Hauptmenü öffnen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Carl Ernst Bock
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Curir-Schwindeleien. Ueber Haut- und Schönheitsmittel
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 45, S. 719–720
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1868
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[719]
Curir-Schwindeleien.
Ueber Haut- und Schönheitsmittel.

Ja, wenn sie nur dumme Gimpel wären die Menschen, die sich von Geheimmittelschwindlern ihr schönes Geld aus der Tasche stehlen lassen, dann könnte man über eine solche bornirte Gimpelhaftigkeit lachen. Aber man hat Grund über solche Menschen zu weinen, weil sie nicht blos Gimpel, sondern auch Verbrecher am Leben und an der Gesundheit ihres Körpers, gar nicht selten subtile Selbstmörder sind. Denn einestheils üben viele Geheimmittel wegen ihrer schädlichen Bestandtheile ganz unmittelbar einen sehr nachtheiligen Einfluß auf den menschlichen Körper aus, anderntheils werden ihretwegen die wirklich heilbringenden Maßregeln gegen die vorhandenen Leiden verabsäumt. – Verzweifeln könnte Verfasser auch darüber, daß die Zahl der Geheimmittel von Tag zu Tag nur aus dem Grunde enorm wächst, weil die meisten Menschen wegen ihrer ganz mangelhaften Schulbildung über das, was in der Natur, sowie im menschlichen Körper vorgeht, nicht richtig denken gelernt haben. – Wenn die durch Geheimmittelschwindler Betrogenen nur wenigstens so ehrlich und human wären und zu Nutz und Frommen ihrer Mitmenschen, um diese vor pecuniärem und körperlichem Schaden zu bewahren, ihre schlimmen Erfahrungen veröffentlichten! Aber sie thun es leider aus Scham über ihre Dummheit nicht. – Jedes Geheimmittel, es mag einen Namen haben welchen es will, es mag herrühren, von wem es will, ist und bleibt stets nur ein Schwindel.

„Es oder Er hat mir aber doch geholfen,“ behauptet Mancher von Denen, die sich mit Geheimmitteln, sympathetischen oder homöopathischen Nichtsen, durch Lutzen oder Lampen (=Nachfolger), mit Lobe, Hoff’schem Malzextract oder Daubitz’schem Schnaps u. s. f. curiren ließen Und solch eine Behauptung zeugt recht deutlich von der Urtheilsunfähigkeit jener Geheilten. Denn daß ihre Heilung, die gar nicht bezweifelt werden soll, auf ganz andere Weise zu Stande kam, als mit Hülfe jener Charlatane und Chartatanerien, das zu denken, ist ihnen unmöglich, und das sich erklären zu lassen, bringt man bei den Meisten, als ob sie ein Bret vor’m Kopfe hätten, nicht fertig. Man wolle sich’s doch endlich einmal merken: daß der menschliche Körper zu seinem großen Glücke von der Natur so eingerichtet ist, daß krankhafte Veränderungen innerhalb desselben solche Vorgänge nach sich ziehen, durch welche die meisten Krankheiten vollständig oder theilweise, bald schneller, bald langsamer gehoben werden. Man bezeichnet jene heilsamen Vorgänge mit dem Namen „Naturheilungsprocesse“. Ihnen ist es zuzuschreiben, daß so viele Krankheiten ohne Arznei und Arzt, bei homöopathischen Nichtsen, kurz bei dem verschiedenartigsten und blödsinnigsten Hokuspokus, sowie bei den allertollsten Gaukeleien heilen. Sie machen es auch erklärlich, daß bei ein und derselben Krankheit von verschiedenen Heilkünstlern eine Unmasse der verschiedenartigsten Arzneien, angeblich mit Glück, angewendet werden, während wiederum ein und dasselbe Heilmittel bei den verschiedenartigsten Krankheiten heilsam sein soll. Jene Naturheilungsprocesse bei jedem einzelnen Krankheitsfalle auf die passende Weise zu unterstützen und zu fördern, das ist die Aufgabe eines vernünftigen Heilkünstlers. Dies kann aber nicht nach ein und derselben Schablone, durch ein und dieselbe Heilmethode geschehen.

