Zedler:Berlin

Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste
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Berlich, (Buchard)

Band: 3 (1733), Spalte: 1327–1329. (Scan)

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Berlin, die vornehmste Stadt in der Marck Brandenburg, liegt in der Mittel-Marck an der Spree, und ist die Residenz des Königs in Preussen.

Bey ihrem Namen mag man entweder gleich anfangs, da man ihr denselben gegeben, oder nachgehends, da sie ein Wapen bekommen, auf das Wort Bär gesehen haben, denn sie führt einen Bär im Wapen. Anno 1106. hat sie diesen Namen schon gehabt, wie man aus einem Vergleich, den sie mit denen von Potsdam wegen des Fisch-Fangs in der Havel gemacht, sehen kan.

An. 1140. ist sie von Marg-Graf Albrecht dem Bären vergrössert, und mit Mauren umgeben worden, welchem Marg-Graf Ioannes I. und Otto III. Gebrüdere und Fürsten von Anhalt, nachgefolget, und diese Stadt je mehr und mehr erweitert haben. Marg-Graf Friedrich, welcher zu Tangermünde residirt, hat wegen einiger Unruhe der Berlinischen Bürgerschafft angefangen in Berlin zu wohnen, welche Wohnung hernach nach Cöln verlegt worden, denn so heist das andere Haupt-Theil von Berlin jenseits der Spree, wahrscheinlich von denen colonis, wie man die Bauern-Höfe zu nennen pflegt, die über diesem Fluß lagen, und zur ersten Erweiterung der Stadt Anlaß gegeben haben. Chur-Fürst Joachim II. hat an. 1540. einen Theil des Residentz-Schlosses erbauet, den andern aber hat Johann George an. 1595. und nach ihm Joachim Friedrich hinzu gethan. Chur-Fürst Friedrich Wilhelm hat an. 1658. angefangen die Stadt besser zu befestigen, und dabey zu vergrössern, indem er den so genannten Friedrichswerder und Neu-Cöln mit darein gefaßt.

Zu diesen Stücken innerhalb der Fortification kam hernach 1.) ausserhalb an derselben gegen Abend die Dorotheen-Stadt oder Neu-Stadt, welche Chur-Fürst Friedrich Wilhelm seiner andern Gemahlin zu gefallen angelegt, und nach [1328] ihrem Namen genennet, auch in der Mitte längs durch eine breite Allée von 6. reichen Linden-Bäumen pflantzen lassen, und mit einem Wasser-Graben umgeben. Weiterhin, 2.) gegen Mittag, hat König Friedrich die Friedrichs-Stadt mit schönen breiten Straßen und Gassen angelegt. Unter diesen ist eine, so mit ihrer Länge durch die Dorotheen-Stadt und Spandauer-Vorstadt gehet, und eine gantze Italiänische Meile regulier lang ist. 3.) Gegen Mittag und Morgan liegen die Cölnische Vorstädte, in deren erstern auch eine lange Strasse mit Linden bepflantzt. 4.) Ist gegen Morgen die Stralauer-Vorstadt; Weiter gegen Mitternacht, 5.) Die S. Georgen-Vorstadt. Gegen Mitternacht und Abend 6.) die Spandauische Vorstadt. Daß also Berlin innerhalb der Fortification aus 3. Theilen, ausserhalb aus 6. Theilen bestehet, welche innerhalb einer Linie, auf beyden Seiten des Flusses liegen, und der Stadt ein schönes Ansehen machen.

Das Königliche Schloß haben die Könige Friedrich, und Friedrich Wilhelm gantz neu ausführen lassen, so, daß von dem alten nur die äussere Wasser-Seite und der Bau zwischen beyden Schloß-Höfen, nebst einigen Gebäuden noch übrig. Im Königlichen Schloß ist 1.) Die Königliche Bibliothec, welche mit der Spanheimischen vermehrt worden, doch so, daß diese, wenn sie auch künfftig näher zusammen kommen solten, ihre eigene Zimmer, ihren Namen vom Herrn von Spanheim, und ihren besondern Bibliothecarium behalten soll. 2.) Die Kunst-Cammer. 3.) Die Antiquitaeten- und Medaillen-Cammer.

