Zedler:Bischofswerda

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Bischoffswerder

Band: 3 (1733), Spalte: 1959–1962. (Scan)

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Bischofswerda, lat. Insula Episcopi, woher dieser Ort also benennet sey, machet sich einer diese, ein anderer eine andere Auslegung. Einige meynen, es solle Bischofswerthe Aue heissen, weil es in einem guten Flor lieget, und die Bischöfe es sehr werth hatten; allein am besten ist es, daß man es von dem Wort Werder, welches ein Eiland oder ein Ort ist, der mit Wasser umgeben, herleite, inmassen vor diesem diese Stadt in lauter Sümpfen und Morasten gelegen, wie sie denn auch noch heut zu Tage, ungeachtet vieles ist ausgefüllet und [1960] zu festem Lande gemacht worden, mit vielen Teichen und Wasser durch den Wesenitz-Strohm umgeben ist.

Sie ist von Burghardo, ersten Bischof des Bisthums Meissen, erbauet und von dem 25. Bischof daselbst, Namens Wittig von Camentz, an. 1286. mit der Ringmauer umgeben worden. Ob wol Peckenstein P. III. Theatr. Sax. p. 146. berichtet, daß der Hieronymus Emserus in Beschreibung des Bischofs zu Meissen Bennonis Leben melde: Bischoffswerda wäre nur Anfangs ein geringer Flecken gewesen, sey aber von gedachten Bennone an. 1076. zu einer Stadt gemacht, und dabey eine schöne Kirche erbauet worden, von welchen es auch den Namen Bischofswerda bekommen. Erstlich hat sie eine lange Zeit unter dem Bischof zu Meissen gestanden; als aber an. 1555. Johannes Carlowitz einigen Streit erregte, daß der letzte Bischof in Meissen Ioan. IX. aus dem Lande weichen muste, so traff Churfürst Augustus mit gedachten Bischof eine Wechselung, da der Bischof die Stadt Mühlberg und das Closter Güldenstern empfing und diese Stadt an Chur-Sachsen kam, von welcher Zeit an sie beständig dabey geblieben.

Was ihre Lage anlanget, so lieget sie in Meissen, in dem Amt Stolpen, hat eine Superintendentur, welche 17 Haupt-Kirchen und 6 Filiale unter sich begreifft. Sie ist die nächste Grentz-Stadt an der Ober-Lausitz, und hat zu benachbarten Städten, 3 Meilen davon gegen Osten Budißin, 1 Meile Süd-Oestlich Neustadt, Süd-Süd-Oestlich, 2 Meilen Sebnitz, gegen Süden 2 Meilen Schandau, West-Süd-Westlich, 1 Meile Stolpen, Süd-West-Westlich 1 Meile Pirnau, West-Südlich 4 Meilen Dresden, West-Nordlich 2 Meilen Radeberg, Nord-Westlich 1 Meile Palßnitz, Nord-Nord-Westlich 2 Meilen Camentz, Nord-Westlich 1 Meile Elstra. Diese Gegend ist sehr gesund und fruchtbar. Auch hat sie gute Nahrung von dem weissen Garn-Handel. Vor diesem sollen auch hier Bergwercke eines in dem Bautznischen Pusche nach Demitz zu, das andere in der Grune nahe Goldbach, gewesen seyn, welche aber theils wegen der schlechten Ausbeute, theils wegen derer Hußiten Einfall ins Stecken gekommen.

Sie ist jeder Zeit vor eine Schrift-Sasse erkannt worden, welches auch Christian, Hertzog zu Sachsen, bekräftiget, und darf nur die halben Tranck-Steuern geben, hat auch ein Ober- und Erb-Gericht, wovon aber die Cammer über anderthalb hundert Jahr den 3ten Theil exerciret; ingleichen die hohe Jagd: ferner ist sie jährlich mit 4 Jahr-Märckten versehen: von langen Zeiten her hat sie ein Bischöfliches Privilegium gehabt, daß sie selbst das Saltz aus Halle hohlen und frey verkauffen dürffen, bis es endlich 1650. zur Churfürstl. Haupt-Saltz-Cassa nach Dresden gezogen worden.

