Hauptmenü öffnen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Georg Herwegh
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Verrat!
Untertitel:
aus: Deutsch-Französische Jahrbücher; S. 149–151.
Herausgeber: Arnold Ruge, Karl Marx
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1844
Verlag: Bureau der Jahrbücher
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Paris
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
Weiterer E-Text: Herweghs Werke. Ausgewählt und eingeleitet von Hans-Georg Werner, Berlin und Weimar: Aufbau, 1967, S. 140-142.
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
Deutsch Franz Jahrbücher (Ruge Marx) 149.jpg
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[149]
VERRAT!

Von

GEORG HERWEGH.

__________

Verrat – Ihr habt's gesprochen,
Verrat – Ihr habt's erkannt.
Es sei mit Euch gebrochen;
Die Brücken sind verbrannt.

5
Doch habt Ihr selbst vergessen,

Wie Ihr das Volk verkauft,
Wie Ihr Euch auf Kongressen
Um Kronen habt gerauft?

Erst lief er vor dem Berge,

10
Der deutsche Sumpf, davon,

Dann höhnten sie, die Zwerge,
Die Revolution,
Die Nüchternen den Zecher,
Der endlich niedersank,

15
Weil er den Freiheitsbecher

Bis auf die Hefen trank.

Schönredner, mit der Urne
Der toten Herrlichkeit,
Beschritten im Kothurne

20
Die Bühne unsrer Zeit;

Sie haben in dem Schutte
Den Unrat aufgerührt,
Den Gesslerhut, die Kutte
In Frankreich eingeführt.

[150]
25
Auf heisser Opferstätte

Habt Ihr, nach deutscher Art,
Vergoldet unsre Kette
Und – vor dem Rost bewahrt.
Schleppträger der Bourbonen –

30
O pfui, ein garstig Lied!

Wo sind die Nationen,
Die Deutschland nicht verriet?

Zu Zeugen ruf ich Polen,
Das Heldenvolk, herbei,

35
Das dreimal ward bestohlen

In schnöder Räuberei;
Zu Zeugen jene tote
Italische Republik, –
Fluch euch, Ischariote

40
Der deutschen Politik!


Wir wollen's auch verraten,
Das schlechte Vaterland
Der vierzig Potentaten
Und deinen Unverstand,

45
Wie du in grauer Ferne,

O Volk, dein Heil erschaust,
Und lieber auf die Sterne,
Als auf dich selbst, vertraust.

Wir wollen es verkünden,

50
Verraten laut und dreist,

Was ihr für »Burgen gründen«
Wollt unserm deutschen Geist;
Verraten, welche Schelle
Zu deutschen Ohren klingt,

55
Und welche trübe Quelle

Im deutschen Sande springt.

[151]

Wie du das Wort beschnitten,
Eunuchen-Regiment,
Wie feige wir's gelitten,

60
Und was man Freiheit nennt,

Freiheit für »das erstarkte
Germanische Geschlecht«:
Den Stock auf off´nem Markte
Und das geheime Recht!

65
Wie ihr in blindem Schnauben

Das letzte Licht erstickt,
Und Euren alten Glauben
Mit neuen Lappen flickt,
Und wie wir die Genarrten

70
Bei Eurer Weisheit sind,

Und wie in deutschen Karten
Der König nur gewinnt;

Wie Ihr, getreue Stände,
Den Rücken biegt so krumm,

75
Wie offen Eure Hände,

Und Euer Mund – wie stumm!
In Räthseln und in Runen
Hüllt ihr nur Knechtssinn ein;
Ihr könnt nicht die Tribunen

80
Des deutschen Volkes sein!


Drum sei mit Euch gebrochen!
Die Brücken sind verbrannt.
Verrat! Ihr habt's gesprochen,
Und Ihr habt recht erkannt.

85
Du Land, das sonder Scheue

Zertritt die junge Saat,
Du machst Verrat zu Treue,
Und Treue zu Verrat!

__________