Um nun wieder auf den Geheimmittelschwindel zu kommen, so ist es recht traurig, daß fast jedes Zeitungsblatt die schamlosesten Anpreisungen von Geheimmitteln enthält, und daß sogar unsere Tagespresse, die von sich rühmt, für Aufklärung, für Wahrheit und Recht zu kämpfen, gegen höhere Insertionskosten das Versprechen giebt, nichts aufzunehmen, was dem Absatz des angepriesenen Mittels schaden könnte. Daß dem so ist, beweist eine Bekanntmachung der Berliner Polizeidirection, welche sagt: „um sicher zu gehen, haben sich sogar Anfertiger und Verbreiter von Geheimmitteln mit Redactionen mancher Zeitungen, deren Spalten sie mit Anpreisungen füllen, contractlich dahin geeinigt, daß die betreffenden Zeitungen niemals Artikel, welche gegen das in Rede stehende Mittel gerichtet sind, aufnehmen dürfen.“ – Betrübend ist es ferner, daß manche solche Industrie-Ritter und Quacksalber aller Art, anstatt als Betrüger und Gesundheitsschänder an den Pranger gestellt zu werden, sogar noch mit Titeln (Sanitätsrath, Hoflieferant, Director), Ehrenmedaillen, Orden und dergl. ausgezeichnet werden.

Das meiste Geld wird für Haut- und Schönheitsmittel zum Fenster hinausgeworfen. Denn urn einen schönen Teint und eine reine Haut, zumal im Gesichte und an den Händen, zeigen zu können, opfert besonders das nicht-schöne schöne Geschlecht auch die letzten Thaler aus der Sparbüchse. Mit kosmetischen Mitteln kann der Schwindel im Handel seine Schwingen am freiesten bewegen. Frankreich ist das Mutterland der kosmetischen Schwindelei und hier giebt es so viele ausgezeichnete Schönheitsmittel, daß Häßlichkeit bald ein überwundener Standpunkt sein wird. – Man glaube nun aber ja nicht etwa, daß diese Geheimmittel ganz unschuldiges Zeug sind; sie können auch der Gesundheit sehr nachtheilig werden, weil viele derselben giftige Substanzen (z. B. Quecksilber, Blei etc.) enthalten. Die bekanntesten Schönheits-Geheimmittel sind folgende:

1) Albion, aus Paris, enthält in einem aromatischen Wasser Chlorblei und mitunter auch Calomel (also zwei giftige Substanzen, Quecksilber und Blei). Es soll die Haut frei von Runzeln und weiß erhalten. – 2) Circassia-Wasser von Ruoff in Heilbronn, soll das Nonplusultra aller Schönheitsmittel und das nobelste Parfüm sein. Es besteht aus starkem Alkohol mit einigen Tropfen von Zimmet-, Nelken-, Bergamott- und Lavendelöl und Perubalsam. Das 1/3 Loth enthaltende Glas kostet 16 Kreuzer und ist nur 6 Kreuzer werth. – 3) Cosmeticum von Simerling, gegen Sommersprossen, Hautübel etc., wird so bereitet, daß 2 Loth süße und 1 Loth bittere Mandeln geschält und mit 20 Loth Wasser zu einer Mandelmilch zerstoßen, dann durchgeseiht und mit Benzoetinctur (1 1/2 Loth) und Citronensaft (1 Loth) vermischt werden. – 4) Iriswasser von Mode in Berlin, zur Verschönerung der Haut, eine Art Kummerfeld’sches Waschwasser, aus Brunnenwasser, worin etwas Kochsalz, Lavendel- und Citronenöl aufgelöst und mit rohen Schwefelblumen versetzt sind. Es hat einen Werth von 3 Kreuzer und kostet 1 Gulden 48 Kreuzer. – 5) Kräuter-Seife von Borchardt (der verkappte Goldberger) in Berlin. Eine sehr angenehm riechende, 16 Kreuzer zu viel kostende Seife aus Curcumapulver und einigen ätherischen Oelen (Lavendel-, Bergamott-, Zimmet- und Pfefferminzöl), mit einer Spur von Indigocarmin. – 6) Lait antephélique von Candes und Comp. in Paris, Waschmittel gegen Sommersprossen und andere Hautfehler. Enthält in 1000 Gewichtstheilen 10 Quecksilbersublimat, 1 Salmiak, 140 Eiweiß, 7 schwefelsaures Bleioxyd, 2 Kampher und 840 Wasser. Kostet 5 Franken und ist ist 1/2 Franken werth. – 7) Lait de perles ein Schönheitswasser mit Bleiweiß. – 8) Lenticulosa von Hutter und Comp. in Berlin, ein Schönheitswasser, aus Zucker.(1/2 Loth), gereinigter Potasche (3/8 Loth), Weingeist (1/2 Loth) und Orangenblüthenwasser (6 1/4 Loth). Die 8 Loth enthaltende Flasche kostet 1 Thlr. und ist nur wenige Groschen werth. – 9) Lilionese, ein sehr verbreitetes Schönheitsmittel, ist eine übersättigte wässerige Lösung von einfach-kohlensaurem Kali und mit einigen ätherischen Oelen parfümirt. Preis 25 Sgr., Werth 3 Sgr. – 10) Odalin von A. T. E. Vogel in Berlin, Schönheitswasser gegen Sommersprossen, Leberflecken, spröde Haut etc., ist eine Lösung von Borax in unreinem verdünntem Glycerin, mit Fuchsin rosenroth gefärbt und mit Rosenöl parfümirt. Preis 7 1/2 Sgr., Werth 2 Sgr. – 11) Schönheits-Maithau von F. v. Mrzerski in Lemberg, zum Ausglätten der runzligen Haut gegen Sommersprossen und Hautflecken aller Art, enthält weißen Thon ( 1/2 Loth), Glycerin (1 Loth), Wasser (8 Loth), Glaubersalz, schwefelsaures Kali, essigsauere Thonerde, essigsaures Natron (von jedem 3/4 Loth) und wohlriechende Oele. Preis 1 Thlr., Werth 2 Sgr. – 12) Schönheitsmilch von Pohlmann in Wien, besteht aus süßem Mandelöl (1/2 Loth), Glycerin (1/2 Loth), arabischem Gummi (1/2 Loth), Erdbeerwasser (etwa 24 Loth), Benzoetinctur 1 Loth) und Essentia Calydor (aus Macisöl, Patschuliextract, Jasminextract, Perubalsam, Tolubalsam, Benzoe). – 13) Schönheitswasser, ist gewöhnliches Wasser (oder Rosenwasser) mit Calomel. – 14) Russisches Schönheitswasser von Frau Schmarl in München, ist mit schwerspathhaltigem Bleiweiß vermengtes [720] und mit Benzoetinctur versetztes Rosenwasser. Preis 24 Kreuzer, Werth kaum 3 Kreuzer. – 15) Mittel gegen Sommersprossen und andere