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Textdaten
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Autor: Brüder Grimm
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Titel: Wie es um Ludwigs Seele geschaffen war
Untertitel:
aus: Deutsche Sagen, Band 2, S. 339-341
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1818
Verlag: Nicolai
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Erscheinungsort: Berlin
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Originalherkunft:
Quelle: Commons,Google
Kurzbeschreibung:
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Eintrag in der GND: [1]
Bild
Deutsche Sagen (Grimm) V2 359.jpg
Bearbeitungsstand
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[339]
554.
Wie es um Ludwigs Seele geschaffen war.
Bange Bl. 65. 66.

Gerstenberger a. a. O. S. 254 - 257.
Rohte 1686. 1687.


Als nun Ludwig der eiserne gestorben war, da hätte sein Sohn, Ludwig der Milde, gern erfahren von seines Vaters Seele: wie es um die gelegen wäre, gut oder bös. Das vernahm ein Ritter an des Fürsten Hofe, der war arm und hatte einen Bruder, der war ein Pfaffe, und kundig der schwarzen [340] Kunst. Der Ritter sprach zu seinem Bruder: lieber Bruder ich bitte dich, daß du von dem Teufel erfahren wollest, wie es um des eisernen Landgrafen Seele sey? Da sprach der Pfaffe: ich will es gerne thun auf daß euch der neue Herr desto gütlicher handle. Der Pfaffe lud den bösen Geist, und fragte ihn um die Seele. Da antwortete der Teufel: willt du mit mir darfahren, ich weise sie dir. Der Pfaffe wollte das, so ers ohne Schaden thun möchte; der Teufel schwur, daß er ihn gesund wiederbringen würde. Nach diesem saß er auf des Teufels Hals, der führte ihn in kurzer Zeit an die Stätte der Pein. Da sah der Pfaff gar mancherlei Pein, und in mancherlei Weise, davon erbebte er sehr. Da rief ein ander Teufel und sprach: wer ist der, den du hast auf deinem Halse sitzen, bringe ihn auch her? Es ist unser Freund – anwortete jener – dem hab ich geschworen, daß ich ihn nicht letze, sondern daß ich ihm des Landgrafen Seele weise. Zu Hand da wandte der Teufel einen eisernen glühenden Deckel ab von einer Grube, da er aufsaß; und hatte eine ehrne Posaune, die steckte er in die Grube, und blies darein also sehr: daß dem Pfaffen däuchte, die ganze Welt erschölle und erbebete. Und nach einer Weile, als viel Funken und Flammen mit Schwefelgestank ausgingen, kam der Landgraf auch darin gefahren, gab sich dem Pfaffen zu schauen und sprach: sieh, ich bin hier gegenwärtig, ich armer Landgraf, weiland dein Herre; und wollte Gott, daß ichs nie gewesen wäre, [341] so stäte Pein muß ich drum leiden. Sprach der Pfaffe: Herr ich bin zu euch gesandt von eurem Sohne, daß ich ihm sagen sollte, wie’s um euch gethan wäre, ob er euch helfen möchte mit irgend etwas? Da antwortete er: wie es mir geht, hast du wohl gesehn; jedoch solltu wissen, wär’s, daß meine Kinder den Gotteshäusern, Klöstern und andern Leuten ihr Gut wieder gäben, das ich ihnen wider Recht mit Gewalt abgenommen habe, das wäre meiner Seele ein große Hülfe. Da sprach der Pfaffe: sie glauben mir dieser Rede nicht. Da sagte er ihm ein Wahrzeichen, das niemand wüßte, als sie. Und da ward der Landgraf wieder zur Gruben gesenkt, und der Teufel führte den Pfaffen wieder von dannen; der blieb gelb und bleich, daß man ihn kaum erkannte, wiewohl er sein Leben nicht verlor. Da offenbarte er die Worte und Wahrzeichen, die ihm ihr Vater gesaget hatte; aber es ward seiner Seele wenig Nutzen, denn sie wollten das Gut nicht wiederkehren. Darnach übergab der Pfaffe alle seine Lehen, und ward ein Mönch zu Volkeroda.