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Textdaten
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Autor: Unbekannt
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Titel: Warum Bockbier
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aus: Die Gartenlaube, Heft 1, S. 19
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1873
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Blätter und Blüthen
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[019] Warum Bockbier? Da uns hierüber mehrere Fragen und Antworten eingegangen sind, so scheint der Gegenstand wohl Interesse genug für eine öffentliche Behandlung zu haben. Veranlaßt ist die Frage nach dem Ursprunge der Bezeichnung Bock für das berühmte Maibier des königlichen Hofbrauhauses zu München allerdings durch die Gartenlaube selbst in ihrem Bockstall-Artikel von Nr. 15 des Jahrgangs 1872.

Man hat darüber Allerlei zusammengefabelt. Namentlich citirt man häufig den englischen Lord, dem das Münchener Bier zu leicht gewesen und dem zu Liebe der Brauer einen so kräftigen Trunk gebraut haben soll, daß er davon trunken ward und hinfiel. Auf die Frage, was ihm geschehen sei, antwortete er: „Ein Bock hat mich gestoßen.“

Dieser gemachten Geschichte gegenüber, giebt die deutsche Sprachwissenschaft eine ganz andere, aber sehr einfache Erklärung. Die Bibel der Dialektforscher, Schmeller’s bairisches Wörterbuch, sagt nämlich, daß dieses starke Bier ursprünglich Eimbeckisches Bier war und hieß. Im Reichsarchiv zu München findet sich noch eine herzogliche Vollmacht, im März 1553 ausgestellt auf einen Erfurter Bürger zum Transport „von 2 Wagenschwer Ainpeckhisch Bier“, d. h. aus Eimbeck in Hannover, das im fünfzehnten Jahrhundert die höchste Blüthe seiner Brauereien erlebte, nach München oder Landshut. Auch in einer Münchener Hofrechnung von 1574 kommt „Einbeckisch Bier, so die Nürnberger dem gnädigen Herrn geliefert“, vor. Es ist nun leicht begreiflich, daß, bei der Lust des Volkes, jedem ihm fremden Ausdruck eine Form zu geben, die einen handgreiflichen Sinn hat, die Umwandlung von Eimbeck in „Eimbock“, „Einbock“ und endlich in „ein Bock“ und einfach „Bock“ geschehen konnte. Diese volksmäßige Umformung ist indeß schon ein paar Jahrhunderte alt, denn in der Land- und Polizei-Ordnung von 1616 ist von einem Bock-Meet die Rede, welcher „nicht anders als zur Nothdurft der Kranken gesotten werden sollte.“ Natürlich ging der Name Bock für das stärkende Getränk später, als die fürstliche Hofbrauerei ihr Privilegium, so starkes Bier allein herzustellen, in Ausübung brachte, auf den heimischen Labetrunk über. Das Gegenstück zum Bock bildete die besonders aus den Brauhäusern der Jesuiten hervorgegangene, etwas schwächer gebraute und darum sanftmüthigere Gaiß.