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Weiler Schwesternbuch

Textdaten
Autor: Dominikanerin aus dem Kloster Weiler bei Esslingen
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Titel: Weiler Schwesternbuch
Untertitel:
aus: Staatsbibliothek München, Cgm 750 (geschrieben 1454 von Anna Ebin im Kloster Pillenreuth) als Leithandschrift, Blatt 59r-78v
Herausgeber: Karl Bihlmeyer
Auflage:
Entstehungsdatum: 1350
Erscheinungsdatum: 1916
Verlag: Vorlage:none
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Erscheinungsort:
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Karl Bihlmeyer: Mystisches Leben in dem Dominikanerinnenkloster Weiler bei Eßlingen im 13. und 14. Jahrhundert. In: Württembergische Vierteljahrshefte für Landesgeschichte N.F. 25 (1916), S. 61-93 Internet Archive

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Kurzbeschreibung: Gnadenleben der Dominikanerinnen des Klosters Weiler
Siehe auch Schwesternbücher
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[68]

[59r] In nomine Domini Amen. Prologus.

Vahe ich an etwaz zu schreyben von den heiligen swestern, dy gewesen seyn zu Weyler in dem closter prediger ordens, die von irer demut sich also verporgen haben und auch von unser seẅmikait vergeßen ist, daz wir von vil und großen genaden, die yn got hat getan, wenig künnen gesagen.

I. Eyn heilige swester hetten wir, die hieß swester Elyzabeth von Weyler und waz geporn von Eßlingen. Dy waz fünf jar alt, daz sie kom in daz closter. Und zehant vinge unser herr an mit ir mit seiner genad und enzündet ir hertz und all ir begird also mit seiner mynn, daz ir gemüt und all ir sinn alz gar auf gezogen waren in got, daz sie sprach: „ich weiß paz, waz man tut und wie ez gestalt ist in dem himel, denn zu Weyler in dem closter“. Die heiligen wonten alz heimlich mit ir: so sie von einer swester, die ir pflag, waz geleyt in ein pett, so dy selb swester denn kom in den kor, so [59v] vand siz denn vor ir, daz sie dar getragen waz von den engeln, alz sie ir verjah.

Ir schawen waz auch so hoch und durchgoßen mit gnaden, daz sie dick lag ein gantzen tag, zwen oder drey, daz sie kein verstantnüß hete der außern sinne. Da sie zu eim mal lage in sölcher genad, da kom ein edle fraw zu dem kloster, dy wolt nicht gelawben, daz sie von genaden dar zu kumen wer, daz sie sich nit verstünde; und ging dar und stecket ir ein nadel in die versen piß an daz öre, daz sie sein nie enpfand von prynender minn. Da enpfing sie auch und ward ir ein gedrücket von got daz zeichen, daz ym ging durch sein seyten, also daz ein offene wunden erschein an irem hertzen. Oft so sie kom in einen ernst oder so sie in dem chor stund und sang, so außwyl von der wunden frisch plut piß auf dy erden. Daz ward denn von den swestern auf gehebt an neẅe tücher, die ez von andaht langzeit behilten rosenvarb und wolsmecket. Ir hertz ward auch gesehen von wolgelerten predigern an irem tode; die sprachen, daz [60r] ez ein bewert zeichen were.

Ein ander zeichen het sie auch an dem freitag üm nonzeit, alz ir denn [69] unsers herren leyden alz ser ze hertzen ging, daz ir daz plut zu dem mund außwil, daz da von ward gefüllet ein messiges pecke, daz man ir dar habt. Und dar an behilt sie ez alz eben üm dy zeit, alz unser herr starb am creẅtz, daz man sich mer dar nach richtet, das denn rechte nonzeit were, denn nach dem horologium. Sie erkant auch, in welher wirdickait die swester waren und wenn sich got mit yn vereinet, so sie ging zu seinem h. leichnam.

II. Eyn ander heilige swester heten wir, die hieß swester Elizabeth von Eslingen. Dy waz alz gar prinnet in gotez mynn, daz sie dick von einem einigen wort, daz sie von got hört sprechen, dar zu kom, daz sie keyn verstantnüß hete der außern sinn. Wenn sie in der selben gnad lag, so waz sie alz gar durchgoßen mit gnaden, daz ir antlütz ward plüend alz ein rose. So sie wider kom, so moht sie sich nicht enthalten, sie sprech daz wort: „ich bin gotz vol“. [60v] So dy genad alz emßige an ir waz, so ward sie oft alz kranck, daz sie zu pette must ligen. Eins mals lag sie vier wochen also, da sant man ir waßer zu einem meister, einem weisen artzt, daz er ir etwaz riet, daz sie wider gewunne ir kräft. Da sprach er: „ich erkenn kein andern sichtagen hie, denn ein senunge der sinne und dez hertzen und daz mit einem außzyhen der kreft; wer sie in der werlt, so sprech ich, daz sie etwen so lieb hete, da von sie zu solcher krankeit wer kumen“. Da sprach der pot: „so muß ez nach got sein, wann anders so libet sie nymant mer. Da sprach der artzt: „so wol sie, daz sie ye geporn ward, und mach mich got teilhaftig irs sichtagen!“