Hautflecke von Solbrig in München, ist erhalten durch Ausziehen von weißer Nießwurz, Arnicawurzel, Bertramwurzel, Styrax calamita mit Alkohol. Nach der Filtration wird zugesetzt.: Bergamott- und Citronenöl. Preis 24 Kreuzer, Werth 8 Kreuzer. – 16) Salbe gegen Sommersprossen aus Wien, ist durch Behandeln von Olivenöl mit salpetersaurer Quecksilberoxydullösung bereitet. – 17) Tannin-Balsam-Seife von Hülsberg in Berlin, gegen Hautflecken aller Art, ist gewöhnliche Seife mit einem Zusatz von gepulvertem Talkstein und Fichtennadelextract. Preis 10 Sgr., Werth kaum 2 Sgr. – 18) Pariser Waschpulver, welches die Haut zart und schön erhalten soll, ist Reisstärkemehl mit einem kleinen Zusatz von gepulverter Seife. – 19) Kummerfeldt’sches Waschwasser ist eine wässerige Lösung von Kampher mit gepulvertem Schwefel. Preis 4 Gulden, Werth 6 Kreuzer. – 20) Griechisches Wasser ist ein aromatisches Wasser, worin weißes Quecksilberpräcipitat. – 21) Glycerin-Hautbalsam, ein Gemisch aus 100 Theilen Glycerin, 120 Theilen Pomeranzenblüthenwasser, 1 Theil Neroliöl und 1 Theil Bittermandelöl. – 22) Lucia-Waschwasser von Wilhelm in Neunkirchen und Büttner in Gloggnitz, zur Erhaltung der Schönheit und Feinheit der Haut, besteht aus 1/30 Loth Borax, 1/4 Loth Glycerin und 4 1/2 Loth destillirtem Wasser. Preis 20 Sgr., Werth 7 Pfennige. – 28) Quintessence balsamique du Harem, zur Erhaltung der Schönheit und Jugendfrische. Von dieser Wunderessenz kostet eine Portion von etwa 8 Loth 3 1/5 Thlr. in einem blauen türkischen Milchglas-Flacon und 1 Thlr. 18 Sgr. in einem gewöhnlichen Glase, ist aber mit 8 Sgr. reichlich bezahlt. Sie besteht aus Perubalsam (1/3 Loth), Lavendelöl (1/6 Loth), Kampher (1/120 Loth) und starkem reinen Spiritus (8 Loth). – 24) Oschinsky’s Gesundheits- und Universal-Seife, welche 10 Sgr. kostet und kaum 1 Sgr. Werth hat, ist ein Gemisch aus Seife, Wachs, Harz, Fett (Palmöl), Wasser, etwas Lavendel- und Rosmarinöl. – 25) Dr. Hudson’s Schönheits-Pasta der Venus, Wien bei Karl Polt, ist eine nichtsnutzige und ganz gewöhnliche Pomade (aus Wachs, Stearin, Glycerin, Ricinusöl, Schwefel und wohlriechenden Oelen), von welcher 3 Loth 1 1/3 Thlr. kosten, und welche bei Schönheitsfehlern das Ueberraschendste leisten soll. – 26) Pulcherin, in Wien zu haben, soll eine zarte, feine Haut und ein frisches, gesundes Colorit erzeugen, ist ein Schwindel sonder Gleichen und nur ein schwacher spirituöser Auszug aus einer seifigen Substanz mit etwas Zimmt- und Rosenöl parfümirt. Ein Fläschchen mit kaum 4 Loth kostet 80 Kreuzer österreichisch und ist mit 10 Kreuzer schon hoch genug bezahlt. – 27) Die Venus-Roma-Pasta (von Polt und Gruber) sind nichtsnutzige Gemische von Schweinefett, Cacaoöl, Seifenpulver, Glycerin, arabischem Gummi, Storax oder Benzoe. – 28) Neapolitanisches Waschwasser, angeblich ein unvergleichliches Toilettenmittel, enthält Kampher, Benzoeharz und Borax und kostet sechs Mal mehr, als es werth ist. – 29) Vetorinischer Balsam von Mizerski, unfehlbar gegen alle Hautkrankheiten, ist ein Gemisch aus Arnicatinctur mit starkem Weingeist und einer Menge flüchtiger Oele, nebst etwas Tolubalsam und Elemiharz. Preis 1 Thlr., Werth 6 Sgr. – 30) Dr. Kimball’s amerikanisches patentirtes Sommersprossenwasser ist eine völlig nutz- und werthlose Flüssigkeit (Auflösung von essigsaurem Kali in Wasser und etwas Spiritus mit Rosenöl); es kostet 10 Sgr. das Fläschchen mit 3 Loth.