In diese Stadt gehen 4 Thore, als das Dresdnische, Budißinische, Bader- und Neu-Thor.

Von feindlichen Einfällen und Kriegen hat sie viel ausgestanden, inmassen sie an. 1002. von Boleslao II. Hertzoge in Polen, mit dem Zunamen Chobrius, unter andern Meißnischen Oertern geplündert, und von dessen Sohne Mesicone an. 1015. von neuen wieder ruiniret worden. Als an. 1359. das 2 Meilen davon gelegene Raub-Schloß Kirschau von denen Sechs-Städten zerstöhret wurde, so hat sie auch viel Ungemach dabey erlitten; desgleichen auch anno 1429. in dem Hußiten-Kriege geschehen.

An. 1504. den 14. Dec. kam George von Gutenstein nebst deme von Budin unter der Früh-Messe in neblichten Wetter mit etlichen bedeckten und mit Kriegs-Volck beladenen [1961] Wägen, unter dem Vorwand, als wenn Maltz auf deren Wägen wäre, gleiches Weges in die Stadt, worauf gedachter von Gutenstein alsbald mit seinen Völckern auf die Kirche los gieng, selbige umringte, und viele dabey niedermachte, auch sich des damaligen Schatzes der Stadt, welcher in dem Kirch-Thurm verwahret wurde, bemächtigte. Diese Räuber plünderten alle Häuser aus, nahmen 38. von denen vornehmsten Raths-Personen und Bürgern gefangen, führten sie nach Gutenstein in Böhmen, und liessen selbige 39 Wochen daselbst im Gefängniß sitzen, worinnen auch ihrer viele sturben. Sie würden auch mit dieser Stadt noch übeler verfahren seyn, wenn nicht noch Hertzog George von Sachsen ihr Volck zu Hülffe geschicket hätte, da denn diese Stadt, wolte sie nicht ihren gäntzlichen Untergang haben, dem Güttenstein 400 Rein-Gülden vor ihre Rantzion geben muste.

An. 1516. wüteten die zusammen gelauffenen Wendischen Bauern in dieser Gegend auch sehr. An. 1588. wäre es bald wieder mit dieser Stadt zu einem Krieg gekommen, denn als Nicolaus II. 44ster Bischof zu Meissen, gestorben, u. seinen Freunden gewisses vermachet; sein Nachfolger aber Ioannes IX. von Haugwitz solches nicht auszahlen wolte, so wolte sich unter andern auch Hans von Carlowitz auf Tzuschendorf, Churfürst Augusti Stallmeister, selbst bezahlt machen, gieng nach Wurtzen und Stolpen, und hausete daselbst übel, und kam endlich auch nach diesem Bischofswerda, in Hoffnung selbiges zu überrumpeln, welches auch geschehen wäre, indem selbiger schon in die Stadt hinein war, wenn sich nicht die gantze Bürgerschaft sowol Männer als Weiber so wohl gewehret hätten, daß er gezwungen wurde, mit Verlust seiner Völcker davon zu fliehen.

Als die Kayserlichen an. 1631. vor Leipzig geschlagen wurden, und sich in die Ober-Lausitz begeben hatten, so kamen sie auch in selbigen Jahre bey 600 Mann starck vor diese Stadt, und branten etliche Scheunen und die Begräbniß-Kirche ab. Um grössers Unglück zu vermeiden, gab die Bürgerschaft dem noch vor dem Thore haltenden Feinde den 1. Oct. d. a. zur Brandschatzung 800. Fl. damit waren aber die Feinde noch nicht zufrieden, sondern fielen viel 1000 Mann den 7. Octobr. ein, welche 56. Personen niederhaueten, 17. mit vergifteten Sebeln verwundeten, sehr viele gefangen nahmen, die Häuser ausplünderten, die Jungfrauen schändeten, und andere ungemeine Tyranney ausübeten. In dieser grösten Noth ließ sich ein gutes Omen über der Stadt sehen, indem ein Regenbogen aufgieng, da plötzlich ein Terror Panicus unter die Feinde kam, als wäre der Sächsische Succurs da, wie es auch war, weswegen sie die Stadt doch noch unangezündet, wie man wol Anfangs vermeynte, verliessen. Folgendes Jahr wurde sie gleichfalls von denen Kayserlichen erstiegen, und wiederum geplündert, wobey es aber doch nicht weiterkommen.