Am ehmahligen Lust-Garten, jetzt grünen Vor-Platz am Schloß, liegt jenseits dem Wasser das Zeug-Hauß, hinter demselben das Gieß-Hauß, und vor demselben des Gouverneurs Hauß. Bald an der Spree hinauf ist der Pack-Hof an der Schleuße, da alle Waaren zu Wasser und zu Land abgeladen und veracciset werden. In der Dorotheen-Stadt sind gleich beysammen, des verstorbenen Marg-Graf Philipps Hauß, gegen über der Königliche Stall, mit grossen Höfen, über dessen vordern Gebäude die Academie derer Künste, als der Architectur, Pictur und Sculptur, auf dem Hinter-Gebäude aber, der Societaet der Wissenschafften ihre Zimmer, und über diesen das Observatorium als ein Thurm erhaben, samt dem jetzt darzu gehörigen Theatro Anatomico in dem Pavillon des Stall-Gebäudes gegen Abend. In den Bastionen der Stadt sind zu mercken: zur lincken Hand des Dorotheen-Städter-Thors der Jagt-Hof, zur rechten am Zeug-Hauß das Laboratorium der Feuer-Wercker, mit vielen Bomben-Kugeln- und Granaten-Hauffen. Beym Spandauer-Thor an, das Pulver-Magazin; weiterhin des Commendanten Hauß, beym Königs-Städter Thor das ehmalige Hetz-Hauß, beym Stralauer-Thore das neue Korn-Magazin, zu diesem Thor herein ist gleich das Friedrichs-Hospital. In der Closter-Strasse das Lager-Hauß, worinnen ehemals die Ritter-Academie war, nebst andern schönen Gebäuden, sonderlich die Parochial-Kirche mit dem Glocken-Spiel. Unter denen Brücken ist die so genannte lange Brücke, mit der ehernen Statua des Chur-Fürst Friedrich Wilhelms zu Pferd wohl zu sehen. Der Mühlen-Damm aber ist mit Mühl- und Kram-Gebäuden auf beyden Seiten so besetzt, daß er keiner Brücke, sondern einer bebauten Strasse gleich sieht.

Es sind bey 20. Kirchen in diesen vorerzehlten Städten [1329] und Vorstädten, davon haben die Reformirten, deren Anzahl durch die an. 1686. der Religion wegen vertriebene Hugenotten aus Franckreich starck vermehret worden, den Dom, und die Parochial-Kirche in der Stadt gantz allein, und die Kirche auf dem Werder und Friedrichs-Hospital mit denen Lutheranern gemeinschafftlich, auch also die Kirche in der Friedrichs- und Dorotheen-Stadt. Die Lutheraner haben in Berlin für sich allein die Nicolai-Marien-Closter-Hospital, oder H. Geist- und Garnison-Kirche. In Cöln die Peters- und die kleine Gertraut-Kirche, auch in denen andern Vor-Städten die Kirchen. Die Frantzosen haben eine Kirche in der Friedrichs-Stadt und eine auf dem Werder, an der Teutschen.

Unter denen Schulen sind 5. Gymnasia die vornehmsten: 1.) das Königliche oder so genannte Joachimthalische, mit einem herrlichen Gebäude und Convictorio, die Lehrende desselben sind alle reformirt, und führen fast alle den Professor-Titel. 2.) Das Closter-Gymnasium, so zugleich als eine Land-Schule angelegt, darinnen die Lehrende lutherisch, wie auch 3.) die im Cölnischen sind. 4.) Das Friederichwerderische, so nur einige Lutherische Praeceptores hat. Das 5.) aber ist das Frantzösische.

Die Pröbste in Berlin sind folgender massen einander gefolget:

  1. Georg. Buchholtzer, von an. 1539-1556.
  2. Ioach. Paschius
  3. Thom. Brendicke st. 1574.
  4. Iac. Colerus.
  5. Hier. Brunner st. 1607.
  6. Andr. Mauritius st. 1631.
  7. Valent. Preibisius.
  8. Nic. Elerdus st. 1637.
  9. Sam. Hoffmann st. 1649.
  10. Petr. Vehrius st. 1656.
  11. Georg. Libius st. 1667.
  12. Andr. Mullerus, resignirte 1685.
  13. Io. Ern. Schrader st. 1689.
  14. Christian Teuber st. 1690.
  15. Phil. Iac. Spener st. 1705.
  16. Conr. Gottfr. Blanckenberg st. 1712.
  17. Io. Porst.

Unschuld. Nachricht. an. 1714. p. 858. sq. Schon im vorigen 1731. Jahre haben, wie die öffentlichen Nachrichten lauten, Joh. Christ. Müller und Georg Friedrich Küster versprochen Altes u. Neues Berlin, worinnen von dessen Namen, Lage, geist- und weltlichen Gebäuden, von denen darinnen wohnenden Nationen, deren Freyheiten und Vorrechten etc. vollständige Nachricht gegeben, der Zustand der Stadt Berlin bey Kriegs- und Friedens-Zeiten historisch untersucht wird: alles aus guten diplomatischen Urkunden gesammlet, und mit saubern Kupffern geziert. Siehe auch Lairitzens Palm-Wald VI. 2. §. 12. Nur weil diese Residenz-Stadt unter der jetzigen glorwürdigsten Regierung Sr. Königl. Majest. in Preussen fast eine gantz andere Gestalt bekommen; indeme nur von 1730. 1731. 1732. viele hundert, ja tausend und mehr Häuser und Palläste aufgebauet; auch mit vielen Kirchen und Thürmen die Stadt gezieret worden; so möchte man fast ungedultig werden, daß keine ausführliche Beschreibung zum Druck noch zur Zeit gekommen ist.