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Autor: unbekannt
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Titel: Wahre Abbildung Eines Teuffels
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Erscheinungsdatum: 1693
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Erscheinungsort: Köln
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Quelle: im VD17 unter der Nummer 3:651548E
Kurzbeschreibung:
Flugschriften des 17. Jahrhunderts
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[1]

Wahre Abbildung
Eines Teuffels /
Welcher sich unlängstens einem Frantzösischen
Edelmanne in Gestalt einer schönen Dame'
præsentiret/
Nebst ausführlicher Beschreibung der gantzen Geschicht.


Cölln gedruckt im Jahr 1693.


[2]  Monsieur!

DEmselben berichte mit wenigen / was für eine erschröckliche Begebenheit sich unlängstens mit einem vornehmen von Adel N. N. dessen Güter zwey Tagereisen von Pariß gelegen / zugetragen: Dieser als ein sonst wohlerfahrner Soldat / hält sich seiner Gewohnheit nach / Zeit währender Winter-Quartier meistens allhier in Pariß auf / umb seine Courage und Tapfferkeit auch bey dem allhiesigen Frauenzimmer zu erweisen / worinnen er sich dermassen vertieffet / so gar / daß er öffters des Tages zu zehen biß zwantzig hat zu sich bringen lassen / worunter er dann erwehlet / welche ihm zu seiner Bequemligkeit am geschicktesten gewesen; Alleine er wird endlich in der Wehlung so eckel / daß ihme seine Bedienten fast keine gut genug mehr bringen können: Und obwohl die Bedienten deßfals sehr unwillig worden / und keine mehr auffsuchen mögen / so hat doch sein lieber Getreuer / wo er anderst den Schlägen entkommen / und seines capriciösen[1] HErrn Befehl nicht kräncken wollen / fort gemust / da er denn mit höchstem Verdruß und Unwillen sich auff die Brücke verfüget / in Meynung / daselbst einiger Dames zu erwarten; Kaum hat er eine Viertelstunde da auffgepasset / so kömmt eine über alle massen schöne / und mit einer gantz sondern hohen Fontange[2] und rarer Kleidung von der neuesten Façon[3] wohlgezierte Dame zu ihm getreten / grüsset ihn mit einem freundlichen und lächlenden Bonjour, und fraget ihn / ob er ihr nicht ein gut Logier[4] wüste zuzuweisen / sie sey eine Dame ehrliches Geschlechts aus Portugal und also frembde / dabey habe sie auch ein solch schlechtes Logier / daß sie unmüglich darinnen bleiben könte; Hierzu ist nun dieser Diener willig / sagt / woferne sie mit ihme gehen wolte / so wolte er sie in ein solch bequem Logier führen / dergleichen sie in der gantzen Stadt nicht finden würde; Die Dame ist hierüber erfreuet / und folget dem Diener biß in seines Herrn Logier / welcher sie denn in höchster Freude auf das allerfreundlichste empfängt / [3] und weil diese Dame eine nach seinem Sinne ist / findet er auch die höchste Vergnügung bey ihr; denn alles an ihr ist schön und wohlgestalt in seinen Augen / alle ihre Reden klingen wohl in seinen Ohren / und in Summa / alle ihre Actionen erfreuen sein gantzes Hertz und Sinn / daß es also an nichts mehr mangelt / das ihn höher vergnügen könte. Alleine als er einige Tage seine Wollust zum Uberfluß in höchster Vergnügung mit ihr gepflogen / so gar / daß er fast einen Eckel bey sich empfindet / dann wird er erst gewahr / daß bey ihr nicht eine natürliche Wärme vorhanden / dahers er auch mit einem furchtsamen Grauen befallen wird; Als aber die Dame dieses mercket / scheidet sie sich / doch ohne eintzigen Molest[5] / von ihm. Weil aber die Furcht und Grauen bey dem Edelmann sich je mehr und mehr anhäuffet / so / daß er fast gar melancholisch darüber wird / entschliesset er / sich auff seine Güter zu begeben / welches er auch eilfertigst zu bewerckstelligen Anstalt machet. Als er nun auf dem Wege und sich eines Holtzes nähert / wird er eines Reuters gewahr / welcher mit voller Rüstung querfeld ein auf ihn zurennet: Er aber als ein wohlgeübter Soldat / greifft zu den Waffen / und vermeynet damit den Anlauff dieses Reuters abzuhalten; Alleine