Von dem wunderbarlichen Stralsundischen Lufft-Kriege und Schiff-streite

Textdaten
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Titel: Von dem wunderbarlichen Stralsundischen Lufft-Kriege und Schiff-streite
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Entstehungsdatum: 1665
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Digitalisat der HAB Wolfenbüttel auf Commons, im VD17 unter der Nummer 23:676358D
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Eine abgebildete Beschreibung
Von dem wunderbarlichen Stralsundischen Lufft-Kriege und Schiff-streite /
So in diesem 1665. Jahre nach Christi Geburt / den 8. Aprill / umb 2. Vhr nach Mittage /
bey der vornehmen See- und Handels-Stadt / Stralsund / oben am Himmel geschehen; und alda von 6. namhafftigen Fischern / in richtigen Augenschein genommen worden.
Stralsundischer Lufft-Krieg.jpg


HIlff GOtt! was werden noch für gefährliche Zeiten auff Erden folgen? Höret man doch von Kriege und Kriegesgeschrey in allen Elementen: wie toben die Feuersbrunsten / und reissen manches herrliches Gebeude darnieder? wie gehet der blutdürstige Mars in vielen Ländern zu kehre? wie wüten die ungestümen Holl- und Englische Wellen? die Africanische und Frantzösische Wasserwogen? und hierzu kompt ietzt die Waffen-schwangere Lufft; so unlängst gegen Norden nicht minder ihren Grimm / wieder das sündhafftige menschliche Geschlecht / mercklich hat blicken lassen. Nemlich es sollen 6 Fischer / mit ihren Tauffnahmen geheissen / Clauß Sinnenman / Asmus Barfod / Jochim Hasse / Hanß Trebus / Michel und Stephan Rode, so mit einander bekandte Bürger und Einwohner in der Stadt Stralsund seyn: mit gutem Gewissen / bey öffendlicher Verhörung bezeuget haben: daß nemlich / wie sie sämtlich auffm Herings-fange ausgewesen; (suche oben im Kupffer des Buchstabs A.) am 8. Apr. Mittags / ohngefähr glock 2. auff dem Gelm / ein paar Meilen von der Stadt / und bey Barhofft vor Ancker gelegen: sich gar plötzlich in der Lufft ein Wunder-Gesichte hervor gethan habe; etwan anfänglich als ein grosser Schwarm Vögel; so in trefflicher Menge aus Nord-Osten (B.) hervor gekommen / und alle in der Runde herumb geflogen seyn: ja sich auch drauff in kurtzer Frist in einen Klumpen (C) zusammen gerottiret haben; der erstlich / wie ein langer Gang am Hause geworden / hernach aber sich in ein groß aus Norden hervor ragendes Schiff (D) verändert hat: deme im Augenblicke so viel andere Schiffe (E) gefolget seyn / daß man keine Zahl drauß machen können. Nachdeme diese Kriegesschiffe eine weile man Himmel herum geschweiffet haben; da sol eine starcke Anzahl grössere Schiffe / gerad aus Suden (F) herauff gekommen seyn / und schnur gleich nach Nord-Osten sich gewand haben; drauff die Männer ein dergleichen abscheuliches ausblasen / vom Feuer und Rauch gesehen; daß sie vor unvermeidlicher Bestürtzung mit einander schier erstarret seyn. Ja es ist des Rauchs (G) so viel gewesen; daß sie dafür nichts erkennen mögen; als nur die 2. grossen Schiffe / daß 1. in Süden (F) das andere in Norden: (D) welche alle beyde auff einander und ohne Auffhörung / dapffer Feuer und Rauch gegeben haben; welches einen solchen Knall erwecket / als immer durch die gewaltigsten Geschütze mag zu wege gebracht werden. Aber endlich sol die Nordische Flotte (D.E.) sich zurücke nach Norden hingewendet haben / und geschienen seyn / als wenn sie sich nunmehr verlohren hette; da hingegen die Süder-Flotte (F.) in ihrem vorigen Stande geblieben; biß abermahl die Nordische Flotte sich wieder angefunden / und gerade auff die Südische loß gegangen ist: darzu denn noch andere zwo Flotten; die eine aus Westen / (H) die andere aus Osten (I) hinan gekommen: welche