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Titel: Wieder eine schlechte Oster-Censur!
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aus: Die Gartenlaube, Heft 16, S. 268
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1873
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Die Gartenlaube (1873) b 257.jpg

Wieder eine schlechte Oster-Censur!

[268] Wieder eine schlechte Oster-Censur! (Mit Abbildung. S. S. 257.) „Warte! Ich will Dir die Faulheit anstreichen! Schämst Du Dich nicht vor Deiner Schwester, die wieder eine Eins bekommen hat, und Du, ein Junge, bist ein Nichtskönner und bringst Examenarbeiten voller Kleckse und Flecke? Wer kein Ehrgefühl hat, muß Hiebe haben! Geh’ her, Bürschchen!“

Eine solche schöne Rede wird zur jährlichen Examenzeit schon mancher brave Vater gehalten haben. Aber auch nicht weniger Großmütter oder Tanten hat der liebe Gott zum Schutz der kleinen Sünder geschaffen, die bittend die Hand auf den Arm legen, der, mit dem sonst so friedlicher Bestimmung gewidmeten Lineal bewaffnet, zur Execution schreiten will.

Die Mutter und die vom Vater so schön gelobte, verständig darein schauende Schwester gönnen vielleicht dem allzubeharrlichen Leichtsinn einen angemessenen Denkzettel, wenn sie auch die Bemühung der allzuguten Friedensstifterin nicht ungern sehen. Ganz anders schaut aber das kleine Schwesterchen, des Bruders treue Gespielin, darein: sie verzieht den Mund schon zum Schüppchen, und wenn Papa seinen süßen Liebling vielleicht gar weinen sieht aus Angst vor den Schlägen, die diesem selber am wehesten thun, so ist’s wohl möglich, daß das Lineal seiner ursprünglichen Bestimmung zurückgegeben wird, ehe es im Dienst des väterlichen Zornes für immer schmerzliche Erinnerungen an sein langes, hartes Holz geknüpft hat. Wir wollen für Beide, für den Jungen aus der Furcht vor der gerechten Strafe, und für das gute Schwesterherzchen aus der Begnadigung des Reuigen und Zerknirschten, das Beste hoffen.