Ein andehtige swester, dy ir heimlich waz, dy pat sie, daz sie ir etwaz sagt von ir andacht. Da sie daz nicht wolt tun, da begert sie von got, daz er ir [70] etwaz geb zu erkennen von der swester. Da sie dez het gepeten, da kom sie zu ir und sprach: „sieh, nu hat got erhört mein gepet, deiner genad ist also und [61r] also.“ Da sie daz hört, da ward sie alz ser betrübt, daz sie sprach: „ach, herr got, wie het ich dir dez so wenig getrawet, daz mein heimlikait, dy so verporgen zwischen dir und mir ist gewesen, ymant hetest geöffent.“ Zehant benams got der swester alz gar, daz sie hin wider kom und sprach: „werlichen, ich weiß nichtz von dir.“

Bin leßmeister von prediger orden, der pracht sie dar zu, daz sie mit ym rett von got, mit der weis, daz er ir sagt, er wolt ir die genad bewern mit der schryft. Der sprach: „ez sein die höhsten dinck, mit den dise sel üm get, die ich von menschen ie gehört.“

Da sie priorinne waz, so sie denn capitel solt haben, oder waz sie anders sölt tun, daz must man dick varen laßen, also daz sie von genaden dar zu kom, daz sie kein wandel moht gehaben.

Da sie sich lag und schir sterben sölt, da hörten die swester, dy vor ir waren, daz sie bey ir selber sprach die wort sancti Pauli: bonum certamen certavi, cursum consumavi, fidem servavi etc., ich han gestriten ein [61v] guten streyt, ich han verendet den lauff, ich han behalden den glauben, mir ist behalden dy ewig kron.

III. Auch hetten wir ein heilige swester, dy hieß swester Mechtilt von Hundersingen, die waz ein schöner junger mensch, da sie got enzündet mit seiner lib und ir hertz durchgoß mit seinen gnaden und ir vil gütlichs trostez erzeigt. Etwen erscheyn er ir alz ein allerschönestez kint und spilet vor ir mit seinen henden und mit der allerzertlichsten geperd.

Zu einem mal het sie enpfangen unsers herren leichnam, und da sie dar nach lag und ruet, da sach sie in ir selber alz ein lawter cristalle, die durchleẅht waz alz mit der sunnen schein. Und da ward ir zerkennen geben, daz dy cristall wer ir reine sel und daz klar liht unsers herren leichnam, den sie het enpfangen.

Zu einem andern mal het sie auch enpfangen unsers herren leichnam, da ward allez ir hertz alz gar enzündet und allez ir plut ze wallen und gesammet, [71] alz ob ez begert zu berüren den götlichen leichnam, alz man auch list von dem Jordan, da unser herr inne getauffet ward.

[62r] Sie enpfand auch emßiklichen, so dy wandlung geschach in der meß, ein so kreftig würckung von genaden, daz sie etwen, so sie sich sölt halten nach dem orden, hyn ab gekert gegen der heilikait an allez ir zutun. Und etwen, so sie küstrin waz und daz selb enpfinden het, so zucket sie und leẅtet, e daz man unsern herrn hube.

Sie hört zu einem mal predigen, daz daz plut unseres herren sich nicht als mynniklich und alz andechtiklich vereinet mit einem reẅigen hertzen alz mit einer megde sei. Da von kom sie in großen jamer, wann sie in der werlt waz gewesen. Da tröst sie unser herr und sprach zu ir: „ich wil dich reinigen mit meinem rosenvarben plut und alz lawter machen, alz da du auß der tawff kömde, und wil dich zyren und krönen mit mein selbs magtum“.

Großen sichtagen leyd sie mit großer gedult, daz wir ez nit wol an ir gesehen mohten. Und sprachen etwen: „wez zeyhet dich unser herr?“, so sprach sie mit gütlichem und lachendem antlütz: „ich leyd ez gar gern, wann ez ist mir nütz.“ Da sie zu eim mal also sich waz an unser frawen tag Annunciatio, da must man sie zudem chor füren und da saß sie auf küssen. Und da man in der antiffen hec est dies dy wort sang: hodie Deus homo factus, [62v] da enpfant sie alz eins starken twinges von genaden, daz sie an alle hilf sich auf hube und stund auf ir füß und tyeff geneyget gegen der erden, daz sie unserm hern also danck sagt mit hertzen und mit leyb. Dar nach setzet sie dy selb genad wider nider in irr kraft an all ir hilf.

Zu einem mal saß sie bey den swestern in einer leczen, da enpfand sie alz großer genaden, daz sie gedacht: ich sol mich selber nit irren. Zehant stund sie auf und ging zu irem pette. Da wurden ir sinn ein gezogen und sahe in ir selber daz allerschönst licht. Da ward zu ir gesprochen: „daz liht ist die [72] klar gothait.“ In diser genad kom ir sel in sölch vereinunge und nißen gotez, daz sie sprach, daz sie nie höher noch got neher köm.

Zu einem mal an dem hohen antlaztag nach der mandat, da sie bey dem convent saß zu der collacion und in großer andaht waz, da sah sie mit den innern augen unsern herren, alz er dez selben nahtes ging zu dem tod. Die gesicht waz also ploß, daz sie sagt all sein forme, daz er bekleydet waz mit eim prawnrotvarben rocke und daz sein antlütz so mynniklich were [63r] und dar zu so sörglich gestalt, daz sie kom in so großen jamer und begird, daz sie mit großer stymm schreyend ward und daz sie sprach dar nach: und sölt sie yn ichtzit lenger also gesehen haben, ez müst ir tot gewesen sein.

