Zedler:Armenien

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Band: 2 (1732), Spalte: 1533–1535. (Scan)

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Armenien,, Lat. Armenia, von Armenio, des Jasonis Gefährten auf seiner Reise nach Colchis also benennet, der wie Bochart Phaleg. I. 3 lieber, so viel als des Mini Berg.

Auf denen Müntzen erkennet man Armenien an seiner Haube, Bogen und Pfeilen. Einleitung zur Medaillen oder Müntz-Wissenschaft de Ao. 1718 p. 308.

Es wird in das grosse und kleinere Armenien eingetheilet. Strabo [1534] XI. Plinius VI Appianus Mithrid. Bell. p. 387

Das grosse Armenien heisst jetzo Türcomannien und Curdistan, und war bey denen Alten wegen der prächtigen Hofhaltung seiner Könige und des grossen Reichthums berühmt. Jetzt sind diese güldenen Zeiten verschwunden, und bestehet sein gegenwärtiger Vorzug allein in der natürlichen guten Lage, da gantz Armenien mit Bergen, Flüssen und dem Meer umgeben ist. Gegen Mitternacht wird es durch das Moschicksche oder Moscontische Gebürge von Colchis, Iberien und Albanien, so insgemein Georgien heisset, unterschieden; gegen Mittag hat es die Gebürge Taurus und Niphates, wodurch es von Mesopotamien und Assyrien, jetzo Diarbeck genannt, abgeschieden ist; gegen Abend ist die Gräntze der Euphrat, welcher Armenien von Klein-Asien oder Anatolien absondert; und gegen Morgen Medien, jetzo Servan genandt. Es sind auch noch einige andere Theile Armeniens gegen der Caspischen See zu, zwischen Albanien und Medien, und noch andere gegen den schwartzen Meer, zwischen klein Asien und Colchis, deswegen auch von einigen die Gräntzen Armeniens sich bis dahin erstrecken. Die vornehmsten Städte in Curdistan oder Türcomannien sind Eczerum, Cars, Van, Shildir, Teflis, Erivan, Derdent etc. Deren einige den Könige in Persien sind. Dieser Theil Armeniens war das erste Land, welches die Türcken besassen, nachdem sie an. 1037. aus der Tartarey gekommen waren.

Das kleinere Armenien wird heut zu Tage unter den Namen Aladuli begriffen, und steht gantz unter Türckischer Gewalt. Seine Gräntzen sind das Gebürge Antitaurus, die Landschafften Amesien, Caramanien, Türcomannien und Diarbeck, das Mittelländische Meer, die hauptsächlichen Städte darinnen sind Maraz, Savaz und etliche andere, so gemeiniglich in Klein-Asien gesetzet werden. Es wird eigentlich in 2. Theile abgetheilet, davon der nordliche die Beglerbegschafft von Maresch begreiffet, der südliche zu der von Aleppo gehöret.

Das Gebürge Antitaurus gehet mitten durch Armenien von Westen zu Osten, und hat darinnen viele Berge und grosse Thäler, Seen und Wasser-Flüsse. Die Lufft ist daselbst gesund, doch wegen derer Berge etwas kalt. Das Land bringet Korn und Früchte reichlich hervor, nur hat es einen Mangel an Wein. Es giebet auch viel Bolum Armeniumund Amonium, ingleichen Honig, Seide und Silber gegen Servien zu. Die Einwohner des Landes sind gute aufrichtige Leute, machen nicht viel Wesens, und behelffen sich mit wenigen. Viele auch unter ihnen sind geschickt, und treiben in die Europäischen Länder grosse Handlung.

Von denen ältesten Zeiten erkannte es die Könige in Persien vor ihren Oberherren, nachmals brachte solches Alexander M. nebst solchen Reiche an Macedonien, von denen es endlich die Römer bekamen, die aber doch einige Könige ansetzten, wie das Exempel deß Tigranes, des Königes in Ponto Mithridatis sattsam beweiset, welcher denen Römern viel zuschaffen machte, doch sich zuletzt mit ihnen setzte, und ihnen Cappadocien und einen Theil von Syrien abtrat, sich aber mit Groß-Armenien begnügte. Hierinnen folgte ihm sein Sohn Artabazus oder Artavasdes, welchen Marcus Antonius, der Triumvir gefangen nach Egypten führen ließ, und noch schlechter stunden die folgenden Könige. Endlich bemächtigte sich [1535] der Parther König Vonones dieses Landes, mußte es aber unter des Kaysers Tiberii Regierung wieder verlassen. Nach diesen hatten die Armenier unterschiedliche kleine Fürsten, unter Kayser Adriano überwunden, es ihnen erlaubet, wieder einige Könige zu haben.

Wieder Kayser Maximinum, den Verfolger derer Christen, zogen die Armenier unter ihren Fürstn Tiridate an. 312. zu Felde, und erhielten auch manchen Vortheil. Unter Kayser Juliano Apostara ward Arsaces bekannt; nach diesem stunden sie unter denen Kaysern zu Constantinopel, ferner unter dnene Saracenen und Persern, bis sie Selin Türckischer Kayser an. 1515. sich unterwürffig machte. Indessen haben die Perser doch noch immer etwas darinnnen zu sprechen gehabt, biß sie endlich bey der an. 1723. entstandenen Unruhe, völlig daraus vertrieben worden, vielleicht aber wird es ihnen in dem Frieden, der gegenwärtig zwischen der Ottomanischen Pforte und dem Sophi untern Wercke ist wieder restuiret. Strabo I. II. XI. XIII. Herodotus I. 194. V. 49. VII. 73. Plinius VI. 8. 9. Justinus. Plutarchus. Curtius. Suetonius. Tacitus. Eusebius. Josephus. Ant. Jud. I. XV. Nicophorus. S. Nicon. Ep. ad. Encly. in Bibl. PP. Liberat. 10. brev. Vitri Hist. Orient 79. Arcudius Concord. II. Sander. Hear. 118. Baronius. Spondanus. Leonb. Sidon. Haiton. Wilhelmus Tyrius. Raynald. Bzonius. Leonclavius. Miraeus. Petavius. Riccioli. della Valle. Poulet Relation du P. Gabriel de Chinon. Sanson. Baudrand.

Wie der Kayser Justinianus M. Armenien in geistlichen und weltlichen Kriegs- und Friedens-Geschäfften eingerichtet; Warum der Souverain in Armenien Leo den Königl. Titul vom Käyster Henrico VI. an. 1199. auch den Seegen vom Pabste Innocentio III. gesuchet und erhalten, davon hat de Ludeweig in Justiniano M. cap. 8. §. 137. ap. 571 ad p. 582. gehandelt.

Und daß Armenien zur Römischen Kirchen sich bekenne, solches suchet Clem. Galanus, der 12. Jahr deßwegen im Lande gewesen, in seiner Historia Armeniae 1650. fol. zu Rom Armenisch und Lateinisch gedrucket, zu erweisen. Davon der Lateinische Nachdruck zu Cöln heraus kommen 1668. in 8vo.