Wellington, Napoleon und Blücher

Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Wellington, Napoleon und Blücher
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 12, S. 132
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1853
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[132]
Blätter und Blüthen.

Wellington, Napoleon und Blücher. Der selige General von Müffling erzählt in seinen Denkwürdigkeiten. „Während des Marsches (nach der Schlacht bei Waterloo) hatte Blücher einst die Aussicht, Napoleon gefangen zu nehmen, wonach er auch recht sehr strebte. Den französischen Bevollmächtigten, welche zu ihm gesandt wurden, um einen Waffenstillstand mit ihm zu unterhandeln, stellte er sogleich die Bedingung, Napoleon auszuliefern. Ich wurde von Blücher beauftragt, dem Herzog von Wellington vorzustellen, daß der Wiener Congreß Napoleon für vogelfrei erklärt habe und daß er entschlossen sei, ihn niederschießen zu lassen, sobald er ihm in die Hände falle. Dennoch wünsche er zu wissen, was der Herzog von der Sache denke, denn wenn er (der Herzog) dieselbe Ansicht habe, so würden sie zusammen auf die Erreichung des Zieles hinarbeiten können. Der Herzog sah mich erstaunt an und begann die Richtigkeit der Erklärung, welche sich der Marschall von der Wiener Proklamation mache, zu bestreiten, weil dieselbe durchaus nicht bezwecken könne, zu einem Morde Napoleon’s zu berechtigen oder anzureizen; er meine daher, daß man aus dem erwähnten Document kein Recht entwickeln könne, Napoleon todtzuschießen, falls er zum Gefangenen gemacht werden sollte, auch halte er seine Stellung und die des Marschalls seit dem gewonnenen Siege für eine zu hohe, als daß sie sich eine solche Handlung erlauben dürften. – Ich hatte die Kraft aller Argumente des Herzogs gefühlt, bevor ich die Botschaft überlieferte, welche ich sehr ungern übernommen hatte, daher ich auch nicht geneigt war, dem Herzog zu widersprechen. „Ich wünsche daher,“ fuhr der Herzog fort, „daß mein Freund und College die Sache so ansehen möchte, wie ich es thue; ein solcher Act würde unsere Namen mit Verbrechen befleckt der Geschichte überliefern, und die Nachwelt würde von uns sagen, daß wir nicht werth gewesen wären, Napoleon’s Sieger zu sein. Außerdem würde eine solche That nutzlos sein und kann keinen Zweck haben.“ Ich benutzte von diesen Ausdrücken nur so viel, wie nöthig war, um Blücher von seinem Vorhaben abzubringen.“

Müssling hat in dem Anhange zu seinen Denkwürdigkeiten drei Depeschen mitgetheilt, in denen Blücher den Herzog von Wellington zur Hinrichtung Napoleon’s zu vermögen suchte. Diese Depeschen sind von Gneisenau unterzeichnet und lassen keinen Zweifel, daß man das im Kriege vergossene Blut an der Ursache desselben rächen wollte, wäre diese in die Hände des preußischen Befehlshabers gefallen. Es war Blücher’s fixe Idee, daß der Kaiser an derselben Stelle hingerichtet werde müsse, wo der Herzog von Enghien seinen Tod erhalten hatte. Die letzte Depesche wirft dem Herzog von Wellington vor, eine „romanhafte Großmuth“ vor, welche man im preußischen Hauptquartier nicht begreifen könne. – Wahrscheinlich ist es nur wenigen Franzosen bekannt, daß Napoleon’s Leben mit vieler Mühe von dem Nebenbuhler desselben erhalten wurde.