Da sie sich lag vor irm tode wol drey tag, da wir sie wolten ze einem mal üm keren, da sahen wir an ir seyten gegen dem hertzen ein rosenvarbes mal wol an der preyten alz ein hant, daz wir alle derschracken und sprachen: „waz mag daz anders gesein denn daz zeichen unsers herren?“

IV. Dise ward von got geleicht der pynen.

Ein selige swester heten wir, die hieß swester Wila. Die waz ein junges kint, da sie kom in daz closter, und alles ir leben vertreib sie in prinnender andaht gen got mit großem fleiß und ernst zu halten den orden, und got tet ir groß genad und vil offenwarung.

Zu einem male dez nachtes da ging sie auf dem dormitorium irre, wann die licht waren derloschen. Da kom unser herr Jesus Christus ein allerwunniklichstez kint, und waz ob seinem hawbt der allerschönst stern, der leẅhtet ir piß zu dem pette. [63v] Und daz kindlein ging unter den mantel in ir arme und saß auf ir schoß und hetten große freẅde mit einander.

Zu einem mal sang man meß in dem chor. Da man zu der stillmeß kom, da sach sie unsern herren mit leiplichen augen in den henden dez pristers, und ging von seinem antlütz ein schein, der drang durch ir sel. Und in dem selben liecht da vereinet sich got alz gar mit ir, daz sie recht derfüllet ward mit götlicher süßikeit.

Zu einem mal nach einer conplet, da waz sie in großer andacht, da kom [73] ein großer regen, daz recht ein pach in dem creẅtzgang ward flissen. Dez het sie nit gemerckt, und da sie gen wolt auß dem chor, da viel sie in daz waßer, daz ez ob ir zesammen slug. Du eylten die swester, dy da waren, und huben sie auf, daz sie all naß wurden und unfletig, und beleib sie sawber, daz sie nie naß ward.

Einen sweren sichtagen, die waßersucht, het sie also lang, daz sie zu pett lag, und an sant Nycolaustag ward sie alz krank, daz der convent nicht wolt eßen, daz sie vorchten, daz sie an sy stürbe. Da ez eßen[64r]zeit ward, da kom unser herr und durchgoß ir hertz und ir sel alz gar mit gnaden, daz der leyp auch krafft enpfing und daz sich dy geswulst nider ließ und daz sie gentzlich gesunt ward. Zehant stund sie auf und ging in den chor und wolt unserm herren dancken. Da kom der convent von dem tysch und hetten wunder, daz siz dar inne funden. Da sprach sie: „war zu wundert ir eẅch? Der mich sich machet, der kond mich auch gesunt machen, da er wold.“

V. Wir heten ein heilige swester, die hieß swester Heiltrawt von Bernhawsen. Mit der ving unser herr an mit seiner genad, da sie dennoch in der werlt waz, in der sie einem mann waz geben, der sie vil irret an gnaden und an guten wercken.

Zu einem mal wolt sie zu der kyrchen gen, da bekom ir ein arme fraw, die pat sie dez almusen in unser frawen er. Da sie da nichtz het ir zu geben, da zoch sie ein seydein sleyer ab von irm hawbt und gab ir daz. Zehant da kom der man zu gent [64v] und het ez gesehen. Da erschrack sie ser, wann sie vorcht seinen zorn. Da er da kom in daz hawß, da erschein ym unser fraw und het auf irm hawbt den slaier, den sie der armen frawen gab, und sprach zu dem man: „hie mit hat mich bedeckt dein erberge hawßfraw.“ Da ward sein hertz gekert in ein senftmütikait, daz er zu dem mal nicht erzürnet.

Da sie kom in unser closter, da vertreyb sie ir leben in so grosser andacht, daz alle, dy üm sie waren, ir stimm hörten. Man bekümert sie vil mit ampten, wann sie ein weiser, und richtiger mensch waz. So man denn noch ir kom, so sie kelnerin waz, daz sie ging und verrichtet ir ampt, so sprach sie: „ach herr [74] got, nu wer ich gern bey dir, so muß ich mich durch gehorsam von dir scheyden.“ So sie denn hin wider kom an ir gepet, so enpfant sie alz kreftiges würcken der gnaden und der großen süßikait dez götlichen einflußes, daz ir ein sicher beizeichen ward gegeben, daz er ir an der stat gebeytet het, biß daz sie geleistet het ir gehorsam.

Zu einem mal waz sie unmüssig in der [65r] kuchen, da wold sie ein licht enzünden an dem feẅer und west von übriger genad nicht, waz sie tet, und stieß ez an den prunnen, da pran ez wider dy nature.

