Topographia Hassiae: Butzbach

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aus Topographia Hassiae, Text von Martin Zeiller, Illustrationen von Matthäus Merian
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Butzbach.


Ist ein feine Statt in der Wetteraw / sampt einem ansehnlichen Schloß vnd Lustgarten (von Landgraff Philipsen auffs stattlichst meistens erbawet:) Ligt ein Meyl von Friedberg / vnd 2. Meylen von Giessen. Das Gebürg daran wird mit einem gemeinen Namen die Höhe genandt / so sich beym Closter Lorch am Rhein anhebt / das Rhingaw von Catzenelenbogen scheidet / vnd sich von dannen gen Wißbaden / Epstein / Königstein / Cronberg / Homburg / Friedberg vnd Butzbach ziehet. Naher der Statt / an der Landstrassen nacher Giessen / ist ein Ort die Hennenburg genand / da sich funden haben alt Gemäwer vnd Müntze. Man vermeynet / die Hunnen / so sampt ihrem Obristen Attila schier gantz Europam veröset / hätten allhier einen festen Orth erbawet. Vnnd solten auch die Bucinabantes, deren Marcellinus lib. 29. gedencket / allhier gewesen seyn / die Statt erbawet / vnnd die Gegend bewohnet haben; Daher vermeynet Jacobus Schopper in der Chorographi lib. 1. cap. 10. habe Butzbach den Namen. Etliche sagen / es seye so viel als Pfützbach / weil es in einem Grund / so sumpficht / lige; Gleich wie Pariß / den Lateinern Lutetiae, a luto genendt. Im Jahr 1478. hat Landgraff Henrich ein vierdten Theil an Butzbach vberkommen vnd ererbet von seinem Schweher Graff Philipsen von Catzenelenbogen / welcher dasselbe beneben Ostheim / Hohenweissel / Langenhein / Münster / Fawrbach / Borckhofen / von Epstein erkaufft Diese Statt ist lange Zeit [29] Drey Herrisch gewesen / als Hessisch / Königsteinisch vnd Solmisch. Die Inspection der Kirchen vnnd Administration deß Kugelhauses vnd desselbigen Güter seynd gemein gewesen / die Collatur aber der Geistlichen Lehen hat den Königsteinischen allein zugestanden. Das Königsteinische Theil hat im Jahr 1595. Chur-Mäyntz / Herren LandtGraff Ludwigen erblich verkaufft vnnd ewiglich vbergeben / wie auch die Collatur der Geistlichen Lehen / vnnd derselben anhangende Rechten / vnnd Gerechtigkeiten. Das Solms Braunfelsische Theil haben im Jahr 1623. die Käys. Mayest. Ihr. Fürstl. Gnad. Herrn Landgraff Ludwigen zu Hessen concedirt vnd vberlassen / sampt vier Dorffschafften / als Herr Graff Johann Albert / Groß-Hoffmeister zu Heydelberg / dessen verlustigt worden. Im Jahr 1483. hat Bischoff Herman zu Cölln in Vormundschafft LandGraff Wilhelms die Huldigung allhier eingenommen. Die Kirch zu S. Marx genannt / ist mit dreyen weiten Choren stattlich erbawet / hat ein wohllautendes Geleut / vnd ist die gröste Glock Anno 1453. gegossen / mit dreyen Bildern / Christi, S. Marci, S. Petri, vnnd nachfolgenden dreyen Inschrifften gezieret.

Sit aura pia, dum rogat ista Maria.
Est sua vox Bambam, potens repellere Satan.
Tonitruum rumpo, mortuum defleo, sacrilegum voco.

