Allgemeines Deutsches Kommersbuch:140

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Schauenburg:
Allgemeines Deutsches Kommersbuch
Seite 278, 279
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     3. Was uns liebt was wir lieben, drauf, ihr Freunde, leert
das Glas! Ob sie uns vereint geblieben, oder ob sie längst schon drüben
schlafen unterm Friedhofsgras. Was wir liebten, was wir lieben, drauf,
ihr Freunde, leert das Glas!

Joh. Nep. Vogel.



          310.     Lebenslust.     (II. 108.)

     Mäßig bewegt. A. J. Beczwarzowsky.

     1. Weg mit den Gril=len und Sorgen, Brüder, es lacht ja der
Morgen uns in der Ju=gend so schön! Laßt uns die
Be=cher be=krän=zen, laßt bei Ge=sän=gen und
Tän=zen uns durch die Pil=ger=welt gehn,
bis uns Cy=pres=sen umwehn!

     2. Flüchtig verrinnen die Jahre; schnell von der Wiege zur Bahre
trägt uns der Fittich der Zeit. Noch sind die Tage der Rosen; schmei=
chelnde Lüftchen umkosen Busen und Wangen uns heut: Brüder, ge=
nießet die Zeit!

     3. Fröhlich zu wallen durchs Leben, trinken vom Safte der Reben,
heißt uns der Wille des Herrn. Auf denn, ihr fröhlichen Zecher, singt seine
Güte beim Becher! Fröhliche sieht er so gern. Preiset den gütigen Herrn!

     4. Sehet, in Osten und Westen keltert man Trauben zu Festen:
Gott gab zur Freude den Wein! Gott schuf die Mädchen zur Liebe,
pflanzte die seligsten Triebe tief in den Busen uns ein. Liebet, und
trinket den Wein!

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     5. Dräut euch ein Wölkchen von Sorgen, scheucht es durch Hoff=
nung bis morgen! Hoffnung macht alles uns leicht. Hoffnung, du
sollst uns im Leben liebend und tröstend umschweben, und wenn Freund
Hein uns beschleicht, mache den Abschied uns leicht!

A. Mahlmann. 1797.



          311.     Dem Burschentum.

     Singw.: Prinz Eugenius, der edle Ritter ec.

     1. Wenn die Becher fröhlich kreisen, wenn in vollen Sangesweisen
tönt so manches Helden Ruhm, ja, da muß man dich auch singen, muß
auch dir die Becher schwingen, dir, du altes Burschentum.

     2. Fragt ihr, wo die Freiheit wohne? Auf Europas weiter Zone
habt ihr nimmer sie gesehn; nur bei alter, treuer Sitte, in der Bur=
schen froher Mitte mag ihr Tempel noch bestehn.

     3. Froh und frei, wie’s unsre Alten einst zu ihrer Zeit gehalten,
leben wir, so lang es gilt. Freuen uns mit leerer Tasche, wenn uns
nur aus voller Flasche klar der braune Nektar quillt.

     4. Nicht in marmornen Trophäen kann die späte Nachwelt sehen,
was wir Brüder hier gethan; doch zum Denkstein unsern Siegen
häufen wir aus leeren Krügen hohe Pyramiden an.

     5. Mit dem Humpen in der Linken wollen wir dein Wohlsein
trinken, altes, frohes Burschentum; mit dem Hieber in der Rechten
wollen wir dich kühn verfechten, freies, tapfres Burschentum.

W. Hauff.


          312.     Die Jugend hat recht.     (I. 161.)

     Heiter. Franz Gretscher. 1885.

     1. Wenn Fla=schen uns win=ken, gleich sind wir da=bei und
schen=ken und trin=ken gleich je=der für zwei. Doch
nicht aus dem Wei=ne er=wächst unsre Lust, die Freude, die
rei=ne, ent=steigt uns=rer Brust, die Freu=de, die