Zu einen weihnachten in der heiligen cristnacht, da lag sie an irem pett, da kom ein ander heilig swester, dy ir heimlich waz, zu ir und sprach: „wez ligestu talang hie? Ste auf, der sun ist geporn!“ Da sprach sie: „wiltu mir daz erst sagen? Ich han yn heint lang hie an meinem arm gehabet.“

Zu eim mal an dem auffartabend, da waz sie in großem jamer und begird nach got und ging an ein stat, da dy swester pflagen heymlich zu peten in unserm alten capitel. Da hört sie, daz man einer swester, der warn ir freẅnd ferre geseßen, sagt, daz ir swester kumen wer zu dem kloster. Die ward also fro, daz sie sprach: „wol mich, ist mein swester, dy hertzenlib kumen!“ Da sprach sie: „ach, so wirt aber mein hertzenliber herre varn von mir!“ Und mit den selben worten da ward ir jamer und ir smertz also groß, daz ir hertz auf stieß und daz ir ein rypp prach, daz ez alle die üm sie warn hörten mit [65v] irn orn. Und den pruch must sie haben an irem hertzen biß an iren tod.

Sie het auch gar lip den ewangelisten sant Johannes. Eines tagz waz sie vereinet in dem chor, da erschein er ir alz gar schöne und minniklich und waz angelegt mit himelvarben kleydern und het ein güldein fürspang vorn an seim hertzen. Da ward ir zu versten geben, daz dy plaben kleyder bezeichent sein himelisch ler und daz fürspang dy götlich mynn, dy sein hertz alz gar enzündet het. Da erzeigten auch dy puchstaben, dy also dar inn ergraben waren, caritas Dei. Und stund vor ir alz gar mynniklichen und fürt an seiner hant das allerwunniklichst kint, unsern herren Jesum Christum, und mit der andern hant zeyget er an daz kint und sprach zu ir: „du solt dein hertz und dein mynn legen an disen schöpfer und nicht an die geschöpfde.“

VI. Ein außerwelte heilige swester heten wir, dy hieß swester Guta Jüngin, der tete got große gnad und vil gutez.

Zu einem mal an der [66r] hochzeit der aposteln Symonis und Jude waz sie in großer andacht und ernst gegen got. Also an dem morgen dez selben [75] tagez, da sie waz an irem gepet, da ward sie gezucket in ein jubel irs gemutez und unverstent, daz sie got ward zu gefüget in einem licht an dy pildung aller ding, und erkant, daz sie alz volkumenlichen vereinet ward mit got und er mit ir, alz sie getrawet, daz sie yn sölt haben in dem ewigen leben. Und da sahe sie dy pyldunge aller ding in got und wie dy geschepfde zu ir waren gefüget zu der gothait. Sie sah auch mit einer angesicht alle dy werlt und dauht sy, sie sehe ferren ein klein schifflein in vil waßern: also wer alle dise werlt gegen der großen gothait, mit der sie waz ümvangen.

Dar nach ward sie gefürt zu dem grab unsers herren, daz sie oft begirlich het begert zu sehen. Und da sie da solt dinen und mercken fleissiklich alle sein gestalt, wie ez waz gemacht in den ersten tagen [66v] und auch itzunt, [und] da ward zu ir gesprochen: „daz ist daz grab, in dem dein herre lag begraben.“

Dar nach als sie langzeit het begert, da man meß het, sahe sie unsern herren in den henden des pristers ein unredend kind. In der selben stund, dy weil er dennoch waz in dez pristers henden, da sahe sie yn alz einen gewaltigen künig reychsen in dem himel. Da sie wider zu ir selber kom, da lag sie recht alz an sel; und da sie gedacht, waz ir geschehen waz, moht sie sich nit enthalten, sie prech auß mit lawter stimm. Da ward zu ir gesprochen: „du solt dich nicht wundern, du warst dem vereinet, von dem allen meistern gepristet zu reden.“

Zu eim andern mal waz sie in großer beswerung üm ir sünd, von den sie vorcht, daz sich unsers herren blut alz heimlichen nicht vereinen möht mit ir als sie begert. Da von gedacht sie, wie sy unsern herrn möht volpessern, daz sie getan het wider in, und daz sie ir selber wolt ab prechen von ir leiplicher notturft, waz si möht; und begert zu wißen, ob sie geleiden möcht durch got alz vil, alz die [67r] heiligen haben getan. Dar zu pant sie sich alz vil, daz sie ir selber dy hend ward ab eßen mit iren zenen und daz sy die kaum mit aller kraft moht gezihen von irem mund. Dar nach sach sie den leichnam unsers herren in ir sel, alz er ist in der oblaten auf dem alter; zehant sach sie yn an dem creẅtz hangen zwischen den schachern mit jemerlicher varbe seins antlützes.

[76] Dar nach sahe sie den himel offen und sah unsern herrn Jesum Christum nach der menschhait alz einen strengen richter und vesten, da etliche gericht geschehen warn und auch etliche geschahen. An der selben stund da sach sie in ir sel alz ein senftmütiges lamp, und ward ir pracht daz plut unsers hern und ward mit ir vereinet mit großer begird und heymlikait, daz sie da von enpfing solch kraft, die ir beleib entpfintlich in ir sel untz an irn tot.