der Reuter verweist ihm / und sagt / seine Gegenwehr würde nichts seyn / er solte sich nur gefangen geben / denn er wäre ohn dem seyn / ziehet darauff die Larve ab / und zeiget ihm / daß er die Dame wäre / mit der er bißhero so vergnügliche Wollust gepflogen / und daß er mit einem Teuffel gebuhlet hätte. Hierauff ruffet und seufftzet der gute Edelmann in höchster bestürtzung / Furcht und Zittern seinen HErrn JEsum an / bittet diesen / er möchte ihn doch umb seiner heiligen Wunden willen nicht in die Klauen des grimmigen Teuffels fallen / noch seine Seele darinnen verderben lassen. Worauff denn der Teuffel verschwunden / und er also ohne fernern Anlauff / jedoch in höchster Angst und Todesfurcht / nacher Hause kommen / woselbst er auch noch in solchem Grauen und Furcht / und fast wie in einer Verwirrung hinlebet / da ihme denn das schöne Gesicht mit der wohlgefertigten Fontange / wie er selber spricht / stetig für seinen Augen schwebet; Immittelst wird er von denen Herren Patribus[6], auch Vornehmen fleißig besuchet; Was ferner mit ihme passiren wird / stehet künfftig zu berichten. Siehet man demnach / was der Teuffel vor ein listiger Affe ist / so gar / daß er seine Büberey auch unter die edlen Fontangen versteckt / und in seiner heßlichen Gestalt / vermittelst seiner tausendfältigen Künste / eine solche schöne Dame repræsentiren kan; Zwar sind seine Hörner von Natur zur Fontange gar gefüglich / und darff er nicht [4] erst einen Drath darzu biegen lassen / es mögen auch solche wohl von ihme herrühren. Und ob gleich die Natur so wohl in Gewächsen als unvernünfftigen Mißgeburthen / uns dieser übermüthigen Hoffarth wegen einige Warnung dargestellet / so ist doch niemand / der sich daran kehret / sondern heist auch bey denen Aschenbrödeln und Mistfincken: Wer nicht mit macht / wird ausgelacht. Alleine / wehe / wehe denen Hoffärtigen und Stoltzen! Wehe denen Hurern und Ehebrechern / etc. etc. denn diese sollen nicht in das Reich Gottes kommen; Und wird es dermaleinst leider mit ihnen heissen / woferne sie nicht wiederkehren und Buße thun: Gehet hin von mir ihr Verfluchten in das ewige Feuer / welches bereitet ist den Teuffeln und seinen Engeln. Daß auch der Teuffel sich ehmals denen wollüstigen fleischlich-Gesinneten so wohl in weiblicher als männlicher Gestalt præsentiret / ist aus denen alten und neuen Geschichten zur Genüge bekant / deren hier nur etliche mit anzufügen: So lieset man beym Heil. Bernhardo, daß zu seiner Zeit der Teuffel viel Jahr lang mit einem Weibe Buhlschafft getrieben / da ihr Ehmann bey ihr im Bette gelegen / und doch um diese Büberey nichts gewust: Als aber die Frau endlich eine Reue ankommen / daß sie ihren Buhlen abschaffen wollen / hat sie es zu thun nicht vermocht / derohalben es dem Heil. Bernhardo geklaget / welcher dann den Teuffel beschworen und von ihr getrieben. So meldet auch der Heil. Augustinus, daß zu seiner Zeit die bösen Geister unterschiedliche Weibes-Personen geschwängert. Ferner ist auch nicht unbekant / daß eine Aebtißin / Magdalena vom Creutz genant / von Corduba aus Spanien gebürtig / bekennet / daß in ihrem instehenden zwölffjährigen Alter ein böser Geist in Mohren-Gestalt zu ihr kommen / und sie umb ihre Ehre angestrenget / deme sie auch zu Willen worden / und von der Zeit an in die 30. Jahr mit ihme zugehalten / und fleischliche Wollust mit ihme gepflogen: Anderer Exempel vor itzo zu geschweigen. Wolle derowegen ein iedweder / der in solchen Sünden wandelt / sich diese erschröcklichen Exempel zu einem Spiegel und Abscheu recommendiret seyn lassen / bey Zeiten ümbkehren / und den Mantel der rechtschaffenen wahren Buße ergreiffen / ehe er dem Teuffel in seine Klauen falle / und dermaleinst mit allen Verdammten ewig gequälet werde.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. franz. launenhaft, eigenwillig
  2. Frauenhaartracht des 17. Jh.s.
  3. franz. Art und Weise
  4. franz. Herberge
  5. lat. Beschwerde, Belästigung
  6. lat. von Pater, kath. Ordensgeistlicher