aber nicht so groß gewesen / auch darzu kleinere Schiffe gehabt haben / als die übrigen. Und da seind die Flotten / so vorhin gefochten haben / wieder an einander gestossen / mit dergleichen eiffrigem loßbrennen / dz man vor vielheit des Feuers und Rauchs nichts hat erschauen können. Wie aber ein weilgen drauff sich der Dampff verlohren und in der Lufft vertheilt gehabt; da sol die Süder-Flotte (F) zurücke gewichen seyn: und wollen die Fischer gar eigentlich erblicket haben / wie daß die Masten und Stangen alle von den grossen Süder-Schiffe (F) weggeschossen gewesen: drinnen auch gar eigendlich ein Mann gestanden in braunen Kleidern (K) der seinen Hut unter dem rechten Arm / und die lincke Hand in der Seiten gesetzt gehabt / also mit Bedachtsamkeit auff die Compagnie sehen. So wollen sie auch nicht minder / sondern gar eben / alle Boots-Gesellen / auff den Schiffen lauffende und handthierende / wie auch alle Flaggen wehende vermercket haben: doch sey ihnen die Art nicht vermercklich und zu erkennen gewesen. Wie dieses etlicher massen vorbey / und die eine Flotte in Suden / die eine in Norden gestanden; sey ein grosses Schiff aus Westen (L.) hervor gekommen: welches acht lange Balcken auff ieder Seite heraus gestossen; drauß auch continuirliche Flammen und Rauch geflogen: so hetten sich auch unzehlbar viel kleine / durch beyde Flotten segelnde Schiffe / als Jagten (M.) sehen lassen; worauff ohngefehr umb 6 Vhr / die Nordische Flotte (D.E.) Angesichts verschwunden: die Südische aber (F.) bestehen geblieben. Nach welcher über eine kleine weile / mitten aus dem Himmel ihnen eine runde platte Form (N) wie ein Teller / und wie ein grosser Mannshut umbher begriffen / vor Augen kommen; von Farben eben / als wenn der Mond verfinstert wird: so schnurgleich über der St. Niclas-Kirche (O) stehend geschienen; und alda auch biß auff den Abend verblieben ist. Nachdem die Schiffer nun voller Angst und Furcht / dieses erschreckliche und verdächtige Spectacul nicht länger anschauen / noch dessen Ende abwarten können; haben sie sich in ihre Hütten (P) verfügen müssen: drauff sie in nachfolgenden Tagen / theils an Händen und Füssen / theils am Häupt und andern Gliedern / ein groß Zittern und Beschwerden empfunden: worüber viel gelahrte und verständige Leute / sich allerhand Gedancken zwar gemachet; aber die rechte Außdeutung dennoch dem lieben GOtte gelassen haben / und auch wohl lassen werden; bis es die reiffe Zeit ausweisen wird / was der erzürnete GOtt auffs neue über jene Nordische Refier / für eine Vnglücks-Schale außzugiessen beschlossen habe. Vnserm Bedüncken nach hat es freylich das Ansehen / als wenn frühzeitig gnug und mit ehesten sich allerhand Caperische Raubvögel / und diebische Raben / dahinwerts anfinden werden; so Anfang mir ihrem Harpyischen Vor- und Abnehmen wohl gewiß zum öffendlichen Kriege (da GOtt vor sey!) machen dürfften / welchen hernach durch gewiesene Wege unschwer die rechten Außführer folgen können / von allen Oertern der Welt / nach der Ost-See hin. Solche Wiederwertige aber nahmhafftig zu machen / träget vielmehr die Feder / als die Geographische Land-karte / einen Scheu. Nim derendwegen das Europa vor die Hand / da wirstu ohne Fehler innen werden / was erstlich Norden gegen der obgedachten Stadt / und andere Neben-Schwestern zu tentiren gesonnen sey. Weiter wirstu auch den rechten Sudischen vertheidiger und Patronen erkundigen. Ja es werden dir auch die so Westichen / als Ostischen Gehülffen nicht unverspürt bleiben. Der Höchste helffe zum besten / daß nicht drüber zuletzt eine todten Leuchte folge / und dem Oebersten und Gewaltigsten den hellen Tag tunckel mache.

Zu finden bey dem Kupfferstecher /
in Leipzig.