Zu einer andern zeit da begert sie mit großer andacht zu sehen daz begirlich antlütz unsers hern, alz er ez selber trücket in ein tuch, und schetzet die frawen gar selig, dy daz het verdinet von ym zu enpfahen. An der sel[67v]ben zeit da verstund sie dy gegenwürtikait eines engels, der rett mit ir alz ein mensch mit dem andern und sprach: „got der will heẅt wunder mit dir tun.“ Zehant da schid er von ir. Dez selben tagez, da sie waz an irm gepet zu vesperzeit, da sahe sie ein klars licht und enpfand, daz sie got het ümvangen an sel und an leib. Und sach in sich selbs und sahe, daz ir hertz und ir gemüt und ir geyst ward auf getan, und daz antlütz unsers herren ward scheinen in ir sel. Und da ward gesprochen zu ir: „daz ist mein antlütz, nicht daz Veronica enpfing, sunder mein wares und götliches antlütz, daz ewiklich beleiben sol in deiner sel.“ Und des enpfing sie ein sicher pfant, daz ir daz selb antlütz dar nach oft ward erzeiget mit widerscheinen in ir sel.

Ir leiplicher pruder ward jemerlich ze tod erslagen. Da von ward sie gar betrübt gegen got, daz er verhenget het, daz er an die heilikait der cristenhait tot waz. Da erschein ir unser herr Jesus und stund für sie und sprach: „ich will meiner gothait vergeßen und wil ein menschlich [68r] dinck tun und wil dich piten, daz du ez varn lassest; ich wil dich sein ergetzen mit mir selber und an seiner sel.“

VII. Dise vorgeschribene swester het auch swestertöhter in unserm closter, der hieß eine Irnburch und die ander Katherina, die waren beyde unmessige andehtige menschen.

Zu der einen sprachen wir zu einem mal: „libe Katherina, wiltu, du und dein swester uns nichtznit sagen, da von wir getröstet werden?“ Da sprach sie: „ja, ich wil eẅch eins sagen. An einem morgen frü ging ich in den chor, da sah ich vor dem altar sten ein grünen blüenden pawm, der waz vol edeler frücht. Da ward mein hertz und sin auf gezogen und ward mir zu versten geben, daz der pawm wer daz creẅtz und sein frucht wer der leichnam und daz plut unsers herren; und ward mein hertz wunderlich geziret mit der süßikeit der frucht, als geschriben stet: ascendam ad palmam et aprehendam fructus eius.

[77] VIII. Dise swester ward von got geleicht dem morgenstern.

Ein heilige swester hetten wir, die hieß swester Mechtilt Büg[68v]lin, die waz alz gar strengs lebens, daz man sie nymmer sahe gesitzen in dem chor und selten sitzen in dem werkhawß. Da sie alz gar alt und kranck ward, daz sie kawm gesah, da must man sie füren in den reventer. Etwen ward sie alz gar andehtig, daz sie von irem stul, recht alz ob sie tantzet, für den altar ging und sprach: „dy brinnenden Seraphin und Cherubin die sten vor got und singen und springen und jubiliren, mit den sölt wir uns freẅen und got loben.“ Man möht wunder von ir schreyben, sie hilt ez aber gar verporgen in ir selber.

IX. Aber heten wir ain heilige swester, die hieß Adelheid von Weiblingen. Die waz in der werlt wol ein jar bey einem emann, von dem kom sie ein reine magt.

Zu einem mal saz sie bey irem pett, da hört sie ein stimm die sprach: „du solt in den chor gen.“ Da sie da hin ein kom, da sahe sie unsern herrn hoch sweben ob dem altar. Zehant da ward sie auf gezogen an daz creẅtz und süßlich ward sie ümgeben von got an sel und an leib, und sprach zu ir: „ich will allweg mit dir sein und du mit mir, und [69r] will mich von dir nymmer gescheyden.“

Zu einem mal ward sie alz andechtig ob dez conventz tysch, daz sie lang dar nach lag in grossem ernst. Da man sie fraget, wo von ir dy andacht wer kumen, da sprach sie: von dem tyschelesen, daz sie doch von kranckait ir augen nye nichtz gelert ward.

X. Swester Geysela von Grüningen, dy unser priorin waz lange [78] zeit, die waz gar andechtig und geübet an allen tugenden, und großen ernst het sie zu behalten den orden an ir selber und auch uns dar zu zu bringen.

Die sahe in einem advent, da man sang die antiphen: o virgo virginum, unser frawen sten vor den altar. Da man an dy wort kome: filie Jerusalem, du zeygt sie dem convent irn leip, der groß gotez swanger waz, und sie sprach, alz die wort sprechen: „filie Jerusalem, quid me admiramini? Divinum est misterium hoc quod cernitis. Ir töhter von Jerusalem, wez wundert ir eẅch? Ez ist ein götlich heilikait, daz ir sehet an mir“.

Nach irm tod kürtzlich da waz ein heilige swester an irm gepet, die hört ob ir daz allersüßest gesanck. Zehant sah sie eine von [69v] unsern swestern vor ir sten, dy sprach: „hörestu daz gesanck? Daz sing wir den swestern, die von disem convent gescheyden sein, und sein in sunderlicher wirdikait und großer er vor got.“ Da sprach sie: „ist aber swester Geysela von Grüningen, unser priorin, iht pey eẅch?“ Da sprach sie: „sölt dy niht bey uns sein?“ Und sprach do daz wort von ir, daz sant Paulus spricht von ym selber: plus omnibus laboravi, ich han mer gearbeit denn die andern.