An. 1633. ist abermal ein Einfall von etlichen Trouppen Croaten geschehen, welche einige Leute verwundet, und vollends das wenige Uebriggebliebene ihnen entnommen. An. 1637. kamen etliche 100 Reuter von denen Hatzfeldischen Trouppen vor die Stadt, welche aber durch derer Bürger Tapferkeit bald abziehen musten. An. 1639. sind die Schwedischen Trouppen, weil sie gute Worte gegeben, eingelassen worden, welche alsdenn wieder vieles Ungemach verursachet. In dem 1641. Jahre hat sie abermals von denen Schwedischen so viel ausstehen müssen, daß es nicht zur Gnüge kan beschrieben werden. [1962] An. 1706 kam der Königin Schweden Carolus XII. mit seinem General-Stabe hier zu stehen, da zwar niemand getödtet wurde, aber diese Stadt ungefehr 21416. Thaler gekostet, ohne die 16000. Thaler bey dem hinein Marche.

Diese Stadt hat hiernechst auch so viel Feuers-Brünste ausgestanden, als wohl von einer andern kan gesagt werden. Ungerechnet derer vorherigen vielen Brände, welche man nicht so gewiß melden kan, ist an. 1469 diese gantze Stadt mit Kirchen und Rathhause im Feuer aufgegangen. An. 1528 kam wiederum auf der Pfarre ein Feuer aus, da 85. Wohn-Häuser, das Forder-Stück und Giebel an der Kirche, der Obertheil des Thurnes, und 29. Scheunen, nebst 2. Personen im Feuer verdorben. An. 1559 giengen etliche Häuser im Rauch auff. An. 1567 trug sich ein gleicher Zufall zu. An. 1569 ist ein grosser Brand alda entstanden. Ein grosser Theil der Stadt ist wiederum den 16. Sept. 1583. drauff gegangen. Eben diesen Tag das andere Jahr drauff, als an. 1585. sind 28. Scheunen voller Getreyde von dem Donner angesteckt worden. An. 1596 den 29. Apr. ist innerhalb 2. biß 3. Stunden die gantze Stadt in 300. Feuerstädte, ausser das damahlige alte, jetzo neue Rath-Hauß, 1. Gasthoff, und etwa 6. kleine Häusser abgebrannt. An. 1600 ist wiederum in Urban Böhmers Brau-Hause ein Feuer entstanden, desgleichen in Christoph Umlauffts Hause an. 1612 den 19. Octobr. in Büttners an. 1617, in Paul Lehmanns an. 1620 geschehen. An. 1641 den 25. Sept. brannten Wohn-Häusser und 8. Scheunen ab. An. 1684 entstunde abermahls in Christoph Gundermanns Gast-Hoffe unter dem Mältzen ein Feuer, da 3. Häuser biß auf die Stuben wegbrannten. Vor dem Bad-Thor schlug den 29. Apr. an. 1669 der Donner in eine Scheune, wovon ihrer 32. nebst der Bret-Mühle angestecket wurden. An. 1671 den 22. April hat die daselbst entstandene Feuers-Gluth in 2. bis 2½ Stunden 119 Wohn-Häuser, das Kirch-Dach nebst dem Thurn und schönen Glocken, 4. Brau-Häuser, 8. Maltz-Häuser, 18. Scheunen, 2. Thor-Häuser, und eine wohlbetagte Frau, ingleichen ein Mensch, welches nicht wohl reden können, verzehret: 3. Häuser giengen am Bautzischen Thore den 31. Oct. an. 1676. auf.

Ferner hat allhier die Pest an. 1496. 1521. 1577. 1581. 1582. 1583. 1586. sehr hefftig grassiret.

Puschens Histor. Beschr. von Bischofsw. Schöttgens Histor. von Wurtzen. Zeiler. Topogr. Sax. sup. p. 30. Reichs-Geogr. V. p. 510. Schwed. in Teutschl. geführten Kriegs P. I. Lib. III. p. 263. Senffens Historie von zweyen Befehdungen, so die Stadt Bischofswerda und das Stifft Wurtzen erlitten haben.