Zedler:Bautzen

Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste
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Bauvais

Band: 3 (1733), Spalte: 791–793. (Scan)

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Bautzen, oder Budißin, lat Budissina, die Haupt-Stadt in der Ober-Lausitz[1] am Spree-Flusse, und eine von denen Sechß-Städten[2], 7. Meilen von Dreßden, 6. aber von Zittau und Görlitz. Sie ist ziemlich groß, volckreich und wohlgebauet, so, daß sie vor dem grossen Brand 1620. und 1634. den 2. May vornehmlich wegen der grossen Menge derer Künstler und Handwercker, klein Nürnberg genennet worden.

Einige wollen, daß sie bald nach dem Jahre 800. aufgekommen, und daß ein Hertzog aus Böhmen ihr diesen Namen gegeben, da vorher diese Landschafft Nissin, oder Nissana geheissen. Es soll aber gedachter Hertzog in Böhmen Budosints oder Budostani geheissen haben, welches jedoch eben so gewiß als, daß sie a. c. 440. von Attilae Bruder, Budas, erbauet sey. Andere halten ihren Ursprung für viel älter, und zwar, daß sie die Schwaben erbauet haben und sie erst Buschsitz geheissen, zumahl da Bautzen schon a. c. 774. mit Suatana, Zecchi Tochter, unter dem Namen Budsez an Wittekindum Magnum ist übergeben worden, und in einem alten Chronico stehet Budissina circa annum condita 800. arx annis 150 ante ab Hermunduris Proelzenberg aedificata. Der Sächsische Hertzog, Wittekind[3], soll diesen Ort, und die herumliegenden Gegenden, nachdem er die Slaven zu paaren getrieben, unter dem Namen der Herrschafft Budsitz besessen haben, welche in die 300. Jahr in seiner Nachkommen Händen unter der Ober-Herrschafft derer teutschen Könige gewesen. Auch wird gemeldet, daß an. 1000 der Polnische König Boleslaus Chobri[4] die Stadt Bautzen erobert, und daß der Kayser Henricus II.[5] sie mit Lebens-Gefahr wieder einbekommen, und dem Reiche Zinsbar gemacht.

In folgenden Zeiten fiel diese Stadt sammt denen Wenden[6] vom Reiche ab; hernach soll sie der Kayser Henricus IV.[7] mit Hülffe des Böhmischen Königs Vratislai,[8] [792] bezwungen, und mit sammt der Lausitz an Böhmen überlassen haben. Der König von Böhmen hatte Bautzen mit der benachbarten Landschafft, so zwischen Dreßden gelegen, ums Jahr 1080. seiner Tochter Judith, des Graffen Viperti zu Groitsch[9] Gemahlin, zum Heyraths-Guth mitgegeben. Nachdem aber Viperti Sohn[10] ohne Erben gestorben, so ist es mit der umliegenden Gegend wiederum an Böhmen gekommen, und dabey geblieben, bis es endlich das Hauß Oesterreich dem Chur-Hause Sachsen durch einen Vergleich zu Prag an. 1635 den 20. Mäy[11] abgetreten, dem es auch das folgende Jahr darauf zu Görlitz würcklich übergeben worden.

In dem Hußiten und Teutschen Krieg hat diese Stadt viel erlitten, und ist sie nicht allein an. 1620 so weit abgebrannt, daß von 1600. Häusern damahls etwa 182. sammt der Haupt-Kirchen, Burg, und dem Rathhausse sind stehen geblieben, sondern auch an. 1634 den 2. May, als sie die Chursächsischen belagern wollen, und die Kayserlichen die Vorstadt angesteckt, die gantze Stadt in die Asche gelegt worden. Als sie sich wiederum erhohlet hatte, brannte an. 1664 das Landhauß und andere Gebäude, an. 1686 bey 300. Häusser, an. 1704 das Rathhauß, und an. 1709 den 22. Aug. das gröste Theil der Stadt weg, welche aber meist von Stein sehr schön aufgebauet worden.

In dieser Stadt in dem Landhausse werden die Land-Täge von Ober-Lausitz, deren drey sind, als: Oculi, Bartholomaei und Elisabeth, gehalten, und darauf das höchste Gerichte selbigen Landes, unter dem praesidio des Churfürstlichen Land-Voigts, nebst dessen adelichen und städtischen Beysitzern, von welchen Iudicio ordinario ferner an den Churfürsten nicht adpelliret[12] werden darf.

Das Schloß Ortenburg[13] liegt auf einem Felsen, und wurde ehemahls durch einen tieffen Graben, welcher jetzo meistentheils ausgefüllet ist, von der Stadt abgesondert. Es soll von dem Marggraffen Radbodo, wiewohl nicht eben auf den Platz, wo es jetzo stehet, erbauet, und 200. Jahr älter als die Stadt seyn. An. 1400 fiel es durch eine unvermuthete Feuers-Brunst gäntzlich in die Asche, und ward erst unter dem König Matthia[14] durch den Land-Voigt, George von Stein, an. 1483 wieder zu bauen angefangen, und in 4. Jahren vollendet. An. 1621 gerieth es durch die darauf liegende Chur-Sächsische Besatzung in Brand, und blieb biß nach dem Münsterischen Frieden wüste liegen, da Churfürst Johann George I.[15] an. 1648 zu dessen reparation Anstalt machen ließ. Vor Zeiten haben sich einige Kayser und Könige in Böhmen, auch nachgehends die Churfürsten zu Sachsen, sonderlich bey unruhigen Zeiten, oder graßirenden Kranckheiten daselbst aufgehalten; sonst hat der Churfürstliche Land-Voigt ordentlich seine Residentz auf demselben.

In der grossen Pfarr- oder Dom-Kirche S. Petri,[16] welche Bischoff Bruno zu Meissen erbauet, verrichten so wohl die Lutheraner, als auch nach diesen die Catholischen, welche in der Stadt ein Decanat mit reichen Präbenden, und ordentlicher session auf Land-Tägen haben, ihren Gottesdienst, vermöge des mit dem Decano und Dom-Capitel an. 1583 getroffenen Vergleichs.

Die Stadt hat hohe, starcke Mauern, und Rondele, darhinter einen geraumen Zwinger.

Es ist daselbst eine berühmte Schule, welche die Mättigianische Bibliothec zu ihren Gebrauch hat, sonst aber ist die Gerßdorffische Bibliothec derer mathematischen Instrumenten, auch andrer Curiositäten u. Bücher halben berühmt gewesen, die aber [793] der Brand ziemlich mit genommen.

Peucer.[17] in Idyllio Patriae. Dresser. de urbibus. Zeileri Topographia Sax.[18] Grosser. Albini Meißn. Land-Chronick. p. 120, 288. Lairitzens Palm-Wald V. 2. §. 24.


Anmerkungen (Wikisource)