XI–XII. Mer het wir ein heilige swester, die hieß swester Berhta von Halvingen. Die lag zu einem mal in einer messe vor dem chor an irem gepet, da sahe sie mit den innern augen ein grab einer heiligen frawen, die hieß swester Elyzabeth von Urbach, offen stan und daz ir leichnam dar inne lag als lawter alz ein cristall. Da gedaht sie: wie mag daz gesein, daz ich vor mir sihe und doch daz hinder mir ist? Zehant da kert sie sich üm und sah ez mit den leiplichen augen auch und hort ein stimm die sprach: „ez ist [79] von dem ringen, [70r] daz sie tet nach unsers hern plut; da von ist sie zu alz großer lawtrikait kumen mit andern selen.“

XIII. Auch unter den selben swestern waz swester Agnes von Velberg. Da dy ein kint waz und man sie solt enpfahen in daz closter, da waz ein swester an irem gepet in der untervalle vor der mess, dy höret daz allersüßest gesanck ob dem chor. Da sie wundert, waz daz wer, da sprach ein stimm: „ez sein dy heiligen engel, die peyten, daz man got heẅt hie will gemeheln ein wirdige gemaheln.“

Allez ir leben vertreib sie in alz großer andacht, daz sie teglich unsers hern leichnam geistlich enpfing, zuletzt auch alle suntag sacramentlich enpfing.

Vor irm tod kürtzlichen erschein ir unser herr Jesus Christus und zeiget ir sein fünf wunden und ladet sie süßlichen zu seinen ewigen freẅden.

XIV. Wir hetten auch ein heilige swester, dy hiß Elizabeth Gebyn, die waz ein spigel aller tugent und aller heilikait. Zu einem mal paten wir sie, daz sie uns etwaz gutz sagt. Da sprach sie: „von genaden weiß ich nit, von großen leyden kan ich eẅch wol sagen. Da ich ein junger mensch waz, [70v] da vorcht ich, daz man mich bekümert mit einem ampt und pat unsern hern, daz er mir geb einen sichtagen, der mich beschirmet vor unrwn. Dar nach ging ich zehant in mein pett. Da kom mich an diser sichtag, den ir an mir sehet, der mir alletag tut denn allein an dem suntag und an den hochzeitlichen tagen, so han ich rwue“.

Da sie schir sterben solt, da sahe ein swester ein gesicht von ir in einem slaff, daz waz gar geleich der warhait irs lebens. Sie dawht, wie sie wer in einem schönen hohen hawß. Da sahe sie, daz dise swester vorn auf an einer slehten want zu einem venster ein ging in daz selb hauß. Da sprach sie: „owe Elyzabeth, war üm tustu dir selber so großen twanck, daz du nicht den rechten weg geest in diß hawß?“ Da sprach sie: „regnum celorum vim patitur, du must mit großer arbeyt zu himel komen“.

XV. Da hetten wir mer ein heilige swester, die hieß swester Guta von Hohenheim. Die sach unsern hern am ostertag in der majestat, alz er waz auferstanden von dem tode, und het rote kleider [71r] an und het ein roten vannen in seiner rechten hant und ein schein ging von seinem antlütz, der erleẅhtet alle werlt, alz sant Johannes von ym schreybet, daz sein antlütz [80] leẅhtet alz dy sunne in ir größten kraft, in apocalypsi: sicut sol in virtute sua lucet. Von diser gesicht ward ir gemüt wunderlichen auf gezogen in got und ir hertz enzündet in seiner mynn.

Da sie kom in unser closter, da ward sie widerzogen von iren prüdern, die mohten sich nie gar beraten, waz sie mit ir tun wolden. Itzunt so wolden sy sie geben in die werlt, denn so wolden siz tun in daz spital; und daz allez waz ir nichtz, sunder sie wer gern kumen in ein besloßen closter. Dar üm tete sie vil gepetz, daz ir daz zu ging. Da sie sich also eins nachtez nach irm gepet het gelegt an ir pett, da sahe sie in dem slaffe, daz der allerschönst herr kom von dem himel her ab, der waz an gelegt mit eim güldein kormantel und waz ümgeben mit dem allerclersten liht. Der stund für sie und sprach: „du solt mein sein, ich wil dich nymant laßen.“ Dar nach wolt er von ir scheiden. [71v] Da viel sie ym nach für daz pett, und da sah sie yn mit leiplichen augen wider gen himel varn und höret mit leiplichen oren ein stimm, dy sprach: „ez ist sanctus Dominicus!“ Und daz liht und der gut smack bleyb in der kamer lange. Dar nach inner dreyen tagen da ward sie auf genumen und enpfangen in unser closter.