Im Jahr 1491. haben die Bürger drey Glocken zum Hermanstein nach damahliger Superstition tauffen lassen. Im Jahr 1502. ist vom Raht verdingt worden / das Bild vnd Palmesel / so noch zu sehen / in der Kirchen zu machen. Vnnd anno 1510. hat Paulus Huther / Weyhbischoff von Erfort / S. Annen Chor geweyhet vnd gefirmet. Im Jahr 1501. hat Raymundus Cardinal von Mäyntz deß Papsts Alexandri VI. Legat, selber Meß gesungen / vnnd sind Ihm im Königsteinischen Hauß / da er gelegen / vom Rath sechszehen Fläschen Weins praesentirt worden / diß Hauß ist fundirt worden Anno 1468. von Ottone, Graffen zu Solms / wie auch den Herren von Epstein / vnd eben selbigen Jahrs von Paulo II. Papst zu Rom / confirmirt worden. Darinnen ist zusehen ein feine alte Bibliothec, vnd allerhand geschriebene Bücher / sonderlich mit Gabrielis Biel, so Praepositus allhier ein Zeitlang gewesen / eygener Hand geschrieben. Von den Kugelhausischen Gefällen werden Pfarrherr vnnd Schuldiener erhalten. Im Jahr 1603. auff Johannis Baptistae vmb 12. Vhr zu Mittag ist der grosse Brand zu Butzbach gewesen / so innerhalb wenig Stunden in die hundert Bäw in die Aschen gelegt / dardurch auch das Königsteinische Schloß an der Statt-Mawer gegen dem Landgräffischen angezündet vnd verbrunnen; vnd ist durch Fahrlässigkeit eines Fuhrmans / welcher alsobald das Thor troffen / angangen. Im Jahr 1606. auff Gertrudis ist ein grosser schrecklicher Wind gewesen / so an Gebäwen grossen Schaden gethan / auch das hohe spitzige Tach auffm Kirchthurn auffgehoben vnnd hernieder geworffen / da es dann hernach auff die schöne Form / wie jetzo vor Augen / wider gebawet worden. Im Jahr 1643. im Majo starb seeliglich Herr Landgraff Philipps durch ein vnversehenes Accident, als Seine Fürstlich. Gnad. ein Schwitzbad gebraucht / vnnd die Flamme deß darzu gebrauchten vnd angezündeten Brandenweins dieselbe ergriffen vnd höchlich verletzt hat / welcher löbliche Fürst die Statt in groß Auffnehmen gebracht / das alte Schloß reparirt / vnd eines von Grund auff dabeneben mit einer schönen Hoff-Capellen vnd dabey mit einem vberauß wolgebutztem vnd fast vnvergleichlichem Lustgarten von allerley Mathematischen Inventionen vnd Figuren / erbawet / deßgleichen in der Wetteraw nicht ist. Im Jahr 1645. den 27. Octobr. haben die Nider-Hessen vnder dem General Major Geiß diese Statt / so seythero deß langwürigen Kriegswesens verschonet blieben / gewalthätig angefallen / petardirt, vnd eingenommen; Darauff dieselbe bald im folgenden 1646. Jahr den 19. Aprilis, so war der Sontag Jubilate; von ihrer Fürstl. Gn. Herrn LandGraff Georgen zu Hessen / etc. durch Seiner Fürstlich. Gnad. GeneralLieutenanten Ernst Albrechten von Eberstein mit etlichen Regimentern zu Roß vnnd Fuß angegriffen / mit groben auß dero Vestung Giessen geführten Stücken canonirt, Breche geschossen / gestürmbt / vnd die darin gelegene Besatzung sich zu ergeben genöthiget / vnd [30] also solcher Platz innerhalb wenig Stunden widerumb glücklich (gestalt vber drey Mann nich todt blieben) erobert / vnnd die außgezogene Besatzung gen Kirchhain von den Hessen Darmstatischen Völckern convoyrt worden.

Deß Jahs 1648. ist / bey den General-Friedens Tractaten / geschlossen worden / daß Herrn Johann Albrechten / Graffen zu Solms / der vierdte theil dieser Statt Butzbach (der vorher im Jahr 1623. vom Keyser Ferdinanden dem Andern / Herren LandGraff Ludwigen zu Hessen / vberlassen worden /) sampt vier angräntzenden Dorffschafften / eingeraumbt werden solle.

Vmb diese Statt ist ein sehr fruchtbares Ackerfeldt / hat auch etwas Weinwachs; Ein halbe Meyl wegs hiervon bey dem Dorff Münster ist zu sehen das Schloß Philipps Eck / so Ihr Fürstl. Gn. Herr Landgraff Philipps auffs zierlichst gantz new erbawet: Zuvor haben auch Seine Fürstl. Gnad. in dem Gebirg ein Bergwerck anrichten / vnd newe Weinberg pflantzen lassen. Das Bergwerck ist in Abgang gerathen.

Was aber Seiner Fürstlichen Gnad. hochseeligen angedenckens / rare / vnd kostbare Instrumenta Mathematica anbelangt / seyn solche / von derselben / noch bey dero Lebzeiten / der Vniversität Marpurg verehret worden; so aber / bey nächster ihrer Versetzung / von dannen / auff Giessen kommen seyn.

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