Verkündigung des Verderbens

Textdaten
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Autor: Brüder Grimm
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Titel: Verkündigung des Verderbens
Untertitel:
aus: Deutsche Sagen, Band 1, S. 215–216
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1816
Verlag: Nicolai
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Erscheinungsort: Berlin
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Originalherkunft:
Quelle: Google, Commons
Kurzbeschreibung:
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Eintrag in der GND: [1]
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Bearbeitungsstand
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[215]
144.
Verkündigung des Verderbens.
Prätorius Weltbeschr. II. 38.


Als die Magdeburger im Jahr 1550 am 22. September mit dem Herzog Georg von Mecklenburg Schlacht halten sollten, ist ihnen bei ihrem Auszuge vor dem Dorf Barleben, eine Meile Wegs von der Stadt ein langer, ansehnlicher, alter Mann, der Kleidung nach einem Bauersmanne nicht unähnlich, begegnet und hat gefragt, wo sie mit dem Kriegs-Volk und der Kriegs-Rüstung [216] hinausgedächten? Und da er ihres Vorhabens berichtet worden, hat er sie gleich mit aufgehobenen Händen herzlich gebäten und gewarnt, von ihrem Vorsatze abzustehen, wieder heim zu kehren, ihre Stadt in Acht zu nehmen und ja des Orts und sonderlich in dieser Zeit nichts zu beginnen, weil eben auch vor zweihundert Jahren die Magdeburger auf den St. Moriz Tag und an demselben Orte, an dem Wasser Ohra geschlagen worden; wie ein jeder, der es wüßte, in der Tafel der St. Johannes Kirche zu Magdeburg lesen könnte. Und würde ihnen, wofern sie fortführen, gewiß auch diesmal glücklicher nicht ergehen. Ob nun wohl etliche sich über das Wesen und die Rede des Mannes verwunderten, so haben doch ihrer sehr viel ihn gespottet und die Warnung höhnisch verlacht, von welchen Spöttern hernach doch keiner in der Schlacht unerschlagen oder ungefangen geblieben seyn soll. Man sagt, er sey als ein gar alter eis-grauer Mann erschienen, aber solches schönen, holdseligen, röthlichen und jungen Angesichtes, daß es zu verwundern gewesen. Und demnach es leider gefolgt, wie er geweißagt, hat man allenthalben Nachforschung nach solchem Manne gehabt, aber niemand erfahren können, der ihn zuvor oder nachher gesehen hätte.