Zedler:Berberis

Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste
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Berberissen

Band: 3 (1733), Spalte: 1200–1202. (Scan)

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Berberis, Offic. Lob. Parck. Brunf. vulgaris Clus. Bellon. dumetorum C. B. Pit. Tournefort. Vulgo, quae & Oxyacantha putata, I. B. Oxyacantha, Trag. Fuchs. Oxyacantha Hermolao, Ruell. Oxyacanthus Galeni, Cam. Spina acida, sive Oxyacantha, Dod. Crespinus Marchioli, Casalp. Amirbaris, Avicenn. Spina vineta. Frantzösisch Epine vinette, Berberie. Italiänisch Bagaia. Deutsch Berbers-Staude, Berberis, Erbsel, Erbsichdorn, Saurach, Saurdorn, Eßigdorn, Salsendorn, Versich Versinus. Dieser Strauch, oder Staude ist allererst zu denen Zeiten derer Araber bekannt worden, auch sein Name Berberis von ihnen auf uns kommen. Er ist sehr groß, stachlicht und voller Aeste, mit einer Aschenfarbenen, glatten und dünnen Rinde bekleidet, an denen Aesten stehen viel weisse, scharffe und spitzige Dornen, je drey und drey beysammen gesetzet. Das Holtz ist schön lichtgelb, mürbe und locker, und die Wurtzeln, so sich weit ausbreiten, sind holtzig und noch gelber. Die Blätter sind klein, länglicht und grün, am Rande ausgezackt und etwas hart, eines herben sauren Geschmacks, welcher, wenn sie noch zart und jung sind, dem Sauerampff fast gleich kommet, dahero sie auch eben also zum Salat, und an das Fleisch gekocht, genutzet werden können. Die Blüthen hangen Traublein weise bey einander, und bestehen jedwede aus fünff gelben Blätterlein in Rößlein-Form. Diesen folgen kleine, länglicht-runde Berlein, welche zart und voller Safft sind, und indem daß sie zeitigen, gar schön roth werden, und einen sauren, etwas anziehenden, dennoch aber gar lieblichen Geschmack überkommen. Sie beschlüssen länglichte, harte und braunrothe Saamen oder Kerne. Dieser Strauch wächset an ungebaueten, rauhen Orten, gemeiniglich in Wäldern, an denen Wegen und in denen Hecken, wird auch in denen Gärten gepflantzet, und nimmt mit allerley Grund und Lufft vorlieb. Dir Früchte oder die Beerlein, welche man Berbers-Beer, Berberissen, Berberitzen, Reissel-Beeren, Weinlägelein, Weinschädling, Erbseln, Ferres-Beer nennet, führen vielSal essentiale und Phlegma, aber nicht gar zuviel Oel, und sind in denen Apothecken gedörret und eingemacht zu haben, wie auch der Syrup aus dem Saffte, ingleichen das Mueß, oder, die Tabulae Berberizatae oder Kuchen, und das Sal essentiale aus dem Saffte. Sie dienen wider das entzündete und wallende Geblüt, löschen die Galle, den unmäßigen Durst und Hitze in denen Fiebern, kühlen die hitzige Leber, stärcken den Magen, benehmen den Eckel und Ubligkeiten des Magens, bringen Lust zum Essen, stopffen und wehren allerley Bauch- und Mutter-Flüssen, wie auch dem Saamen-Flusse, tödten die Bauch-Würmer, und widerstehen der Fäulniß; werden in hitzigen Kranckheiten denen Patienten offt zur Labung gereichet. Man findet auch in denen Apochecken die Trochiscos Berberum Mesuae, deren Gebrauch ist, daß sie mit in die purgierende Rosen-Lattwerge, Electuar. Rosar. Mesuae, genommen werden; man kan sie auch wieder die Hitze der Fieber, Durst, und Dürre der Zungen gebrauchen. Man hat auch die Rotulas aus dem Saffte derer Berbers-Beeren, welche gar sehr den Durst in denen Fiebern löschen. Dioscorides rühmet den Safft in Mutter-Flüssen, über alle andere Artzeneyen. Die mittlere Rinde des Holtzes, so gelb, (welche etliche Bugiam nennen) in Wein oder Wasser gesotten, und den Mund damit gewaschen, ist gut zur Mund-Fäule, und andern Zufällen des Halses, befestiget die Zähne und stillet derselben Schmertzen, Crat. L. II Cons. 6. L. V. Cons. 8. und L. VI. Cons. 64. Die pulverisirte Rinde, wird wider die Schrunden der Brüste gelobet, Crat. Lib. IV. Cons. 40. Sie dienet auch zu denen Geschwüren des männlichen Gliedes, Jo. Stocker. Prax. aur. I. 56. Es soll auch diese mittlere Rinde eine purgierende Krafft haben, und die Gelbesucht vertreiben, wenn man sie in weissen Wein leget und davon trincket, wie C. Clusius Rar. Plant. Hist. I. 58. bezeuget: Sie befördert auch den Stuhlgang, wenn man sie in Milch kochet, und über den Bauch leget, Malach. Geiger. Kelegraph. 26. So man sie in Lauge leget, machet sie schön gelb Haar. Die Rinde in Wasser gesotten, Tüchlein darein genetzet, und warmlicht über die schmertzhafften Glieder geleget, stillet dererselben Schmertzen, besonders wenn sie von Scharbock herkommen. Auch hat die Berberis was gantz besonders und eigenthümliches in hitzigen Eyter-Geschwülsten, Guil. Varignan. Secret. Med. p. 295. Die Kerne oder Saamen haben eine zusammenziehende und stopffende Krafft, dahero sie zu allerley Bauch-Flüssen gebrauchet werden können: Sie kommen auch mit unter die Species diarrhood. Abbat. gleichwie die Beere mit unter die Trochisc. de Spodio Mesuae. Die Kerne gestossen und Pflasterweise übergeleget, ziehen Pfeile, Dornen, Stückgen Beine und andere dergleichen Sachen aus denen Wunden und Fleische, P. Bayr. Prax. XXI. 7. Der Saame, wie auch der Safft äusserlich adpliciret, sollen vermögend seyn, den Stein zu treiben, Schröter. Consil. 50 a Jo. Wittich. ed.. Das von der Frucht im Herbste, oder dem Laube und Blumen im May gebrannte Wasser, löschet alle innerliche Hitze, Morgens und Abends drey Loth davon getruncken; Ist auch gut für die hitzige Leber, löschet den Durst, ist dienlich für das Schwellen, Aufstossen und Ubligkeit des Magens, bringet Lust und Begierde zu essen, mäßiget auch den überflüßigen Fluß derer Weiber, wenn es mit rothen Corallen vermischet, fleißig getruncken wird. An etlichen Orten, da die Beerlein häuffig wachsen, sammlet der gemeine Mann gantze Fäßlein voll zusammen, zerstösset sie, lässet sie gähren, und machet darnach Branntewein daraus. Berberis ist ein Arabisches Wort, und soll von dem zerstümmelten Worte Amyberberis herkommen. Oxyacantha kommt vom Griechischen όζὺς, acutus und acidus, scharff und sauer; und ἀχανϑα, spina, ein Dorn, als wolle man sagen: Sauerdorn.