XVI. Swester Elyzabeth von Frawenwerck, die waz ein andechtiges mensch. Die het unsern herren fleißiklich gepethen zu einem mal nach einer metten üm dy arbeit, die von urleẅge waz in unserm lande. Dar nach [81] ging sie an ir pette. E daz sie entsliff, wurden ir sinn ein gezogen und sahe daz allerschönest licht in ir selber, und in dem licht da sach sie got und ir sel und alle geschöpfe in ym, und wie die leẅt wandelten und an welhen enden auf dem velde, und hört, daz unser herr sprach: „nu luge, wie sol ich mich erbarmen über die menschen, wie sie bekümert sein mit in selber und wie gar sie mein vergeßen haben?“ Da gedacht sie: owe, nu bin ich auch bekümert mit mir selber. Da entschuldiget sie got gar genediklichen und sprach: [72r] „du tust ez nit von geytikait, sunder von miltikait und durch ander leẅt willen, mer denn durch dich selber.“

XVII. Swester Irmengart von Dürenheim waz ein andechtiger mensch. Die sah in einer messe unsern herrn in den henden dez pristers alz ein kleinez kindlein. Da pot sie ir hende zu ym und sprach: „ach herr, nu weistu wol, daz ich vesten gelauben hab; war üm zeygestu diß nicht einem menschen, der bedörfft, daz sein gelawb da von gestercket würde?“

XVIII. Ein swester hieß Leẅgart von Hawsen, dy waz ein heiliger mensch. Die waz an einem cristtag under der cristmeß hinder dem alter an ir andaht, und in der stillmeß kloppfet eins an dy want und gab ir ein zeichen, daz man unsern herren hübe. Da stund sie auf und sahe in den henden des pristers die oblaten als preyt als ein schüsel und mitten dar innen ein weisses kindlein, daz beweget hende und füße und alle seine gelider zusammen.

XIX. Swester Margaretha von Helbeünen, die ein andehtiger mensch waz, die solt zu einem mal an dem karfreytag di[72v]nen an der porten. Dar nach, daz man geleit daz creẅtz, da sprach sie: „owe herr, nu [82] wer ich gern bey dir, so muß ich mich von dir scheiden!“ Da sie da ging zu der tür auß von dem creẅtzgang, da bekom ir ein man gegen ir geende. Da gedacht sie: ach herre, wanne kümet diser man in daz closter? Zehant da erzeiget er ir sein fünf wunden und dancket ir ir gehorsam. Da bekant sie doch wol, wer er waz.

XX. Ein ander swester sölt auch dinen an der porten, dy ging in daz werckhawß und sucht ein swester von den, dy zu werck saßen. Dy sahe, daz ir antlütz leẅhtet alz dy sunn. Da bekant sie, daz es von ir gehorsam waz, und tet, alz ob sie etwaz wolt auf heben, und viel auf ire kny für sie.

XXI. Aber ein swester solt hüten an der porten unter einer mess, und unter der stillmess ging sie für den kor, daz sie der heilikait dest neher wer. Da hört sie, daz die engel ob dem chor sungen mit dem convent daz Sanctus, und machten daz allersüsest gedön mit iren stimmen und ein klingen mit iren vetachen.

[73r] XXII. Swester Gerdrawt von Perge, die unser singerin waz, die dinet got mit großer andacht langzeit. Die mocht vor andaht und vor freẅden an der heiligen cristnaht nit entslaffen. Üm mittenacht da hört sie ein stimme, die sprach überlawt: „diß ist dy stund, in der got geborn ward“. Da viel sie für daz pette an ir lange venie und danket got.


Unser herr der tete auch vil leẅten außen und innen groß genad und offenwarung von dem convent gemeincklichen.

XXIII. Ein gar gut mensch kom von einer ferren stat zu dem kloster; [83] daz ward also erfüllet mit gnaden, daz er sprach: „ach, wie ein gnadenreiche hofstat ist hie, sie leẅhtet allesampt!“

XXIV. Ein heilig mensch, daz heimlich waz disem closter, daz sprach: „mir hat got als vil genaden getan von disem convent, und sünderlich, wenn ich über nacht hie waz, so geschach mir alleweg etwaz offenwarung. Etwen sah ich üm mittennacht, daz ein licht alz der sunnen schein daz closter allez, het ümgeben. Etwen so sach ich vil licht ob dem closter, große [73v| und kleine nach der wirdikait der swester, der volkumenhait sie bezeichten.

Ein geistlich man von dem orden sancti Francisci' der ging vor dem closter mit seinem gesellen; da sahe er vor ym, daz der acker aller bedecket waz mit den allerweisten tawben. Da gedacht er: wanne mügen dise so schön vögel alle her gesammet sein? Zehant da hört er ein stimm, dy sprach: „es bezeichet die reynen megde, dy got da dinen in dem kloster zu Weyler.“ Dar nach het er alz große andacht zu disem convent, daz er in seiner cellen, so er peten wolt, kniet und neiget da gegen dem closter.

Ein smyd waz geseßen ym dorf, der hieß smyd Heyn. Der het ein großes leyden an seinem hertzen da von, daz er allweg vorht, daz er in dy helle must varen. Der hört einez nachtez, da er lag, daz ein stimm sprach: „wiltu behalten werden, so wil ich dich weisen an ein sichere stat; kum gen Weyler zu dem closter, auf der hofstat sol nymmer kein mensch verlorn werden!“

Ein edele andechtige fraw, dy waz disem convent gar getrew; die pat unsern herrn, daz er [74r] ir geb zu erkennen von vier swestern, dy ir sünderlichen heymlichen waren, in welher wirdikait sie weren vor ym. Da ward ir erzeyget, daz swester Mehtilt Büglin gleicht wer dem morgenstern, wann also scheinper waz ir leben in allem disem land.