Ausführlicheres über Geheimmittel findet man in „Dr. Wittstein’s Taschenbuch der Geheimmittellehre“ und in den „Industrie-Blättern“ von den DD. Hager und Jacobsen.

Die wunderthätige Homöopathie heilt natürlich alle Schönheitsfehler und Leiden der Haut mit innern Nichtsen, und dabei hat man bei demselben Uebel stets die Auswahl zwischen einer recht netten Anzahl von Mitteln. So können z. B. Sommersprossen nach Lutze ebenso durch Kalkerde, Kali, Bärlapp, wie durch kohlensaures Natron und Phosphor vertrieben werden. Leberflecken heilt nach Müller in den meisten Fällen die Sepia (Tintenfisch), und Sommersprossen sind bei übermäßigem Auftreten durch den innern Gebrauch von Bärlapp oder Nießwurz zu verjagen. Dagegen empfiehlt Hirschel zum innern Gebrauch bei Leberflecken Bärlapp, Salpetersäure, Tintenfisch und Schwefel, bei Sommersprossen außer den eben genannten Mitteln auch noch Graphit, Phosphor und Nießwurz. – Bei Mitessern hilft nach Goullon Schwefel abwechselnd mit Kieselerde. Nun, schlechte Haut was willst du noch mehr?

Von sympathetischen Curen läßt sich natürlich ebensoviel wie von den homöopathischen erwarten. – Finnen bestreiche man mit Blut von einer weißen Henne und lasse es trocknen; bei Hühneraugen und Leichdornen nehme man eine schwarze Waldschnecke, am besten bei abnehmendem Monde, lege sie so lange darauf, bis sie todt ist, und vergrabe sie dann; auch soll das Auflegen eines gespaltenen Herings und vom Gehirn eines schwarzen Raben gut sein. – Bei Sommersprossen wasche Dich bei abnehmendem Monde mit Thau, ohne jedoch ein Wort dabei zu sprechen, oder bestreiche sie mit Froschlaich und schwarzen Waldschnecken. Auch vergehen sie, wenn man am Charsamstage, sobald man die Glocken zum ersten Male ertönen hört, zum Wasser eilt und das Gesicht wäscht. Oder: wenn man am Palmsonntage über das Gesicht mit einem ganz jungen, eben ausgekrochenen Täubchen streicht. Oder: gehe im Mai heimlich in einen Birkenwald, bohre in eine Birke ein Loch und wasche Dich mit dem ausfließendem Safte, aber sprich ja nicht dabei. Oder: man wasche sich mit der Milch einer Stute, die zum ersten Male geboren hat, aber bevor sie noch das Füllen gesäugt hat; auch kann man sich mit dem Blute der Schwalbe waschen, die man im Frühjahr zuerst sieht. Ein sehr gutes Mittel gegen Sommersprossen soll auch sein, wenn man dieselben mit kleingestoßenen Krebseiern beschmiert und, wenn sie trocken geworden, mit Schweinsmilch abwäscht. – Bei Flechten reibe man Freitags die kranke Stelle mit Asche und sage: „Die Flugasche und die Flechte die flogen wohl übers Meer, die Flugasche kam wieder, die Flechte nimmermehr.“ – Bei Warzen und Geschwülsten in der Haut ziehe man die linke Hand eines verstorbenen Familiengliedes darüber hin. Oder: man zählt die Warzen stillschweigend mit dem Zeigefinger und sieht dabei in den Vollmond; oder: man beschmiert die Warzen bei abnehmendem Monde mit frischem ungesalzenem rohem Speck und vergräbt diesen unter eine Dachtraufe. Man werfe so viel Erbsen in den glühenden Backofen, als man Warzen hat, springe aber sogleich weg, damit man nicht prasseln hört, sonst werden sie ärger. Man lasse sich die Warzen von einem Andern zählen, dann bekommt sie dieser. Man mache so viel Knoten an einen Faden, als man Warzen hat, und lege diesen Faden vor Sonnenaufgang in einen Brunnen; wer zuerst plumpt, bekommt die Warzen. – Muttermäler lassen sich durch öfteres Bestreichen mit der Hand eines im Sarge liegenden Kindes oder dadurch vertreiben, daß man ein Stückchen rohes Rindfleisch nimmt, dieses einer frischen Leiche unter die rechte Achselgrube legt, dort vierundzwanzig Stunden liegen läßt, dann einige Stunden auf das Mal bindet und schließlich vergräbt. – Gegen Frostschäden hilft, wenn man bei abnehmendem Monde einen Hering spaltet und auflegt, oder wenn man Gehirn von schwarzen Raben oder Krähen auflegt.

Bock.