etliche Völcker Krantz-weiß auf blossen Haupt tragen. Bes. L. Thurneis. von Miner- und Metall-Wassern, VI. 39. auch verbessert es das Opium, Helid. de Padoan. Cur. & Consil. à Joh. Wittich. ed. p. 305. An die Blumen gerochen, dienen sie im Haupt-Weh, hingegen sind die Blätter, so gebraucht, höchst schädlich, wie solches Galen. de comp. [1980] med. II. 2. bezeuget.

Der Chamillen-Safft benimmt das aus Trunckenheit entstandene Haupt-Weh, einen Löffel voll eingenommen. M. Mauritius Mylius gedenckt in seinem Horto Philosophico, daß, wenn die grüne Heydex mit der Schlagen gestritten, und etwan von derselben verwundet oder ermüdet worden, sie sich alsbald zur Chamillen verfüge, und darinnen herum weltze, und also wieder gesund und frisch werde. Ein Fuß-Bad von Chamillen gemacht, bekommt dem kalten und blöden Haupt wohl: in Laugen gethan, und damit das Haupt gewaschen, stärcket das Hirn, trucknet die Flüß und macht ein schön Haar.

In den Apothecken bereitet man aus den Chamillen-Blumen ein Wasser, Syrup, Oel und Saltz, allerley Schmertzen des Leibes dadurch zu lindern und zu stillen. Das Wasser getruncken ist insonderheit gut wider die Magen-Schmertzen, Darm-Gicht, Amat. Lusit. Cent. 5. Cur. 39. M. Ruland. Thes. med. a C. Rayger. ed. p. 128. Wolf. Gabelchover. Cent. I. Cur. 10. Gelbsucht, Wassersucht, Schwindsucht und Seitenstechen, Eust. Rudius Art. Med. I. 45. Dan. Sennert. II. Pract. p. 2. c. 16. treibt den Stein, bes. Ephem. N. C. Dec. 2. Ann. 1. Obs. 162. bringet den Frauen ihre Zeit, reiniget die Mutter, mildert die Fieber, Raym. Jo. Fortis de Febr. p. 30. 58.

Das Haupt damit gestrichen, stärcket das Gehirn, vertreibet Haupt-Weh, Ohren-Weh und kalte Flüsse; mit dem Weissen von Ey über die rothen, hitzigen Augen gelegt, stillet den Schmertzen. So jemand beschweret und mit Wein oder Bier sich überfüllet hat, der trincke Chamillen-Wasser, so zertheilet es die Dünste und übrige Materie bald, Thurneiss. l. c.

Das Oel ist ein vortrefflich Schmertz-stillendes Mittel, dann es lindert und stillet alle Schmertzen, insonderheit so von Kälte und Winden herkommen, erweichet und zertheilet allerley Geschulst, besänfftiget die Geschwühr, heilet den Grind auf dem Haupt, stillet das Grimmen und Reissen im Leibe, treibet den verstandenen Harn fort, um die Nieren, Harn-Gänge und Blasen geschmieret, bringet die erlahmten Glieder wieder zurechte, dienet zur Schwindung der Musculn, Thom. Erast. Opusc. Med. p. 19. ist gut für das Hüfft-Weh mit etwas Bandtwein vermischt; und nutzet wider den Krampff, Spannungen und Bräune: stillet den Schmertz, besonders der Nerven, wenn es mit Regen-Würmer-Oel vermischt worden Helid. Padoan. Cur. & Consil. Med. p. 310. lindert die Magen-Schmertzen, wenn es mit eben desselben destillirten Oele vermengt, gebraucht wird.

Den Rückgrad damit geschmieret, hilfft wider die Müdigkeit und vertreibet das drey- und vier-tägige Fieber, erleichtert die Haupt-Schmertzen: Sonst wird es sehr viel in Clystieren gebrauchet, wenn Schmertzen in denen Gedärmen, Nieren und der Mutter vorhanden. Joh. Vigo nennet es wegen seiner vielfältigen Krafft und Tugend, Oleum benedictum, das gesegnete Oel. Das von den Römischen Chamillen praeparirte Oel ist ein schleuniges und gewisses Mittel in Geschwulst des Hoden-Sacks, Ephem. N. C. Dec. 3. An. 4. Obs. 105.

Das aus den Blumen destillirte blaue Oel, so einem Saphier nicht ungleich, (diese Himmel-blaue Farbe soll sich endlich, wenn der Sulphur davon verraucht, wie Th. Bartholin. in Act. Haffn. Vol. 1. obs. 41. angemercket, gantz und gar [1981] verliehren, bes. auch Joh. Bohn. Epist. de Acid. & Alcal. p. 35. sequ.) Dan. Mylius Pharm. Spagyr. II. 1. wird in vielen blästigen Zufällen offte gebrauchet, sonderlich aber wider die Colic, Verhaltung des Urins und Steins, etliche Tröpfflein in einer warmen Brühe oder Wein eingenommen, G. H. Velsch. Chil. 1. Exot. Cur. & Obs. 386. C. Chlod. Officin Chym. p. 13. ist auch ein heilsames Mittel in Hertzgespann, Hartmann, in Prax. Chym. p. 13. und ein herrliches Mittel wider die Taubheit, etliche Tropffen warm in die Ohren getröpffelt, Fr. Joël 11. Pract. S. 2.

Der Syrup von Chamillen-Safft, hat grosses Lob in dem kalten Magen-Weh, wie auch in Colica und Iliace passione: man braucht ihn auch in der Gelb- und anfahenden Wassersucht, ingleichen vor das Grimmen und Reissen im Leibe der jungen Kinder.

Das Saltz ist gut vor das Keuchen, Seiten-Stechen, Fieber, Stein, Gelb- und Wassersucht: und dienet wider die Harnstrenge, Andr. Ziegler. Pharm. Spag. p. 106.

Das Chamillen-Extractum wird wider Colic- Magen- und Mutter-Schmertzen gelobet, befördert auch die monatliche Reinigung und den Urin, zermalmet den Nieren- und Blasen-Stein, zertreibet die Blehungen, öffnet die Verstopffungen der Leber und Miltz, und bekömmet wohl den Gelbsüchtigen, Andr. Ziegler, l. c. p. 79.

Das Wort Chamaemelum kömmet von χαμαὶ, humile, niedrig, und μῆλον, malum, Apffel, weil ein und andere Chamillen wie Aepffel rüchen. Diosc. III. 131. Plin. XXII. 21. Ruell. III. 68.

Vornemlich kan man nachlesen, Joh. Dan. Schefer. Diss. medic. inaugural. habit. Argentorat. 1700.

Chamillen, (edle) siehe Chamillen.
Chamillen, (gelbe) siehe Rinds-Auge. [1]
Chamillen, (gemeine) siehe Chamillen.
Chamillen, (Römische) siehe Chamillen.
Chamillen, (stinckende) siehe Cotula, [2]

Anmerkungen (Wikisource)Bearbeiten

  1. in Band 31, p. 1645 f = 31.0836
  2. in Band 6, Sp. 1462 f = 06.751