XXV. Swester Elyzabeth von Effingen, dy ward geleicht den rosen, dy sich auf tun an dem morgen zu enpfahen daz hymeltaw, und sich dar nach wider zu thut, so sie vol wirt; dar nach zupraytet sy sich aber gegen dem sunnenschein. Also tet ir sel sich auf zu enpfahen den einfluß dez götlichen tawes; so sie dez vol wirt, so erbreytet sie sich aber gegen dem schein des götlichen lichtez.

Swester Wyla, die wer geleich den pynen; die seẅget in sich die süßikait der plumen und stycht außwendig mit dem angel. Also wer sie allweg [84] in sich sawgen dy süßikait der götlichen genaden und wer außwendig stechent mit dem angel dez strengen lebens.

XXVI. Swester Adelhait von Lichtenberg, die priorin waz, die ward geleichet dem abentstern, der bedunckelt wirt mit der nacht; also wer ir andacht bedecket mit der bekümernüß dez amptes.

[74v] In dem closter tet auch unser herr vil genaden und offenwarung dem convent von mangerley sachen.

Zu einem mal sach ein swester den convent in dreyen scharen geteylet: dye ersten waren volkumen und mit got vereinet; die andern waren heilig und übten sich an guten wercken; die dritten waren in geprechen, dy auch zehant gestraffet und gepessert wurden.

An einem obersttag sah ein swester, da der convent stund yn dem chor zu der metten, alz man list dez selben tages von unserm herren, daz der heilig geist also kom in einer tawben weis und rwet auf ider swester hawbt, sunderlich ob etlichen lang und ob etlichen kürtzlich, nach dem alz sie bereitet waren.

XXVII. Ein swester dy sach zu einem mal, da man dy antiffen Salve regina nach der complet sang, daz unser fraw kom in den chor und trug ir libs kint an irm arm und sätzet ez nider, da man hin ein get zu den stülen. Und da man sang dy wort: et Jesum benedictum fructum ventris tui, da ging ez für die swester hin und welhe alz tyff neyge, [75r] daz eß derlangen mocht, dy ving ez zertlichen zu ym mit seinen armen; dy aber nicht nach dem orden nyder nygen, so ez der niht erlangen mocht, so ging ez für und ließ sie mangeln seins ümvanges.

Zu einem weihnachten an dem heiligen tag, da der convent nach dem frümal in der stuben waz, wann ez waz kalt, und dy einen rweten, dy andern betten, da sah ein swester, daz sie all überleẅhtet ein götlich licht, daz waz klerer denn dy sunn, und ez waz doch hie außen dunkel und abent.

Da dy swester betten in dem chor und an andern heimlichen steten, so sahen die swester, dy ob yn waren auf dem dormitorium, daz ein guter smack alz ein rawch auf ging von yn biß in den himel. Und da ward yn zu versten geben, daz das wer ir süße andacht, dy drüng also auf für got.

[85] Die heiligen engel hulfen yn auch ze tysch dinen und trugen sie von dem kor an ire bette, so sie in dem kor besloßen wurden.

XXVIII. Ein ander swester, da dy sterben wolt, da sach sie der convent gemeinklich, daz ein schein, der waz wol alz preyt alz ein hant, den zoch sie auf mit dem ottem, biß er zu jungst auß ging von irem munde. Zehant da waz sie auch verschiden. Da er[75v]kanten sie, daz ez waz ir sel, die also durchlewhtet waz von den götlichen genaden.

XXIX. Ein ander swester an der stund, da sie sterben solt, die hub auf ir hend, da sahe man scheinen an iren henden dy rosenvarben zeichen, dy sie biß an dy stund heimlich het behalten. Auch an irm end ward ez vier swestern geoffenwart, dy dez zeẅg waren; dy sagten alle geleich, wie gütlich sie enpfangen ward von got und von seinen heiligen, wie sie die engel mit gesang und mit großen freẅden fürten zu dem himel, daz dy teẅfel verjagt wurden und an einander manten und sprachen: „flihet alle, flihent, man bringet ein swester von Weyler!“

Auch in dem creẅtzgang, da die selben swester ligen begraben, hat man oft enpfunden einen guten smack einer wünderlichen süßikait von den zugetan grebern; und auch unser prüder und knecht, so sie ander toten solten begraben, dy sagten ez auch wider mit zehern und mit großer andacht. Die sel erschinen yn auch emssiklichen und sagten in, wie man yn helfen sölt und auch vil ander ding, da von sie wurden alz erparmig [76r] über sie, daz sie etwen leiplich puße für sie teten und vil gutez teten mit irem gepet.

Die teẅfel zeygten sich dick mit leiplicher gesicht und wurden allweg geschendet und vertryben von yn, so siz müen wolten.

Von disen und noch von vil andern heiligen swestern, die hie nit genennet sein, möcht man vil schreyben von schönen genaden, dy in got tet, von großer andacht, von übung an allen tugenden, von großer kestigung, dy sie irem leyp an legten, von vil arbeiten, dy sie erzeygt haben allen den, dy in leiden waren, von irem außgenomen heiligen leben. Den samen so großer genad, andacht, tugent und heilikeit hat uns got gelaßen in disen jubelzeiten, daz man von den lebendigen, dy noch bey uns und under uns sein, auch vil möcht schreyben; sy wöllen aber iren willen dar zu nit geben, daz man ihtz von yn schreib, die weil sie leben. Got sey gelobt ümb alle sein genad! Amen.